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Unter dem Decknamen Artischocke lief fast ein halbes Jahrhundert
lang ein geheimgehaltenes Projekt bei dem heute noch vieles im Dunkeln
liegt. Es geht um eine erschreckende Facette der Arbeit der CIA, um die sich
allerdings auch viele Legenden ranken:
Mind-Control. Nach dem Krieg hatte
die CIA - offenbar ohne jede Bedenken - eine ganze Reihe von Nazi-Wissenschaftlern
angeworben, welche über viel Erfahrung beim Experimentieren mit biologischen
und chemischen Stoffen verfügten: Sie hatten diese Stoffe an Menschen,
vornehmlich KZ-Häftlingen, ausprobiert. Wohlgemerkt, die CIA hatte die
Deutschen nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer berüchtigten Forschungsmethoden
unter ihre Fittiche genommen. Der Begriff Operation Artischocke steht für
scheußliche und illegale Menschenversuche, die in den 50er Jahren des
letzten Jahrhunderts vom amerikanischen Geheimdienst durchgeführt worden
sind - es geht um Experimente mit
Gehirnwäsche.
Ein eklatanter Verstoß gegen damals wie heute geltende Gesetze, aber leider
wenn es um die Geheimdienste dieser Welt - leider auch für die der demokratischen
Staaten - geht, bei Weitem keine Seltenheit.
Die Hintergründe dieser Operation wurden eigentlich nur deshalb bekannt,
weil Eric Olson die mysteriösen Umstände des "Selbstmordes"
seines Vaters im November 1953 aufklären wollte. Besagter Dr. Frank Olson
war CIA-Agent und unmittelbar an den Geheimversuchen beteiligt gewesen. Er war
Experte für
Anthrax
und andere
biologische
Waffen und somit Geheimnisträger ersten Ranges. Vermutlich musste er
sterben, weil er zu viel wusste. Eric Olson war überzeugt, dass sein Vater
von der CIA ermordet wurde, weil er aussteigen wollte. Nachdem die Leiche von
Dr. Frank Olson 40 Jahre nach dessen Tod exhumiert und obduziert worden war,
kamen Gerichtsmediziender der George-Washington University in Washington DC
zu dem Ergebnis, dass Frank Olson sehr wahrscheinlich einem Gewalltverbrechen
zum Opfer gefallen ist.
Dr. Olson war in den Laboratorien der U.S Army in Fort Detrick beschäftigt.
Diese biologische Waffenschmiede wurde im Jahre 1943 gegründet - man befürchtete
damals, Hitlers Wehrmacht könnte die Alliierten Truppen mit Bazillen und
Viren angreifen. Deswegen wurden in Fort Detrick in aller Eile Gasmasken entwickelt
und auf Anthrax basierende Kampfstoffe produziert um im Falle eines Angriffs
durch die Nazis mit den gleichen Waffe zurückschlagen zu können. Der
Bio-Chemiker Dr. Frank Olson - im Range eines Captains der Army - war damals
einer der ersten Wissenschaftler in Fort Detrick. Mit ihm zusammen arbeitete
dort damals Norman Cournoyer, mit dem Olson bald eine tiefe Freundschaft verband.
Norman Cournoyer:
Wir arbeiteten 5 Monate lang in der Aerosol-Abteilung
um herauszufinden wie gut unsere Gasmasken und Schutzkleidungen funktionierten.
Eines Tages wurde Frank versetzt, um mit an gefährlichen patogenen Bakterien
zu arbeiten. Er sagte: Norman, wie wäre es wenn du für mich an "Hotstuff"
tätig wirst? So haben wir das genannt. N stand für Anthrax, X für
Fleischvergiftung. Also butolismus und so weiter.
Die Anfänge der Operation Artischocke gehen auf das Jahr 1945 und die Befreiung
des Konzentrationslager Dachau zurück. Die amerikanischen Truppen stießen
auf hunderte von Leichen ermordeter oder verhungerter Insassen. Viele der Überlebenden
berichteten den U.S-Ärzten von grausamen Experimenten, die von den Ärzten
der Konzentrationslager an den Häftlingen mit Krankheitserregern und Drogen
vorgenommen worden waren.
