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Der neue Auftritt verspricht mehr Leistung. Arbeitssuchende werden schneller
und freundlicher bedient, Arbeitgeber bekommen passende Vermittlungsvorschläge"
so der Chef der Nürnberger Behörde gegenüber der Bild-Zeitung.
Das
neue
Logo, dass in der Erstellung rund 100.000 Euro gekostet haben soll, wird nach
Einschätzung von Marketingexperten wohl doch eher eine stolze Summe von 10
Millionen Euro verschlingen, wie in der
Rheinischen
Post zu lesen ist. Immerhin ist es ja nicht damit getan, dass diese geringfügige
Änderung am Logo der Agentur für Arbeit einfach auf allen zukünftigen
Dokumenten dieser Behörde auftauchen wird. Nein, da sind ja auch die diversen
Fassadenbeschriftungen, Tischaufsteller, Klingel- und Namensschilder, die alle
einer Erneuerung bedürfen. Nun - und schon jetzt fürchte ich mich vor
den Updatekosten des frischen, neuen Internetauftritts, der ja an sich schon einen
eigenständigen Skandal darstellt, da er bereits einen hohen zweistelligen
Millionenbetrag verschlungen hat - ein Preis, den zu formulieren sich wohl keine
der regionalen Webagenturen auch nur im Ansatz gewagt hätte.
Laut
Handelsblatt
gibt es auch Kritik aus dem Regierungslager zu diesem neuen Logo. So ist etwa
Thea Dückert, Fraktionsvize der Grünen der Ansicht, dass dieses Logo
in den Menschen Erwartungen wecke, die das noch im Umbau begriffene Amt bisher
nicht leisten könnte. Interessanterweise vermittelt Frau Dückert hier
den Eindruck, dieses schlichte Verändern des ursprünglichen Logos würde
überhaupt irgendetwas anderes wecken als Verständnislosigkeit. Immerhin,
als gelernter Webdesigner würde ich mich nicht trauen, für diese simple
Überarbeitung des Logos mehr als 10 bis 20 Euro zu verlangen - ist doch der
Arbeitsaufwand nicht höher als etwa 10 Minuten.
In Zeiten, in denen sich Menschen darüber austauschen, wie man am besten
ein Paar Tage im Monat ohne Essen überbrückt, erscheint es mir als vermessen
anzunehmen, dieses neue Logo und die entstehenden Kosten würden so etwas
wie „Hoffnung“ und „Erwartung“ wecken. Viel eher werden die
Menschen, denen immer wieder und unermüdlich erzählt wird, wie knapp
Gelder doch sind, und dass sie doch bitte schön Verzicht üben sollen,
einen gewissen Zorn verspüren und ganz gewiss Unverständnis äussern.
Von dem "mehr" an Leistung, das der neue Auftritt der Behörde
laut BA-Chef Weise vermitteln soll; von der neuen Freundlichkeit und den sagenumwobenen
passenden Vermittlungsvorschlägen merken zumindest die Hilfesuchenden nicht
viel. Wobei sich sicherlich so mancher Arbeitgeber freuen wird, wenn hochqualifizierte
Arbeitnehmer zum nahezu-Nulltarif als Praktikanten verfügbar sind.
Das neue Logo vermittelt den meisten Menschen wohl am ehesten, dass sie hier auf
gut Deutsch „verarscht“ werden.
So gesehen scheint der ganze Vorgang des Redesigns des Markenzeichens der Agentur
auch wie die Faust aufs Auge zu passen.
Hier werden Gelder ohne Sinn und Verstand verbraten die dann wieder fehlen, wenn
ein Mensch, der immerhin jahrelang in eine Versicherung eingezahlt hat, seine
Leistung abrufen muss.
Anstatt Leistung erwarten den Arbeitslosen eher Schikanen. Das fängt an bei
den Zwangsvorschlägen, sich doch bei Personaldienstleistungsagenturen zu bewerben,
deren hauptsächliches Bestreben es wohl in einem großen Teil der Fälle
zu sein scheint, das "Humanmaterial" optimal auszubeuten; geht über
die Termine, die oft genug eher kontrollierender Natur sind, morgens um 7
(damit
der Arbeitslose mal zu vernünftigen Zeiten aufsteht), am besten zwischen
zwei Feiertagen
(der Arbeitslose hat die Stadt nicht zu verlassen, der wird
doch nicht etwa irgendwo hingefahren sein, um sich zu entspannen?) Und das
alles nur, damit sich der vielzitierte Arbeitslose dann im Warteraum amüsieren
kann, bevor endlich der ach so wichtige Termin stattfindet, in dem man dann erfährt,
dass das Amt leider im Moment gar nichts für einen tun kann.
Die Schikanen enden wohl aber nicht bei so neuen und innovativen Ideen, wie
den
Fragebogen zum sozialen Umfeld der Hilfesuchenden. Hier wird der Bruch der
Intimsphäre geplant zu dem vorgeblichen Zweck, den Armen, teils ja schlicht
kranken und deswegen nicht vermittelbaren Menschen, zu helfen. Wieder einmal wird
hier das Bild vom Arbeitslosen propagiert, der ja vermittelt werden
könnte, wenn er sich doch nur mehr Mühe geben würde; wenn er nur
eben nicht in schadhafte soziale Netzwerke eingebunden wäre; wenn er nur
kein Suchtproblem hätte.
Es handele sich nur um Langzeitarbeitslose
mit massiven Schwierigkeiten, die eine Arbeitsvermittlung erschwerten, wie etwa
Suchtprobleme, sagte BA-Sprecherin Ilona Mirtschin.
