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Sie handelten autonom - und doch konnte man sie einer Gruppe zuordnen. Sie handelten
im Geheimen - und doch wussten Regierungschefs vorab davon, handelten jedoch nicht
oder nur halbherzig. Wie sich später herausstellte, war der Geheimdienst
mindestens eines Landes mit involviert. Diese Tat sollte die Welt nach ihr verändern.
Nie wieder hatten es Attentäter so leicht - so leicht wie an jenem Tag in
Sarajewo, dem 28. Juni 1914. Es war oberflächlich gesehen nur ein Attentat;
es gab zwei Todesopfer; den Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie
Chotek.
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Erzherzog Franz Ferdinand
Sophie Chotek
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Dennoch führte die Tat eine Völkergemeinschaft beinahe zwangsweise
in den Krieg. Einen Krieg, an dem zuletzt insgesamt 36 Länder teilnahmen
- den Ersten Weltkrieg.
Niemand würde heute das Entstehen des Ersten Weltkrieges als eine Verschwörung
von 36 Ländern bezeichnen. Dennoch hatten sich lange vorher sämtliche
Kriegsparteien - gewollt oder nicht - in Stellung gebracht, Bündnisse geschmiedet,
aufgerüstet, Pläne für den eventuellen Kriegsfall entworfen usw.
Es bedurfte keiner großartigen Motivation für diesen Krieg - weder
bei den Regierenden noch bei den Massen: "Wir hatten die Schnauze so voll
von dieser ganzen Dekadenz, wir haben diesen Krieg regelrecht herbeigesehnt"
sagte später der für seine Kriegsbilder bekannte Maler Otto Dix. Er
war mit der Meinung nicht allein. Auch Leute wie z. B. Ernest Hemingway schrieben
später, mit welcher naiven Begeisterung sie sich freiwillig in den Krieg
begeben hätten.
Die Kriegslust in den Völkergemeinschaften Europas verschwand größtenteils
- erst recht nach dem Zweiten Weltkrieg. Dies mag vor allem daran gelegen haben,
weil - anders als in früheren Zeiten - die Zivilbevölkerung nicht mehr
ausgespart wurde und den Schrecken des Krieges direkt zu spüren bekam. Überhaupt
wurde mit dem Ende des zweiten Weltkrieges - speziell mit dem Abwurf der Atombombe
und dem späteren Rüstungswettlauf der beiden Supermächte - zumindest
der europäischen Bevölkerung langsam klar, dass der klassische Krieg
"Mann gegen Mann" und "Auge in Auge" auf dem Schlachtfeld
der Vergangenheit angehören würde. Der moderne Krieg war eine recht
anonyme Angelegenheit von Maschinen, die überall zu jeder Zeit ohne Vorwarnung
zuschlagen konnten. Dies führte letztendlich umgekehrt auch zu dem, das im
Allgemeinen als "Terror" verstanden wird - zur Anonymisierung und teilweisen
Maschinisierung des Partisanenkampfes. Bedenkt man, dass "Terror" für
gewisse Staatstheoretiker wie Thomas Hobbes eigentlich als eine notwendige Voraussetzung
des Staatswesens angesehen wurde, fragt man sich jedoch, wessen Kind der "Terrorismus"
und seine Förderung eigentlich ist.
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Aldo Moro
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Besonders deutlich wird dies bei den italienischen Roten Brigaden, die - neben
einigen anderen Terrorakten - insbesondere durch Mord am damaligen Premierminister
Aldo Moro bekannt wurden. Dies geschah sinnigerweise kurz vor den von ihm angestrebten
"Historischen Kompromiss" zwischen den italienischen Kommunisten und
der Democrazia Cristiana, welcher zum ersten Mal in der westlichen Welt eine kommunistische
Partei in die Regierungsverantwortung gebracht hätte. Theorien, die neben
dem italienischen Geheimdienst und italienischen Politikern u. a. auch den CIA
durch eine aktive Mitwirkung von William Colby in Verbindung mit dem Attentat
bringen, reißen seitdem nicht ab.
Dass es nicht völlig abwegig ist, dass fremde Regierungen oder Geheimdienste
Anschläge selbst durchführen, um sie "Terroristen" in die
Schuhe zu schieben, zeigte eine Anschlagsserie 1954 in Ägypten. Dort explodierten
in britischen und amerikanischen Einrichtungen in Alexandria und Kairo Bomben.
Wie sich später jedoch herausstellte, befand sich eine dieser selbstgebauten
(und noch nicht detonierten) Bomben bezeichnenderweise in der Tasche eines israelischen
Geheimagenten. Ziel dieser Aktion war es - wie sich später herausstellen
sollte - diese Anschlagsserie der ägyptischen Muslim-Bruderschaft in die
Schuhe zu schieben und damit Amerikaner und Briten vom damaligen Abzug vom für
Israel strategisch wichtigen Suezkanal abzubringen. Bekannt ist der Fall als Lavon-Affäre
- benannt nach dem damaligen Verteidigungsminister Israels, Pinhas Lavon, der
deswegen auch zurücktreten musste.
Wo sich die Muslim-Bruderschaft, die IRA oder die ETA politisch noch halbwegs
sinnvolle Ziele gesetzt haben mochten oder sich als militärischer Arm einer
politischen Bewegung verstanden, verflüchtigen sich - oberflächlich
betrachtet - selbige bei den Terrorpaten schlechthin: Osama Bin Laden und Al Qaida.
Als sich Bin Laden 1998 mit den Anschlägen in Kenia und Tansania zum ersten
Mal in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit bombte, da erschien er wie
eine Geheimdienst-Kreation; geschaffen, um für alle "den Bösen"
abzugeben und all die anderen Bösen und "Terroristen" unter sich
zu sammeln. Der Terror, von anderen als Mittel betrachtet, schien hier Selbstzweck
zu sein. Doch wer ist Osama bin Laden wirklich?
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Große Moschee in Mekka
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Eines war er auf alle Fälle nicht: Der einzige Terrorfinanzier der Familie.
Auch nicht der Erste. Diese Rolle gebührt immer noch seinem Bruder Mahrous.
Dieser finanzierte in den sechziger und siebziger Jahren eine saudische Rebellengruppe,
welche Dank seiner Hilfe Waffen - versteckt in LKWs der Bin-Laden-Familie - nach
Mekka schmuggeln konnte. Im November des Jahres 1979 besetzten dann knapp 500
Rebellen die Große Moschee in Mekka. Ihr Ziel war es angeblich, die saudische
Königs-Familie zu stürzen. Sämtliche Beteiligte dieser Aktion wurden
später enthauptet - mit Ausnahme Mahrous. Kurzzeitig in Haft, wurde er bald
freigelassen und schwor dem Rebellentum ab. Mittlerweile ist er ganz normal ins
Familiengeschäft integriert. Ebenso frei gelassen wurde der Schwager von
Osama Bin Laden, Mohammed Jamal Khalifa, der im Dezember 1994 in San Francisco
festgenommen wurde. Bekannt ist von ihm, dass er sowohl die philippinischen Abu
Sayyaf finanzierte wie auch eine Terrorgruppe in Jordanien, die dort eine Serie
von Anschlägen verübte. Khalifa war deswegen in Jordanien zum Tode verurteilt.
Bei seiner Festnahme fand man in seinem Gepäck u. a. Literatur über
Sprengstoffanschläge wie auch die Telefonnummern von Beteiligten der -
rechtzeitig vereitelten - Bojinka-Verschwörung. Dabei handelte es sich gewissermaßen
um eine Aktion, die später als beispielgebend für den 11. September
2001 betrachtet werden wird : Bei seinem Besuch auf den Philippinen sollte Papst
Johannes Paul II getötet werden; gleichzeitig sollten knapp 20 Flugzeuge,
die sich zu diesem Zeitraum über den Pazifik befanden, mittels Sprengstoff
vom Himmel geholt werden. Khalifa wurde später nach Saudi-Arabien ausgeflogen.
Laut Regierungsangaben sitzt er dort im Gefängnis, anderen Angaben nach ist
er jedoch auf freiem Fuß und betreibt dort ein Restaurant.
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Osama Bin Laden
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Unter den Mitgliedern und Bekannten von Bin Laden, die drei Tage nach den 11.
September 2001 trotz allgemeinen Flugverbots aus den USA ausgeflogen wurden, befanden
sich auch zwei Neffen von Osama Bin Laden, Abdullah bin Laden und Omar bin Laden.
Abdullah war der Direktor der World Assembly of Muslim Youth (WAMY), die von Staaten
wie Pakistan, Indien, den Philippinen und Bosnien der Finanzierung von Terrorgruppen
bezichtigt werden. Spätere Nachforschungen des FBI - der die beiden Neffen
wegen ähnlicher Delikte verfolgte - bestätigten dies. Vier der Entführer
- unter ihnen der Pilot Hani Hanjour, der die Pentagon-Maschine flog - lebten
nur ein paar Häuserblocks vom amerikanischen Büro des WAMY in Falls
Church im Bundesstaat Virginia entfernt. Weitere Ausgeflogene waren Khalil bin
Laden und Akberali Moawalla. Khalil wurde damals wegen angeblicher Finanzierung
von Terroristen von der brasilianischen Regierung gesucht. Akberali Moawalla -
im Grunde nicht einmal Mitglied der Familie, sondern nur ein Geschäftspartner
des ältesten Bin-Laden-Bruders Yeslam - führte zusammen mit Osama bin
Laden ein Schweizer Bankkonto, von welchem im Jahr 2000 knapp 241 Millionen Euro
nach Pakistan transferiert wurden.
