atom.gif)
Nach der großen Welle der Anti-Atom-Bewegungen in den 80-er Jahren scheint
die Sensibilität bezüglich dieses Themas heutzutage neben Hartz IV,
Arbeitslosigkeit und durch die Medien immer näher gebrachte Kriege abgestumpft
zu sein. Zum 20. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe lebt das Interesse am Thema
gerade durch die jüngeren Generationen, welche an Tschernobyl keine eigenen
Erinnerungen haben, erneut auf.
"Heute herrsche größere Furcht vor Treibhausgasen
als vor Atomunfällen" - dies stellte der Chef der UNO-Atombehörde
IAEA, Mohammed el Baradei, fest. Der Film "Die Wolke" - bei dem ungeschickterweise
aus dramaturgischen Gründen die Katastrophe von Tschernobyl und nicht aus
realistischer Sicht der Vorfall von Harrisburg nach Deutschland transponiert wurde
- sollen speziell den jungen Generationen die Gefahren der Kernenergie vor
Augen führen.
Fraglich ist allerdings der Nutzen, mittels Filmtragödien Angst zu schüren.
Sinnvoller wäre eine sachliche Aufklärung der tatsächlichen Gesamtsituation.
Nach Angaben des Nuklearforums der Schweiz sind weltweit 445 AKW in Betrieb und
weitere 29 befinden sich im Bau. Bis zum Jahr 2020 - so schätzt die IAEA
- werden weitere 127 AKW mit jeweils 1000 Megawatt Leistung errichtet worden sein.
Allein die USA wollen bis 2050 etwa 50 Kernreaktoren neuester Technologie errichten
und Länder mit großen Bevölkerungszahlen und wachsendem Energiebedarf,
wie China und Indien, werden sehr wahrscheinlich diesem Kurs folgen. Ein globaler
Ausstieg aus der Kernenergie ist demnach ebenso realistisch wie eine globale Abmusterung
aller Armeen.

Eine
Abschaltung der 17 sich momentan in Deutschland in Betrieb befindlichen AKW, welche
ca. 1/3 der benötigten Stromlast liefern, wäre nicht ohne Weiteres mittels
fossiler und regenerativer Energiequellen zu ersetzen. Die Energieversorger müssten
also den fehlenden Bedarf im Ausland einkaufen - was mit ziemlicher Sicherheit
"billiger" Atomstrom sein wird und vermutlich zu neuen AKW im nahen
Ausland führen wird. Ob bei solch einem Szenario eine atomare Katastrophe
jenseits der Deutschen Grenze weniger schlimm wäre, ist wohl eher eine philosophische
Frage.
Allein in Frankreich befinden sich 58 Druckwasserreaktoren mit einem Anteil von
78 % an der gesamten Stromproduktion des Landes am Netz.
Durch die Abschaltung der eigenen AKW kann Deutschland sich also kaum vor den
Folgen einer atomaren Katastrophe schützen - im Gegenteil: Würden
sich Deutschlands AKW vorbildlich und störungsfrei behaupten, gäbe Deutschland
die Sicherheitsfrage nicht aus der Hand. Tschernobyl liegt noch relativ weit zu
Deutschland entfernt - trotzdem waren und sind auch hier die Folgen der damaligen
Katastrophe zu spüren.
Wirklich schützen können wir uns auf Dauer also nur durch Entwicklung
von Technologien und Know-how. Realistisch gibt es kurzfristig keine globale Alternative
zur vorhandenen Kernkraft. Die sichere Handhabung der Kernfusion steckt noch in
den Kinderschuhen, fossile Brennstoffe gehen zur Neige und regenerative Energien
können den Bedarf - zumindest nicht ohne schwerste Folgen für die
Umwelt - unmöglich decken.
Bleibt also scheinbar nur, bis zur Marktreife alternativer Energiegewinnungen
die Kernenergie "sicherer" zu machen. Aber ist das technisch überhaupt
möglich?
Die deutsche Kernkraft galt bislang als die "sicherste" weltweit. Das
gelang zum einen durch die Entwicklungen der Hersteller Siemens und ehemals AEG
/ KWU - allerdings grundsätzlich unter den wachsamen Augen der Umweltschutzorganisationen
welche dafür sorgten, dass sich "gefährliche Experimente"
in Deutschland nicht etablieren konnten.
Die drei Hauptprobleme der Kernenergie:
1) Die Sicherheit der Reaktoren und ihr Betrieb
2) Die Wiederaufbereitung
3) Der Abfall
Die Sicherheit der Reaktoren und ihr Betrieb
Spätestens seit dem 11. September 2001 gesellt sich zum normalen Betrieb
ein weiterer Faktor zur AKW-Sicherheitsproblematik:
Bislang wurden nur Risiken benannt, die bei absolut friedlichen Umständen
auftreten. Potenziell sind Kernkraftanlagen aber Angriffsziele im Konfliktfall.
