Am 30. April 2002, dem Vormittag der schriftlichen Abiturprüfungen, erschießt der 19-jährige Robert Steinhäuser in Erfurt 12 Lehrer, 2 Schüler und eine Sekretärin des Gutenberg-Gymnasiums, sowie einen Polizisten, bevor er sich selber hinrichtet.
Steinhäuser war seit dem 17.10.2000 Mitglied im Erfurter Schützenverein "
Domblick" und ein eher durchschnittlicher Schütze. Die Eltern waren gegen den Eintritt in den Schützenverein, stimmten aber aufgrund seiner baldigen Volljährigkeit letztlich zu.
Das psychologische Täterprofil beschreibt den Grundzug von Steinhäusers Psyche mit Verschlossenheit. Er sei introvertiert und in seinen Stimmungen stark schwankend und launisch gewesen. LKA-Profiler André Volk berichtete, dass "
innerhalb der Familie (Vater ist Ingenieur, die Mutter Krankenschwester)
ein relativ kaltes Klima herrschte". Steinhäuser sei mit dem Erfolgszwang seiner Eltern und dem "
Abi-Druck" nicht fertig geworden. Letztlich wurde er aufgrund eines gefälschten ärztlichen Attestes von der Schule verwiesen. Dieser Schulverweis, der im übrigen nicht in der Kompetenz der Schuldirektorin lag, war jedoch nicht, wie oft erwähnt, der alleinige Auslöser der Tat. Er kann bestenfalls als Teil vieler Faktoren gesehen werden, welche der Tat vorangingen.
Zusammenfassung der Ereignisse im Gutenberg-Gymnasium:
Gegen 10.45 Uhr trifft Steinhäuser am Gymnasium ein. Wie er das Gebäude betrat läßt sich nicht mehr feststellen. Auf dem Flur im Erdgeschoss fragt er den Hausmeister ca. 4 Meter von der Herrentoilette entfernt, auf der er sich danach umzieht, ob die Schuldirektorin im Haus sei.
In der Toilette hatte Steinhäuser seine Ausrüstung bereitgestellt. Er bewaffnete sich mit einer Glock 17 und 4 Magazinen (2 große 31 Schuß, 2 Kleine 17 Schuß), einer alufarbigen PA Flinte der Marke Mossberg 590 Mariner geladen mit 9 Schrotpatronen und weiteren 10 Schrotpatronen lose in der Hosentasche.
In Reserve ließ er auf der Toilette zurück: 142 Schrotpatronen, 338 Patronen 9mm Luger 2 weitere geladene Magazine (ein großes 31 Schuß, ein kleines 17er), eine Machete sowie ein Tauchermesser.
Wenige Minuten vor 11 Uhr wird er beim Verlassen der Herrentoilette gesehen. Er trägt jetzt eine Schwarze Vollmaske mit Augenschlitzen und eine Silberne PA Flinte quer über dem Rücken.
Er geht zügig über den Flur zum Sekretariat, klingelt und betritt den Raum. Dort tötet er als erstes die Stellvertretende Direktorin mit einem Kopfschuss und danach die Schulsekretärin mit 2 Schüssen, einer direkt ins Herz.
Steinhäuser verläßt das Sekretariat und steigt zügig über die Südtreppe zum ersten Obergeschoß.
Dort erschießt er einen Lehrer der grade den Vorbereitungsraum 102 aufschließen will, mit drei Schüssen in den Rücken.
Er geht weiter zum Raum 105, dessen Tür offen steht und erschießt den dort anwesenden Lehrer vor seiner Klasse mit zwei Schüssen in Brust und Bauch.
Beim Verlassen des Raumes sieht er einen Lehrer der aus Raum 101 kommt um nachzusehen was der Lärm soll. Steinhäuser schießt ca. vier mal auf den Lehrer und trifft ihn in Bauch, Schulter und Ellenbogen.
Zu diesem Zeitpunkt wird zum ersten mal die Polizei informiert. Ein Schüler aus der Klasse Raum 105 informiert um 11.04 Uhr mit seinem Handy die Polizei. Um 11.05 Uhr geht ein weiterer Notruf vom Hausmeister ein. Aufgrund des Lärms war er in den ersten Stock gegangen, hatte dort den toten Lehrer liegen sehen und war zurück zum Sekretariat gerannt, wo er die beiden toten Frauen sah und daraufhin den Notruf wählte.
Steinhäuser begab sich währenddessen über die Südtreppe in das 2. Obergeschoss. Dort tötet er eine Lehrerin mit 5 Schüssen auf dem Flur, geht in Raum 211 und tötet dort mit ebenfalls 5 Schüssen eine weitere Lehrerin. Ein weiterer Notruf geht nun von einem Schüler bei der Polizei ein, es ist 11.06 Uhr.
Robert Steinhäuser begibt sich nun ins 3. Obergeschoß. In Raum 307 schießt er aus 2 Meter Entfernung acht mal auf eine Lehrerin und trifft sie mit 6 Kugeln. In Durchgangszimmer 304/310 schießt er 4 mal auf eine Referendarin. Sie wird in Kopf, Brust und am Arm getroffen.
Eine weitere Lehrerin erschießt er, als er sie in der Tür zu Zimmer 303 stehen sieht, aus nächster nähe in den Kopf. Ein Lehrer kommt zwischen Schülern auf dem Flur auf ihn zu, Steinhäuser schießt insgesamt vier mal auf ihn.