Zurück jedoch zu Osama Bin Laden: Für saudische Verhältnisse wächst
er geradezu westlich auf. Ein in den 70ern aufgenommenes Familienfoto zeigt die
Familie - auch die Frauen - fast ausschließlich in westlicher Kleidung.
Seine Schulzeit verbringt er auf der Al-Thegr Schule in Jeddah, der saudischen
Eliteschule schlechthin. Sein dortiger Englischlehrer wird ihn später als
ruhig beschreiben, ihm "durchschnittliche Intelligenz und unterdurchschnittliche
Kreativität" und zudem "wenig inspirierend" bewerten.
Anfang der 80er Jahre begibt er sich - mehr oder weniger freiwillig - nach Afghanistan.
Richard Clarke (in Amerika ehrfürchtig "der Zar" der Terrorbekämpfung
genannt) vermutet, dass er für diesen Job vom Chef des saudischen Geheimdienstes,
Prinz Turki al-Faisal, persönlich ausgesucht wurde. Der pakistanische Geheimdienst
ISI wollte zur Demonstration der Verbundenheit der saudischen Monarchie mit den
afghanischen Mudschaheddin eigentlich ein Mitglied des Königshauses persönlich
im eigenen Kreis aufgenommen wissen. Es fand sich dort niemand: Doch da die Bin-Laden-Familie
mit ihren engen Bindungen zum Königshaus sich als quasi-adlig begreifen durfte,
war Osama Bin Laden gut genug für den ISI. Bin Ladens Rolle als Kämpfer
war deshalb von Anfang an zweitrangig; vielmehr durfte er sich als Vorzeige-Adliger
in Kampf gegen die Russen begreifen. Er tat dort - neben größtenteils
logistischer Hilfe - das, was er am liebsten tat: Beziehungen knüpfen. Zu
afghanischen Warlords wie z.B. Gulbuddin Hekmatyar, zum pakistanischen Geheimdienst
ISI; zu Leuten, die in ihren - vorwiegend arabischsprachigen Ländern - eher
als Unruhestifter betrachtet werden.
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Ayman Al-Zawahiri
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Leute wie Ayman Al-Zawahiri zum Beispiel, in Ägypten einst angeklagt im Zusammenhang
mit dem Mord an Präsident Sadat. Mit ihm und Abdullah Yusuf Azzam hat er
zum ersten Mal Berührung mit der Ideologie der Muslim-Bruderschaft. Diese
vertritt in groben Zügen die Idee eines panarabischen "Kalifat-Staates".
Was sich wie eine arabische Fassung der EU anhört, ist jedoch eher eine arabische
Variante der Kreuzzugs-Idee. Dass die arabische Welt - seit Saladins Eroberung
Jerusalems - im Verfall begriffen ist und die Araber von der westlichen Welt "gedemütigt"
werden, ist elementarer Bestandteil ihrer Ideologie; ebenso die Begründung,
dass dies im "Verfall des Glaubens" begründet sei und man "den
Glauben wieder stärken", u. a. die Scharia wieder eingeführt werden
müsse. Azzams Vision ist jedoch weit radikaler: In einer Fatwa predigt er
ganz offen die Ermordung von "Ungläubigen" als "persönliche
Pflicht eines jeden Muslim". Er hat durchaus prominente Unterstützer
wie den saudischen Großmufti (höchsten Religionsgelehrten) Abd al-Aziz
Bin Bazz. Auf Azzams Ideologie beruft sich später u. a. auch Abu Muzab Al-Sarkawi.
Zusammen mit Bin Laden formt Azzam in Peshawar die Maktab al-Khadamat (MAK), um
Rekruten aus der ganzen Welt für den Dschihad in Afghanistan anzuwerben und
auszubilden. Von den Amerikanern werden sie dabei bald direkt unterstützt:
1986 gibt CIA-Direktor William Casey grünes Licht für die "Operation
Cyclone", bei der Tausende von islamischen Militanten in Lagern in Pakistan
vom CIA, ISI, dem MI6 und der britischen Sondereingreiftruppe SAS ausgebildet
werden. Ein Teil ihrer Führer wird auch in Amerika ausgebildet, u. a. in
Fort Bragg, North Carolina.
Bin Laden arbeitet so gesehen mal direkt, mal indirekt auch mit dem CIA zusammen.
Ihn zum CIA-Mitarbeiter abzustempeln ist allerdings ungefähr so, als würde
man Bill Gates zum Mitarbeiter von Intel erklären. Der Afghanistan-Krieg
ist von Anfang an eine Angelegenheit mehrerer Geheimdienste - und geht man mal
nur von der Gewichtung der Zusammenarbeit mit Bin Laden aus, dann ist der pakistanische
ISI zweifellos der am stärksten involvierte. So trifft sich Bin Laden z.
B. mehrmals mit dem damaligen Chef des pakistanischen Geheindienstes ISI, Akhtar
Abdul Rahman. Vereinbart wird u. a. (wenn man "Case Closed"-Autor Gerald
Posner glauben darf), dass die afghanischen Stammeskrieger eine "Steuer"
auf den Opium-Handel zu zahlen hätten.
Höchste Zeit, Blick auf die unrühmlichsten, aber wichtigsten Fakten
des Afghanistan-Krieges zu werfen: Der Opiumhandel belief sich zu Kriegsbeginn
im Jahre 1982 auf knapp 250 Tonnen pro Jahr. Bis zum Ende des Krieges stieg er
auf 2 100 Tonnen an. In wesentlichen gab es zwei Gründe dafür. Der eine
war, dass CIA und ISI ganz offen mit Rauschgifthändlern zusammenarbeiteten
und ihre Tätigkeit duldeten - wegen ihrer besonders ausgeprägten Ablehnung
der Sowjets. Einer davon war Hekmatyar, der fast die Hälfte aller Waffenlieferungen
von der CIA erhielt. Hekmatyar, der sich nach dem 11.September 2001 ganz offen
zu Osama Bin Laden bekennen und zum Kampf gegen die Amerikaner in Afghanistan
aufrufen sollte, wird letztlich auch der größte Teil der Zerstörung
Kabuls angerechnet. Autor Frederyk Forsyth nennt Hekmatyar in einem Artikel des
"Wall Street Journal Europe" später allerdings auch ganz klar einen
"ISI-Strohmann". Und dies nicht ganz zu Unrecht: Für Pakistan war
und ist Afghanistan strategisch weitaus wichtiger als für die Amerikaner.
Wo die USA den Krieg eher als Stellvertreterkrieg gegen Russland benutzen, will
Pakistan auch bei der Besetzung der späteren afghanischen Regierung mitmischen.
Hekmatyar ist ihr Mann - und er ist derjenige, der eine Einigung unter den Führern
der Mudschaheddin nach dem Krieg regelmäßig torpediert und damit die
Lage im Land angespannt hält. Afghanistan ist nach dem Krieg mit den Russen
unregierbarer denn je.
Dass gerade davon besonders der ISI profitiert, hat seinen Grund: Die Formierung
einer speziellen Agenten-Zelle des ISI, um Heroin - in Pakistan und Afghanistan
unter Mudschaheddin-Kontrolle hergestellt - nach Russland zu schmuggeln in der
Hoffnung, dass russische Truppen teilweise heroinabhängig werden. Die Zelle
sollte dabei über den Profit aus dem Rauschgifthandel finanziert werden.
Nach dem Abzug der Sowjets aus Afghanistan wurde die Zelle jedoch weiter benutzt,
um Heroin in die westlichen Länder zu schmuggeln und den Profit als Ergänzung
zum normalen, legalen Etat des ISI zu benutzen. Im November 1999 wird das Drogenkontrollprogramm
der UN zwei Drittel der weltweiten Drogenproduktion Afghanistan zurechnen, welches
allein in jenem Jahr bereits 4 500 Tonnen Rohopium produziert haben wird; zudem
wird es die jährlichen Einnahmen aus den Drogengeschäften des ISI auf
2,5 Milliarden Dollar beziffern. Letztendlich wird der ISI davon so eigenmächtig,
dass er bald auch als "Staat im Staat" bezeichnet wird - einige bezeichnen
ihn gar als "Pakistans unsichtbare Regierung". "Selbst bei den
schattenreichen Standards der Geheimdienste gilt der ISI als anrüchig."
schreibt die Times im Jahre 2002.
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Die Welt des Heroins - Hauptproduktionsländer
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Die radikalen Kräfte beim ISI werden letztendlich gestärkt, da die Radikalität
der Mudschaheddin von den Amerikanern selbst gefördert wird. "Was ist
wichtiger in der Geschichte der Welt: Die Taliban oder der Zusammenbruch des Sowjet-Imperiums?