Wenige Wochen später wurde auf Schloss Kransberg nördlich von Frankfurt
die wissenschaftliche Elite Nazideutschlands inhaftiert und von amerikanischen
Offizieren verhört - das Projekt trug den Namen "Operation Dustwind".
Die Amerikaner wollten die Ergebnisse der deutschen Kriegsforschung auswerten
und für ihre Zwecke nutzbar machen. Unter den Gefangenen in Kransberg waren
auch jene Experten für biologische Kriegsführung, die in Dachau die
Wirkung tödlicher Keime an Menschen erprobt hatten. So auch Professor Kurt
Blome - ehemaliger stellvertretender Reichs-Ärzteführer und graue
Eminenz der deutschen B-Waffen Forschung. Auf dem Militärtribunal gegen
die KZ-Ärzte wurde Blome 1947 trotz erdrückender Beweislage freigesprochen
- wie es scheint hatten die Amerikaner noch etwas mit ihm vor. So machte er vor
dem Tribunal auch keinen Hehl aus seiner Gesinnung:
Ich
habe hier in aller Offenheit bekannt, das ich ein überzeugter Nazionalsozialist
und Anhänger Adolf Hitlers gewesen bin.
Norman Cournoyer:
Wir waren an allen Experten interessiert,
die sich mit biologischen Waffen auskannten.
Die Amerikaner bewahren Kurt Blome vor der Todesstrafe und als Gegenleistung
gab Blome Auskunft über das B-Waffen-Programm der Nazis. Unter den Spezialisten,
die Blome befragen war auch ein Freund und Kollege Frank Olsons namens Donald
Falconer. Falconer war für die Entwicklung der mit Anthrax gefüllten
Bomben zuständig, schweigt aber bis zum heutigem Tage über seine damalige
Arbeit - auch gegenüber dem Sohn seines damaligen Freundes Eric Olson.
Eric Olson stieß im Nachlass seines Vaters auf Filmdokumente und Dias.
Dr. Frank Olson war begeistert von Schmalfilmen. Die Aufnahmen welche er machte
lassen nichts von seiner geheimen Tätigkeit ahnen. Sie zeigen die heile
Welt eines typischen jungen, amerikanischen Familienvaters. Aber auf einem der
Filme seines Vaters stößt Eric unmittelbar nach Aufnahmen seines
Großvaters auf eine Sequenz, die offenbar geheime Sprühflüge
aus dem Jahr 1947 zeigt. Mit Hilfe der Erkenntnisse von Blome und anderen Naziwissenschaftlern
experimentieren die Amerikaner an künstlichen Seuchen, durch die Ernten
vernichtet werden konnten. In Fort Detrick wurde zu dieser Zeit massiv an bakteriologischen
Waffen aufgerüstet, dabei vor allen Dingen mit Anthrax Sporen, welche sehr
widerstandsfähig und somit gut für die biologische Kriegsführung
geeignet sind. Anthrax wird kultiviert und dann in Bomben abgefüllt. Die
Amerikaner hatten Angst vor den sowjetischen B-Waffen. da man befürchtete,
dass, wenn sich aus dem kaltem ein heißer Krieg entwickeln sollte, dieser
mit tödlichen Bakterien geführt werden würde. Die Army forderte
deshalb volle B-Waffen-Arsenale.
Frank Olson ist häufig mit der Air Force unterwegs gewesen, um mit seinen
Mitarbeitern Freiversuche mit Kriegskeimen durchzuführen, so geschehen
z.B auf der Karibik Insel Antigua. Bei diesen Tests sollte die Ausbreitung der
Seuchen unter realistischen Bedingungen erforscht werden. Bei den meisten Experimenten
in der Karibik oder im tief verschneiten Alaska arbeiten Olsons Leute mit weniger
gefährlichen Bazillen, manchmal aber auch mit "Hotstuff" - gefährlichen
Krankheitserregern.
Norman Cournoyer:
Wir haben keine Anthrax-Sporen eingesetzt,
sondern Bacillus Globigii - Sporen die Anthrax sehr ähnlich sind. Wir
taten damals Dinge, die nicht ganz koscher waren. Die Sporen konnten noch
Monate später in großer Entfernung aufgespürt werden.