Steinhäuser begibt sich nun wieder in das 2. Obergeschoß. An der Tür zu Raum 201 sieht er eine Lehrerin stehen und schießt sofort zwei mal auf sie. Getroffen läuft diese zur Durchgangstür zwischen den Räumen in Raum 202. Steinhäuser verfolgt sie und erschießt sie mit weiteren 3 Schüssen. Er geht weiter zu Zimmer 208, in den sich eine Lehrerin mit Schülern der Klasse 8c eingeschlossen hat. Nicht alle Schüler sind sich der Lage bewußt, einige beschweren sich und wollen den Raum verlassen.
Steinhäuser schießt 8 Mal von aussen durch dir geschlossene Tür in den Raum und trifft eine Schülerin die neben dem Lehrerpult stand und einen Schüler der unmittelbar hinter der Tür stand tödlich.
Robert Steinhäuser begibt sich nun über die Nordtreppe wieder ins 1. Obergeschoß. Dort gab er einen Schuß in Richtung Toilettentür ab, die Kugel durchschlug den Rucksack eines Schülers der vor dem Waschbecken stand.
Steinhäuser begibt sich über die Nordtreppe in das Erdgeschoß und weiter über den Nordausgang auf den Schulhof. Auf dem Hof bemüht sich eine Lehrerin die Schüler in Sicherheit zu bringen. Steinhäuser eröffnet sofort das Feuer auf sie. Die Lehrerin versucht auf den unmittelbar angrenzenden Lehrerparkplatz zwischen parkende Autos zu fliehen. Dort geht sie zwischen 2 Autos zu Boden. Ob sie in Deckung gehen wollte oder gefallen ist, läßt sich nicht mehr feststellen, jedenfalls rief sie von dort aus um Hilfe. Steinhäuser war ihr gefolgt und gab mehrere Schüsse aus nächster nähe auf die am Boden liegende Frau ab.
Währenddessen traf der erste Polizeiwagen ein. Steinhäuser bemerkt einen Beamten und schießt drei mal in Richtung des Beamten. Der Beamte erwiderte einen Schuß, verfehlte Steinhäuser aber.
Steinhäuser eilt nun über den Nordeingang ins Gebäude und begibt sich in das erste Obergeschoß. Die Beamten vermuten ihn immer noch auf dem Parkplatz.
Während der Beamte auf Steinhäuser schoß traf auch ein zweiter Polizeiwagen ein. Die Beamten eilten in Richtung ihres Kollegen. Ein Beamter war noch dabei seine Schußweste auf der linken Seite zu schließen. Steinhäuser schießt von den Fenstern oberhalb des Nordeinganges gezielt auf den Beamten und trifft ihn im Halsbereich. Als er zu Boden geht klappt die noch nicht geschlossene Weste wieder auf. Steinhäuser schießt weitere 3 mal auf den am Boden liegenden Beamten der von einem Brustdurchschuß getötet wird.
Einige Zeit später, gegen 11.10 Uhr, traf Steinhäuser vor Raum 111 auf den Lehrer Reiner Heise. Herr Heise war in das erste Obergeschoss geeilt um sich eventuell noch im Gebäude befindliche Schüler zu evakuieren. Beim verlassen des Raumes 111 sah er sich plötzlich und unerwartet dem nun mittlerweile erschöpften und unmaskierten Robert Steinhäuser gegenüber. In dieser Situation tat Lehrer Heise das einzig richtige, er bot Steinhäuser in respektvollem Ton ein Gespräch an und bat ihn mit ihm in Raum 111 zu gehen. Als Robert Steinhäuser sich vor ihm durch die Tür begab, nutzte Herr Heise die Gelegenheit und gab ihm einen kräftigen Schubs in den Raum, schloß die Tür und sperrte diese ab. Robert Steinhäuser beging kurze Zeit später Selbstmord.
In Zusammenhang mit dem Amoklauf in Erfurt steht auch eine massive Pressekritik.
Von nicht wenigen wird dieser Fall auch als ein Paradebeispiel dafür geshen, wie Medien sich mit zweifelhaften Informationen eigene Tatsachen schaffen und so mit aufgebauschten Berichten von verzerrten Fragmenten des Geschehens für Gerüchte und Märchen sorgen. Es wurden z.B. Aussagen von 11-jährigen Schülern, welche kurz zuvor noch mit ansehen mußten wie ein Lehrer vor ihnen brutal erschossen wurde behandelt wie die eines professionellen Kriegsberichterstatters oder Filmaufnahmen wurden im nachhinein mit Zeitangaben versehen.
So entstanden Gerüchte von einem Angeblich zweiten Täter während des Amoklaufes, Anschuldigungen gegen die Einsatzkräfte vor Ort und Anfeindungen gegenüber einem Lehrer.
Das Thema ist so umfangreich, das allein eine detaillierte Angabe der Geschehnisse während des Amoklaufes diesen Eintrag sprengen würde. Wir können Interessierten nur empfehlen den folgenden verlinkten Bericht der Kommission "
Gutenberg-Gymnasium" zu lesen, der letztlich alle verfügbaren Fakten detailliert ausführt und auch auf alle aufgekommenen Theorien ausführlich eingeht:
Bericht
der Kommission Gutenberg-Gymnasium
Dieser Bericht behandelt alle Facetten, von der Vorgeschichte der Ereignisse bis zur Mittäter-Theorie und den fahrlässigen Umständen, welche Steinhäuser den Besitz der von ihm genutzten Waffen ermöglichte. Auch belegt er, das es durchaus möglich wäre, das Steinhäuser Hilfe bei der Vorbereitung seiner Tat gehabt haben könnte.