Ein paar durchgedrehte Moslems oder das Ende des Kalten Krieges?" meinte
US-Berater Brzesinski dazu. Die in unzähligen über das Land verstreuten
Koranschulen, Madrassas genannt, unterrichteten spätere Taliban. Es sind
zwar meist Afghanen, ihr ideologisches Rüstzeug bekommen sie jedoch größtenteils
vom ISI und teilweise auch vom CIA. Selbst die Universität von Nebraska hat
ihren Anteil an der Radikalisierung: 1984 hilft sie, Bücher für afghanische
Schulkinder zu drucken und zu verbreiten, die voll sind von gewalttätigen
Bildern und militanter islamischer Lehre. Kinder lernen z. B. zählen anhand
von Bildern mit Panzern, Raketen, sogar Landminen. Der Mangel an Schulbüchern
wird dafür sorgen, dass diese Bücher selbst 2001 noch von den Taliban
benutzt werden. Erst 2002 beschließt die US-Regierung, weniger gewalttätigere
Bücher drucken zu lassen, die laut G. W. Bush "Respekt vor der menschlichen
Würde" zeigen sollen.
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Basis der ca. 30 000 internationalen Kämpfer ist die meiste Zeit Peshawar
- und was dort mit der Zeit entsteht, wird die spätere Präsidentin Pakistans,
Benazir Bhutto, schlichtweg "Frankenstein" nennen. Nach dem Abzug der
Sowjets im Jahre 1989 ist die Stadt praktisch unter Kontrolle der Mudschaheddin.
Die meisten der internationalen, von Amerikanern und Briten ausgebildeten Soldaten
haben kaum an nennenswerten Kämpfen teilgenommen, sind jedoch hoch radikalisiert.
Die meisten gehen entweder in ihre Heimatländer zurück oder suchen sich
neue Kampfgebiete. Bosnien wird während des Balkan-Krieges eines dieser Gebiete;
aber auch Algerien - wo nach dem Abbruch der Wahlen 1991, die den Einzug der islamistischen
FIS ins Parlament verhindern sollte - ein Bürgerkrieg entsteht, dem über
100 000 Menschen zum Opfer fallen und bei dem sich der militärische Arm der
FIS, die GIA, durch besonders brutale Übergriffe einen Namen macht. Die FIS
distanziert sich später von der GIA. Auch Tschetschenien, welches sich im
November 1991 für unabhängig von der Sowjetunion erklärt und eine
islamische Republik anstrebt (woraufhin ein Krieg mit Rußland ausbricht),
bietet sich an. Einer der ehemaligen Kämpfer ist Schamil Bassajew. Auch der
damalige Führer der tschetschenischen Kämpfer, Dudajew, ist bei den
Afghanen kein Unbekannter. Als Kommandeur einer Fernkampfbomberdivision flog er
damals Angriffe gegen die Mudschaheddin. "Seine Bombardements konnten einige
von uns durchaus am Glauben zweifeln lassen" sagte ein Mudschaheddin in den
90ern der BBC. Bassajew wird letztendlich einer der Hauptauslöser des zweiten
Tschetschenien-Krieges unter Putin, an dem neben elf späteren Hijackern des
11.September 2001 auch Moussaoui teilnimmt.
Es ist das Ende des Afghanistan-Krieges, welches Al-Qaida entstehen lässt.
Obgleich Azzam mit seiner schon früher geäußerten Idee einer "soliden
Basis" (al-Qa'ida as-sulba) gewissermaßen als Namensgeber fungiert,
bedeutet Al-Qaida im Grunde eine Abwendung von Azzam, der vor allem Palästina
als neues Kampfgebiet betrachtet und die MAK auf militärische Operationen
beschränken will. Osama Bin Laden hingegen will den internationalen Kampf
"gegen die Amerikaner und die Ungläubigen" führen und diesen
auch um nichtmilitärische Operationen erweitern. Azzam wird am 24. November
1989 in Peshawar getötet, als unbekannte Täter Landminen unter seinen
Wagen werfen. Die MAK zerfällt daraufhin, doch viele Mudschaheddin schließen
sich Al-Qaida an.
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Saddam Hussein
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Bin Laden kehrt nach dem Afghanistan-Krieg zunächst nach Saudi-Arabien zurück.
Als 1990 Saddam Hussein in Kuweit einmarschiert, bietet Bin Laden dem saudischen
Königshaus seine Mudschaheddin als Verstärkung der zu dieser Zeit völlig
unterlegenen saudischen Armee zum Schutz vor den Irakern an. Das Königshaus
lehnt nach eingehender Beratung ab. Anders als im zweiten Irak-Krieg nach dem
11. September 2001 hat die US-Regierung unter George Bush ein UN-Mandat und führt
eine internationale Truppe an. Saudi-Arabien gilt als einzige Landbrücke,
Saudi-Arabien als Alliierter der Amerikaner. Die saudische Regierung beteuert,
dass die ins Land gelassenen US-Truppen lediglich bis zum Ende des Golfkriegs
bleiben sollen.
Ein Jahr danach sind sie jedoch immer noch dort stationiert. Bin Laden, der sich
betrogen fühlt, redet öffentlich von "Verrat" und "Entweihung
des heiligen Landes". Vorübergehend wird er unter Hausarrest gestellt.
Bin Laden ist vom Vorzeige-Kämpfer zur Bedrohung des Königshauses geworden.
Als ehemaliger Afghanistan-Kämpfer ist er jedoch zu populär, um einfach
eingesperrt oder umgebracht zu werden. Nach "Case Closed"-Autor Gerald
Posner gehen Prinz Turki al-Faisal, saudischer Geheimdienstchef, und Bin Laden
zu diesem Zeitpunkt ein Abkommen ein. Bin Laden darf mit seinem Geld und seinen
Unterstützern das Land verlassen, wird jedoch der Öffentlichkeit gegenüber
enteignet. Seine saudische Staatsbürgerschaft wird später aufgehoben.
Inoffiziell wird er jedoch von den Saudis weiterhin finanziell unterstützt
- mit dem Versprechen, keinerlei Aktionen gegen sie zu unternehmen. Die Abmachung
wird 1996 und 1998 nochmals erneuert. Bin Laden geht danach zunächst zurück
nach Afghanistan. Dort ist jedoch die Lage durch die inzwischen größtenteils
gegeneinander kämpfenden Mudschaheddin so gefährlich, dass selbst Bin
Laden um sein Leben fürchtet - zumal er überzeugt ist, dass der saudische
Geheimdienst vorhat, ihn umzubringen. Der Sudan, wo die islamistische, der Muslim-Bruderschaft
nahe stehende NIF die Macht übernommen hat, lädt Bin Laden geradezu
ein. Bin Laden, der dort später u. a. verschiedene Infrastruktur-Projekte
fördert, fühlt sich dort so sicher, dass er fünfmal am Tag ohne
Bodyguards zum Beten in die Moschee geht.
Bis hierhin ist die Geschichte Bin Ladens nicht einmal besonders: Man könnte
ihn höchstens als einen von vielen "Unfällen" einer falsch
geführten Außenpolitik betrachten. Der Entschluss der Al Qaida zum
internationalen Kampf macht aus ihr jedoch ein Objekt der Geheimdienste - und
nicht immer ist klar, wer hier wen benutzt, was wer weiß, welches Ziel welche
Aktion wirklich hatte. Dies fängt schon mit der ersten Tat an, die überhaupt
mit Al Qaida in Verbindung gebracht werden kann, am 5.November 1989 in New York.
Das Opfer, Rabbi Meir Kahane, Mitbegründer der in Israel wegen ihres latenten
Rassismus 1998 verbotenen Kach-Partei (zu der auch Baruch Goldstein gehörte,
der das 1994er Abraham-Moschee-Massaker in Hebron zu verantworten hat), ist selbst
Führer einer extremistischen Gruppe, der Jewish Defense League (JDL), die
zu dieser Zeit vom FBI für dutzende Bombenanschläge in Amerika verantwortlich
gemacht wird. Der Täter, El Sayyid Nosair, wird nach einem Schusswechsel
mit der Polizei festgenommen. Beim Durchsuchen seiner Wohnung findet man - neben
Landkarten von New York - Aufnahmen von Predigten des blinden Scheich Omar Abdul-Rahman,
aufgenommene Telefongespräche zwischen dem Scheich und Nosair zum Thema paramilitärisches
Training und Bomben-Bauanleitungen - auch ein arabisch geschriebenes Handbuch,
in dem neben Details über eine islamistische Zelle auch der Begriff "Al-Qaida"
auftaucht. Trotzdem wird Chief Detective Joseph Borelli vom New York Police Department
am gleichen Abend von einem "Einzeltäter" ("lone deranged
gunman") sprechen, der "nicht Teil einer Verschwörung oder einer
Terrorgruppe zu sein" scheint. Sämtliche Beweise, die auf eine Beteiligung
weiterer Personen hinweisen - immerhin 47 Kartons - werden weggeschlossen; unerreichbar
für Ermittler und Verteidiger. Viele Dokumente werden erst nach dem ersten
WTC-Anschlag in 1993 übersetzt. Nosair wird in einem späteren Verfahren
letztendlich des Mordes freigesprochen, allerdings dennoch zu 22 Jahren verurteilt
- wegen des Schußwechsels mit der Polizei. Wie sich später herausstellen
wird, wurde die Verteidigung teilweise von Bin Laden bezahlt.