Auch über der San Francisco Bay wurden Sporen freigesetzt - man wollte
testen wie verletzlich die Stadt bei einem russischen Sabotage-Akt wäre.
Im Oktober 1949 gerät Frank Olson, dessen Abneigung gegenüber Vorschriften
und unkonventionelle Art sich eigentlich nie mit seinem Job für die Army
vertragen hat, in den Verdacht des Geheimnisverrats. Er wird durch die militärische
Abwehr verhört und es ist dokumentiert, dass Frank Olson während der
Befragung ziemlich ungehalten war. Diese Art war nach Meinung von Kollegen Olsons
aus Fort Detrick typisch für ihn.
Norman Cournoyer:
Er wahr sehr sehr offen und hat sich nie
gescheut das zu sagen was er denkt. Ganz im Gegenteil. Frank Olson war nie
zimperlich, vertrat immer seinen Standpunkt. Vielleicht hatten sie Angst davor.
Waren sie deshalb am Ende hinter ihm her? Kann sein....
Als verantwortlicher Wissenschaftler für die B-Waffen-Forschung zählt
Frank Olson zu den wichtigsten Geheimnisträgern des kalten Krieges. Im
April 1950 erhält er - eher ungewöhnlich für einen Wissenschaftler
im Auftrag der Army- einen Diplomaten-Paß. Hat er einen neuen Auftrag?
Er unternimmt in den folgenden Jahren mehrere Reisen nach Europa, auch nach
Deutschland.
Norman Cournoyer:
Er war bei der CIA. Ich habe es erst erfahren
als er es mir erzählte. Ich kannte ihn bis dahin nur als Army Captain.
Das war alles was ich wusste. Und dann plötzlich war er CIA-Agent. Und
er blieb es bis zu seinem Ende, bis 1953.
Unter Olsons Dias sollen sich später Aufnahmen aus Frankfurt und Heidelberg
finden. Auch das streng geheime Hauptquartier des CIA in Deutschland im IG-Farben-Haus
in der Frankfurter Innenstadt ist zu sehen.
Was ist sein neuer Auftrag? Olson arbeitet inzwischen auf einem Gebiet, das
nichts mehr mir biologischen Waffen zu tun hat. In der deutschen CIA-Zentrale
führt der Biochemiker wichtige Gespräche mit Geheimdienst-Offizieren
und ist immer häufiger mit anderen CIA-Agenten unterwegs. Es geht um ein
streng geheimes Projekt: Menschen sollten mit Medikamenten, Drogen und Folter
gefügig gemacht und ihr Willen gebrochen werden. Gehirnwäsche. Deckname
der Operation: Artischocke.
In Oberursel im Taunus besitzt die US Army zu dieser Zeit ein geheimes Verhör
Zentrum. Untergebracht in unauffälligen alten Fachwerkhäusern das
sogenannte Camp King. Dort waren vornehmlich sowjetische Agenten und DDR Übersiedler
inhaftiert, die von der CIA als verkappte komunistische Spione gehalten werden.
Unter anderem war der ehemalige SS-Mann Franz Gajdosch gleich nach dem Krieg
von den Amerikanern gefangen genommen und zum Barkeeper der Offizierskneipe
von Camp King gemacht worden.
Irgendwann im Jahre 1952 lief Gajdosch im streng geheimen Verhörlager dann
einem andereren Deutscher über den Weg: Professor Kurt Blome!
Franz Gajdosch:
Blome war eine zeit lang Arzt im Camp
King, also hat auch die Ambulanz betreut. Er war auch von Amerikanern protegiert
und war im KZ Arzt gewesen, hat Experimente gemacht.
Die amerikanischen Offiziere störte Blomes Vergangenheit offenbar nicht.
Vermutlich sollte er ihnen mit seiner Erfahrung an Menschenversuchen zur Seite
stehen. Schon im September 1951 hatte ein Berater der CIA die Experimente des
Projekts Artischocke vorbereitet. Bei den Gesprächen in Oberursel ging
es über die Wirkungsweise der vorgesehenen Drogen, wobei auch Substanzen
berücksichtigt werden sollten, welche zu Gedächtnisverlust führen.
