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Harrisburg / Churchrock - Das China-Syndrom
Rubrik:Wissenschaft und Technik

vom: 12.03.2006


Harrisburg / Churchrock - Das China-SyndromIm Jahre 1979 lief in den amerikanischen Kinos ein Film an, der sich kritisch und warnend mit Kernenergie auseinander setzte. In "Das China-Syndrom" spielte Jane Fonda eine Reporterin, die einen Beitrag über Kernenergie in einen Kraftwerk nahe Los Angeles drehen will und bei der Besichtigung mit ihrem Kamerateam Zeugin eines Störfalls wird, der von den Betreibern vertuscht werden will. Während des fiktiven Störfalls steigt die Gefahr einer Kernschmelze und ein von der Reporterin interviewter Experte erklärt, dass im Falle des Austritts von Radioaktivität ein Gebiet von der Größe Pennsylvanias verseucht wäre und evakuiert werden müsse.
Noch im selben Jahr, in dem der Film in die Kinos kam, wurde er von der Wirklichkeit und der einher gehenden Titanic-Mentalität der Atomlobby gnadenlos eingeholt.

1979 ereigneten sich gleich zwei schwere Atomunfälle in den USA:

28. März 1979: Eine partielle Kernschmelze im Kernkraftwerk auf Three Mile Island nahe Harrisburg (Pennsylvania), in dessen Folge hochradioaktives Gas in die Atmosphäre abgelassen wurde.
Dieser Unfall im Kernkraftwerk von Three Mile Island gilt bis heute als schwerster - zumindest bekannter - in einem US-amerikanischen, kommerziellen Kraftwerk.

Der Unfall im Kernkraftwerk von Three Mile Island entstand durch eine Serie von menschlichem und technischem Versagen. Die Kette der Ereignisse hätte wohl an vielen Punkten unterbrochen werden können, wäre hier und da richtig reagiert worden und wäre dieses und jenes technische Element nicht defekt gewesen. Doch wie es solchen Unglücken zu Eigen ist, führt Eines zum Anderen und am Ende schien es unvermeidlich.

Am 27. März 1979 lief das Kernkraftwerk normal und unter vollautomatischer Kontrolle. Reaktor II hing am Netz und lieferte 97% seiner 1000-Megawatt-Kapazität. Zwei Arbeiter waren mit dem Ionenaustausch-Tank der Kondensatreinigungsanlage beschäftigt, der Kontaminationen im Speisewasser herausfiltern soll. In diesem Austauscher werden Granulatperlen verwendet, die an diesem Tag selbst ausgetauscht werden sollten.

28. März 1979, 4:00 Uhr morgens: Die Arbeiter haben Schwierigkeiten, als sie die alten Perlen auswaschen wollten. Die Perlen bildeten Klumpen und Verstopfungen. Eine Verstopfung durch Granulatperlen war kein allzu seltenes Vorkommen im Three Mile Island Kernkraftwerk und man war für solche Fälle entsprechend ausgerüstet und vorbereitet - doch diesmal scheiterten verschiedene Versuche, das Problem mit Wasser, Luftdruck oder Dampf zu beheben. Aufgrund von Problemen bei der Pumpensteuerung fiel in der Kondensatreinigungsanlage die Hauptspeisepumpe im sekundären Kühlkreislauf mit nichtradioaktivem Wasser aus. Das System reagierte darauf routinemäßig mit einer Notabschaltung des Reaktors.

Bei einer Notabschaltung werden die Regelstäbe in den Reaktorkern gesenkt, womit die nukleare Kettenreaktion beenden werden soll. Nach einer Abschaltung jedoch entsteht noch eine beträchtliche Menge an Nachzerfallswärme. Am Beispiel des Three Mile Island Kraftwerkes betrug die Leistung des abgeschalteten Reaktors noch 6% - circa 6 Millionen Watt - der gesamt möglichen Reaktorkernleistung.

