Hintergründe zum geplanten Angriff auf den Iran

Der Countdown zu einem Krieg mit dem Iran ist offenbar eingeläutet. Für US-Außenministerin Condoleeza Rice sei der Dialog zwischen Iran und der internationalen Gemeinschaft am „toten Punkt“ angelangt, man solle die Diplomatie stoppen und der UN-Sicherheitsrat müsse nun Maßnahmen ergreifen. Das Strickmuster ist das gleiche wie beim Angriffskrieg auf den Irak: Durch nichts bewiesene Unterstellungen. Dort angebliche MVW, hier desgleichen in Form angeblicher Nuklearwaffen, an deren Herstellung der Iran angeblich arbeitet, während deren Einsatz von Teilen der westlichen „Wertegemeinschaft“ (USA,Israel, Frankreich) groteskerweise ganz offen und unverhohlen angedroht wird. Der Iran begründet sein Atomprogramm mit dem wachsenden Strombedarf:

Zwar schwimmt das Land in Öl und Gas, aber das Argument ist nicht ganz falsch: 40 Prozent seiner ganzen Ölförderung verbraucht Iran selbst. Klüger scheint es, das immer wertvollere Öl für gute Devisen zu exportieren und den wachsenden Strombedarf aus anderen Quellen zu decken: etwa aus Atom.

Wenn Iran auf Anreicherung im eigenen Land besteht, dann steht dahinter der Wunsch nach Autarkie: ohne Anreicherung keine Brennstäbe. Und ohne Brennstäbe nutzt das schönste Kraftwerk nichts. Der Kompromissvorschlag des Westens zu einer gemeinsamen Anreicherung in Russland würde Iran in gänzliche Abhängigkeit zu Moskau bringen. Kein Land möchte sich in so existenziellen Fragen so abhängig machen.

Praktisch völlig übersehen wird im Westen, dass Anreicherung absolut legal ist. Kein Vertrag, kein Völkerrecht verbietet das. Im Gegenteil: Der Westen ist eigentlich verpflichtet, Iran dabei sogar zu helfen. So sieht es der Atomwaffensperrvertrag vor. Solange ein Land auf die Bombe verzichtet, hat es Anspruch auf technische Hilfe der Atommächte.

Nun ist es nicht nur so, das der Iran so „ganz nebenbei“ riesige Vorkommen an Gas- und Erdölvorkommen hat- die der weltgrößte Energiefresser USA dringend benötigt, um seinem „american way of life“ noch etwas länger zu frönen- er will, was für die USA samt ihrem künstlich aufgeblähten Papiergeld existenzbedrohend ist, im März seine seit dem Jahr 2000 geplante Ölbörse eröffnen, die in Euro abrechnen soll- was die US-Währung gehörig unter Druck bringen wird. Bis jetzt wird auf den Ölbörsen in London und New York Öl nur in Dollar gehandelt, durch eine Abrechnung auf den Euro möchte man andere Käufer als ausgerechnet die USA an sich binden. Für die Europäer würden durch die Euro-Bindung Transaktionskosten wegfallen, aber auch Indien und China sind interessante Abnehmer für den Iran, insbesondere auf der Grundlage, dass der Iran mit diesen Partnern vor allem auf Gegengeschäfte (etwa bei der Infrastruktur) setzt.

Schon der irakische Diktator Saddam Hussein hatte geplant Iraks Ölgeschäfte über den Euro abzuwickeln:

Der Mann, der tatsächlich Euro für sein Öl verlangte, war Saddam Hussein im Jahr 2000. Zunächst wurde seine Forderung mit Spott und Hohn begegnet, später mit Gleichgültigkeit, aber als es klarer wurde, daß er es ernst meinte, wurde politischer Druck ausgeübt, damit er seine Meinung ändert. Als andere Länder, wie der Iran, die Bezahlung in anderen Währungen, insbesondere in Euro und Yen, verlangten, war die Gefahr für den Dollar offensichtlich und gegenwärtig und eine Strafaktion stand an. [George W.] Bushs Operation „Schock und Ehrfurcht“ [shock and awe] im Irak drehte sich nicht um Saddams nukleares Potential, nicht um die Verteidigung der Menschenrechte, nicht um die Verbreitung der Demokratie und auch nicht darum, die Ölfelder zu erobern; es ging allein darum, den Dollar zu verteidigen, sprich das amerikanische Imperium. Es sollte ein mahnendes Exempel statuiert werden, daß jeder, der andere Währungen als den US-Dollar akzeptieren wollte, auf die selbe Art bestraft würde.

