Task Force Shield im Visier

Zur Bewachung von Ölindustrie und elektronischer Infrastruktur sollten die Firmen Asars und Erinys in Zusammenarbeit mit US- Kräften eine irakische Sicherheitstruppe trainieren und ausstatten. Dieses Vorzeigeprojekt unter dem Namen „Task Force Shield“, das eine zentrale Bedeutung für die gesamte Ökonomie des Iraks hatte, wurde im April 2005 eingestellt – mit mangelhaften Ergebnissen. Zwar ist eine Untersuchung wegen Betrugs im Gange, doch kann kaum noch nachvollzogen werden, wohin die zur Verfügung gestellten Gelder letztendlich versickerten, da zahlreiche Dokumente verschwunden sind.


„Schwerwiegende Bedenken“

Zwei einschlägig bekannte Firmen wurden engagiert, tausende Iraker angeworben, 147 Millionen Dollar ausgegeben. Task Force Shield hätte ein zukunftsweisendes Projekt im Rahmen der kontinuierlich zunehmenden Privatisierung militärischer und sicherheitstechnischer Gewalt werden können. Nun übt ein Bericht des US- Sonderbeauftragten für den Wiederaufbau des Irak scharfe Kritik an dem Vorhaben, das sich der Untersuchung zufolge „letztendlich als erfolglos erwies.“
Ein „verwirrendes Management“ wird ebenso angeklagt wie die „inkonsequente Überwachung“; und das Fehlen von Aufzeichnungen würde „schwerwiegende Bedenken“ über mögliche Fälle von „Betrug, Verschwendung und Missbrauch“ im Rahmen des Task Force Shield- Programmes entstehen lassen. Auch die US- Armee blockierte dem Bericht zufolge die Versuche des Sonderbeauftragten, an Informationen zu gelangen. Ein nicht namentlich genannter Offizier, der in der Leitung der Task Force aktiv war, zerstörte angeblich mehrere Dokumente.

Erinys

Während militärische Kommandeure sowie Vertreter von Asars nicht zu Kommentaren bewegt werden konnten, gab der Geschäftsführer von Erinys, der den Irak nach der Operation Iraqi Freedom als „außergewöhnliches Umfeld für Geschäfte“ bezeichnet hatte, bereitwillig Auskunft. Jonny Garratt verteidigte die Arbeit seiner Sicherheitsfirma und nannte die Ergebnisse eine „außergewöhnliche Leistung, die unter noch nie gesehenen Umständen erbracht wurde“.
Auch wenn diese Aussage kaum zu widerlegen ist, sprechen zahlreiche Gründe gegen eine derartige Interpretation. So waren etwa schon 2005 über 6.000 Waffen nicht mehr auffindbar, während Fahrzeuge und Computer angeblich erst nach der Übergabe an die Iraker gestohlen wurden, ebenso wie Dokumente über Materialbestände und Vertragsbestimmungen. Dem Bericht zufolge wurden insgesamt etwa 3.000 Sicherheitskräfte zu wenig ausgebildet. Garrat behauptet wiederum, er hätte 1.600 Wächter mehr als veranschlagt trainiert, Probleme und Rückschläge werden allgemein den chaotischen und wechselhaften Regierungsanweisungen zugeschrieben. Erinys bleibt auf Grund anderer Verträge im Irak tätig, ist jedoch nicht mehr für die Sicherheit der Ölfelder verantwortlich.

Asars

Der Firma Asars wiederum wurden 42,8 Millionen Dollar gezahlt, um 6.000 Wächter für den Schutz der elektronischen Infrastruktur auszubilden. Die Untersuchung des Sonderbeauftragten für Wiederaufbau bemerkt, dass nicht festgestellt werden kann, ob die gesetzten Ziele erreicht wurden, da das Programm „kaum begonnen hatte, bevor es eingestellt wurde.“ Allem Anschein nach ging es jedoch bereits beim Bau der Unterrichtsräumlichkeiten nicht mit rechten Dingen zu. So wurde etwa an Stelle eines Hörsaals, der auf dem Gelände der Taji- Militärbasis in der Nähe von Bagdad entstehen sollte, für 1,4 Millionen Dollar ein Pavillon errichtet, das dem Bericht zufolge nicht mehr als 100.000 Dollar hätte kosten sollen.
Die anhaltenden Anschläge auf Pipelines und Einrichtungen der Energieverteilung kosten das irakische Volk etwa 8 Millionen Dollar täglich, und sorgen dafür, dass die Bevölkerung weiterhin schlechter als noch vor Kriegsbeginn mit Strom versorgt ist.

Der Demokrat Henry Waxman bemerkte, dass die US- Regierung „unfähig“ erscheint, „die Interessen von amerikanischen Steuerzahlern oder irakischen Bürgern zu schützen.“ Sonderbeauftragter Stuart Brown Jr. zeichnete jedoch in einem auf den krtitischen Bericht folgenden Interview ein positiveres Bild und führte die Probleme auf Fehler einer „früheren Ära“ zurück: „Das Management des Wiederaufbaus im Irak ist heute viel besser als es 2003 oder 2004 war.“ Die Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Einführende Artikel und weitere Links zur Arbeit der privaten Sicherheitsfirmen im Irak:

Krieger gegen Bezahlung (Extern, 2004)
Private contractors were implicated in the abuse scandal and some reports even suggest they supervised interrogations (Extern, 2004)
Irak – Nachkriegsordnung: Schwerpunkt Polizeiapparat (Ask1, 2003)
Irak – Quo vadis? Vom Regen in die Traufe? (Ask1, 2005)

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