Der Druck im Primärkreislauf stieg daraufhin auf 158 bar an und lag somit um 7 bar höher als im Regelbetrieb. Bei 155 bar hatte sich planmäßig ein Sicherheitsventil geöffnet, doch es hatte sich nicht wieder geschlossen, als der Druck unter die Marke von 155 bar zurückgefallen war. Die Instrumente in der Messwarte zeigten an, dass ein Schliess-Signal zum Ventil geschickt worden war. Sie zeigte jedoch mangels Sensorik nicht die aktuelle Stellung des Ventils an. Dieser Umstand sorgte dafür, dass das Versagen des Sicherheitsventils über zwei Stunden hinweg unbemerkt blieb. Dadurch sank der Druck weiter und mit ihm entwich in jeder Minute eine Tonne Kühlwasser, das seinen Zweck nicht mehr bestimmungsgemäß erfüllen konnte.

Das Notkühlwassersystem, das einen solchen Fall kompensieren sollte, war 42 Stunden vor dem Unfall getestet worden. Dabei wurden zwei Blockventile geschlossen, wurden aber nicht - wie zum Ende des Tests vorgesehen - wieder geöffnet. Die Notspeisewasserpumpen konnten aufgrund der geschlossenen Blockventile kein Wasser in die Dampferzeuger fördern. Nach acht Minuten wurden die geschlossenen Ventile bemerkt. Nachdem sie geöffnet wurden, begann das Notkühlsystem, die Dampferzeuger wieder mit Wasser zu versorgen.

Doch da immer noch Wasser und Dampf durch das Sicherheitsventil austraten, sank der Druck im Primärsystem weiter und es bildeten sich in den Aggregaten außerhalb des Druckhalters Dampfblasen im System. Durch die Volumenverdrängung der Dampfblasen verteilte sich das Wasser im System anders und der Druckhalter begann, sich mit Wasser zu füllen.

Da der Wasserstand im Druckhalter die einzige zuverlässige Anzeige der Menge des Kühlwassers im System war, wurde in Folge der Zufluss von Ersatzwasser reduziert. Man ging zu diesem Zeitpunkt davon aus, das Reaktorsystem sei mit Wasser überfüllt. Nach Vorgabe sollte man alles zu tun, um zu verhindern, dass sich der Druckhalter mit Wasser auffüllt, da der Druck im Kühlsystem nicht mehr zu kontrollieren wäre und es auseinander brechen könnte.

4:38 Uhr: Radioaktives Wasser und Dampf treten aus. Das Wasser landet in einem Auffangtank, der bald überfüllt ist. So fließt es ins Reaktorhaus und wird darauf in einen zweiten Tank im benachbarten Versorgungsgebäude gepumpt. Durch einen Abluftschacht entweicht jetzt erstmals radioaktives Gas in die Umgebung.

Zwischen 5:13 Uhr und 5:41 Uhr schalten die Techniker die Pumpen des Primärkreislaufs wegen starker Vibrationen ab. Diese wurden verursacht, da diese statt Wasser nur noch Dampf ansaugten, quasi trocken liefen - dieses war den Technikern zu diesem Zeitpunkt aber nicht bewußt.
Man ging immer noch davon aus, das eine natürliche Wasserzirkulation im System herrschte. Diese Zirkulation existierte jedoch nicht mehr, da nun Dampf die Leitungen blockierte. Das nicht mehr zirkulierende Wasser verdampfte nun auch noch zunehmend.

Nach ungefähr zwei Stunden und zehn Minuten war der obere Teil des Reaktors nur noch von Dampfschwaden umgeben und die Wärme konnte nur noch unzureichend abgeführt werden.
Eine bei hohen Temperaturen einsetzende Zirkonium-Wasser-Reaktion begann nun mit der Zersetzung der Brennstabhüllen.

Bei der Reaktion freigesetzter Wasserstoff sammelte sich zunächst im Reaktordeckel und gelangte dann über offene und durch Schäden entstandene Verbindungen in den Sicherheitsbehälter des Reaktors, der eine technische Barriere gegen das Austreten radioaktiver Stoffe darstellen soll. Wasserstoff vermischte sich mit dem vorhandenen Sauerstoff zu einem hochexplosiven Gemisch, auch Knallgas genannt.