Viele kritisierten Bush für seinen Angriff auf den Irak, weil sie glaubten, daß es Bush um die Eroberung der irakischen Ölfelder ging. Allerdings können diese Kritiker nicht erklären, warum Bush es überhaupt nötig hätte, diese Ölfelder zu erobern – er könnte ja einfach kostenfrei Dollar drucken und mit diesen soviel Öl kaufen, wie er benötig. Er muß daher andere Gründe für seine Invasion gehabt haben.

Die iranische Ölbörse – der Todesstoß für den US-Dollar? Und mit ihm des ebenso aufgeblasenen amerikanischen Imperiums:

Dies stellt eine viel größere Bedrohung für die Hegemonie des Dollars dar als seinerzeit Saddam, weil es jedermann ermöglicht, Öl für Euro zu kaufen und zu verkaufen und damit den US-Dollar völlig zu umgehen. Es ist wahrscheinlich, daß fast jeder das Euro-Öl-System übernehmen wird:

– Die Europäer bräuchten keine Dollar mehr zu kaufen und zu halten, um Öl zu kaufen, sondern würden statt dessen mit ihrer eigenen Währung bezahlen. Die Einführung des Euro für Öltransaktionen ließe die europäische Währung den Status einer Reservewährung einnehmen, was den Europäern auf Kosten der Amerikaner zum Vorteil gereichen wird.

– Die Chinesen und Japaner werden mit besonderem Eifer die neue Börse annehmen, weil es ihnen erlaubt, ihre enormen Dollarreserven drastisch zu reduzieren und mit Euro zu diversifizieren, womit sie sich gegen die Abwertung des Dollars schützen können. Einen Teil ihrer Dollar werden sie auch in Zukunft halten wollen; einen zweiten Teil ihrer Dollarreserven werden sie vielleicht sofort auf den Markt werfen; einen dritten Teil werden sie für spätere Zahlungen verwenden, ohne diese Dollarbestände je wieder aufzufüllen, denn sie werden dafür ihre Eurobestände erhöhen.

– Die Russen haben ein inhärentes ökonomisches Interesse an der Einführung des Euro – der Großteil ihres Handels ist mit europäischen Ländern, mit ölexportierenden Ländern, mit China und mit Japan. Die Einführung des Euro würde mit sofortiger Wirkung den Handel mit den ersten beiden Blöcke abdecken, und im Laufe der Zeit den Handel mit China und Japan erleichtern. Darüber hinaus verabscheuen die Russen offensichtlich das weitere Halten von an Wert verlierenden Dollar, weil sie seit kurzem wieder auf Gold setzen. Die Russen haben außerdem wieder ihren Nationalismus belebt, und falls die Übernahme des Euros die Amerikaner umbringen kann, werden sie ihn mit Freude übernehmen und selbstgefällig den Amerikanern beim Sterben zu schauen.

– Die arabischen erdölexportierenden Länder werden den Euro begierig übernehmen, um auf diese Weise den Anteil ihrer steigenden Mengen an an Wert verlierenden Dollar zu senken. Wie die Russen handeln sie vornehmlich mit europäischen Ländern, weswegen sie die europäische Währung sowohl wegen ihrer Stabilität als auch als Schutz gegen Währungsrisiken präferieren, ganz zu schweigen von ihrem Jihad gegen den ungläubigen Feind.

