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Irak - Die Bilder rücken näher...
Rubrik:Politik

vom: 25.03.2003


tz. Der Medienkrieg läuft auf vollen Touren und die Reporter berichten live vom Schlachtfeld - mit einem einsatzleitenden Offizier als Co-Moderator an ihrer Seite. Embedded Reporters, also vom Militär ausgewählte Journalisten, berichten live aus der umkämpften südirakischen Stadt Umm Basr; umringt von einer waffenstarrenden Fallschirmjäger-Einheit.

Schüsse fallen stakkato-artig, Sand spritzt in die Höhe. Die Kamera erfasst ein brennendes Haus; man sieht einen flüchtenden Zivilisten auf einem Fahrrad, einige weitere zu Fuß - jedoch keine irakischen Soldaten, keine Verletzten, keine Opfer.
Rund um die Uhr soll uns ein sauberer, ja schon fast steriler Krieg ohne Tote und Verletzte vorgegaukelt werden. Doch die Bilder, welche zum Frühstück geliefert werden, lassen Raum für Spekulationen.

Smart-Bombs und Daisy-Cutters sollen uns weismachen, dass es möglich ist, einen Bombenangriff so präzise wie eine Operation am offenen Brustkorb durchzuführen und zivile Opfer dabei so gering wie möglich zu halten.
Laut amerikanischen Quellen sollen die meisten der ca. 3 000 Bomben, welche in den ersten Tagen auf Bagdads Häuser fielen, solche „intelligente“ Waffen gewesen sein. Doch schon bei den Angriffen auf Afghanistan konnte man beobachten, dass auch diese Bomben nicht unfehlbar sind.

Langsam sickern Bilder der dabei verletzten und getöteten Irakis sowie die der ersten getöteten oder gefangengenommen Alliierten durch. Doch wie geht man im Land „of the brave and the free“ damit um? Die Bilder werden gar nicht gezeigt, damit die Unterstützung nicht auf einmal in Anklage umschlägt!
Was geschieht, wenn sich die Berichte amerikanischer Sender häufen, in denen Verwandte öffentlich ihre Toten betrauern, wenn wieder, wie in Vietnam, Tausende auf den Kriegsfeldern ihr Leben lassen?
Nicht weniger als 70 000 Leichensäcke wurden von Logistikern der Alliierten geordert; auch diese Meldung wurde in den Vereinigten Staaten nur von wenigen Medien gesendet. Was geschieht mit der Unterstützung der Bevölkerung, wenn die ersten paar tausend Leichensäcke mit den Körpern der gefallenen alliierten Kämpfer ihre Heimatländer erreichen?

Ebenfalls stellt sich die Frage, wie die alliierte Strategie aussehen wird, sollte der Krieg nicht ein paar Tage dauern, sondern vielleicht 4 Wochen, 4 Monate oder gar 4 Jahre? Kann man dann noch Tote, Verstümmelte, Obdachlose und Waisenkinder verschweigen?
Und was geschieht mit den Gefangenen auf beiden Seiten?

Artikel 13 der Genfer Konventionen besagt:
Kriegsgefangenen müssen jederzeit human behandelt werden. Jeder ungesetzliche Akt oder Unterlassung bei der in Haft nehmenden Macht die Tod oder ernsthafte Beeinträchtigung der Gesundheit des Kriegsgefangenen während des Gewahrsams ist untersagt, und wird als ein ernster Verstoß der vorliegenden Konvention betrachtet.
Insbesondere darf kein Kriegsgefangenener körperlich verstümmelt oder zu medizinischen oder wissenschaftlichen Versuchen benutzt werden, die nicht durch medizinische, zahnärztliche oder spitale Behandlung des betreffenden Kriegsgefangenen gerechtfertigt sind, und in seinem Interesse durchgeführt werden.

Gleichermaßen müssen Kriegsgefangene jederzeit beschützt werden, insbesondere gegen Gewaltakte oder Einschüchterung und gegen Beleidigungen und öffentliche Zurschaustellung.

Vergeltungsmaßnahmen gegen die Kriegsgefangenen sind untersagt.


Würden sich beide Seiten an diesen Artikel halten, wonach das öffentliche Vorführen von Gefangenen verboten ist, wären die Bilder von in die Gefangenschaft marschierenden Irakis und verängstigten GI’s nicht möglich. Auch andere Fragen drängen sich auf: Wie weit ist der jetzige Kriegsgrund der Alliierten als relevant zu bezeichnen wenn sich herausstellt, dass der irakische Widerstand zu großen Teilen dem erbitterten Hass der „ganz normalen Leute“ auf eine amerikanische Invasion zuzuschreiben ist?

Die Schiiten im Süden und die Kurden im Norden jedenfalls haben weder die Angriffe der Amerikaner im ersten Golfkrieg vergessen, noch Saddams Vergeltung für ihre Unterstützung der Amerikaner, welche seelenruhig von der anderen Seite der Grenze zuschauten als Zehntausende massakriert und vergast wurden.
Bis zum jetzigen Zeitpunkt deutet jedenfalls nichts darauf hin, dass der Irak noch Massenvernichtungswaffen besitzt oder gar B- oder C-Raketen abfeuern wird.
Alle in Kuwait eingeschlagenen Scud-Raketen stellten sich im Nachhinein als für den Irak legale Al-Samud-Raketen heraus, wie auch vom Pentagon bestätigt wurde.

Dass ein Machtherrscher wie Saddam, welcher sein Volk mit selten gesehener Härte und Grausamkeit unterdrückt und ausnutzt, abgesetzt gehört, steht außer Frage. Es kann durchaus politisches Kalkül dahinter stecken, dass bis jetzt kein Beweis eines Verstoßes gegen die UNO-Resolution 1441 gefunden wurde.

Doch kann man niemanden ohne Beweise verurteilen, schon gar nicht ein ganzes Volk, dass unter den UN-Sanktionen schon genug zu leiden hatte.
Solange die Beweise nicht erbracht werden, dass sich Saddam wieder in den Besitz von geächteten B- und C-Waffen gebracht hat, bleibt dieser Krieg ein Angriffskrieg, der auf reiner Spekulation basiert und dem möglichen Erwerb von Macht und wirtschaftlichen Rohstoffen dienen könnte.


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Quellen und Buchtips:
Krieg gegen den Irak.
Krieg gegen den Irak.
Was die Bush Regierung verschweigt.
von Scott Ritter
Chronik eines gewollten Krieges.
Chronik eines gewollten Krieges.
von Hans von Sponeck, Andreas Zumach
Kommentar von: Wasserkantenjunge , 22.09.2004, 22:21
Tja so ist es nun eingetreten und ein Ende ist nicht sicht



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