Franz Gajdosch:
Ihre Methoden waren natürlich nicht
human. Sie haben schon einen Druck ausgeübt. Es gibt ja Methoden wo man
moralisch einen Menschen fertig machen kann. Und in Camp King die waren ja
berüchtigt. Bei allen die nichts preisgeben wollten haben die versucht
was raus zu bekommen.
In der ehemaligen Villa Schuster, die heute Haus Waldhof heißt, unweit
von Camp King am Rande der Stadt Kronberg im Taunus, fanden vermutlich die grausamen
Menschenversuche der Operation Artischocke statt. Die Villa, welche 1934 von
den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurde, wurde nach Kriegsende von den Amerikanern
übernommen.
Franz Gajdosch:
Die Umgebung, das Umfeld wusste gar nicht
wer das ist, was das ist, weil ja das Militär, also der CIC, in diesen
Häusern gar nicht in Uniform aufgetreten ist, sondern nur in zivil. Die
Fahrzeuge hatten zivile Nummernschilder, so dass das Umfeld gar nicht wusste,
dass das eine amerikanische Einrichtung ist.
Im Haus Waldhof begannen im Juli 1952 die ersten vom CIA in Auftrag gegebenen
Versuche zur Gehirnwäsche. Drogen, Hypnose und wahrscheinlich auch Folter
gehörten hier zu den Versuchen dazu. Protokolle belegen, wie die russischen
Agenten mit Medikamenten vollgepumpt wurden. Ziel der Experimente war es, den
Menschen zu manipulieren und Geheimnisse zu entlocken. Doch damit nicht genug!
Besonderes Interesse zeigten die Forscher daran, hinterher das Gedächtnis
ihrer Opfer auszulöschen, so dass sich diese nicht erinnern konnten, was
mit ihnen passiert war.
Dr. Frank Olson kam am 12. Juni 1952 in Frankfurt an. Drei Tage später,
am 15 Juni, verlässt er Rhein/Main wieder. Am 13. Juni findet ein Experiment
mit "Patient Nr. 2" statt - einem vermeintlichen Doppelagenten.
Norman Cournoyer:
Frank war aufgewühlt, als er einmal
aus Deutschland zurück kam. Er sagte: Norman, versprich mir, dass wir
nie darüber geredet haben! Das war sehr hart. Er sagte: "Du wärst
schockiert, welche Techniken sie einsetzen. Sie bringen Leute zum sprechen.
Sie machen Gehirnwäsche mit ihren Opfern. Sie setzen alle möglichen
Drogen ein. Und Folter."
Mit ihren Menschenversuchen setzte die CIA skrupellos jene Drogen-Experimente
der Nazis fort, von denen sie bei der Befreiung des KZs Dachau erfahren hatten.
Norman Cournoyer:
Sie verwendeten Nazis, sie verwendeten
Häftlinge und sie verwendeten Russen. Und es war ihnen völlig gleichgültig
ob die das überlebten oder nicht.
Bei der US-Army laufen zur gleichen Zeit umfangreiche Experimente mit einer
neuen Wunderdroge: LSD. In der Bedford Street in New York beginnt die CIA wenig
später in einem als Bordell getarnten Apartment mit eigenen LSD-Experimenten.
Der Geheimdienst engagiert Prostituierte, die ihren Freiern heimlich LSD in
den Drink kippen um dann Geheimnisse aus ihnen heraus zu locken.
Ike Feldman; Ehemaliger CIA Agent:
Meine Aufgabe war es, Männer, die
wir zum reden bringen wollten dort hin zu lotsen. Wir haben dann Prostituierte
organisiert die diesen Männern etwas in ihren Drink mischten. LSD, wie
ich später erfahren habe. Die Männer packten dann aus: Über
Drogengeschäfte, nachrichtendienslich relevante Fragen oder Verbrechen.
Dies gehörte zu den Experimenten der CIA. Sie nannten es: schmutzige
Tricks.