Besondere Gefahr könnte dabei vom internationalen Terrorismus ausgehen. Staaten
mit Atomkraftanlagen sind in besonderer Weise verwundbar. Vergangene Attentate
haben bewiesen, dass Terroristen vor erheblichem zivilen Schaden nicht zurückschrecken.
Kernanlagen, Wiederaufbereitungsanlagen und Endlagerstätten sind potenzielle
Ziele von Terroristen. Aber auch Staaten zeigen sich möglicherweise bereit,
im knallharten Kriegsfall genau solche Anlagen gezielt zu beschießen und
Reaktoren als "schmutzige Bomben" zu missbrauchen.
Ist in Deutschland ein Großteil der Reaktoren imstande, wenigstens den Absturz
eines Militärjets - und mit etwas Glück auch eines Passagierflugzeuges
- zu überstehen, sieht es global gesehen sehr viel schlechter aus. Gerade
die russischen Reaktoren zeichnen sich größtenteils durch das Fehlen
eines stabilen Containments aus, welches nicht nur im Falle eines GAU die Umwelt
schützen, sondern auch im Falle eines - womöglich gezielten -
Flugzeugabsturzes den Reaktor vor seiner Zerstörung bewahren soll. Viele
AKW - auch in Deutschland - liegen in der Nähe von Einflugbereichen
großer Flughäfen.
Die Voraussetzung zum Reaktorbetrieb muss demnach weltweit an die Vorschrift zur
Errichtung einer entsprechend konzipierten Schutzhülle gekoppelt werden!
Widrigkeiten zum "sicheren" Reaktorbetrieb:
Menschliches Versagen: Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass bei der
Planung und beim Bau durch den Menschen keine Fehler unterlaufen. Menschliches
Versagen war es, dass den Tschernobyl-GAU ermöglichte oder das Dach einer
Gangway des Pariser Flughafen "Charles de Gaulle" einstürzen
ließ. Fehler können beim Betrieb, der Wartung und während etwaiger
Tests geschehen - und nicht zuletzt bei einem Störfall schwere Folgen nach
sich ziehen.
Störfälle selbst sind schwer zu simulieren. Einerseits ist die Betriebsmannschaft
selbst bedroht, andererseits drohen erhebliche Folgen für die Bevölkerung,
wenn die Unfallabfolge nicht gebändigt werden kann. Die Schnelligkeit bei
der Abfolge eines Unfalls setzt jede Betriebsmannschaft großem Stress
aus, unter dem die richtigen Entscheidungen getroffen werden müssen. Zudem
besteht die Möglichkeit, dass Behörden nicht angemessen reagieren
oder den Unfall nicht richtig einschätzen.
Um die Anlagensicherheit von Biblis Block A zu verbessern, sollten die Sumpfsiebe
ertüchtigt werden. Diese Siebe befinden sich an der Ansaugkammer des Not-
und Nachkühlsystems und sollen verhindern, dass Fremdkörper in den Kühlkreislauf
gelangen können. Dies könnte zum Beispiel passieren, wenn bei einem
Kühlmittelverlust-Störfall Isoliermaterialien in den Kühlkreislauf
geraten. Die ausführende Firma bewirbt dabei auf ihrer Webseite die umfangreichen
Leistungen in den Bereichen Planung, Lieferung und Montage der Sumpfsiebe.
Doch der BUND berichtet von Instandhaltungsmaßnahmen - nicht von Verbesserungen
- die im Zusammenhang mit Sumpfsieben erfolgten. Im Jahr 2003 wurde jedoch in
einem Gutachten festgestellt, dass der Einbau der dort existierenden Sumpfsiebe
nicht den tatsächlichen Anforderungen genügt. Somit handelt es sich
um einen ungenehmigten Betrieb des Kernkraftwerkes bezogen auf die zu klein
dimensionierten Sumpfsiebe, die viel zu schnell verstopft sein könnten.
Mit der Verstopfung der Sumpfsiebe hätte demzufolge der Notkühlkreislauf
empfindlich gestört werden können.
Im Jahr 2000 wurde im Bereich der Verbindung des Not- und Nachkühlsystems
ein Riss in einer Schweißnaht entdeckt. Diese Sicherheitsmängel wurde
allerdings erst nach 27 Jahren seit dem Bestehen im Biblis Block A entdeckt.
Im Jahre 1994 wurde eine Neufassung des Deutschen Atomgesetzes verabschiedet,
von dessen Zeitpunkt an alle zukünftig zu errichtenden Kernreaktoren diesem
Atomgesetz genügen müssen. Die wichtigsten Punkte dieses Gesetzes lauten:
Bei einem Störfall dürfen keine nennenswerten Schäden durch radioaktive
Substanzen im Umfeld des Reaktors auftreten.
Bei Eintreten schwerster Störfälle - zum Beispiel im Fall einer Kernschmelze
- muss der Unfall in vollem Umfang beherrscht werden. Die radioaktive Belastung
in der Umgebung muss dabei den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten entsprechen,
womit eine uneingeschränkte Nutzung sowie das Ausbleiben von Evakuierungen
in der Bevölkerung gesichert werden soll.
