Die Datensammelwut und ihre Auswirkung auf den Konsumenten

Ein junges Paar hat sich kürzlich entschlossen, eine gemeinsame Wohnung zu beziehen.
Mit dem Zusammenzug stellen sich nun entsprechende Bedürfnisse zur Wohnungseinrichtung
ein. Das Paar bestellte nun beim Quelle-Versand diverse, grundlegende Einrichtungsgegenstände – unter anderem einen Kühlschrank, welche in die vierte Etage einer Mietwohnung im Gartenhaus ohne Aufzug geliefert werden sollte. Der Liefertermin wurde bestätigt, der junge Mann erwartete zum vereinbarten Termin die Bestellung. Doch die Bestellung wurde stillschweigend ignoriert. Dies stellte sich heraus, nach dem der junge Mann (2) durch das Verstreichen des Termins verwundert nach dem Verbleib der Ware fragte. Quelle gab ihm die Auskunft, dass diese seine Anschrift an einer Hauptverkehrsstraße in Berlin leider nicht beliefert werden könne. Verärgert nahm der junge Mann Kontakt mit einem weiteren Versandunternehmen auf.
Neckermann sollte das junge Paar mit der Lieferung entsprechender Waren zur Gründung eines Haushaltes beliefern. Doch auch Neckermann verweigerte die Bestellung mit der Begründung, dass diese Anschrift leider nicht beliefert werden kann. Kurioserweise bekam das Paar das Angebot, eine andere Anschrift als Lieferanschrift anzugeben.
Doch wer soll das alles in die Wohnung tragen? Das Paar ersparte sich aus Frust eine weitere Anfrage bei einem weiteren bekannten Versandhaus.

Doch wie kommt es, dass man als Kunde nicht beliefert wird, weil man die falsche Adresse hat?
Das Phänomen hört auf den Namen „Customer Relation Management“.

Das Prinzip sei hierfür am Beispiel des Karstadt/Quelle-Konzerns genannt:
Im Jahre 2002 wurde „Karstadt-Quelle Information Services“ aus dem Unternehmen ausgegliedert. Zwei Jahre später liefen dort Kundendaten aus gut 500 Fachgeschäften wie Warenhäusern zusammen. Zwar dürfen die Daten nicht beliebig zusammengeführt werden, doch werden Auswertungen an Kunden des Information Services weiterverkauft.

Zitat (1): „Weitergegeben werden dürfen nur: Name, Berufs- oder Branchenbezeichnung, Titel, akademische Grade, Anschrift, Geburtsjahr und – als entscheidender Punkt – ein weiteres Merkmal – eben die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe.“
So ist es demnach leicht möglich, auf einer sozio-demagogischen Basis Schlüsse zu ziehen und bereits im Vorfeld Kunden auszuschließen, dessen Alter oder Wohnanschrift in Verbindung mit dem weiteren erlaubten Kriterium – etwa der Zahlungsmoral – zuvor festgelegten Kriterien entsprechen.
Öffentlich zugängliche Daten – das Telefonbuch zum Beispiel – hilft als Sortierkriterim für die Verteilung von offensichtlich gut situierten Zielgruppen, die zum Beispiel anhand eingetragener akademischer Grade leicht zur sozio-demagogischen Aufteilung beitragen.

Rabatt- und Bonussysteme, wie „Happy Digits“, „Payback“, … erlauben ebenfalls das Erstellen von Kundenprofilen. Und so ergibt sich durch konzernübergreifende Rabattsysteme ein enormer Pool von Daten, der auch auf Umwegen folgendes Szenario ermöglichen würde:
Zitat (1):“…Das heißt die würden wahrscheinlich auch die Daten über den billigen Rindfleischkauf gar nicht der Versicherung weitergeben, sondern die würden der Versicherung anbieten, wir können ein Mailing machen mit Personen, die ein besonders geringes Gesundheitsrisiko haben, nach den Sachen, die sie einkaufen. Das heißt Leute, die dann viel Gemüse einkaufen und eben kein Rindfleisch gekauft haben, keine Chips, kein Bier, die kriegen dann ne günstige Versicherung angeboten. Das ist zukünftig denkbar.“

Vielleicht hat das junge Paar keine Kundenkarte, keinen negativen oder positiven Schufaeintrag und ist daher derart unbekannt, als dass die beiden ausschließlich anhand ihres Wohnortes ausgeschlossen werden. Doch ein Unternehmen muss seine Verweigerung nicht begründen – auch wenn es zunächst nach Schikane riecht.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich nicht noch mehr Unternehmen dieser Methoden bedienen, sonst müssen sich junge Menschen in weniger gut situierten Gegenden am Ende doch noch an die altbekannten Jaffa-Kisten gewöhnen, solange sie nicht in das Raster unserer Warendienstleister passen.