Eine der Gründe, warum die Kartons bis 1993 weggeschlossen wurden, lag wohl
in der Brisanz des Gefundenen. Denn letztendlich befanden sich neben Videobändern
aus Fort Bragg, North Carolina, auch streng geheime Dokumente - direkt vom dortigen
Stabschef - ebenso wie ein hochgeheimer Plan (Operation Bright Star) zur Simulation
eines Aufstandes im Süd-pakistanischen Belutschistan. Es ist für den
FBI nicht einmal besonders schwer zu erraten, wer die Dokumente gestohlen hat:
Tage zuvor hat sie Nosair zusammen mit vier weiteren beim Schießtraining
in der Calverton Shooting Range, Long Island, New York, gefilmt, wie sie mit -
in Amerika verbotenen - AK-47 Maschinengewehren trainiert. Ihr Trainer ist
gleichzeitig Ausbilder in Fort Bragg, North Carolina. Sein Name: Ali Mohamed.
Über Ali Mohamed findet man nur wenig im deutschsprachigen Internet. Möglicherweise,
weil er zu "shadowy" ist, d. h. in das typische Schwarz-Weiß-Raster
- Bin Laden hier, CIA dort - nicht so richtig hineinpassen will. Vielleicht aber
auch, weil vielen nicht ganz klar ist, wie die Ali-Mohamed-Geschichte gewertet
werden sollte. Für einen ehemaligen CIA-Mitarbeiter ist diese Geschichte
"eine Studie an Inkompetenz, ein Beispiel, wie man einen Agenten nicht führen
sollte". Nabil Sharef, Universitätsprofessor und ehemaliger ägyptischer
Geheimdienstoffizier, wird im Wall Street Journal 2001 jedoch noch deutlicher:
"Wenn es der CIA nicht gelungen ist, ihn zu erwischen, sollte sie aufgelöst
und das Geld für etwas Sinnvolles verwendet werden."
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Präsidenten Sadat & Reagan
1981
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Ali Mohamed ist ursprünglich Ägypter, genauer gesagt: Ägyptischer
Major - rein zufällig eben der Einheit, die am 6.Oktober 1981 ein Attentat
auf den damaligen ägyptischen Präsidenten Sadat ausführt. Ali Mohamed
wird zwar nicht angeklagt, da er zu besagter Zeit gerade an einem Ausbildungsprogramm
für ausländische Offiziere in Fort Bragg teilgenommen hat, wird jedoch
drei Jahre später aus der Armee entlassen - er gilt der Armeeführung
als "zu religiös". Dem CIA in Ägypten bietet er sich daraufhin
als Spion an. Der CIA akzeptiert. Ali Mohamed trifft sich daraufhin mit Mitgliedern
der Hisbollah in Deutschland.
Als der CIA herausbekommt, dass er sich bei diesen ohne weiteres als CIA-Agent
zu erkennen gibt, kappt sie sämtliche Verbindungen zu ihm und setzt ihn auf
die "terror watch list" um zu verhindern, dass er ein US-Einreisevisum
bekommt. Ali Mohamed bekommt dennoch ein US-Visum - möglicherweise über
ein "Spezial-Programm" der CIA. Während der Operation Cyclone wird
über ein derartiges Programm die Visa-Vergabe in gewissen arabischen Ländern
gelockert, um den für die Ausbildung in Amerika bestimmten internationalen
Kämpfern die Einreise zu erleichtern. Es ist nicht klar, wie lange dieses
Programm letztendlich ging: Vermutet wird, dass selbst 15 der 9/11-Attentäter
ihr Visum über dieses Programm bekamen. Als die CIA von Mohammeds Visum erfährt,
gibt sie eine offizielle Warnung an alle weiteren Ämter, um seine Einreise
zu verhindern. Doch Ali Mohamed gelingt trotzdem die Einreise. Während des
Fluges in die USA freundet er sich mit einer Amerikanerin an, die er zwei Monate
später heiratet. Ali Mohamed, der eigentlich nie amerikanischen Boden betreten
sollte, wird letztendlich amerikanischer Staatsbürger. 1986 tritt er in die
amerikanische Armee ein und wird sofort nach Fort Bragg geschickt. Anfangs ist
er Sergeant einer Green-Beret-Einheit, später wird er Ausbilder an der John
F. Kennedy Special Warfare School. Er lehrt über Kultur und Politik des mittleren
Ostens; hilft, Videobänder darüber zu erstellen; taucht darin auch selbst
auf. Einige Kollegen bezeichnen ihn als islamistischen Fanatiker. Einer seiner
Vorgesetzten - Colonel Norvell De Atkine, eher als strammer Neokonservativer bekannt
- nennt ihn hingegen "fundamentalistisch, aber nicht anti-amerikanisch".
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Ali Mohamed in einem US-Militär-Video
(welches er miterstellte)
[Q: US Army]
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Es ist nicht so, dass Ali Mohamed während der Zeit nicht weiter auffallen
würde. 1988 sagt er ganz offen, dass er vorhat, sich den Mudschaheddin in
Afghanistan anzuschließen um "Russen zu töten". Er nimmt
einen Monat Urlaub und fliegt nach Afghanistan. Als er zurückkommt, präsentiert
er seinen Kollegen prahlend den Gürtel eines Soldaten einer russischen Spezial-Einheit,
den er getötet haben will. Seine Vorgesetzten schreiben sowohl vor als auch
nach diesem Einsatz Berichte darüber an die Leitung von Fort Bragg. Schließlich
stellt ein derartiger Kampfeinsatz eines Amerikaners in einem fremden Krieg nicht
nur ein schweren Regelverstoß dar. Die Amerikaner liefen im Falle der Gefangennahme
auch Gefahr, letztendlich vorgeführt zu werden. Gegen Ali Mohamed wird jedoch
nichts unternommen. In seinem Abschlusszeugnis von Fort Bragg im Jahre 1989 wird
er wegen "Patriotismus, Mut, Vertrauenswürdigkeit und Professionalität"
gewürdigt. Seine Vorgesetzten wissen, dass er Verbindungen zum blinden Scheich
Omar Abdul-Rahman hat. Er selbst hat es ihnen gemeldet. Doch selbst in der CIA
scheint man sich nicht mehr zu erinnern, dass sowohl er als auch Abdul-Rahman
auf der "terror watch list" stehen, geschweige denn, warum einer wie
Ali Mohamed jemals darauf stand - Ali Mohamed wird noch während seiner Fort-Bragg-Zeit
Mitarbeiter der CIA.
Harvey Kushner, Terrorismus-Experte und Professor für Kriminalistik an der
Universität Long Island meint, man habe viel zu wenig über Ali Mohamed
gewusst, und überhaupt sei dies nun mal der dreckige Teil von verdeckten
Operationen: "Wir arbeiten nicht mit Leuten zusammen, denen wir trauen können."
Dies trifft erst recht auf Scheich Omar Abdul-Rahman zu, der aus seiner anti-amerikanischen
Haltung nie einen Hehl machte und drei Jahre im ägyptischen Gefängnis
zubrachte - angeklagt wegen einer Fatwa, die zur Ermordung Sadats aufrief. Bis
zum Anschlag auf das WTC im Jahre 1993 genießen sowohl er als auch Ali Mohamed
praktisch Narrenfreiheit. Warnungen des ägyptischen Geheimdienstes, dass
Abdul-Rahman Anschläge in Amerika plant und eine Gruppe Militanter, die am
12.November 1992 einen Anschlag auf einen Reisebus in Ägypten durchführt
(bei der auch 5 deutsche Urlauber verletzt werden), in direkter Verbindung mit
ihm stehen, werden ignoriert.
Ali Mohamed nutzt seine Narrenfreiheit. Obgleich kein echtes Mitglied von Al-Qaida,
erledigt er doch viele strategisch wichtige Aufgaben für sie. In Kalifornien,
wo er mit seiner Frau wohnt, wird noch während seiner Armee-Zeit zusammen
mit Khaled Abu el-Dahab eine Al-Qaida-Zelle aufgebaut. Ihnen gelingt es, zehn
US-Bürger nahöstlicher Abstammung zu Al-Qaida-Mitgliedern zu machen,
so dass deren Pässe von anderen Al-Qaida-Mitgliedern im internationalen Reiseverkehr
benutzt werden können. Bin Ladens Umzug in den Sudan wird von ihm organisiert.
Er lehrt und trainiert die wichtigsten Leute bei Al-Qaida in Überwachungstechniken
und deren Umgehung, ebenso wie Nachrichtenverschlüsselung und der Aufbau
von operativen Zellen. Er hilft Ayman Al-Zawahiri, im Frühjahr 1993 in die
USA zu gelangen, um auf Spendentour zu gehen und ist während der Zeit praktisch
sein Bodyguard. Es ist Ali Mohamed, der die Afrika-Zelle von Al-Qaida in Nairobi
aufbaut, welche sich über den Verkauf von Luxusautos, Taucherausrüstungen
und Diamanten größtenteils selbst finanziert.
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Black Hawk
Hubschrauber über Mogadishu
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Diese trainiert u. a. auch Somalis, die im Oktober 1993 in Mogadischu zum Einsatz
kommen: Als US-Truppen versuchen, den somalischen Warlord Aidid festzunehmen,
geraten sie in ein Feuergefecht, bei dem zwei Hubschrauber abgeschossen und insgesamt
18 US-Soldaten getötet werden (der Film "Black Hawk Down" basiert
im Wesentlichen darauf). Das Bild vom toten Hubschrauberpiloten, dessen Leiche
von Somalis jubelnd durch die Straßen geschleift wird, geht um die Welt
und ist einer der Auslöser für den nur wenig später folgenden Black
Hawk - Hubschrauber über Mogadishu
Abzug der US-Truppen aus Somalia. Ali Mohamed ist derjenige, der nennenswerte
Ziele in Afrika ausmacht, die Bin Laden dann nur noch aussuchen muss.