Die Novelle bezieht sich dabei nicht allein auf Störfälle, die im Inneren
des Reaktors ausgelöst werden. Reaktoren sollen fortan vor Naturkatastrophen
und äußerer Einwirkung
(zum Beispiel bei Aufprall von bemannten
oder unbemannten Flugkörpern) wirkungsvoll geschützt sein.
Im Wesentlichen schreibt das Gesetz vor, wie Brennstoffe erzeugt werden, der Betrieb
des Reaktors geregelt wird und die Endlagerung der Abfallprodukte aus dem Reaktorbetrieb
zu handhaben ist.
Um einen katastrophenfreien Reaktor zu realisieren, gibt es derzeit zwei Lösungsvorschläge
zum prinzipiellen Aufbau:
1. Eine Weiterentwicklung der weltweit geführten Leichtwasserreaktoren
(Generation III)
Zu diesem Zweck wurde eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, in der Siemens und Framatome
gemeinsam an der Konzeption der Generation III, dem "europäischen Druckwasserreaktors"
(EPR), beteiligt sind. Ein Teil des Konzeptes sieht das Erreichen einer
Reaktorleistung von 1600 Megawatt vor.
"Die Sicherheitssysteme wurden vereinfacht, mehrfach
redundant und diversitär ausgelegt und noch weiter automatisiert."
Zu den wesentlichen
Merkmalen der Konzeption gehören:
- Mehrere redundante Kühlkreisläufe
Die Notkühlung des Reaktors wird im Falle einer
Störung durch vier voneinander unabhängige Teilsysteme oder Stränge
sichergestellt. Jeder dieser Stränge kann die zugeordnete Schutzfunktion
komplett und autark ausführen.
Die einzelnen Stränge sind zudem auch räumlich voneinander getrennt,
d.h., sie sind in verschiedenen, einzeln geschützten Teilen der Anlage untergebracht.
Somit wird ein gleichzeitiges Versagen aller Stränge aufgrund von Einwirkungen
von innen oder außen (wie Brand oder Flugzeugabsturz) ausgeschlossen.
- Die Errichtung eines sicheren Auffangbeckens, welches einer Kernschmelze standhält
In einem solchen Fall würde die Schmelze innerhalb
des Containments auf einer speziellen Ausbreitungsfläche aufgefangen und
dort zuverlässig gekühlt.
Selbst unter solchen extremen Bedingungen würden die Auswirkungen des Störfalls
auf das Reaktorgebäude beschränkt bleiben.
- Eine Doppelschalbauweise des Reaktorgebäudes, um einen weitestgehend dichten
biologischen Schild zu sichern.
Ein äußert robustes Containment umschließt
beim EPR den Reaktor.
- Es steht auf einer einzigen sechs Meter dicken Fundamentplatte aus Stahlbeton.
- Der obere Teil ist doppelschalig ausgeführt und besteht aus einer inneren
Hülle aus vorgespanntem Beton und einer äußeren Stahlbetonhülle
(die sich über das Reaktorgebäude, das Brennelementgebäude, die
Kraftwerkswarte und zwei der vier Sicherheitsgebäude erstreckt). Da jede
Schale eine Dicke von 1,3 Meter aufweist, ergeben sich insgesamt 2,6 Meter Betonschichtdicke.
(
Quelle)
- Erhöhter Aufwand der Elektroinstallationen
Die zur Steuerung und Versorgung eingesetzten Kabelstränge werden konsequent
voneinander getrennt verlegt, so dass Beispielsweise der Ausfall einer gemeinsamen
Masseleitung verhindert wird.
- Vermeidung der Bildung von Wasserstoff durch technische MaßnahmenDas
Problem der Wasserstoffbildung:
Wasser beginnt mit seiner Aufspaltung in seine Bestandteile ab ca. 1700 °C
- dieser Fall ergibt sich bei einer Kernschmelze in einem Siedewasserreaktor.
In mit Wasser gekühlten Reaktoren kann es bei Temperaturen um 900 °C
zu einer chemischen Reaktion von Kühlwasser - zum Beispiel mit den zirkoniumhaltigen
Moderatorstäben - kommen.
Dabei oxidiert das Zirkonium - es nimmt dem Wasser den Sauerstoff.
Zurück bleibt Wasserstoff, der explodieren könnte, sofern zum Beispiel
bei einem Leck Luftsauerstoff eine Reaktion ermöglicht. Graphit wäre
ebenfalls in der Lage, Wasserstoff zu speichern und damit zur tickenden Zeitbombe
in einem graphitmoderierten Reaktor werden.
Die Reaktionsgleichung:
Zr + 2 H2O => ZrO2 + 2 H2
Mit katalytischen Verfahren wird der mit dem Kühlwasser abgeführte Wasserstoff
bei Raumtemperatur oxidiert und damit eine Anhäufung auch kleiner Mengen
von Wasserstoff unterbunden.