Quellen:
(1)Die Datenjäger – Der Konsument in der Rasterfahndung
(2)Name der Redaktion bekannt

Comments (1)

Rainer VölmleFebruar 26th, 2006 at 12:04

Tja dann sind wir ja von nachfolgendem nicht mehr weit entfernt: Wie bestellt der Deutsche eine Pizza?

Pizzamann: „Danke, dass Sie Pizza Hut angerufen haben. Darf ich Ihre Bestellung aufnehmen?“
Kunde: „Hi, ich möche etwas bestellen.“

P: „Kann ich bitte erst Ihre NIDN haben?“
K: „Meine Nationale ID Nummer, ja, warten Sie, die ist 6102049998-45-54610.“

P: „Vielen Dank, Herr Schwardt. Sie wohnen in der Rosenstr. 25 und Ihre Telefonnummer lautet 89 568 345. Ihre Firmennummer bei der Allianz ist 74 523 032 und Ihre Durchwahl ist -56. Von welchem Anschluss aus rufen Sie an?
K: „Hä? Ich bin zu Hause. Wo haben Sie alle diese Informationen her?“

P: „Wir sind an das System angeschlossen.“
K: (seufzt) „Oh, natürlich. Ich möchte zwei von Ihren SpezialPizzen mit besonders viel Fleisch bestellen.“

P: „Ich glaube nicht, dass das gut für Sie ist.“
K: „Wie bitte??!!“

P: „Laut Ihrer Krankenakte haben Sie einen zu hohen Blutdruck und extrem hohe Cholesterinwerte. Ihre Krankenkasse würde eine solch ungesunde Auswahl nicht gestatten.“
K: „Verdammt! Was empfehlen Sie denn?“

P: „Sie könnten unsere Soja-Joghurt-Pizza mit ganz wenig Fett probieren. Sie wird Ihnen bestimmt schmecken.“
K: „Wie kommen Sie darauf, dass ich das mögen könnte?“

P: „Nun, Sie haben letzte Woche das Buch ‚Sojarezepte für
Feinschmecker‘ aus der Bücherei ausgeliehen.“
K: „Ok, ok. Geben Sie mir zwei davon in Familiengröße.
Was kostet der Spaß?“

P: „Das sollte für Sie, Ihre Frau und Ihre vier Kinder reichen. Der Spaß, wie Sie es nennen, kostet 45 Euro.“
K: „Ich gebe Ihnen meine Kreditkartennummer.“

P: „Es tut mir leid, aber Sie werden bar zahlen müssen. Der
Kreditrahmen Ihrer Karte ist bereits überzogen.
K: „Ich laufe runter zum Geldautomaten und hole Bargeld, bevor Ihr Fahrer hier ist.

P: „Das wird wohl auch nichts. Ihr Girokonto ist auch
überzogen.“
K: „Egal. Schicken Sie einfach die Pizza los. Ich werde das
Geld da haben. Wie lange wird es dauern?“

P: „Wir hängen ein wenig hinterher. Es wird etwa 45 Minuten dauern. Wenn Sie es eilig haben, können Sie sie selbst abholen, wenn Sie das Geld besorgen, obwohl der Transport von Pizza auf dem Motorrad immer etwas schwierig ist.
K: „Woher wissen Sie, dass ich Motorrad fahre?“

P: „Hier steht, dass Sie mit den Ratenzahlungen für Ihren
Wagen im Rückstand sind und ihn zurückgeben mussten. Aber Ihre Harley ist bezahlt, also nehme ich an, dass Sie die benutzen.“
K: „@#%/$@&?#!“

P: „Achten Sie lieber darauf, was Sie sagen. Sie haben
sich bereits im Juli 2006 eine Verurteilung wegen
Beamtenbeleidigung eingefangen.“
K: (sprachlos)

P: „Möchten Sie noch etwas?“
K: „Nein, danke. Oh doch, bitte vergessen Sie nicht, die beiden kostenlosen Liter Cola einzupacken, die es laut Ihrer Werbung zu den Pizzen gibt.“

P: „Es tut mir leid, aber die Ausschlussklausel unserer
Werbung verbietet es uns, kostenlose Softdrinks an Diabetiker auszugeben.“

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