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Ramzi Ahmed Yousef
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Am 26.Februar 1993 explodiert ein gemieteter Lieferwagen mit dem Schriftzug der
Firma Ryder auf der Ebene B2 der Tiefgarage des Nordturms vom World Trade Center.
Spätere Nachforschungen ergeben, dass 500 Pfund zusätzlichen Sprengstoffes
wahrscheinlich ausgereicht hätten, das WTC zum Einsturz zu bringen. Sechs
Menschen sterben, über tausend weitere werden verletzt. Emad Salem, ein Undercover-Agent
und später Hauptbelastungszeuge für den Hauptorganisator Ramzi Yousef,
behauptet jedoch Ungeheuerliches: Das FBI habe von dem Anschlag vorab gewusst
und ihm gegenüber (er war wohl der Sprengstoffbeschaffer) beteuert, es werde
den Anschlag durch Austausch des Sprengstoffs gegen ein harmloses Pulver vereiteln.
Ein FBI-Vorgesetzter hätte das Ganze jedoch rückgängig gemacht
und so den Anschlag letztendlich nicht verhindert.
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Khalid Scheich Mohammed
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Auch woanders wurde geschlampt: Ramzi Yousef, nach US-Angaben ein Neffe von Khalid
Scheich Mohammed, reiste am 1. September 1992 in die USA ein, zusammen mit Ahmad
Ajaj. Letzterer wurde festgenommen, nachdem man in seiner Tasche u. a. gefälschte
Pässe und Bombenbauanleitungen gefunden hatte. Wegen der gefälschten
Pässe tritt er letztendlich eine sechsmonatige Haftstrafe an. Während
dieser Zeit ruft er regelmäßig Ramzi Yousef an. Die Gespräche
werden zwar mitgeschnitten, aber erst nach dem WTC-Attentat übersetzt. Ramzi
Yousef fliegt noch in der selben Nacht außer Landes, wird erst 1995 auf
den Philippinen gefasst. Nachforschungen des FBI führen desweiteren zu jenen
Aufnahmen vom Schießtraining mit den Kahane-Mördern Nosair und Ali
Mohamed, die es schon 1990 geschossen hatte: Vier der trainierenden Schützen
sind in den Anschlag involviert. Nosair wird nocheinmal genauer unter die Lupe
genommen - erst jetzt wird die Verbindung zu Scheich Omar Abdul-Rahman und die
Rolle Ali Mohameds wahrgenommen.
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Auswirkungen des WTC-Attentats von
1993
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Abdul-Rahman wird im Juni 1993 festgenommen, nachdem das FBI einen Plan vereitelt,
bei dem das UNO-Gebäude, zwei New Yorker Tunnel, die George-Washington-Brücke
und einige Gebäude des FBI in Abständen von 10 Minuten gesprengt werden
sollten. Er wird 1995 zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine ägyptische Terrorgruppe
"Al-Gama'a al-Islamiyya", die seine Freilassung fordert, verübt
1997 das Massaker von Luxor, bei dem 58 Menschen sterben, darunter auch vier Deutsche.
Ali Mohamed, der wohl ahnte, dass er mit Konsequenzen rechnen muss, holte zum
Gegenschlag aus: Er ging zum FBI und berichtete über Osama Bin Laden und
die Al-Qaida. Trotz eines nicht bestandenen Lügendetektor-Tests u. a. auf
Fragen, wie weit er selbst in Aktivitäten der Gruppe verwickelt ist, meint
ein FBI-Beamter: "Wir nahmen ihn ernst. Er gab uns 25 Prozent von dem, was
da draußen los ist." Es ist unklar, wann seine Zusammenarbeit mit dem
FBI begann - über die Folgen hingegen weiß man schon mehr: Im Frühling
1993 wird er von der kanadischen Royal Canadian Mounted Police in Vancouver festgenommen,
als er einen Mann namens Essam Marzouk treffen will, den die Polizei schon wegen
gefälschter Pässe festgenommen hat. Mohamed, den die Kanadier ohne Probleme
als Top-Al-Qaida-Agent identifizieren, kommt frei, nachdem er der Polizei unverblümt
über seine Absichten informiert hat (nämlich Marzouk nach Amerika einzuschleusen),
sich jedoch als FBI-Agent ausgibt und die Polizei anweist, seinen Verbindungsoffizier
beim FBI anzurufen. Nachdem die Polizei dies getan hat, kommt Mohamed frei. Marzouk
wird später gegen eine Kaution von 3 000 Dollar freigelassen, die Mohameds
Verbindungsmann in Kalifornien, Khaled Abu el-Dahab, vorbeibringt.
Mohamed schafft es trotz allem, selbst 1994 eine Spendentour für Ayman Al-Zawahiri
in Amerika zu organisieren und als gleichzeitig Sicherheitschef zu fungieren.
Zu dieser Zeit wird er bereits durch die Sicherheitsbehörden überwacht.
Man weiß nun von der Zelle in Nairobi.
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Bill Clinton
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Die sudanesische Regierung versucht ungefähr zu dieser Zeit, der internationalen
Isolierung zu entgehen und bietet u. a. deshalb der amerikanischen Regierung an,
ihr sämtliche Akten über Osama Bin Laden zu überlassen. Der sudanesische
Geheimdienst beobachtete Osama Bin Laden im Prinzip seit er ihr Land zum ersten
Mal betrat. Man kennt die Namen derer, mit denen er sich trifft, man kennt seine
Kontobewegungen; man weiß von seinen Bestrebungen, Muslime jeglicher Konfession
zum Kampf gegen die Amerikaner zu motivieren; man weiß, wie weit er in Terrorakte
gegen amerikanische Einrichtungen involviert ist. Ein Vertreter des sudanesischen
Geheimdienstes trifft sich deshalb in Washington mit Präsident Bill Clinton,
um ihm dieses Angebot zu unterbreiten. Doch Clinton fragt nur: "Wer bitte
ist Bin Laden?" Der Vertreter des sudanesischen Geheimdienstes ist sich anfangs
nicht ganz sicher, ob Clinton die Frage ernst meint, doch das weitere Gespräch
zeigt, dass Clintons Frage rhetorischer Natur war. Er weiß zumindest soviel
über Bin Laden, als dass er ihn ein "Großmaul" nennt und
das sudanesische Angebot ablehnt.
Hat Clinton Bin Laden so maßlos unterschätzt? Kenner der US-Politik
sehen das Problem woanders: Wäre Bin Laden Iraker, Iraner oder auch z. B.
Jemenit - man hätte sich wohl brennend für ihn interessiert. Er ist
jedoch Saudi. Und nicht irgendeiner, sondern Mitglied einer quasi-adligen Familie
und obendrein noch ehemaliger Afghanistan-Kämpfer. Ein Zuviel an amerikanischer
Reaktion oder überhaupt an amerikanischer Beachtung könnte Bin Laden
unglaublich aufwerten, was weniger für die Amerikaner, mehr jedoch für
das saudische Königshaus gefährlich werden kann. Amerika ist abhängig
von saudischem Öl und aus Stabilitätsgründen praktisch gezwungen,
das saudische Königshaus in jeder nur erdenklichen Hinsicht zu stützen.
Clinton weiß das und möchte deshalb am liebsten überhaupt nicht
gegen Bin Laden vorgehen, solange er nicht massiv oder öffentlich dazu gezwungen
wird. Deshalb bremst er alle (auch Aufklärungs-)Aktionen gegen Bin Laden.
Sein Nachfolger George W. Bush wird es nicht viel anders machen - nach Meinung
von Experten sich sogar noch mehr verschließen. Nach mehreren Querelen von
Seiten der Amerikaner - die erst gar nichts wissen wollen und dann plötzlich
die Auslieferung von Bin Laden verlangen, nur um kurz darauf wieder alles zurückzuziehen
- verhindert 1996 niemand Bin Ladens Umzug nach Afghanistan - wohl wissend, dass
er dort viel schwerer zu überwachen ist. Organisiert wird dieser Umzug selbstverständlich
von Ali Mohamed.
Im November 1997 betritt der Ägypter Mustafa Mahmoud Said Ahmed die amerikanische
Botschaft in Nairobi, Kenia, und erklärt, dass er Teil einer Gruppe sei,
die vorhabe, die Botschaft in die Luft zu sprengen. Als Beweis zeigt er Überwachungsfotos,
die er von der Botschaft gemacht hat und beschreibt Einzelheiten des Anschlags.
