Mit wehenden Fahnen dem Klimakollaps entgegen

Weltweit nehmen die Klimaextreme zu: Wirbelstürme, Hochwasser und lange Dürrezeiten werden immer häufiger. Laut NASA ist 2005 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnung von Klimadaten gewesen.
Der Hurrikan „Katrina“, der u.a. über den Süden der USA hinweggefegt ist und dort schwere Verwüstungen hinterlassen hat, zeigt an, das es in Zukunft nicht nur die sog. „dritte Welt“ treffen wird, sondern letztendlich zu seinen Verursachern zurückkehrt. Kein Trost für beispielsweise Afrika, wo schon heute die Hitze nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich 150 000 Afrikaner das Leben kostet. Damit zahlt Afrika die Zeche für das Luxusleben der Industrienationen. Während in den Industrieländern weiterhin auf Wachstum gesetzt wird, Ressourcen für kurzlebige (Wegwerf)Artikel und einen längst überholten, weil ökologisch nicht haltbaren Lebensstil verbraten werden, kollabiert zusehends der von der „Krone der Schöpfung“ überheblicherweise aussen vor gelassene Rest eben dieser. In seinem anthropozentrischen Weltbild, abgesegnet durch seine Götter und seine „heiligen“ Bücher die er sich dafür geschaffen hat, lebt der Mensch in einem Wahn, der jetzt, mit der Jagd nach den letzten Ressourcen, an seine Grenzen stößt. Interessant ist die Suche nach den Ursachen des lebensfeindlichen Verhaltens einer angeblich intelligenten Spezies, die nicht nur anderen, sondern letztendlich dadurch sich selber das Wasser abgräbt. Anton Andreas Guha hat es in seinem 1993 in Form eines mahnenden Tagebuchs erschienenen, sehr lesenswerten Romans „Der Planet schlägt zurück“ meiner Meinung nach treffend auf den Punkt gebracht:

150 Jahre lang war es eine Tragödie: Der Mensch konnte die Folgen seines Tuns nicht erkennen. Es war leichter, Fabriken und Maschinen zu bauen, als die vernetzte Komplexität der Natur zu begreifen. Aber seit 50 Jahren ist aus der Tragödie eine Narrenposse geworden. Jetzt wissen wir, daß wir auf den Abgrund zulaufen. Doch wir laufen weiter und nennen diese Mechanik Fortschritt. Was in einer Milliarde Jahren entstanden ist, wird in 200 Jahren zerstört. Eine grandiose Leistung auch dies! Nur – die Biosphäre wird sich regenerieren, aber ohne uns. Das ist ihre Voraussetzung.

Die Menschheit, der Mensch? Es war der Mann, der das ökologische Desaster geschaffen hat. Die Frau fehlte ja bei der Gestaltung der Welt. Die Industriezivilisation ist die technische Realisierung des Patriarchats. Eine entsinnlichte Raubzivilisation, die alle männlichen Tugenden widerspiegelt: Wagemut, Unternehmergeist, Rationalität, Logik, Zupacken, Aggressivität, Einreißen, Zerstören, Stärke, Machtbewußtsein, eigene Schwäche und andere Schwache eliminieren, Ausbeutung, Hierarchie, Gehorsam, Befehl, Unterdrückung, Tapferkeit, Zähnezusammenbeißen, Gefühle verachtend, Kampf, Ausschalten, Töten.

Das phylogenetische Erbe des Mannes, das durch die Sozialisation nicht gemildert werden konnte! Die Selbsttäuschung der sozialen Utopie. Die zweite Menschwerdung der Ontogenese ist gescheitert. Der banale Irrtum Sigmund Freuds: Es liegt kein Vatermord vor, der die Söhne schuldbewußt hätte aufs Knie sinken lassen, um den Erschlagenen in den Rang eines Gottes zu erheben. Kein Ödipuskomplex, es verhielt sich umgekehrt: Der Mann hat die Mutter ermordet! Als er vor 10.000 Jahren seinen Zeugungsbeitrag entdeckte, hat er die Mutter, das mütterliche Prinzip entmachtet, vor deren ungeheuren, autonomen Kreativität er jahrmillionen-lang sich demütig staunend gebeugt hatte. Die Erkenntnis muß ein Triumph des männlichen Narzißmus gewesen sein:

Die Frau und Mutter bringt das Leben nicht selbst und eigenständig aus sich hervor, sondern nur dank des männlichen Samens, den sie zuvor empfangen haben mußte. Der Sexualakt, bis dahin ein zweckfreier Akt der puren, sinnlich-sinnlosen Lust, wurde dem planenden Gestaltungswillen des Mannes unterworfen. Er entschied, ob und wann Nachwuchs gezeugt werden sollte – auch gegen den Willen der Frau. Ist es ein Zufall, daß diese triumphale Entdeckung zusammenfällt mit der Seßhaftwerdung, mit Ackerbau und Viehzucht, mit dem eigentlichen Beginn der Kulturentwicklung? Der Mann war fortan die Krone der Schöpfung, die Frau nur Gefährtin, Geführte, Anhängsel, Besitz, Mittel zum Zweck. Mater, das Material. Die Sprache hat es konserviert.

Die Entmachtung und psychische Tötung der Frau und Mutter wurde in männlichem Analogieschluß auf die Natur übertragen: Die Mutter Natur war nur Dienerin, Gebärerin, willenlos Ausführende eines starken Willens. Ihre Besamer waren potente Götter-Männer und Gottväter. Das Patriarchat schuf sich seine Kosmogonie nach der vermeintlichen Potenz des Mannes.

Die Entmachtung und Tötung der Mutter wurde die innere Triebkraft des Kulturprozesses. Die Mutter Natur, Gaia, sank zur Hure des Mannes herab, wurde ausbeutbares Objekt, Ressource. Nun zeichnet sich der epochale Sieg des Mannes über die Mutter ab: Gaia liegt im Sterben. Aber sie wird nicht sterben. Wir haben uns überschätzt.

Das wir uns überschätzt haben sickert erst so langsam ins Bewusstsein und braucht wohl noch etliche Katastrophen, bis es dort auch ankommt. Trotz Hitzerekorde, Dürre, abschmelzenden Eisdecken wird Ökologie in eine Reihe mit Hitlers Rassenwahn gestellt, die sich angeblich dem Fortschritt in den Weg stellt .

Man hält in unserer Kultur kaum etwas von kollektiver und globaler Verantwortung, stattdessen wird ein „jeder kämpft für sich“ propagiert- bis zum bitteren Ende.

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