Es erwies sich bald, dass LSD unter den richtigen Umständen die Zunge um
ein Vielfaches stärker löste als Alkohol. Im September 1953 lud die
Abteilung für schmutzige Tricks der CIA zehn ihrer Wissenschaftler zu einem
Meeting in eine Hütte nach Deep Creak Lake - drei Autostunden von Washington
DC entfernt - ein. Es ging um das Projekt Artischocke. Das Treffen, so stand
in der Einladung, sei als Zusammenkunft von Sportjournalisten getarnt. Tatsächlich
aber sollten die Teilnehmer, darunter auch Dr. Frank Olson, unter LSD gesetzt
werden. Später hieß es dann, die CIA hätte eine Art Selbstversuch
unternehmen wollen - ohne Wissen der Beteiligten.
Ike Feldman; Ehemaliger CIA Agent:
Von dem was ich gehört habe war das
kein Experiment. Frank Olson wurde unter Drogen gesetzt weil er zu viel geredet
hatte.
Als Olson über das LSD Experiment aufgeklärt wird, weiß er
sofort was das zu bedeuten hat: man hat ihn ausgehorcht. Zu Hause deutete er
seiner gegenüber Frau an, dass er einen fürchterlichen Fehler gemacht
habe. Im November 1953 ? vier Jahre nach dem Verdacht des Geheimnisverrats,
der nicht bewiesen werden konnte, bringt die CIA Olson in Begleitung eines Agenten
nach New York. Olson und sein Begleiter quartieren sich im Hotel Pennsylvania
ein. Was wollen sie in New York? Im Hotel stößt ein Vertrauensarzt
des Geheimdienstes hinzu und verabreicht Medikamente. Frank Olson ist längst
zu einem Sicherheitsrisiko geworden, aber die CIA hatte offenbar eine Lösung
gefunden.
Genau 10 Jahre hatte Dr. Frank Olson für die biologische Waffenschmiede
der U.S-Army gearbeitet, als er in den frühen Morgenstunden des 28 November
1953 in New York starb. In jener Nacht stürzte er aus seinem Zimmer im
13. Stock des Hotels in den Tod - durch ein geschlossenes Fenster wie es hieß!
Armand Pastore, Hotelmanager, hatte in der Nacht als Olson aus dem 13 Stock
stürzte Dienst.
Armand Pastore; Damaliger Hotelmanager:
Er lag da uns sah mich an. Er versuchte
mir etwas zu sagen. Er hatte die Augen weit aufgerissen. Überall war
Blut. Es lief aus seiner Nase aus seinen Augen und Ohren. Ein Knochen ragte
aus seinem linken Arm heraus. Ich versuchte immer wieder mit ihm zu sprechen,
aber ich konnte nichts von dem verstehen was er sagen wollte. Dann ist er
gestorben.
Pastore informierte die Polizei und fuhr mit den Beamten in den 13. Stock.
Er hatte inzwischen herausgefunden, dass Olson aus Zimmer 1018A in die Tiefe
gestürzt sein musste und dass sich wahrscheinlich eine weitere Person in
dem Zimmer aufhalten würde.
Armand Pastore; Damaliger Hotelmanager:
Ich sagte: "Wartet einen Moment.
Vielleicht ist jemand da drin!" Da wurden sie nervös und zogen ihre
Kanonen. Sie sagten: "Mach die Tür auf" Also schloss ich die
Tür auf und sie stürmten in das Zimmer. Und da saß dieser
Kerl auf dem Klo, die Ellenbogen auf die Knie gestützt und das Gesicht
in seinen Händen verborgen. Die Polizisten fragten: "Was ist passiert?"
Der Kerl sagte: "Ich habe keine Ahnung! Ich habe nur gehört wie
das Glas splitterte. Dann habe ich aus dem Fenster geschaut und gesehen: Frank
Olson liegt unten auf der Straße!"
Der CIA Agent gibt zu Protokoll, er habe fest geschlafen und nicht gehört
wie sein Bettnachbar aufgestanden sei. Eine Erklärung für den Selbstmord
habe er nicht. Sonst machte er keine Angaben, auch nicht über die Gründe
ihres gemeinsamen Besuches in New York und die Ermittlungsakten wurden schnell
geschlossen. Niemand schien sich für das Telefongespräch, welches
nach Olsons Tod aus dem Zimmer geführt wurde, zu interessieren.
Armand Pastore; Damaliger Hotelmanager:
Die Telefonistin sagte, es gab einen Anruf
aus diesem Zimmer. Ich fragte: "Worüber wurde gesprochen?"