Die amerikanische Botschafterin in Kenia, Prudence Bushnell, nimmt die Nachricht
durchaus ernst. Ihr ist nur zu bewusst, welches Sicherheitsrisiko die Botschaft
in Nairobi darstellt. Sie schreibt an die US-Regierung und bittet, die Sicherheit
der Botschaft zu verbessern. General Anthony Zinni, zu dieser Zeit Kommandeur
der US-Truppen in dieser Region, besucht Anfang 1998 die Botschaft und bestätigt
Bushnells Befürchtungen. Die Regierung sendet nochmal ein Sicherheits-Team
zur Inspektion. Dieses ermittelt, dass knapp 500 000 Dollar notwendig wären,
um die Botschaft gebührend zu sichern. Das Geld wird jedoch nicht schnell
genug zur Verfügung gestellt, obwohl Bushnell noch einen ausgesprochen emotionalen
Brief an Madeleine Albright schreibt, wonach sie noch einmal von ihren Bemühungen
berichtet und ausdrücklich vor der Gefahr für das Botschaftspersonal
warnt. Albright tut nichts. Am 7. August 1998 sterben bei den Bombenanschlag in
Nairobi insgesamt 213 Menschen, darunter 12 US-Bürger, 4500 Menschen werden
verletzt. Zeitgleich sterben bei dem Attentat in Dar es Salaam,Tansania, 11 Menschen,
85 werden verletzt. Ein dritter Anschlag in Uganda kann noch verhindert werden.
Bill Clinton ist jetzt gezwungen, etwas zu tun - und muss sich gleichfalls den
Vorwurf gefallen lassen, mit den Vergeltungsschlägen nur von der Lewinski-
Affäre ablenken zu wollen, die zu dieser Zeit zu einer echten Belastung für
ihn wird. Das ganze wird noch dadurch verstärkt, dass die durch Raketen getroffenen
Ziele praktisch wirkungslos geblieben sind - in einem Fall handelte es sich um
eine Medikamenten-Fabrik im Sudan, von der bis heute nicht vollständig klar
ist, warum sie eigentlich beschossen wurde und deren Besitzer inzwischen die US-Regierung
auf Schadensersatz verklagt hat. Das andere Ziel war u. a. das ehemalige Al-Qaida-Trainingslager
Zhawar Kili, welches ironischerweise einst mit US-Hilfen aufgebaut wurde. Insgesamt
werden sechs Al-Qaida-Camps beschossen - nur eines hatte Verbindungen zu Bin Laden,
der vorgewarnt wurde.
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Bin Laden lässt in späteren Reden durchblicken, wer ihn vorwarnte. Zunächst
lies er sich bei seinem Umzug nach Afghanistan in Jalalabad nieder, welches noch
frei von Taliban ist (und auch bleiben wird). Im Juni 1996 trifft er sich dann
(nach Gerald Posner) mit hochrangigen Offizieren der pakistanischen Armee, u.
a. Mushaf Ali Mir, der im Jahre 2000 der Chef der pakistanischen Luftwaffe wird.
Die Offiziere versprechen ihm weitreichenden Schutz, wenn er mit den Taliban eine
Allianz eingeht. Bin Laden willigt ein und nennt diese Allianz "von den Saudis
gesegnet", die zu dieser Zeit sowohl die Taliban als auch Al Qaida finanziert.
Nach dieser Geschichte zieht er nach Kandahar um - der heimlichen Hauptstadt der
Taliban. Mit Mullah Omar, dem militärischen Führer der Taliban, verbindet
ihn bald mehr als nur Freundschaft - durch die Heirat eines seiner Neffen mit
einer Tochter Omars entstand eine familiäre Bande.
Die überwiegend als "verlängerter Arm des ISI" bezeichneten
und sich zu nicht unwesentlichen Teilen über Drogen finanzierenden Taliban
werden zu dieser Zeit nicht nur in Afghanistan, sondern auch im Rest der Welt
durchaus positiv aufgenommen. Trotz der Tatsache, dass sie als äußerst
rückständig und brutal gelten, sieht man ihn ihnen jedoch die Kraft,
die fähig ist, Afghanistan zu vereinen und Frieden und Stabilität zu
schaffen. Aus diesem Grund schließen sich ihnen die meisten afghanischen
Warlords an. Nur die Usbeken um General Dostum und die Armee um den Tadshiken
Ahmed Schah Massud schließen sich mit Burhanuddin Rabbani, dem damaligen
Regierungschef, zur Nordallianz gegen die Taliban zusammen. Neben Pakistan und
Saudi-Arabien werden die Taliban auch von den USA unterstützt; besonders
von der kalifornischen Ölfirma Unocal, die mit der ehemaligen Sowjetrepublik
Turkmenistan einen 8-Milliarden-Dollar-Deal abgeschlossen hat, um eine Öl-
und Gas-Pipeline von dort aus über Afghanistan nach Pakistan zu bauen. Der
"Daily Telegraph" zitiert einen Diplomaten aus dieser Region mit den
Worten "Allein in Kasachstan wird mehr Öl als in Saudi-Arabien vermutet.
Turkmenistan ist dafür bekannt, die fünftgrößten Erdgasreserven
zu besitzen." Den Taliban, die sich bis dahin nie explizit anti-amerikanisch
geäußert hatten, traut man - anders als dem Iran - das saudische Modell
zu.
Es ist die Einnahme von Kabul am 27.September 1996, welche das Bild der Taliban
in der Weltöffentlichkeit radikal verändern wird. Die Taliban stürmen
die UN-Vertretung in Kabul, wo sich der Ex-Premier aus der Zeit der russischen
Besetzung, Mohammed Nadschibullah, aufhält. Sie zerren ihn heraus, foltern
ihn, fahren ihn und seinen Bruder gefesselt zum Präsidentenpalast, wo beide
erschossen werden. Ihre verstümmelten Leichen werden außerhalb des
Palastes an einer Straßenkreuzung aufgehängt. Das Bild von den aufgehangenen
Leichen geht um die Welt - und sorgt neben dem Schrecken über die Brutalität
für eine Kontroverse, die bisher ausgeklammerte Fragen an die Tagesordnung
bringt. Von der Frage, wie die Taliban mit internationalen Organisationen umspringen
bis hin zu deren Behandlung von Frauen.
Nicht ohne Grund, wie sich zeigen sollte. Erst nach der Einnahme von Kabul berichtet
die westliche Presse vom Burka-Zwang und der Verbannung von Frauen aus dem öffentlichen
Berufsleben. Stellenweise wird Frauen sogar der Zutritt in die Notaufnahme von
Krankenhäusern verweigert. Als zweimal im Jahr 1998 Erdbeben der Stärke
6 das Land verwüsten, verweigern die Taliban Hilfsorganisationen den Zugang
zu Gebieten der Nordallianz, die somit mühsam aus der Luft versorgt werden
müssen. Im August 1998 nehmen die Taliban Mazar-i-Sharif ein und richteten
grausame Massaker unter den schiitischen Hazara an - bis zu 6 000 Menschen
werden getötet. Nicht nur die Massaker an den Hazara, sondern auch die Ermordung
acht iranischer Diplomaten bei der Eroberung führten zu massiven Spannungen
zwischen dem Iran und Afghanistan. Anstatt die Lage mit dem Iran zu entschärfen,
gehen die Taliban zum Angriff auf Bamiyan über. Die Stadt wird am 13. September
1998 eingenommen. Der Iran sieht in der Einnahme Bamiyans eine weitere Provokation
und reagiert mit Kriegsdrohungen sowie umfangreichen Truppenaufmärschen im
Grenzgebiet. Erst mit der Entsendung des UN-Beauftragten Lakhdar Brahimi nach
Afghanistan wird die Gefahr eines Krieges abgewandt. Von den Massakern und Repressalien
gegen die Hazara - die sich, ähnlich der Juden unter Hitler, als "Nicht-Moslems"
kennzeichnen müssen - bekommt die Welt nur durch Mundpropaganda überhaupt
etwas mit. Fotoapparate haben die Taliban verboten, ebenso wie Musik und Kino.
Lediglich ein Ereignis wird fotografisch dokumentiert: Die Sprengung der Buddha-Statue
von Bamiyan. Von der selbst der ISI dringendst abgeraten hatte.
Es ist der Wendepunkt für die Taliban, die jetzt immerhin 90% des Landes
kontrollieren und mächtige Warlords wie Dostum oder Khan, ja selbst Hekmatyar,
ins Exil getrieben haben. Ihre Politik verhindert nicht nur eine diplomatische
Anerkennung ihrer Führung durch die Amerikaner, auf die sie hingearbeitet
hatten, sondern zwingt sogar Saudi-Arabien und die Vereinigte Arabische Emirate
- neben Pakistan die einzigen Länder, die jemals die Taliban diplomatisch
anerkannten - ihre Vertretungen zu schließen. Clinton verbietet zudem ab
1999 jegliche kommerzielle Transaktionen mit den Taliban, womit auch der Unocal-Pipeline-Deal
auf Eis gelegt wird. Die Taliban sind international isoliert. Der Versuch, die
Isolation zu lockern, führt u. a. zu einer folgenreichen Entscheidung: Im
Jahr 2000 verbieten die Taliban den Mohn-Anbau. Westliche Nachrichtenagenturen
spielen diesen Fakt herunter, zumal er wegen des Überangebots im Westen kaum
Auswirkungen zu haben scheint. Die Zahlen der UNO sprechen jedoch eine andere
Sprache: Die Opium-Produktion sinkt von 4 500 Tonnen im Jahr 1999 auf 185 Tonnen
im Jahr 2001 - noch unter dem Wert vor Kriegsbeginn gegen die Sowjetunion. 85%
der Produktion aus 2001 stammt zudem aus dem Gebiet der Nordallianz.