Das erste Kraftwerk mit Kernreaktor der dritten Generation wird derzeit in Olkiluoto
/ Finnland gebaut. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass der im Bau befindliche
Reaktor mit einer Leistung von 1600 Megawatt viel zu stark geraten sei. Aus Gründen
der Wirtschaftlichkeit wurde das ursprüngliche Konzept verändert, welches
lediglich einen Reaktor mit 600 Megawatt Leistung vorsah.
Nur für eine Übergangslösung hält der Abteilungsleiter für
Reaktortheorie am Forschungszentrum Jülich, Winfried Scherer, den EPR:
"Es
ist ein großer Fortschritt im Vergleich zu konventionellen Leichtwasser-Reaktoren,
aber der EPR ist noch nicht inhärent sicher."
Inhärent sicher wäre ein Reaktor, der bauartbedingt keine Kernschmelze
erlaubt. Naturgesetze sollen einen Unfall unmöglich machen. Inhärente
Sicherheit wäre ein wichtiger Punkt für die Zukunft der Kernkraft.
2. Der durch Helium gekühlte Hochtemperaturreaktor mit kugelförmigen
Brennelementen
Dieses Reaktorkonzept wurde in den Jahren 1960 bis 1980 durch die KFA Jülich
entwickelt, wobei der erste Prototyp 1986 in Betrieb genommen wurde. Der in Hamm-Uentrop
errichtete Prototyp erreichte eine Leistung von 2 MW. Nur drei Jahre später
- im Jahre 1989 - wurde der Betrieb ohne erkennbare technische Mängel eingestellt.
Dieser Reaktortyp gilt als Hoffnungsträger einer völlig neuen Generation
von Reaktoren, bei denen eine Freisetzung von radioaktiven Stoffen prinzipiell
ausgeschlossen ist. Entsprechend wird an der Weiterentwicklung dieses Reaktortyps
in China, Russland, Japan und den Vereinigten Staaten von Amerika gearbeitet.

Die
Brennelemente bestehen aus kleinen Graphitkugeln mit einem Durchmesser von 6 cm.
Die äußerste Schicht der Graphitkugeln besteht aus Siliziumkarbid,
das sich durch die Einwirkung von radioaktiver Strahlung nicht zersetzt. Das Material
weist zudem einen hohen Härtegrad auf und wird durch seine hervorragenden
elektrischen Eigenschaften auch bei der Entwicklung von Computerchips in der Zukunft
eine bedeutende Rolle spielen. Im Inneren der Graphitkugeln sind etwa 20.000 kugelförmige
Brennstoffteilchen untergebracht, die selbst nur einen Millimeter Durchmesser
aufweisen.
Jedes dieser winzigen Brennstoffteilchen ist dabei mit drei Schichten ausgestattet.
Die äußerste Schicht besteht aus Pyrokohlenstoff
(PyC), gefolgt
von der bereits bekannten Schutzschicht aus Siliziumkarbid
(SiC) und einer
inneren Hülle, die noch einmal aus Pyrokohlenstoff besteht. Pyrokohlenstoff
ist im Grunde Kohlenstoff, dessen Atome eine ganz bestimmte Struktur inne haben
- genau wie wir durch unterschiedliche strukturelle Anordnungen Nanoröhrchen
oder Diamanten herstellen können. Im Falle des Pyrokohlenstoffs wird eine
thermische Stabilität bis zu 2100°C erreicht; zusätzlich wird die
Freisetzung von Spaltprodukten aus der Kernreaktion verhindert. Mit dieser Schutzschicht
wird außerdem neben der mechanischen Stabilität durch das Siliziumkarbid
eine chemische Resistenz erreicht.
Durch die obere Öffnung des Reaktorkerns werden die kugelförmigen
Brennelemente zugeführt, die abgebrannten Elemente können im Anschluss
durch eine unten liegende Öffnung am Reaktorkern entfernt werden. Durch
dieses Prinzip der Zuführung von Brennelementen wird ein kontinuierlicher
Betrieb ermöglicht - Atomenergie am Fließband sozusagen.
Der Reaktorkern ist innen mit einer Schicht aus Graphit ausgekleidet, womit
eine reflektierende Wirkung auf Neutronen ausgeübt wird. Dieses einfache
Prinzip verhindert eine große Verluststrahlung nach außen und sorgt
durch die Reflexion der Neutronen für eine höhere Ausbeute bei der
Verbrennung in der Brennkammer.
Durch diese Effizienz wird zudem letzten Endes weniger Brennstoff für die
Energieerzeugung benötigt und entsprechend weniger Brennstoffabfall produziert.
Zur Steuerung der Reaktionen werden Absorberstäbe als Moderator eingesetzt.