Gegen 6:18 Uhr liegt das gesamte Kühlsystem des Reaktors still. In der Folge heizt sich der Kern fortwährend auf und beginnt mit seiner Schmelze. Ein Techniker entdeckt endlich das offene Ventil am Druckbehälter des Primärkreislaufs und schließt daraufhin ein dem Sicherheitsventil nachgeschaltetes Notventil.

7:24 Uhr: Nachdem im Reaktorgebäude eine weit überhöhte Gammastrahlung gemessen wurde, löst der leitende Ingenieur die höchste Alarmstufe auf Three Mile Island aus. Auch der Gouverneur von Pennsylvania wird nun über den Störfall informiert.

8:00 Uhr: Ein Radioreporter erfährt beim Abhören des Polizeifunks von einem Notfall auf Three Mile Island. "Radio Harrisburg" sendet darauf diese Nachricht um 8:25 Uhr in den Äther.
Die Reaktorkontrollkommission unterrichtet unterdessen Präsident Carter über die aktuelle Situation.
9:30 Uhr: Der Betreiber "Metropolitan Edison" gibt eine Stellungnahme ab: "Bei dem Störfall sei keine Radioaktivität freigesetzt worden, dies sei auch nicht zu erwarten."
Der im Kraftwerk ausgelöste Strahlenalarm wird in der Mitteilung jedoch nicht erwähnt.

In der Nacht von 28. zum 29 März 1979 wird der Reaktorkern mit Wasser aus Hochdruckpumpen gekühlt, doch die Dampfblasen im Kühlkreislauf verhindern den Fluss des Kühlwassers und damit eine deutliche Temperatursenkung. Diese wurden von den Technikern inzwischen entdeckt, nur dass sie teilweise aus hochexplosivem Wasserstoff bestehen, das wissen sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

4:35 Uhr: Es wird erstmals versucht, den Dampf in einen Tank im Versorgungsgebäude zu leiten. Doch die Leitungen sind undicht und weitere Radioaktivität entweicht in die Atmosphäre.

10:00 Uhr: Der Betreiber "Metropolitan Edison" gibt in Hershey bei Harrisburg die erste Pressekonferenz. 120 anwesenden Reportern versichert Präsident Walter Kreitz, dass der Ausstoß von Radioaktivität im normalen Bereich läge.
Der Vorsitzende der Reaktorkontrollkommission, Joseph Hendrie, erklärt zu dieser Zeit gegenüber Kongreßabgeordneten, dass der Unfall überstanden sei.

16:15 Uhr: Techniker nehmen eine Wasserprobe und machen eine alarmierende Entdeckung: Im Kühlwasser zirkulieren bereits ca. Zehn Prozent der gesamten Radioaktivität des Kerns.
Jetzt bemerken die Techniker auch, dass die Blasen im Kühlkreislauf aus Wasserstoff bestehen und wissen nun, weshalb das vermeintliche Wasser nicht kondensieren konnte - es war keines mehr da..

30. März 1979, 7:00 Uhr: Techniker wollen das Gas aus dem Primärkreislauf zu Tanks im Versorgungsgebäude leiten, doch der Tank einer Dekontaminationsanlage droht unter dem Druck der radioaktiven Dampfmischung zu explodieren. Um das zu verhindern, öffnen die Techniker ein Ventil und lassen Gas in die Atmosphäre entweichen.

8:34 Uhr: Das Kraftwerk informiert das Katastrophenzentrum von Pennsylvania darüber, dass eine Evakuierung des Reaktorumfeldes notwendig werden könnte.

10:00 Uhr: Eigenmächtig gibt ein städtischer Angestellter in Harrisburg, der die bedrohliche Entwicklung verfolgt hatte, einen sechsminütigen Sirenenalarm und löst damit eine Panik aus.