Es ist also kein Wunder, das je näher der März rückt, umso lauter die Kriegstrommeln der USA und ihrer speichelleckenden Verbündeten zu hören sind.

Comments (4)

HoloJanuar 27th, 2006 at 03:44

Es sieht düster aus auf der Welt.
Zitat aus http://www.freitag.de/2006/04/06040701.php:
„Um diesen Auftrag abzusichern, entstand gleichzeitig eine nagelneue Befehlseinheit: die Joint Functional Component Command Space and Global Strike (JFCCSGS/Kommandostelle für die vereinigten Komponenten Weltraum und weltweiter Angriff). Auf einen Nenner gebracht, hat JFCCSGS die Aufgabe, die Auslösung eines nuklearen Angriffs im Sinne der erwähnten Nuclear Posture Review (NPR) zu überwachen, die einen präemptiven Einsatz nuklearer Gefechtsköpfe nicht nur gegen „Schurkenstaaten“, sondern notfalls auch gegen China und Russland vorsieht.“
Russland, China, arabische Staaten – alles schielt auf den Euro. Und genau das kann der Amerikaner nicht zulassen. Im Vorfeld werden dessen „Mini-Nukes“ als „Instrumente des Friedens“ propagiert. Von chirurgischen Schlägen ist die Rede. Chirurgisch? Wenn diese Mini-Nukes eine 6-fache Sprengkraft des legendären „Fat Boy“ besitzen, entspricht dieses der Sprengkraft von ca. 12 500 000 kg TNT! Für mich ist jetzt klar: Dieses Amerika ist nicht nur peinlich – es ist pervers. Diese Dreistigkeit, eine Mini-Nuke mit einer geschätzten Sprengkraft von 75 000 000 kg TNT in einem Atemzug mit chirurgischen Schlägen zu nennen. Als „Fat Man“ gezündet wurde, geschah das in einer Höhe von 560 Metern über Erdgleiche und vernichtete dabei 80% der Stadt.(Quelle: http://www.aktivepolitik.de/hiroshima.htm)
Aber der Ami ist ja human. Er zündet die Dinger ca. 10 m unter Erdgleiche und will damit eine chirurgische Wirkung erzielen? Wer´s glaubt…
Im Kampf gegen den Terrorismus wird es Zeit zum Umdenken auf der Welt, denn die Achse des Bösen verläuft offensichtlich auch durch Washington D.C., USA.

zombie23Januar 30th, 2006 at 11:17

Zu: Zitat: „Die Europäer bräuchten keine Dollar mehr zu kaufen und zu halten, um Öl zu kaufen, sondern würden statt dessen mit ihrer eigenen Währung bezahlen. Die Einführung des Euro für Öltransaktionen ließe die europäische Währung den Status einer Reservewährung einnehmen, was den Europäern auf Kosten der Amerikaner zum Vorteil gereichen wird.“

Was bringt es den Deutschen wenn der Euro steigt? Für Deutschland ist der Export sehr wichtig. Der Export würde zurück gehen wenn der Euro steigt. Der Dollar würde fallen und das würde sich doch positiv auf die Export der Amerikaner auswirken. Ausserdem haben die Amis doch ihre Saudi Freunde die doch sicher weiterhin mit dem Dollar handeln werden. Oder sehe ich das falsch. Mfg. zombie23

SilenCeFebruar 23rd, 2006 at 19:24

Hi ,

Ich finde die These in sich logisch und belegbar.
Was ich allerdings schade finde ist das ich vor 2 Wochen einen Thread zu genau diesem Thema eröffnet habe und dieser wieder geschlossen wurde da das Thema schon einmal behandelt wurde.

LG
S|lenCe

S|lenCeFebruar 25th, 2006 at 20:12

Hi ,

Ich finde die These in sich logisch und belegbar.
Was ich allerdings schade finde ist das ich vor 2 Wochen einen Thread zu
genau diesem Thema eröffnet habe und dieser wieder geschlossen wurde da das
Thema schon einmal behandelt wurde.

LG
S|lenCe

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