Diese werden jedoch nicht - wie bei anderen Reaktortypen üblich - direkt
in den Reaktorkern versenkt, da hierbei die Brennstoffkugeln durch die Stäbe
verdrängt werden müssten beziehungsweise die Steuerstäbe blockiert
werden könnten. Statt dessen werden die Absorberstäbe im Mantel des
Reaktorkerns vor den aus Graphit bestehenden Reflektor gesenkt. Mit dieser Maßnahme
wird gleichfalls die Abschaltung des Reaktors vorgenommen.
Die Zerfallsenergie wird dabei an den Kühlkreislauf abgegeben, der durch
Helium durchströmt wird. Um das Helium flüssig zu halten, wird es einem
Druck von 60 Bar ausgesetzt. Das mit bis zu 250°C einströmende Helium
verlässt dabei den Reaktorkern mit einer Temperatur von 700°C. Solange
die Temperatur im Reaktorkern 900°C nicht überschreitet, wird das Helium
keine Radioaktivität aufnehmen. Das bedeutet im Grundsatz, dass die energieerzeugenden
Turbinen direkt durch das Kühlmittel angetrieben werden könnten, ohne
dass diese selbst radioaktiv belastet würden. Zur Sicherheit wird das Kühlmittel
jedoch durch einen Wärmetauscher gepumpt, in dem die thermische Energie an
einen getrennten Wasserkreislauf übertragen wird. Die Turbine wird also vorsichtshalber
durch das dabei verdampfende Wasser angetrieben, denn grundsätzlich könnte
bei einer Störung im Reaktorbetrieb die Kerntemperatur von 900°C überschritten
werden und bei einer direkten Speisung mit Helium die Turbinen verstrahlen.
Die hohen Temperaturen, die mit dem erhitzten Helium erreicht werden, sorgen
für einen Wirkungsgrad von 43% bei der Umwandlung in elektrische Energie.
Um nicht das Risiko eines Zwischenfalls zu provozieren, ist die Leistung des
Versuchsreaktors auf 2,5 MW beschränkt. Das Helium hat allerdings nicht
nur das Vermögen, Radioaktivität nicht aufzunehmen, sondern es dient
gleichfalls als Moderator bei einem Totalausfall im Hochtemperaturreaktor.
Verglichen mit normalem Wasser - auch bezeichnet als leichtes Wasser - erzielt
man mit Helium ein besseres Bremsverhältnis der Neutronen.
Durch den negativen Temperaturkoeffizienten schaltet sich der Reaktor bei einem
Stillstand des Kühlkreislaufs automatisch ab. Die dabei entstehende Nachzerfallswärme
im Reaktorkern übersteigt dabei nicht die kritische Grenze 1600°C. Im
Bereich des Graphitreflektors wird die Temperatur von 800°C nur knapp überschritten
- die Außentemperatur des Reaktordruckbehälters liegt im Fall der Notabschaltung
unterhalb von 400°C.
Um die Wärme abzuführen ist der Reaktordruckbehälter mit einem
radialen Kühlkörper versehen, über dessen Rippen die Wärme
an die Umgebung abgegeben wird. Im Endeffekt bedeutet das, dass im Fall eines
GAU ein Austreten von radioaktiver Strahlung ausgeschlossen ist.Doch dieser
Reaktortyp birgt Nachteile:
Das zur Energieerzeugung benötigte Uran verlangt einen hohen Anreicherungsgrad
durch Uran-238. Das bei der Kernreaktion entstehende Plutonium-239 kann zu 99%
in anderen Reaktoren als Kernbrennstoff eingesetzt werden. Die Gefahr der Proliferation
- also des Missbrauchs zur Herstellung von waffenfähigem Plutonium - wird
als gering eingeschätzt. Quellen berichten von Beispielen, nach denen zur
Herstellung von 10 Kilo waffenfähigen Plutoniums 10 Millionen Brennelemente
aufgearbeitet werden müssten. Außerhalb registrierter Anlagen wird
dieses Unterfangen als unmöglich eingeschätzt.
Waffenfähiges Plutonium definiert sich durch seinen Reinheitsgrad. Je größer
die Verunreinigung durch höherwertige Plutoniumsisotope, je unkontrollierbarer
sind die Reaktionen innerhalb des Plutoniumgemisches. So gesehen ist Plutonium
prinzipiell waffenfähig, es ist lediglich aufgrund seiner Reinheit eher zur
Waffenherstellung, als Brennstoff oder Spaltmaterial für Kernreaktoren entsprechend
klassifiziert. Mit einer hohen Isotopenreinheit von Plutonium liegt die kritische
Masse bei 4-5 kg, bei verunreinigtem Plutonium kann die kritische Masse bis zu
20 kg heran wachsen.
Um die Mengenangaben ins Verhältnis zu setzen:
Plutonium hat eine Dichte von 20 g pro Kubikzentimeter; 10 kg Plutonium nehmen
also ein Volumen von circa einem halben Liter ein - diese Menge wird üblicherweise
in einer Atombombe eingesetzt.