10:25 Uhr: Richard Thornburgh, Gouverneur von Pennsylvania, empfiehlt, dass Anwohner innerhalb eines Radius von 16 Kilometern um den Reaktor das Haus nicht verlassen,Fenster geschlossen halten und Klimaanlagen abschalten sollen. Eine Notwendigkeit für eine Evakuierung sieht er bisher nicht.

12:30 Uhr: Der Gouverneur bereitet jetzt doch eine Evakuierung vor und verfügt, dass Vorschulkinder und schwangere Frauen aus einem Radius von 8 Kilometern um den Reaktor zu evakuieren sind. Etwa 75.000 weitere Menschen fliehen indes aus Harrisburg und Umgebung.

Samstag, den 31. März 1979: Die Meldungen widersprechen sich:
Um 11:00 Uhr meldet der Betreiber des Kernkraftwerkes, die Gasblasen seien über Nacht um zwei Drittel geschrumpft, die Krise wäre nun vorbei.
Um 12:00 Uhr meldet die Reaktorkontrollkommission: Die Wasserstoffblasen wachsen weiter an. Das Gemisch drohe zu einem hochexplosiven Gemisch zu wachsen, steige der Sauerstoffanteil in den Blasen weiter an.
Diese Mitteilung veranlasst wieder tausende Menschen, aus der Region zu flüchten.

20:27 Uhr: Die Agentur AP meldet: "Dringende Nachricht: die Gasblasen könnten jede Minute explodieren." Innerhalb der Reaktorkontrollkommission streitete man indes über die Wahrscheinlichkeit und den Zeitpunkt einer Explosion im Reaktor.

1. April 1979: Präsident Carter besucht Three Mile Island. Um 14:00 Uhr teilt er der Presse mit, der havarierte Reaktor sei stabil. Doch erst später am Nachmittag gelingt es wirklich, das Gas aus dem Primärkreislauf abzuleiten.

4. April 1979: Gouverneur Thornburgh erklärt eine Woche nach Beginn der Unfallserie im Fernsehen, dass die Gefahr einer Reaktorkatastrophe gebannt sei.
Wieder enmal.

Die meisten der Evakuierten und geflohenen Menschen kehren an den folgenden Tagen in ihr Zuhause zurück.

Bei diesem Unfall gelangten ca. 1,5 Millionen Liter radioaktiv verseuchtes Wasser in den Fluss Susquehanna. Weiterhin wird geschätzt, dass während des Störfalls hochradioaktives Gas mit einer Aktivität von 10 hoch 15 Becquerel entweichen konnte - dies entspräche einigen Tonnen Uran.

Wie viel Radioaktivität genau durch den Unfall freigesetzt wurde, bei dem fast die Hälfte des Kerns von Reaktor II geschmolzen war, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Angeblich seien die Messdaten über die in den ersten beiden Tage entwichene Strahlung verloren gegangen. Hier dürfte es für die Menschen überaus interessant zu erfahren sein, ob denn die übrigen protokollierten Messdaten bis 1979 lückenlos archiviert wurden.
Untersuchungen der Universität von Columbia ergeben 20 Jahre später: Bei Menschen, welche der radioaktiven Wolke ausgesetzt waren, ist eine deutlich erhöhte Rate an Leukämieerkrankungen - einem Blutkrebstyp - festzustellen. Weiterhin stellte die Universität eine erhöhte Säuglingssterblichkeit, Schilddrüsenfehlfunktionen bei Neugeborenen sowie eine über dem Landesdurchschnitt liegende Häufung von diversen Krebserkrankungen fest.

Die Reaktorkontrollkommission stellt im nachhinein fest: Wäre das Sicherheitsventil am Druckbehälter des Primärkreislaufes nur 30 bis 60 Minuten später geschlossen worden, wären die Brennelemente wahrscheinlich komplett geschmolzen und der Reaktor wäre außer Kontrolle geraten.