Ist das der Ausschlag für den größten Terrorakt in der Geschichte
der Menschheit? Im Jahre 1999 einigte sich die amerikanische Regierung mit dem
damaligen Präsidenten Pakistans, Nawaz Sharif, und der Spitze des ISI auf
ein gemeinsames Vorgehen gegen Bin Laden. Als Gegenleistung will man die Sanktionen
gegen Pakistan lockern und ein ökonomisches Hilfsprogramm starten. In dem
Monat, in dem die Übereinkunft starten soll, findet jedoch der mysteriöse
Militärputsch von Perez Musharraf statt. Musharraf fühlt sich nicht
an die Einigung gebunden - und entlässt den damaligen ISI-Direktor Brig Imtiaz
wegen seiner Nähe zum gestürzten Staatschef. Pakistan - mittlerweile
Besitzer der Atombombe, aber dennoch auf Hilfe von außen angewiesen - ist
u. a. wegen seiner Unterstützung der Taliban international isoliert. Der
Putsch zeigt jedoch, dass der größte Teil des ISI und der Armeeführung
tief fundamentalistisch und nicht bereit ist, Wesentliches zur Lockerung beizutragen,
wie z. B. die Aushändigung Bin Ladens. Ein Großteil des ISI ist zudem
extrem anti-amerikanisch - ein verdeckter Ermittler der US-Regierung zitiert einen
pakistanischen Waffenhändler, der mit ihm in New York speist, mit der Bemerkung,
er hätte keine Probleme, das ganze Lokal in die Luft zu jagen. Schließlich
sei es ja voller Amerikaner. Als Bill Clinton, entgegen dem dringenden Raten des
amerikanischen Secret Service Musharraf in Pakistan besucht, wird eines der aufwendigsten
Sicherheitsprogramme auferlegt: Unter Anderem landet zwar die Air Force One in
Islamabad - aber ohne Clinton. Der kommt erst später mit einer kleineren
Maschine. Der 11.September 2001 mit seinen Folgen kommt letztendlich allen Fraktionen
im ISI-Apparat zugute. Osama Bin Laden wird aufgewertet, was Extremisten und Anti-Amerikaner
freut; gleichzeitig wird er dämonisiert, so dass man zu einer Distanzierung
von ihm praktisch gezwungen ist, ohne dass Fundamentalisten dies als "Verrat"
auslegen könnten. Pakistan erhält die Hilfe, die es für seine Aushändigung
erhalten hätte - jetzt für die offizielle "Unterstützung zur
Ergreifung", die jedoch als sehr schattenreich geführt doch eher das
Gegenteil davon ist.
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10th Mountain US-Division in Afghanistan
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Die Taliban, die praktisch gezwungen sind, den Mohnanbau weiter zu verbieten,
werden jetzt international auch militärisch bekämpft: Siegen sie, ist
die Welt gezwungen, ihnen entgegen zu kommen und bei Drogenfragen "diplomatischer"
vorzugehen. Verlieren sie, sind sie zumindest von der Macht entfernt und die Warlords,
die an die Macht kommen sollen, scheinen in Puncto Drogenanbau locker oder korrumpierbar
zu sein - abgesehen vom recht populären Ahmed Schah Massud, der am 9.
September 2001 durch eine präparierte Kamera ermordet wird. Selbst wenn die
Entscheidung über Jahre gehen sollte - ein unsicheres Afghanistan ist für
das Drogengeschäft allemal besser als ein durch Taliban regiertes Afghanistan.
Der Bush-Regierung kommt der Anschlag in vielfältiger Weise ebenfalls zugute;
der derzeitige Status Bin Ladens - dämonisiert und in seinem Wirkungsradius
eingeengt - ist letztendlich sogar besser als die andere Option, die von den Amerikanern
angeblich immer angestrebt wird: Gefasst und in einem langwierigen Prozess möglicherweise
zum Märtyrer gemacht, wobei die Verfehlungen amerikanischer Politik kräftig
zur Sprache gebracht werden würde. Die Gespräche zwischen Spitzen des
ISI und der US-Regierung sind kein Geheimnis. Rennen die Pakistani in Washington
offene Türen ein? Beteiligt sich die US-Regierung möglicherweise an
den Anschlag? Wird die Infrastruktur der Schlampigkeit, die man nach dem 11.September
2001 bei und zwischen den Nachrichten-, Geheim- und Überwachungsdiensten
des Staates ausmacht, ganz bewusst genutzt? Bedient man sich im Kampf gegen Bin
Laden ganz bewusst nur nationaler oder in dieser Frage gleichgesinnter Dienste,
während man andere, wie dem deutschen Verfassungsschutz, eher im Unklaren
lässt?
Fakt ist nur: Am 11.9.2001 findet in Amerika eine Anschlagsserie statt, die weder
davor noch danach in das Raster bisheriger Al-Qaida-Anschläge passen will.
Zum ersten Mal verzichtet man völlig auf Sprengstoff - selbst am Boden, wo
man das leicht realisiert werden könnte, werden keinerlei Anschläge
mit Sprengstoff ausgeführt, auch nicht vereitelt. Stattdessen bildet man
aufwändig in Amerika Piloten aus - direkt in der Nähe von FBI, CIA und
NSA, die so gut wie jedes Telefonat von Bin Laden und seiner Gefolgschaft aufzeichnen.
Die beim FBI extra wegen Bin Laden geschaffene Einheit ließ nach dem 11.September
2001 verlauten, man habe mit einem Anschlag Bin Ladens gerechnet - jedoch nicht
in Amerika. Die Attentäter lassen auch nicht davon ab oder werden vorsichtiger,
nachdem mit Moussaoui ein ausgesprochen labiler und redseliger Attentäter
gefasst und eingesperrt wird. Gerade so, als wisse man, dass er nichts weiß
oder nicht weiter ausgefragt werden wird. Kein zweiter Anschlag der Al-Qaida ist
derartig prädestiniert, aufgedeckt und verhindert zu werden. Es mangelt nicht
an Aktionen oder Programmen wie Able Danger, die jedoch genau in dem Moment abgebrochen
werden, wo die Spur zu den Attentätern führt. Die Attentäter werden
hingegen hinterher eine wahre Beweis-Orgie hinterlassen. Kopien von Attas Testament
werden sowohl in Boston als auch in Washington gefunden, Reste davon sogar in
den Trümmern von Flug 93. Und verglichen mit dem ersten WTC-Attentat, welches
gerade mal 40 000 Dollar kostete - in ein paar Monaten organisiert und genau in
dem Moment ausgeführt wurde, wo kein Geld mehr da war - ist die Gesamtsumme,
die die Hijacker des 11. September über knapp 2 Jahre erhalten, geradezu
gigantisch: Insgesamt fast eine Million Dollar. Entgegen der Behauptung mancher
Nachrichtenblätter wird sich die Spur keinesfalls eindeutig zur Al-Qaida
zurückverfolgen lassen. Zahlmeister Saeed Sheikh - ein pakistanisch-stämmiger
Engländer, wegen Kidnappings im Jahre 1994 zunächst inhaftiert und 1999
durch eine Flugzeugentführung, bei der das entführte Flugzeug in Kabul
landete, freigepreßt - wird zwar Al-Qaida zugerechnet: Aber eben auch dem
pakistanischen ISI und - nach Meinung der "Pittsburgh Tribune-Review""
- auch dem CIA. Auch seine Verbindungen zum englischen Geheimdienst lassen Raum
für Spekulation. Es mangelt nicht an mysteriöser geheimdienstlicher
Aktivität, an konkreten Vorwarnungen, es mangelt auch nicht an öffentlich
geäußerten Vorahnungen selbst von höchster Stelle. Leuten wie
Salman Rushdie wird von der amerikanischen Flugüberwachung FAA zwei Monate
vorher von Flügen nach Amerika abgeraten. Die Flugabwehr um Washington oder
New York wird hingegen weder verbessert noch in Alarmbereitschaft versetzt - obwohl
die Andrews Airforce Base direkt neben dem Pentagon liegt, befindet sich der nächste
Flughafen, der über F16-Abfangjäger verfügt, 250 km von Washington
weg. Als von dort endlich Abfangjäger aufsteigen, fliegen diese auch nicht
direkt zum Einsatzort, sondern drehen erstmal eine Kurve über den Atlantik.
Osama Bin Laden meldet sich zum ersten Mal nach den Anschlägen am 16. September
zu Wort - und streitet seine Beteiligung ab. Mullah Omar beruft wegen der Forderung
der USA nach Ausweisung bzw. Auslieferung von Bin Laden extra eine Loya Jirga
am 20.11.2001 ein, an der in Kabul 1000 "Ulema" (Gelehrte) teilnehmen.
Die Ältesten der afghanischen Stämme lehnen zwar die Ausweisung von
Bin Laden wegen Ehrenkodex des Gastrechts ab, versuchen jedoch, Bin Laden dazu
zu bewegen, das Land freiwillig zu verlassen. Mullah Omar, der anfangs sogar jegliche
Verhandlungen mit den Amerikanern ablehnt, erklärt sich später in mehreren
Verhandlungen sogar bereit, Bin Laden auszuliefern. Am besten ist der Vorschlag,
der von einigen Führern der zwei islamischen Parteien Pakistans kommt: Bin
Laden soll in Peshawar unter Hausarrest gestellt und einem internationalen Tribunal
vorgeführt werden, welches ihn entweder verurteilen oder den Amerikanern
aushändigen kann. Sogar Bin Laden erklärt sich laut "Daily Telegraph"
dazu bereit. Es ist als erster Perez Musharraf, der den Plan offiziell ablehnt,
weil er "Bin Ladens Sicherheit nicht garantieren" kann". Die Amerikaner
lehnen nicht nur diesen Plan, sondern auch jedes weitere Angebot zur Aushändigung
ab - selbst als die Taliban zum Schluss keinerlei Bedingungen mehr stellen. "Der
Zug ist abgefahren", so wird ein US-Offizieller zitiert.