Der Mann in dem Zimmer verlangte eine Verbindung nach Long Island und sagte
dann: "Er ist weg!" Der Mann am anderen Ende antwortete: "Das
ist zu dumm!" Dann legten beide auf.
War das eine Vollzugsmeldung des Agenten an die CIA, dass sich das Problem Frank
Olson erledigt hatte? Ike Feldman, CIA-Veteran, war zu jener Zeit Mitarbeiter
der Drogenpolizei. Feldman lernte Olson zwar nie persönlich kennen, doch
erfuhr nach dessen Tod etwas über die Hintergründe.
Ike Feldman; Ehemaliger CIA-Agent:
Leute, die ich bei der New Yorker Polizei,
bei der Drogenfahandung kannte und sogar die CIA selbst, alle haben mir das
gleiche gesagt: Er ist nicht gesprungen sondern wurde aus dem Zimmer geworfen.
Die Leute, die ihn aus dem Weg räumen wollten, sagten, er habe zu viel
über streng geheime Projekte geredet. Wenn über einen Geheimnisträger,
Staats- oder Regierungsgeheimnisse nach draussen gelangen gibt es nur einen
Ausweg: Bringt ihn um!
40 Jahre später: Institut der George-Washington University, Washington
DC, für Rechtsmedizin: Der exhumierte Leichnam Frank Olsons wird einer
ausführlichen Obduktion unterzogen. Es stellt sich heraus, dass das Ergebnis
der ersten Obduktion 1953 Manipuliert war.
Prof. James Starrs; Pathologe und Gerichtsmediziner:
Der Bericht des Gerichtsmediziners aus
New York, der mir vorlag, entsprach in vielen Wichtigen Punkten nicht der
Wahrheit. Da war von Schnittwunden die Rede, verursacht durch einen Sprung
durch das geschlossene Fenster und durch das Glas. Es gab aber keine Schnittwunden,
sie waren nicht da. Sie existierten schlichtweg nicht. Die zweite Sache, die
uns auffiel, war ein Hämatom dierekt an der Stirn. Für diese Verletzung,
die wir entdeckten, gibt es nur eine Erklärung die Sinn macht: Er wurde,
wenn man so will, zum Schweigen gebracht. Er wurde auf jeden Fall ausser Gefecht
gesetzt, so dass er sich nicht wehren konnte als man ihn aus dem Fenster warf.
Starrs arrangiert einen Ortstermin vor dem Pennsylvania Hotel mit Armand Pastore,
dem Manager der Olson in jener Nacht fand. Danach fällte er sein Urteil:
"Ich und die meisten meiner Teamkollegen - nicht alle, aber die meisten
- sind davon überzeugt, es war Mord."
Demnach wurde Olson erst mit einem gezielten Schlag außer Gefecht gesetzt
und dann aus dem offenen Hotelfenster geworfen. Wenige Monate vor dem Mord ließ
die CIA eine "Study of Assasination" erarbeiten. Einen Ratgeber für
Agenten, Menschen zu töten, ohne Spuren zu hinterlassen. Dort heißt
es:
"Die effizienteste Methode ist ein Fall aus
mindestens 25 Metern Höhe auf einen harten Boden. Gewöhnlich wird
es nötig sein, das Opfer vorher zu betäuben oder unter Drogen zu setzen."
Prof. James Starrs; Pathologe und Gerichtsmediziner:
In diesem Papier wird fast Wort für
Wort beschrieben, was Dr. Olson zugestoßen ist. Als handele es sich
um die Anleitung für seine Ermordung. Sie paßt auf diesen Fall
wie die Finger in einen Handschuh.
Also war es vermutlich tatsächlich Mord. Aber was steckte letztendlich
dahinter? Warum sprach Olson von einem fürchterlichen Fehler den er begangen
habe?
Norman Cournoyer:
Es fehlt ein Stück in dieser Geschichte,
aber ich bin nicht sicher ob ich es ihnen geben sollte. Es war so, dass Frank
in eine Sache hineingezogen wurde, die er strikt ablehnte. Aber er konnte
nichts dagegen unternehmen. Er arbeitete für die CIA und die zog alles
bis zum Ende durch.
