Einleitung:
Nachdem nun nomadischen Stämme, welche aufgrund gemeinsamer Erfahrung eine
neue Religion mit nach Kanaan brachten, dort zu siedeln begannen (siehe dazu
auch die letzten Teile der Jüdischen Geschichte), finden wir zunächst
noch keinen einheitlichen Großstaat, sondern ein segmentiertes Volk, welches
aus verschiedenen gleichberechtigten Stämmen besteht. Und obwohl man davon
ausgehen kann (denn anders lassen sich die historischen Tatsachen nicht erklären),
dass die einzelnen Individuen sich als dieser Gemeinschaft irgendwie zugehörig
fühlten, so erhebt sich über ihrer Summe kein Herrscher. Wie kam es
nun bis zur Staatenbildung?
Von der Notwendigkeit eines Staatsstruktur:
Ja, und wir rufen uns erneut die letzten Teile der Informationsreihe ins Gedächtnis:
Die Charakteristik dieser Nomadenreligion im Unterschied zu den Religionen der
Großen Reiche (z.B. Ägypten) lag darin, dass sie nicht darum bemüht
war einen weltlichen Herrscher zu legitimieren.
Man mag zu diesem Phänomen der Zeit stehen wie man möchte, es hatte
einen erheblichen Nachteil, welcher sich spätestens beim Angriff der Philister
bemerkbar machte: das Militär. Dieses Manko, so glauben Historiker, führte
zu dem Bedürfnis einer einheitlichen Führung, und somit schließlich
zur Bildung des Staates Israel. Wie sah es Militärstrategisch genau aus?
Militärische Notwendigkeit - Gemeinsam kämpft man besser:
Einige wesentliche Züge der Problematik lassen sich beispielsweise im Siegeslied
der Debora finden (Richter 5), wo sich folgendes Bild abzeichnet: Ein Auserwählter
muss losziehen um die anderen Stämme (es gibt zwölf israelitische
Stämme) um Hilfe zu bitten, wobei jeder die Gefahr anders einschätzt
und im schlechtesten Fall nicht einmal zur Schlacht erscheint ("Gilead
blieb jenseits des Jordans. Und warum dient Dan auf fremden Schiffen? Asser
saß am Ufer des Meeres und blieb ruhig an seinen Buchten." Richter
5,17). Je nach Motivation der anderen Stämme erscheint somit eine Armee
variierender Größe, schlecht Bewaffnet und strategisch monoton ausgerüstet
(z.B. fehlende Streitwagen).
Religiöse Notwendigkeit - Verlust der Bundeslade als Gemeinschaftsidentität:
Schließlich kommt es zu einer fatalen Nachwirkung dieser Stammesrangeleien:
Bei der Schlacht zu Afek gegen die Philister werden die israelischen Kräfte
verheerend in einer offenen Feldschlacht geschlagen, wobei ihnen die Bundeslade,
dass tragbare Heiligtum, welches von allen Stämmen geehrt wird, abhanden
kommt.
Israel landet in einer tiefen Krise, von welcher der Ruf nach einem König
ausgeht. Die Bewertung dieses Wunsches fällt in der Bibel zunächst
einmal sehr negativ aus, verständlich, da ein solcher bisher nicht gebraucht
wurde. (1. Samuel 8). Nun erzählt uns die Bibel die Geschichte von Scha´ul
(Saul), welcher aufgrund seiner körperlichen Attribute (stark, groß)
ernannt wird und von nun an ohne Hauptstadt von Stamm zu Stamm zieht und über
einen längeren Zeitraum Heerbannführer ist (ein Heerbann als Gegenteil
zu einem stehenden Heer). Jedoch versagt Scha´ul in seiner religiösen
Aufgabe, da sich einer Zauberin anvertraut, womit das Mandat an David übergeht,
welcher einst als der ungeeignetste erwählt wurde.
Politische Notwendigkeit - Machtaufstieg des David
Doch lässt man diese mythologischen Aussagen einmal weg, so erschließt
sich aus dem Text ein etwas anderes Bild: des Söldners David. Dieser erledigt
mit seiner aus dem Ausland erworbenen Truppe (Kreti und Pleti, Kreta und Philister)
militärische Aufträge und häuft somit einiges an Reichtümern
an. Ja, er selbst steigt zu einer lokalen Macht auf und unterhält sogar
eine eigene Stadt. Durch Effektivität ist David somit in eine Königsrolle
hineingewachsen, so besiegt er erfolgreich die Philister und dann an Israel
angrenzende Gebiete. Er selbst wird zum König über Israel ernannt,
eint durch militärische Züge das Nord- und Südreich und festigt
seine Macht, indem er eine Stadt erobert, welche genau zwischen diesen beiden
Teilen liegt: Jerusalem, welche fortan Hauptstadt sein soll. Sie erhält
mehr und mehr königliche Züge, zum Beispiel einen Beamtenapparat,
eine dauerhafte Residenz und die Söldner avancieren zu einer persönlichen
Leibwache, werden teilweise jedoch auch in das neue Stehende Heer eingegliedert.