Der Krieg in Afghanistan ist relativ schnell entschieden, allerdings wird dabei
oft außer Acht gelassen, dass die Entscheidung eigentlich nur unwesentlich
eine militärische ist: Die Usbeken um Dostum marschieren in die von ihnen
belagerte Stadt Masar-i-Sharif erst ein, nachdem die Taliban abziehen, wobei einige
führende Köpfe der Taliban (und auch einige pakistanische Militärs)
nach Pakistan ausgeflogen werden. Der Süden, die Hochburg der Taliban, fällt
an den Warlord Gul Agha Sherzai, nachdem der spätere Präsident Hamid
Karzai Mullah Omar Abzug und "ein Leben in Würde" verspricht. Obgleich
die Amerikaner Karzai in dieser Sache widersprechen, entkommt Mullah Omar ungehindert
in seine Heimatgegend bei Bagram in der Mitte Afghanistans. Auch spätere
Versuche, ihn dort zu stellen, schlagen fehl. Den Flughafen von Kabul, trotz Dauerbombardements
scheinbar schier uneinnehmbar, wird von den Taliban irgendwann geräumt -
Gerüchten zufolge gegen eine stattliche Millionensumme. Entkommen sind kurz
vor der Einnahme Kabuls über 1 000 Fahrzeuge in Richtung Süden. Entkommen
ist auch Abu Musab al-Sarkawi, der sich im Mai 2002 noch in Herat aufhält
und sich kurz vor Einnahme der Stadt mit einer 400 Fahrzeuge umfassenden Kolonne
nach Kandahar absetzt. Während der vier Tage andauernden Fahrt wird er weder
beschossen noch sonst irgendwie angegriffen.
Entkommen ist - trotz des vom Terrorismusbekämpfungs -"Zaren" Richard
Clarke beteuerten Vorwissens, trotz Satellitenüberwachung und Bombern in
der Nähe - auch Bin Laden aus dem belagerten Jalalabad, nachdem er dort am
10.November 2001 noch ein Meeting vor knapp 1 000 Kämpfern abgehalten hatte.
Er erreicht Tora Bora nach mehreren Stunden Fahrt wie Fußmarsch. Die US-Luftwaffe
beschießt zu dieser Zeit den Flughafen von Jalalabad, während sie den
mehrere hundert Wagen umfassenden Konvoi, der sich Richtung Tora Bora bewegt,
unangetastet lassen. Unangetastet lassen sie auch eine der beiden Hauptrouten,
die von Tora Bora nach Pakistan führen - über die innerhalb der nächsten
Wochen knapp 600 Kämpfer Richtung Pakistan entfliehen. In der Anfangszeit
lassen die Amerikaner, anstatt selber Bodentruppen einzusetzen, die Bodenoffensive
von dortigen Warlords ausführen - einige mit eindeutigem Drogenhintergrund,
denn die Opium-Produktion in der Tora-Bora-Region ist zu dieser Zeit die höchste
in ganz Afghanistan. Sie selbst bombardieren nur - zunächst von lediglich
einer Seite. Erst später werden US-Spezialeinheiten zur Verstärkung
geschickt, die auch das Höhlensystem auskundschaften sollen und selbstverständlich
über Nachtsichtgeräte verfügen. Dennoch: Gerüchten zufolge
hält Bin Laden sein letztes öffentliches Meeting am 25. November 2001
knapp drei Kilometer vor Tangikhula - praktisch in Sichtweite der ihn bekämpfenden
Mudschaheddin - bei ebenem Gelände! Drei Tage später flüchtet
er von 30 Mann begleitet mit Pferden über die Berge. Hatten wir schon erwähnt,
dass Osama bin Laden als Kind am liebsten "Bonanza" guckte?
Es gibt natürlich noch eine andere Variante von seiner Flucht aus Tora Bora,
die nicht so gern erzählt wird, zumal der Kreis der Zeugen recht klein ist:
Ein US-Soldat einer Spezialeinheit aus Fayetteville in North Carolina erzählte,
man habe Bin Laden am 28. November 2001 in einer ganz speziellen Höhle ausgemacht,
dieses gemeldet und auf den Befehl zum Zugriff gewartet. Gekommen sei statt dessen
ein schwarzer Helikopter, der dort niederging, Passagiere einlud und wieder aufstieg.
Neben dem "Fayetteville Observer" schreibt auch die "Newsweek"
darüber, die sich selbst dabei auf Einheimische bezieht, die "mehrere
schwarze Helikopter" zu dieser Zeit in dieser Gegend gesehen haben wollen.
Der "Independent" schreibt zudem über mysteriöse Todesfälle
auf eben jener Basis in Fayetteville - Monate nach diesem Ereignis. Fünf
Soldaten und ihre Frauen begehen 2002 offenbar Selbstmord. Drei davon sind - wie
eben jener Zeuge - Soldaten jener Spezialeinheit, die just aus Afghanistan in
ihre Heimat zurückkehrten.
Bin Laden wird allerdings noch lange Zeit in Tora Bora vermutet, auch weil bis
zum 10. Dezember 2001 über Kurzwelle aus dieser Region seine Stimme zu hören
ist. Die Mudschaheddin haben jedoch mit einem Al-Qaida-Kämpfer in Tora Bora
Funkkontakt aufgenommen. Dieser sagt zu dieser Zeit "Ich schwöre bei
allem was mir heilig ist, dass Osama Bin Laden nicht hier ist!" Am 17.Dezember
2001 fällt Tora Bora. 2 000 Kämpfer wurden in der Region vermutet; 200
sind gefallen. Ergeben haben sich knapp 20 Kämpfer. Ein paar Tage später
melden die Nachrichtenagenturen, dass Osama Bin Laden tot sei - lange vor der
Eroberung sei er an Bronchitis gestorben. Aber nein, sein Leichnam wurde nicht
gefunden. Am 27. Dezember 2001 meldet sich jedoch Bin Laden per Videobotschaft
über den Nachrichtensender Al-Dschasira zu Wort.
Es ist das vorläufige Ende von Bin Ladens Karriere als Kämpfer und der
Beginn des sich rein medial äußernden Bin Laden, dem dies sichtbar
nicht liegt. Er ist zur Reaktivität verdammt, kann nur seinen Kommentar zu
Terrorakten abgeben, die angeblich in seinen Namen ausgeführt werden statt
sie selbst auszuführen zu können. Im Falle von Sarkawi wird die Machtlosigkeit
von Osama Bin Laden zum ersten Mal deutlich: Sarkawi, der die US-Truppen durchaus
effektiv terrorisiert und fast zu einem Symbol des Widerstands gegen die Amerikaner
im Irak wird, verspielt alles wieder dadurch, dass er den Kampf nicht nur auf
die "Ungläubigen" begrenzt, sondern auch Anschläge gegen Schiiten
durchführt - u. a. das Attentat auf die Imam-Ali-Moschee, bei der 125 Menschen
sterben. Unter ihnen starb gleichfalls der als gemäßigt geltende und
äußerst populäre Großayatollah Al-Hakim. Bin Laden, der
immer zur Einigkeit im Kampf gegen den Westen auftrat und deshalb eine Versöhnung
mit den Schiiten anstrebte, kann nicht viel mehr tun, als schriftlich sein Missfallen
auszudrücken.
Philosoph Sadik al-Azm sagte dazu in der "Zeit", Bin Laden würde
gewissermaßen seinen letzten Kampf austragen. Mit seinem eigentlichen Ziel,
der Destabilisierung des arabischen Königshauses, sei er letztendlich gescheitert.
Tatsächlich kann Bin Laden nur in einer Sache auf Erfolge verweisen: Er ist
bisher noch nicht gefasst worden. Das liegt zum Teil nur daran, dass es "niemanden
im US-Staatsapparat gibt, dessen Aufgabe es ist, Bin Laden zu fassen. Niemanden!",
wie ein nicht näher genannter "counterterrorism official" der "Washington
Post" sagte. Die US-Spezial-Kommandos, die in Afghanistan und Pakistan nach
Bin Laden suchen, würden "keine Operation ohne die Pakistanis"
unternehmen.
Ali Mohamed, der nach den Attentaten von Nairobi und Dar es Salaam zunächst
verhaftet, angeklagt und am 20. Oktober 2000 schuldig gesprochen wurde und eigentlich
im Juli 2001 verurteilt werden sollte, wird nie offiziell verurteilt. Kurz nach
dem 11. September 2001 wird er von einigen Zeitungen als Beispiel geführt,
wie tief Al-Qaida die US-Regierung unterwandert habe. Wo er derzeit ist und was
er macht, bleibt weiterhin unklar.
Weiterführende Artikel der Redaktion:
Terrorismus - Eine kurze Einführung in Begriff und Geschichte
Weiterführende Links:
Datenbank für terroristische
Anschläge, Attentate und Amokläufe