Eine kanadische Zeitung berichtet Mitte der Achtziger Jahre über eine eidesstattliche Aussage von Jane Rickover. Die Schwiegertochter des Admiral Hyman Rickover, dem ehemaligen, direkt unterstellten Admiral von Präsident Carter berichtete, dass unter anderem auch ihr Vater auf Wunsch Dritter nach dem Unfall seinen Einfluss auf den Präsidenten geltend machte, um so zu erreichen, dass die alarmierendsten Passagen aus dem Kommissionsbericht gestrichen wurden. Dieses geschah mit der Begründung: " ... weil der Unfall auf Three Miles Island unendlich viel gefährlicher war, als jemals öffentlich zugegeben wurde."
Der Vorfall wurde trotzdem noch mit der Stufe 5 (Ernster Unfall) nach der INES-Skala bewertet.

Die Entseuchung des havarierten Reaktors dauerte fast 12 Jahre an und verursachte Kosten von umgerechnet ca. einer Milliarde Euro.
Interessanterweise existiert im Internet eine Seite, die sich selbst "Bürger für Technik" nennt.
Dr. Ludwig Lindner, der Autor auf dieser Seite, spricht im Zusammenhang von Störfällen bei Atomreaktoren von gebetsmühenartig wiederholten Argumenten, die nach seiner Auffassung dadurch nicht richtiger werden. Er behauptet, dass es nie ernsthafte Schädigungen für die Menschen im Umfeld des Kernreaktors gegeben hätte und dass zu keiner Zeit nennenswerte radioaktive Belastungen in der Umwelt aufgetreten seien. Er behauptet auf seiner Seite, das bereits im Jahre 1979 ein GAU in einem Atomkraftwerk durchaus beherrscht wurde.
Er behauptet weiter, dass es noch nie in einem westlichen Atomkraftwerk zu Todesfällen gekommen sei und beginnt als nächstes den Versuch, Zahlen von Verkehrstoten und an den Folgen von Nikotingenuss gestorbener Menschen zum Vergleich und als Beweis für die Harmlosigkeit von Kernkraft heranzuziehen. Wer behauptet, dass Atomkraft im Vergleich zu anderen Industriezweigen weitaus ungefährlicher sei, der dürfte sich die Frage gefallen lassen müssen, welcher Betrag einen Menschen mit Doktortitel zu derartig naiven Aussagen bewegt.

Nur wenige Monate später, am 16. Juli 1979, ereignete sich ein Unglück, welches bis heute als der schwerste nukleare Unfall in der Geschichte der USA überhaupt gilt:
Beim Unfall von Chruchrock, einem kleinen Ort im Bundesstaat New Mexiko, brach "nur" ein Damm auf einer Breite von "nur" sechs Metern von neun Metern insgesamt. Der Damm ist Teil eines Absetz- und Verdunsterbeckens einer dort ansässigen Uranmühle.
Als sich die Rund 460 Millionen Liter Wasser und etwa 1000 Tonnen Schlamm und Geröll über das Land ergossen, kam zunächst niemand ums Leben, doch das Wasser des Rio Puerco war verseucht,
denn der Schlamm bestand aus Abraum einer Uranmine, versickerte im Boden und drang so in den diesen Nebenarm des Colorado River.

Hochradioaktive Substanzen wie Uran, Thorium, Radium, Polonium und eine Reihe anderer hochgiftiger Metalle, wie Kadmium, Aluminium, Magnesium, Mangan, Molybdän, Nickel, Selen, Natrium, Vanadium, Zink, Eisen, Blei und hohe Konzentrationen von Sulfaten verpesteten das Land und brachten Menschen und Tieren Krankheit und Tod. Noch Jahre später wurden Spuren der Verseuchung im Umkreis von etwa 120 Kilometer nachgewiesen.
Die entwichenen Materialien waren derart umfangreich, dass sogar Trinkwasserreservoirs in Arizona gefährdet wurden und mit ihnen das Trinkwasser von Las Vegas, Los Angeles und weiten Teilen Arizonas.

350 Familien - die meisten indianische Schafzüchter und Menschen vom Stamm der Navajo - lebten zu diesem Zeitpunkt in dem Reservat und waren mit ihren Herden auf das Wasser des Flusses angewiesen. Arglos führten sie weiterhin ihre Schafe zur Tränke, nicht ahnend, dass das Wasser des Flusses bereits hoch verstrahlt ist.1700 Menschen waren von diesem Unfall betroffen. Ihnen wurde die einzige Trinkwasserquellein der Region genommen. Mehr als 1000 Schafe und andere dort lebende Tiere verendeten an den Folgen des radioaktiv verseuchten Wassers.