Doch die Brennstoffkügelchen beinhalten eine weitere Raffinesse: Durch
die Beimengung von Thorium-232 erbrütet sich der Reaktor zusätzlichen
Brennstoff, womit die Brennstoffkügelchen nicht mehr so abhängig von
der begrenzten Menge des eingesetzten Uran-235 sind - ganz im Gegensatz zu konventionellen
Reaktortypen.
Die Wiederaufbereitung
Allein in deutschen Kernkraftwerken fallen jährlich mehrere hundert Tonnen
ausgedienter Brennelemente an. Ursprünglich sah die Nutzung der Kernenergie
unter Wiederaufbereitung der Kernbrennstoffe den so genannten Brennstoffkreislauf
vor. Nach mehr als 50 Jahren Nutzung von Kernenergie ist dies aber selbst mit
heutiger Technik nicht mehr als eine Utopie.
In einer Wiederaufbereitungsanlage werden Brennelemente mechanisch zerkleinert
und in Salpetersäure aufgelöst. Mittels chemischen Prozessen wird
Plutonium vom übrigen Atommüll ausgefällt. Diese Prozesse müssen
allerdings aufgrund extrem hoher Strahlungsbelastung teilweise vollautomatisch
hinter meterdicken Betonwänden ablaufen.
Auch wird die ursprüngliche Menge des Atommülls durch Wiederaufbereitung
noch erheblich vergrößert und zudem seine Handhabbarkeit erschwert.
Der größte Teil der Reststoffe fällt nach der Aufbereitung als
radioaktive Flüssigkeit an. Dieses Gemisch ist stark ätzend und reichlichst
radioaktiv, so dass im ersten Schritt eine Trocknung dieser "Suppe"
erfolgt. Daduch kann sie nicht mehr ätzen, sofern sie nicht mit Wasser in
Berührung kommt - es fehlt ja die Möglichkeit der Bildung einer
Wasserstoffionenkonzentration, die mit dem pH-Wert gemessen wird.
Nun wird dieses feststoffliche, höchstradioaktive Gemisch in einem Spezialofen,
der auf 1180 °C erhitzt ist, überführt. So können diverse
Stoffe durch ausglühen der Masse - wie in einem Muffelofen - von ehemals
gebundenem Sauerstoff oder Kohlendioxid zum Beispiel befreit werden, was die
Gesamtmasse leicht reduziert.
Nun werden Glaskügelchen zugefügt, die sich bei der Schmelze mit dem
radioaktiven Abfall zusammen tun. In Glaswürfeln gebannt, landen diese
radioaktiven Reststoffe für die nächsten 30 Jahre in Stahlbehältern,
bevor sie der Endlagerung überstellt werden.
Von Recycling oder einem Kreislauf zu sprechen entbehrt also jeglicher Realität.
Zudem geben Wiederaufbereitungsanlagen im störungsfreien Normalbetrieb erhebliche
Mengen radioaktiver Substanzen an die Umwelt ab. Allein in La Hague
(Frankreich)
werden
pro Tag 1,5 Millionen Liter radioaktiven Abwassers in den Ärmelkanal
geleitet und gelangen von dort aus in die Nordsee. In Sellafield
(Großbritannien)
waren es vor der Stillegung der zweiten Wiederaufbereitungsanlage des Komplexes
sogar
täglich 9 Millionen Liter. Nach Angaben des Betreibers wurden
jährlich 27,8 Millionen Curie von der gesamten Anlage an die Umwelt abgegeben.
Bei der Tschernobyl Katastrophe wurden nach Angaben der IAEO einmalig 50 Millionen
Curie aus dem 30 Kilometer großen Katastrophengebiet herausgetragen.
Allein acht zivile Wiederaufbereitungsanlagen sind derzeit weltweit in Betrieb:
Frankreich, La Hague: UP2-800, UP3
Großbritannien, Sellafield: B205, THORP
(zur Zeit stillgelegt)
Russland, Chelyabinsk: RT1
Japan, Tokai Mura: Tokai
Indien, Tarapur: PREFRE
Indien, Kalpakkam: KARP
Quelle: WISE-Paris
Weiterhin gibt es in vielen Ländern noch ausschließlich militärisch
betriebene Anlagen. In den USA wird die Wiederaufbereitung z.B. ausschließlich
militärisch betrieben und auch Russland betreibt militärische Wiederaufbereitung.
Die jährlich durch Wiederaufbereitungsanlagen abgegebene radioaktive Belastung
ist enorm.
Rückblickend kann man davon ausgehen, das das Märchen vom Brennstoffkreislauf
aufrecht erhalten wurde um, den Bedarf der Militärs an waffentauglichem
Plutonium zu decken. Eine "saubere" Wiederaufbereitung ist auch derzeit
technisch überhaupt nicht realisierbar.
Der Abfall
Nachdem sich die sogenannte "Wiederaufbereitung" als Flop erwiesen
hat, stellt sich dringender denn je die Frage: Wohin mit dem Atommüll?