Im Frühjar 1953 - ein halbes Jahr vor Frank Olsons Tod - tobte in Asien
ein drei Jahre alter, erbitterter Krieg amerikanischer und alliierter UN-Truppen
gegen Nord-Koreaner und Chinesen. Es war die erste seit langen befürchtete
Auseinandersetzung des Westens mit dem Kommunismus.
Hatte der Korea-Krieg etwas mit dem Fall zu tun? Frank Olson hatte sein Büro
noch immer in Fort Detrick, dem geheimen Zentrum der US Army für die Forschung
an biologischen Waffen. Gleichzeitig arbeitete er für die CIA. Zu den Aufgaben
der Abteilung für schmutzige Tricks in Gebäude 1412 zählten Gehirnwäsche,
der Einsatz von Drogen und Folter sowie Mordanschläge mit Giften und Bazillen.
Am 27. Juli 1953 brach Olson zu seiner letzten Reise auf, seine Filmkamera hat
er im Gepäck. Erste Station: Paris. "Paris, London, Stockholm"
schreibt Olson auf die Verpackung eines Filmes, aber nach einigen Aufnahmen,
die Olson in Paris gedreht hat kommen plötzlich Bilder des zerstörten
Reichstags und des Brandenburger Tores. Olson war also Anfang August 1953 auch
in Berlin. In Zehlendorf filmte er das Hauptquartier der Amerikanischen Arme.
Ist Frank Olson auf einer geheimen Mission, die in Verbindung mit Projekt Artischocke
steht? In Berlin wurden in diesen Wochen mehrere hochkarätige kommunistische
Agenten vernommen. Es herrschte, wenige Wochen nach dem Arbeiteraufstand im
sowjetischem Sektor, größte politische und militärische Anspannung
in der geteilten Stadt. Im Hauptquartier der Army in Berlin wurde Olson offenbar
Zeuge brutaler Verhörmethoden.
Norman Cournoyer:
Als er das letzte mal aus Deutschland
zurück kehrte, klang er sehr verändert. Er sagte mir: "Ich
kann dir Dinge erzählen, von denen sonst niemand weiß, die du auch
niemandem erzählen darfst, denn sie sind streng geheim". Die Leute
in Deutschland seien über die Grenze hinaus gegangen. Er sagte: "Norman,
hast du jemals einen Menschen sterben sehen?" Ich sagte: "Nein."
Er sagte: "Ich schon!" Einige der Leute, die sie verhört haben
waren am ende Tot. Man kann sich also vorstellen, wie sie diese Leute bearbeitet
haben müssen. Er sagte, dass er aussteigen wolle. Er sagte das klipp
und klar: "Ich verlasse die CIA! Punkt!"
In Korea waren nur Tage zuvor die ersten amerikanischen Kriegsgefangenen freigelassen
worden. Einigen drohten Verfahren wegen Hochverrats, weil sie ihr eigenes Land
der biologischen Kriegsführung bezichtigt hatten. Sind die Aussagen, die
Piloten über Abwürfe von biologischen Bomben machten, wahr, oder waren
die Piloten Opfer kommunistischer Gehirnwäsche? Fest steht eines: Zurück
in der Freiheit sollten diese Soldaten erneut verhört werden ? mit Drogen
und Folter. Nur diesmal von den eigenen Leuten! Das geht aus Dokumenten eindeutig
hervor:
Alle waren sich einig, dass der harte Kern
und die erfolgreich indoktrinierten Kriegsgefangenen ausgezeichnete Objekte
für Artischocke-Techniken wären.
Die amerikanischen Soldaten, die sich der biologischen Kriegsführung bezichtigt
hatten, wurden laut CIA-Dokumenten mit Artischocke-Techniken manipuliert. Alle
widerriefen ihre Bekenntnisse. Entsprachen die Geständnisse, welche die
Piloten während ihrer Gefangenschaft abgaben der Wahrheit? Welchen Grund
hätte es sonst gegeben, eine Gehirnwäsche an ihnen vorzunehmen? Setzten
die Amerikaner tatsächlich B-Waffen im Korea-Krieg ein? War dies das Geheimnis,
das Frank Olson kannte und preis zu geben drohte?