Doch der Unfall hätte vermieden werden können. Die Firma United Nuclear wusste bereits zwei Monate vor dem Unfall von Rissen in der Mauer des Dammes, unternahm jedoch keine Anstrengungen, den in seiner Struktur geschwächten Damm zu reparieren. Um die Leichtfertigkeit dieser Entscheidung zu verdeutlichen, seien hier die üblichen Bearbeitungsschritte von Uran in dieser Firma erläutert:
aus Sandstein werden die Erze ausgespült, wobei das Uran selbst in einer Reaktion mit Schwefelsäure in Reaktion gebracht wird und die damit gewünschten Isotope ausgelaugt werden. Als Abfallprodukt bleibt eine Schlacke zurück, die selbst noch 85% der ursprünglichen Radioaktivität aufweist.dieses Gemisch aus Schlacke und Wasser - im Fachjargon "Likör" genannt - wurde in ein Sammelbecken geleitet, in welchem das "Lösemittel" allmähliche verdampfen sollte, womit die Schlacke allmählich verdichtet wird. und dabei wurden lediglich 0,1% des ursprünglichen Materials für die Gewinnung von Uran aus dem geförderten Sandstein entfernt.
Zunächst wurde die Bevölkerung nicht über den Zwischenfall informiert. Dann hieß es von Seiten der verantwortlichen Firma: "Es besteht keine Gefahr."
Doch der Unfall muss stattgefunden haben. Menschen, die selbst zu so genannten "Native People"zählen, werden sich schwerlich mit der Thematik von Aufbereitungsanlagen und Anlagen zur Konvertierung von Uranerz für Atomreaktoren auseinander gesetzt haben. Diese Menschen sprachen im Zusammenhang mit Verunreinigungen durch die Uranmühle von "gelbem Dreck".
Gemeint ist damit das aus Uran erzeugte Zwischenprodukt, dass in diesem Industriezweig auch mit "yellow cookies" - gelben Keksen - bezeichnet wird. Ein Indiz dafür, dass diese Verunreinigungen tatsächlich existierten.
Einige Tage später wurde jedoch von United Nuclear eingeräumt, dass eine Gefahr bestehen würde.

Die US-Regierung stellte einen Monat nach der Katastrophe Schilder auf, die davor warnten, das Wasser zu trinken. Doch Schafe können keine Schilder lesen und eine derart verspätete Warnung verdeutlicht, welchen Stellenwert die dort lebenden Menschen in den Augen der Regierung besaßen.

Churchrock ereignete sich nicht in einer US-amerikanischen Metropole. Es waren nicht hunderttausende Bürger gesundheitlich gefährdet, es handelte sich - vermutlich nach Meinung der Verantwortlichen - lediglich um ein paar Indianer, denen die Gesundheit und die Lebensgrundlage genommen wurde.
Vielleicht war es diese Haltung, dieses "nur ein paar Indianer", das dazu führte, dass Churchrock so schnell in Vergessenheit geriet.

Verantwortlich für diese Katastrophe ist sowohl die Betreiberfirma als auch die Regierung der Vereinigten Staaten:
So war bekannt, dass es kein erprobtes Verfahren gibt, mit dem ein Versickern der radioaktiven Schlacke konzeptionell verhindert werden kann. Wenn man bedenkt, dass die Halbwertszeit mancher Isotope ungefähr 80.000 Jahre beträgt, ist so eine Vorgehensweise mehr als fahrlässig.
Und das, obwohl vor der Genehmigung zum Betrieb dieser Anlage bekannt war, dass der Boden möglicherweise nicht der Belastung derart aggressiver Substanzen standhalten würde.