Radioaktiver Abfall wird nach Wärme entwickelndem und nicht Wärme
entwickelndem Müll unterschieden und in schwach, mittel und stark belastetes
Material kategorisiert. Dabei orientiert man sich nach der Halbwertzeit des
strahlenden Elements. Die Halbwertszeit gibt an, wie lange es dauert, bis sich
die Masse eines Isotopes um die Hälfte reduziert hat. Sie gibt keineswegs
an, ob die Strahlung nach Ablauf dieser Zeit ungefährlich ist.
So sind die Zeiträume bei schwach- oder mittelstark belastetem Material mit
einigen hundert Jahren noch begreifbar und technisch zu bewältigen, bei stark
belastetem Abfall sprengen die Zeiträume jedoch das Vorstellungsvermögen
sowie technische Möglichkeiten. Jod-129 hat z.B. eine Halbwertszeit von unvorstellbaren
15,7 Millionen Jahren.
Zum Vergleich: Vor 15 Millionen Jahren vollzog sich die Spätphase der Alpenauffaltung
durch die irdische Tektonik, die Austrocknung des Mittelmeeres, antarktische Vereisung,
die Braunkohlenbildung in Europa, ...
Ein atomares Endlager müsste Sicherheit über mehrere Millionen Jahre
garantieren ... In Großbritannien überlegt man, wie Informationen
über atomare Lagerstätten auch den folgenden Generationen erhalten
werden können. In Anbetracht der Vergänglichkeit elektronischer Medien
griff man auf ein speziell entwickeltes Papier zurück. Papier hat bewiesen,
dass es Jahrtausende überstehen kann und die Informationen weiterhin lesbar
sind.
Man benutzte ein permanentes und säurefreies Papier ohne Lignin - welches
nicht zerfällt und sich nicht verfärbt - für diese Dokumente.
423 Dokumente mit insgesamt 11.718 Seiten wurden mit einem speziellen Verfahren
auf dieses Papier kopiert. Die fertigen Dokumente wurden dann in mit Kupfer
imprägnierte Beutel verpackt und in 16 Spezialbehälter eingelagert.
Zwei weitere Kopien der Dokumente wurden bislang angefertigt und an unterschiedlichen
Orten eingelagert. So will man die Informationen vor Verlust oder einer Katastrophe
schützen.
In Anbetracht dessen sind Vorgehensweisen wie das Verklappen von in Fässern
verpackten radioaktiven Mülls auf dem Meer
(wie von England und Frankreich
zeitweise betrieben) oder die
Herstellung und Nutzung panzerbrechender Munition aus abgereichertem Uran in Kriegsgebieten
(wie im Irak- und Kosovo-Krieg geschehen) unverantwortlich.
Auch das vergraben in ausgedienten Bergwerken ist angesichts dieser Zeiträume
ein nicht zu kalkulierendes Risiko.
Somit bleibt Vermeidung der einzige Weg, das Abfallproblem zu lösen.
Auch die Atomlobby denkt so langsam intensiv über das Abfallproblem nach.
Allerdings weniger aus Interesse am Umweltschutz; John Ryskamp vom Idaho National
Engineering and Environmental Laboratory
(INEEL): "In den nächsten
20 bis 40 Jahren ist das Uran noch billig genug für Einwegbrennstoff, danach
müssen wir anfangen zu recyceln"
Tatsächlich schätzen Forscher, dass die bekannten Uranvorkommen nur
noch bis 2030 ausreichen. Mit den geschätzten Uranreserven wäre der
Brennstoff beim derzeitigen Verbrauch mit einem Wirkungsgrad von ca. 30% noch
vor dem Jahre 2070 aufgebraucht - der wachsende Energiebedarf aufstrebender
Industrienationen wie China nicht eingerechnet.
Generation IV- Die Lösung?
Das Generation IV International Forum - kurz GIF - ist ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm
von Argentinien, Brasilien, Kanada, Frankreich, Japan, Südkorea, Südafrika,
Schweiz, Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika. Im Jahr
2000 einigte man sich auf einen Rahmen zur internationalen Zusammenarbeit in der
Kerntechnik, um Kernenergiesysteme einer zukünftigen Generation zu entwickeln.
Seit Juli 2003 ist die Euratom
(Europäischen Atomgemeinschaft) das
11. Mitglied der Forschungsgemeinschaft und ermöglicht so auch deutschen
Forschern an der Entwicklung mit zu arbeiten.
Die Ziele des Programms sind hochgesteckt:
So soll neben einer deutlichen Steigerung des Wirkungsgrades auch die Sicherheit
verbessert und eine drastische Reduzierung des Abfalls bis hin zur Reduzierung
der Halbwertzeiten stark strahlender Elemente durch Transmutation auf maximal
ein paar hundert Jahren erreicht werden.
Geschlossene Brennstoffkreisläufe oder vor Ort betriebene Aufbereitung
soll die Gefahren von Atomtransporten reduzieren.