Derartiges liest man also auf der weiter oben im Absatz verlinkten Site des ZDF-Nachrichtenformats
„Heute“. Mir als Leser drängt sich der Eindruck auf, es müsse
sich um eine sehr große Klientel dieser Art handeln, wenn nun solche „rettenden
Maßnahmen“ plakativ ankündigt werden müssen. Das scheint
mir auch der primäre Zweck dieser Ankündigung zu sein, eben diesen Eindruck
zu hinterlassen. Doch das Problem in Deutschland ist doch, dass wir eine Zahl
von offiziell 5 Millionen Arbeitslosen haben
(Die
„Financial Times Deutschland“ berichtete am 04.02.05 von einer wohl
tatsächlichen Zahl von 8 Millionen Arbeitslosen im Lande) und einfach
nicht genügend Jobs. Menschen, die sehr bemüht sind, einen Job zu finden,
bekommen eben keinen und haben ausser Unkosten für die Bewerbungen nichts
gehabt. Aber anstatt einzugestehen, dass man letztendlich machtlos ist, versucht
man es wieder und wieder auf diejenigen abzuwälzen, die ja unter der Misere
ohnehin schon zu leiden haben.
In Anbetracht
leerer
Haushaltskassen von den Kommunen bis hinauf zum Bund und der damit verbundenen
Sparmaßnahmen wirft sich überdies - um wieder auf den eigentlichen Anlass
dieses Kommentars zurück zu kommen - die Frage auf, ob es nicht sinnvollere
Verwendungsmöglichkeiten für öffentliche Gelder gegeben hätte.
Ob es nun die
Gewerkschaft
der Polizei ist, die den bundesweiten Sparkurs beklagt, oder die Feuerwehr,
die zunehmend in immer mehr Städten zu Tode gespart wird, überall finden
sich Schäden durch die massive Sparpolitik.
Wieder einmal mehr erweist sich die Behörde aus Nürnberg - wie schon im
Skandal
um die Umstrukturierung vom „Arbeitsamt“ hin zur Agentur für Arbeit
- als ein Hort sinnloser Investitionen. Schon damals hätte man für einen
Bruchteil der Kosten Lösungen von regionalen Anbietern erstellen lassen können
und man hätte dabei ganz nebenbei noch die ein oder andere Webagentur im
Raum Franken retten können. Wer weiss schon, wieviele - inzwischen arbeitslose -
Webspezialisten, von denen jeder natürlich auch in der Lage gewesen wäre,
im Rahmen etwa einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme dieses geradezu lächerlich
simple und bizarr teure Logo zum Kuscheltarif zu erstellen, ihren Job hätten
behalten können.
Wer mag dieses neue Wahrzeichen der Agentur für Arbeit wohl erstellt haben?
Noch wichtiger, wer hat der Behörde die Gelder für so einen Wahnsinn
freigegeben? Und wer um Himmels Willen hat sich innerhalb der Agentur dazu hinreißen
lassen, diesem Entwurf den Zuschlag zu geben?
In Ausübung meines Berufes hab ich auch schon das ein oder andere Logo erstellt.
Der Vorgang ist in aller Regel folgender:
Ein Kunde erteilt den Auftrag, gibt
einige Hinweise, wie das neue Kleinod aussehen soll; man macht dem Kunden schon
im Gespräch den einen oder anderen Vorschlag und geht dann zurück ins
heimische Büro - und macht sich Gedanken. Nach einigem Überlegen setzt
man sich an den Rechner und liefert ein, zwei Entwürfe. Diese werden dem
Kunden vorgestellt, es wird von Seiten des Kunden Kritik geübt, wenn er nicht
gleich wunschlos glücklich ist, und man erstellt im Zweifelsfall aufgrund
der Kritik einen neuen Entwurf; diesmal mit einiger Wahrscheinlichkeit schon den
endgültigen, denn man hat ja jetzt schon eine recht präzise Vorstellung
von dem, was der Kunde will.
Ja, ich vermute, meine bisherigen Kunden hätten mich mit meinem eigenen Laptop
verprügelt, hätte ich ihnen - anstatt etwas neues zu entwerfen - einfach
eine Minimalmodifikation ihres alten Designs gefliefert. Es sei denn natürlich,
der Kunde hätte sich nichts anderes gewünscht. Doch wenn der Kunde nur
eine solche Minimalmodifikation eines schon bestehenden Motivs wünscht, ist
er meist nicht bereit den Preis zu zahlen, den eine komplette Neuentwicklung kosten
würde.
Wie kommen also im Falle der Nürnberger Behörde diese enormen Kosten
zustande?
100 000 Euro sind eine enorme Summe, auch 30 000 wären eine enorme Summe
und im Falle dieses Logos wären selbst 50 Euro ein Wucherpreis.
Offenbar ist man in der Behörde weltfremd genug, um solche Preise für
normal und akzeptabel zu halten.
Wie kann das sein?
Zeigt sich in diesem Verschleudern öffentlicher Mittel nicht schon
eine kriminelle Qualität?
Die Bundesagentur legt Wert darauf, daß
in den 100 000 Euro Entwicklungskosten mehr stecke als nur das renovierte "A"
- zum Beispiel ein neues Farbleitsystem für Broschüren. Informationen
für Arbeitsuchende sind orange, für Arbeitgeber blau. Auch hier gilt
das Budget nur für die Idee, nicht für die Umsetzung.
schreibt etwa die
Welt
am Sonntag. Doch was hat es eigentlich mit der Idee des Farbleitsystems auf
sich? Ist das eine so revolutionäre Innovation? Lassen sich damit die enormen
Kosten rechtfertigen? Das Logo an und für sich kann ja schwerlich als eine
neue Idee bezeichnet werden - und das Copyright sollte bereits bei der Agentur
für Arbeit gelegen haben.
Eindrücke eines <noch> nicht arbeitslosen Webdesigners