Zahlreiche Ingenieure versicherten, dass der Damm entsprechend seiner Belastung konstruiert worden wäre. Am betreffenden Unglückstag war der Stausee über seine maximale Belastung hinweg belastet worden. Der erhöhte Flüssigkeitsstand betrug circa 60 cm. Dies entspricht einer Überbelastung von ungefähr 8%.

Ursprünglich wurde mit United Nuclear vereinbart, dass der aus Lehm und Ton bestehende Damm für höchstens 18 Monate genutzt werden würde.Er hätte also zum Zeitpunkt des Zwischenfalls im Kernreaktor von Three Miles Island längst außer Betrieb genommen werden müssen. Doch die Firma hielt sich offenbar nicht an die Vereinbarung und betrieb den Stausee 25 Monate, genau wie die Regierung dieses nicht überprüfte.

Die Betreiberfirma unterließ eine entsprechende Mitteilung an die Regierung, wonach im Bereich des Dammes deutliche Knackgeräusche zu vernehmen waren.Es gab demnach eindeutige Hinweise auf einem Havariefall.

Es war United Nuclear möglich, einen Damm zu errichten, der nicht dem ursprünglichen Entwurf der Firma selbst entsprach. Es war der Firma möglich, diese Anlage auf unsicherem Baugrund zu errichten. United Nuclear hatte weder einen angemessenen Katastrophenplan, noch ausreichend Mitarbeiter, noch erforderliches Material, um im Falle eines Überlaufes effektiv zu handeln.

Nach dem Dammbruch schickte die Firma kleine Mitarbeitergruppen stromabwärts, um mit der Reinigung des Geländes zu beginnen. Das Arbeitsmaterial bestand aus Schaufeln und 50 Fässern, die jeweils ein Fassungsvermögen von circa 25 Litern aufwiesen.
Proteste der Anwohner zwangen die Firma, die mit der Reinigung beauftragten Mitarbeiter um 30 bis 35 Personen zu erweitern.
Ein Sprecher der Firma erklärte, dass im Bereich des Flussbettes bis zu 10 Meilen vom Damm entfernt etwa 3.500 Tonnen von "möglicherweise" betroffenem Sediment entfernt wurde. Er erklärte weiter, dass die Kombination aus den Reinigungsbemühungen sowie den natürlichen Effekten - wie etwa Regen - verantwortlich für die Wiederherstellung des Normalzustandes waren.
Ein Beamter aus Arizona, der für die Überwachung der Wasserqualität verantwortlich war, sagte in einem Interview aus, dass der Regen das kontaminierte Material lediglich in seinen Staat gespült hätte. Und er sagte auch, dass gerade 1% der Rückstände aus diesem Dammbruch entfernt worden waren.
Doch United Nuclear versuchte, das Ausmaß der Verstrahlung herunterzuspielen.

Die nationale Gesundheitsbehörde der Vereinigten Staaten warnte lediglich davor, dass Niere und Leber lokaler Nutztiere unter Umständen hohe Dosen von Radioaktivität beinhalten könnten und daher nicht gegessen werden sollten. Die Gesundheitsbehörde sprach in der betroffenen Gegend die Warnung aus, dass das Wasser aus dem Fluss nicht getrunken werden sollte. Auch sollte das Ufer des Flusses bei starken Winden gemieden werden, da radioaktive Partikel leichter zu inhalieren wären. Die nationale Gesundheitsbehörde betonte jedoch, dass das Strahlungsniveau der in den betroffenen Gebieten ansässigen Tiere nicht die zulässigen Grenzwerte des Staates New Mexico überschreiten würden. Es sei jedoch wichtig, Vorsicht walten zu lassen, da die Gesundheitsrisiken bei niedriger Strahlendosis noch nicht vollständig bekannt wären.

Nach dem Bruch des Dammes wurde die Anlage außer Betrieb genommen.
Doch nur drei Monate später setzte United Nuclear die Produktion von Uran fort.