Eric Olson:
Das passt zu dem, was meine Mutter immer
gesagt hat: Korea ließ deinem Vater keine Ruhe. Und schließlich
hat mir ein Kollege meines Vaters offenbart: Mein Vater habe herausgefunden,
dass biologische Waffen in Korea zum Einsatz kamen. Ich fragte ihn: "Was
ist mit den Geständnissen der US Piloten?" Darauf entgegnete der
Kollege meines Vaters als wolle er sagen: "Lies es mir von den Lippen
ab: Es war nicht alles nur Gehirnwäsche!"
Norman Cournoyer wiederholte diese Aussage über biologische Kriegsführung
in Korea nicht öffentlich.
Norman Cournoyer:
Ich habe bei Austritt aus der Army geschworen
niemals darüber zu sprechen. Nur soviel: Es gab Leute die biologische
Waffen besaßen und auch Gebrauch von ihnen machten. Mehr werde ich nicht
sagen. Sie haben sie eingesetzt. Gab es einen Grund, dass Frank von der CIA
getötet wurde? Wahrscheinlich ja....
In der Umgebung von Frederick Maryland, wo Frank Olson lebte und in der geheimen
B-Waffen-Schmiede für die US Army und die CIA arbeitete, ist das FBI heute
hier - nach dem 11. September - dem Anthrax-Terroristen auf der Spur, dessen
mit Anthrax-Sporen versehene Briefe fünf Menschen in den USA das Leben
gekostet haben. Kommt der Attentäter doch aus den eigenen Reihen? Sollten
die Anthrax Briefe die Furcht vor dem Terror weiter schüren um der Regierung
einen Handlungsspielraum zu verschaffen? Es wurde zu einer der größten
Ermittlungsaktionen der amerikanischen Kriminalgeschichte. Doch, wie es im Moment
erscheint, weigert sich das FBI, den Hauptverdächtigen der Anthrax-Anschläge,
zu verhaften oder auch nur ernsthafte Ermittlungen gegen ihn aufzunehmen. Könnte
die Regierung in Washington bei einem Prozess gezwungen sein, streng geheime
Informationen publik zu machen? Über illegale Forschung an B-Waffen, über
den Einsatz von Anthrax im Korea Krieg und über den Mord an Frank Olson?
Die amerikanische Regierung hatte schon einmal, im Sommer 1975, alles daran
gesetzt, dass die Wahrheit in Bezug auf das Projekt Artischocke nicht ans Licht
der Öffentlichkeit kam. Die Vertuschung wurde damals ganz oben im Weißen
Haus angezettelt und das von Personen, die auch in der heutigen Politik von
immenser Bedeutung sind, namentlich Donald Rumsfeld und Richard Cheney. Kurz
zuvor war bekannt geworden, dass die CIA ihren Mitarbeiter Frank Olson vor seinem
angeblichen Selbstmord unter LSD gesetzt hatte. Rumsfeld und Cheney, die den
Stab des Weißen Hauses leiteten, empfahlen Präsident Gerald Ford
damals, sich im Namen der Regierung bei der Familie Olsons zu entschuldigen
und sich für eine Entschädigung stark zu machen - wohl um keine weitere
Aufmerksamkeit auf den Fall zu lenken. Selbiges geht aus einem früher geheimen
Memo des Weißen Hauses hervor. Bei einem Gerichtsverfahren oder bei Anhörungen
im Kongress könnte es anderfalls notwendig werden, streng klassifizierte
Staatsgeheimnisse offen zu legen.
10 Tage später empfing Ford die Hinterbliebenen Frank Olsons und entschuldigte
sich im Namen der Regierung. Auf diese Weise gelang es ihm, die Staatsgeheimnisse
und gleichermaßen die Hintergründe über den Tod Frank Olsons
im Dunkeln zu belassen. Donald Rumsfeld und Richard Cheney sind heute wieder
in Amt und Würden - als Verteidigungs-Minister und Vize-Präsident
der amerikanischen Bush-Regierung.
(Nach einer Reportage von Egmont R. Koch und Michael Wech: Operation Artischocke)
Infos über Frank Olson:
http://www.frankolsonproject.org/