Nach einem umfangreichen Auswahlverfahren wählte die GIF unter Beteiligung
der Nuclear Energy Agency der OECD, der Europäischen Kommission und der
IAEA im Juli 2002 sechs mögliche Reaktorsysteme aus, welche geeignet sind
die Vorgaben zu erreichen:
|
System
|
Kürzel
|
Neutronen-
spektrum
|
Kühlmedium
|
Temperatur
|
Druck
|
Brennstoff
|
Brennstoff-
zyklus
|
Grösse (MWe)
|
Anwendung
|
Gas-cooled fast reactor
Gasgekühlte schnelle
Reaktorsysteme
|
GFR
|
schnell
|
Helium
|
850°C
|
hoch
|
U-238 & MOX
|
geschl., vor Ort
|
288
|
Strom & Wasserstoff
|
Lead-cooled fast reactor (Liquid
metal cooled)
Bleigekühlte schnelle
Reaktorsysteme
|
LFR
|
schnell
|
Pb-Bi
|
550-800°C
|
tief
|
U-238 & MOX
|
geschl., regional
|
50-150
300-400
1200
|
Strom & Wasserstoff
|
Molten salt reactor
Salzschmelze Reaktorsysteme
|
MSR
|
epithermisch
|
Fluoridsalze
|
700-800°C
|
tief
|
UF6 in Salz
|
geschl., vor Ort
|
1000
|
Strom & Wasserstoff
|
Sodium-cooled fast reactor
Natriumgekühlte
Reaktorsysteme
|
SFR
|
schnell
|
Sodium
|
550°C
|
tief
|
U-238 & MOX
|
geschl.
|
300-1500
|
Strom
|
Supercritical water- cooled reactor
Wassergekühlte Reaktorsysteme
mit überkritischen Dampfzuständen
|
SCWR
|
thermisch / schnell
|
Wasser
|
510-550°C
|
sehr hoch
|
UO2
|
offen (th)
geschl. (s)
|
1500
|
Strom
|
Very high temperature gas reactors
Gasgekühlte Höchsttemperatur-
Reaktorsysteme
|
VHTR
|
thermisch
|
Helium
|
1000°C
|
hoch
|
UO2
|
offen
|
250
|
Wasserstoff & Strom
|
Die Prototypen aller 6 Typen zu entwickeln und zu bauen unterläge allerdings
enormen Kosten. Euratom beschränkt sich - um seine Forschungsgelder effektiv
zu nutzen - auf drei Modelle:
1.) Die Hoch- und Höchsttemperaturreaktoren
(HTR, VHTR). Ziel ist
eine Bewertung und Entwicklung der Technologien, welche für die Auslegung
und Genehmigung für Hochtemperaturreaktoren mit modularem, direktem Kreislauf
(HTR) und für Höchsttemperaturreaktoren
(VHTR) benötigt
werden.
2.) Gasgekühlte, schnelle Reaktoren
(GFR). Ziel ist eine Bewertung
der potentiellen Auslegungskonzepte zur Realisierung, sowie Ermittlung und Entwicklung
der erforderlichen Schlüsseltechnologien.
3.) Wassergekühlte Reaktoren mit überkritischen Dampfzuständen
(SCWR). Ziel ist eine gründliche Bewertung des Systems im Hinblick
auf die Feststellung seines künftigen Potenzials.
Das GIF rechnet
(je nach System), dass Prototypen zwischen 2020 und 2030
verfügbar wären und mit dem Beginn der Kommerzialisierung zwischen 2030
und 2040 begonnen werden kann. In Anbetracht der schwindenden Uranvorkommen quasi
"auf den letzten Drücker". Zudem überlegt Frankreich, seinen
Atompark in Anbetracht der kommenden Generation IV nicht mit den doch effektiveren
- und vor allem sichereren - Generation-III-Reaktoren zu erneuern.
Man wird erst 2015 entscheiden, ob nicht besser die Laufzeit der sich im Betrieb
befindlichen Reaktoren bis zur Marktreife der Generation IV verlängert
wird.
Das die Kernenergie derzeit ein derartiges Entwicklungsdefizit vorweist, geht
aber nicht nur auf das Konto der Atomlobby, welche beharrlich auf das Märchen
des Brennstoffkreislaufes der Generation-II-Reaktoren beharrte, sondern auch
auf das der Atomgegner, welche ungeachtet der technischen Realisierbarkeit das
Märchen der regenerativen Energieversorgung propagierte.
So könnten heute schon Reaktoren mit inhärenter Sicherheit -
Vermeidung einer Kernschmelze durch Naturgesetze - wie der in Deutschland
entwickelte HTR, anstelle der technisch teilweise bedenklichen Typ-II-Reaktoren
ihren Dienst verrichten. Doch diese Technologie lag fast 20 Jahre im Dornröschenschlaf.
Aber auch mit Reaktoren der Generation IV ist die Kernenergie keine Zukunftslösung
- eher eine Übergangslösung zum Ende der Gas-, Kohle- & Öl-Ära.
Auf
(nicht allzu) lange Sicht muss eine von Bodenschätzen unabhängige
Energieversorgung entwickelt werden.
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