Nach einigen Problemen schafft es David einen seiner Söhne als Nachfolger
einzusetzen. Die königliche Dynastie hat begonnen.
Kritik:
Archäologische Befunde zeigen jedoch, dass es weder in ägyptischen,
noch in mesopotamischen Texten Hinweise auf ein israelisches Großreich
gibt und Bauprojekte (welche durchaus gefunden wurden) wiederum schwer zu datieren
seien. Diese Befunde geben Kritikern den Anschlag zu behaupten, alles sei nur
ein ideologisches Konstrukt aus dem 7. Jhd. vuZ.
Andere Argumente halten mit der politischen Lage der Zeit dagegen. So lagen
beide Reiche, Ägypten und Mesopotamien, am Boden. Ein Zustand also, in
welchem man keine teuren Steinwände mit Geschichten der Nachbarn behauen
kann. Zudem wurde im Norden Israels auf dem Hügel Dan ein Stück einer
Stehle gefunden, auf welcher die Siege eines Königs verzeichnet sind. Auf
dieser Stehle wird unter anderem damit geprahlt einen König aus dem Hause
Davids getötet zu haben.
Wie man die Sachlage auch betrachten will, Fakt ist, dass ein Übergang
von einer segmentären zu einer königlichen Gesellschaft, egal in welchem
Ausmaß, im 11. Jahrhundert stattfand.
Dynastie - Neue Herrschaft, neue Religion
König Salomo nun besaß einen hohen Grundbesitz, einen Beamtenapparat,
das stehende Heer und stützte das neue System auf zahlreiche Fronarbeiten,
was tiefe Einschnitte in allen Bereichen des bisherigen Systems bedeutete. Als
Reaktionen begannen sich neue Strömungen heraus zu kristallisieren. Die
Einen wollten das System theologisch stützten (Hoftheologie), während
die Oppositionstheologie, welche von der biblischen Prophetie getragen wurde,
die alten Traditionen durchsahen und mit der Herrschaftsform verglichen, danach
positiv oder negativ zu diesen Punkten standen. Die Hoftheologie hatte größtenteils
das Problem, dass sich eine Legitimation von Herrschaft in der bisherigen Religion
nicht vorkam, somit musste etwas Neues geschaffen werden, wobei sich die Hoftheologen
gerne aus bereits Bestehendem anderer Religionen bedienten (z.B. Ägypten).
Als ein Beispiel der Hoftheologie können viele Psalmen angeführt werden,
welche für diverse Anlässe verfasst wurden.
Die Hoftheologie bestützt den König auf einem adoptiven Verhältnis
zu Gott. In der Ägyptischen Religion war der Pharao der leibliche Sohn
Re´s und verkörperte gleichzeitig den Horus. Seine Aufgabe bestand
in der Aufrechterhaltung der Ma´at, der Gerechtigkeit (juristische, soziale
Ordnung, etc.). Zudem sollte er die Fruchtbarkeit garantieren (Nil) und war
der Vertreter des religiösen Kultes. In der israelischen Hoftheologie galt
der König nun als Repräsentant Gottes auf der Erde und hatte im Wesentlichen
drei Funktionen, welche parallel zu denen in Ägypten waren. Als erstes
galt er als Segensmittler zwischen Himmel und Erde, dann als Rechtshilfe für
Schwache und als Garant für die Gerechtigkeit. Als dritte Funktion war
er zudem Priester und verantwortlich für den Staatskult.
Die neue Theologie monopolisierte Gott demnach im König und verzahnte somit
Gott und Macht, was absolut konkurrierend zur Exodusreligion stand und letztendlich
zum Ausschluss des Volkes von der Religion führte.
Von der Religion einmal abgesehen brachte der neue Flächenstaat andere,
bisher unbekannte, Aufgaben mit sich. Er musste Nichtisraelis integrieren, und,
bedingt durch Fernhandel und Außenpolitik, Kontakt zu anderen Ländern
aufnehmen. All das führte natürlich wiederum zu religiösen Konsequenzen,
denn war bisher die Religion gleichbedeutend mit der Ausbreitung des Protostaates,
wurden diese Grenzen nun verschoben.
Die Notwendigkeit eines einheitlichen Bundes sorgte also zu einer neuen Identitätsfindung
und einer gesellschaftlichen Umstrukturierung des gesamten Landes. Die Exodusreligion
veränderte sich und wurde zur, wohlgemerkt, israelischen Religion. Von
einer jüdischen Religion spricht man allerdings ab dem Zeitpunkt des Exils,
in welchem unabhängig von Staat und Tempel neue Riten, wie Schabbat, Beschneidung
und andere, die Tempelopfer als religiöses Empfinden ablösten. Doch
dazu mehr in der nächsten Folge.
Weitere Artikel zum Thema:
Jüdische
Geschichte - Teil I: Die Zeit der Erzväter
Jüdische Geschichte
- Teil II: Der Exodus
Jüdische
Geschichte - Teil III: Die Landnahme