Es wurden Veränderungen in der Konstruktion des Dammes vorgenommen, doch wurden keine darüber hinaus gehenden Maßnahmen zum Schutz des Flusswassers eingeleitet.
United Nuclear versprach, dass die Anwohner mit sauberem Trinkwasser versorgt werden sollten. Die verendeten Tiere wurden nicht ersetzt - weder von United Nuclear noch von der amerikanischen Regierung. Die in der Nähe des Flusses lebenden Menschen beklagen, dass in den verseuchten Bereichen lediglich Schilder aufgestellt wurden. Aber die Kühe, Schafe und Pferde können diese Schilder nicht lesen. Schäfer, die am Flussbett entlanglaufen, versuchen stets zu verhindern, dass ihre Tiere aus dem Fluss trinken.
Ein Anwohner sagte zu den Schildern: "Doch die meisten von uns können Englisch weder lesen, noch schreiben oder sprechen. Wenn die Nachbarn wissen, dass du deine Wäsche im Fluss gewaschen hast, schütteln sie nicht deine Hände. Sie denken, dass wir hochgradig verstrahlt sind. Sie liefen sogar vor mir weg. Sie haben vor uns Angst. Das ist der Grund, warum uns die Menschen aus der Ferne beobachten und niemand hierher kommt, um uns zu helfen. Heute ist es feucht, aber an den Tagen, an denen es oben beim Flussbett trocknet, kommt der Wind entlang. Der Staub setzt sich auf dem Gras ab. Die Schafe essen es. Wir essen die Schafe. Wir wissen nicht, wie sich das auf unsere Gesundheit auswirkt."

Churchrock ist nur ein Beispiel von vielen, nach dem Naturvölker auf der gesamten Welt Opfer der Ausbeutung durch die Atomlobby sind. Die Gleichgültigkeit - insbesondere nach derartigen Havarien - mit der diesen Völkern begegnet wird, hat vielerorts den Anschein einer ethnischen Säuberung. Die Rücksichtslosigkeit, die Kurzsichtigkeit der amerikanischen Regierung im Jahr 1979 steht im Widerspruch zur amerikanischen Geschichte derer, die sie mit ihrer Einwanderung geschrieben hatten. Wo die Vereinigten Staaten nur wenige Jahre zuvor gegen ethnische Säuberungen Krieg führten, betrieb sie dieselbe im eigenen Land - so der Vorwurf vieler Naturvölker der USA.

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Links zum Thema:
http://www.x1000malquer.de/pa62647.html
http://www.infoe.de/
http://www.anti-atom-aktuell.de/archiv/115/115global.htm
http://www.jabiluka.de/info/Uran/Unsere+t%E4gliche+Bombe/
http://www.widerstandskraft.org/nr1/uranabbau-bombe.html
http://www.wise-uranium.org/uousa.html
http://davidthanson.net/writings2.html
http://www.dickshovel.com/HppnHere.html
http://www.hanksville.org/voyage/misc/uranium/ChurchRock.html
http://www.ccnr.org/me_worry_update.html
http://library.circlealpha.com/library/military/nukes_1.html
http://www.native-net.org/archive/nl/9408/0210.html
http://www.yvwiiusdinvnohii.net/News99/0699/IEN990609gathering.htm
http://qwert.diaryland.com/020802_93.html
http://freepages.folklore.rootsweb.com/~smokymtnman/churchrock.html
http://www.humanscape.org/Humanscape/new/october03/killingthem.htm
http://www.tahtonka.com/bordertown.html
http://www.buerger-fuer-technik.de/argumente.html

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Quellen und Buchtips:
Das China-Syndrom
Das China-Syndrom
von Jane Fonda Jack Lemmon
Die Wolke.
Die Wolke.
SZ Junge Bibliothek Band 11
von Gudrun Pausewang
Endlagerung radioaktiver Abfälle.
Endlagerung radioaktiver Abfälle.
Ein europäischer Organisations- und Kostenvergleich.
von Peter Drasdo
Grundlagen der Strahlungsphysik und des Strahlenschutzes.
Grundlagen der Strahlungsphysik und des Strahlenschutzes.
von Hanno Krieger
Die Wolke.
Die Wolke.
von Gudrun Pausewang

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