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Die Schattenseiten der Globalisierung: Eine Bestandsaufnahme und ein Blick in die Zukunft Rubrik:Politik vom: 30.01.2004
glo.gif) Während Politiker, Ökonomen und die Wirtschaft nicht müde
werden, die Vorzüge der Globalisierung zu beschwören, blenden sie
gleichzeitig ihre Schattenseiten aus. Diese sind aber unübersehbar und
haben für den Großteil der Menschheit eher negative Folgen.
Globalisierung ist nicht per se schlecht. Seit dem Jahr 2000 hat das in Geld
ausgedrückte Welthandelsvolumen die Marke von 6 000 Milliarden Dollar
pro Jahr überschritten. Die Weltwirtschaftsleistung, also die Summe aller
produzierten Güter und Dienstleistungen in der Welt, hat sich seit 1991
mehr als verdoppelt. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte genießt die
Menschheit einen Überfluss an Gütern. Unglaublicher Reichtum ist
entstanden - allerdings in den Händen ganz weniger.
Genau das ist auch der Kritikpunkt der mittlerweile weltweit vernetzten Antiglobalisierungsbewegung
und der Nichtregierungsorganisationen. Sie bilden ein Gegengewicht zur einseitig
auf die Interessen der Wirtschaft und ihrer Konzerne ausgerichteten Globalisierung
und fordern u.a. die globale Durchsetzung der Menschenrechte, das Recht auf
Bildung, gleichberechtigten Handel und faire Bezahlung. So könnte Globalisierung
in ihrem positivsten Sinn aussehen; allein der Blick auf die aktuelle Entwicklung
lässt anderes erkennen.
Nach Ansicht der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad) ist
die neoliberale Globalisierung gescheitert. Zugleich warnt die Organisation
vor einem neuen Liberalisierungsschritt in den Beziehungen zwischen Nord und
Süd.
1999 erreichte der Kapitalstrom in den Süden mit über 200 Milliarden
US-Dollar seinen Höhepunkt. Im letzten Jahr wurden es kaum mehr als 50
Milliarden Dollar.
Dem gegenüber stehen Zahlen von 700 Milliarden Dollar, die in den Jahren
1997 und 2002 in Form von Kapital, Zinsen und Gewinnen aus den Entwicklungs-
und Transformationsländern abgeflossen sind, was zur Folge hat, dass der
Anteil der Entwicklungsländer am internationalen Handel abnimmt.
Während die Länder Asiens, Afrikas und Südamerikas bei der
Handelsöffnung schwere Bürden auf sich nahmen, haben die Industrieländer
gemauert und den Marktzutritt vor allem von landwirtschaftlichen Produkten
weitgehend blockiert. Trotz der bestehenden Ungleichgewichte üben die
USA und die Europäische Union weiter Druck auf die Kleinen aus, auch
noch die letzten Handelshemmnisse fallen zu lassen. So wird die Liberalisierung
des Welthandels zum Selbstzweck, anstatt Mittel zum Zweck zu sein, um eine
nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung in allen Teilen der Welt zu erreichen.
Der "World Trade and Development Report 2003" ist im Internet nachzulesen
unter: www.unctad.org
Die großen Industriestaaten nutzen ihre Macht, um die Weltwirtschaft
zu ihren Gunsten und vor allem zu Gunsten ihrer Konzerne zu lenken. Sie nutzen
das Recht des Stärkeren. Vor allem in der Welthandelsorganisation WTO.
2002 haben die Industriestaaten zum Beispiel ihre Landwirte mit 335 Milliarden
Dollar unterstützt. Das macht für die Armen Märkte kaputt.
Beispielsweise kann man in der Hauptstadt von Senegal EU-subventionierte Äpfel
oder Tomaten kaufen; die Milchwirtschaft auf Jamaika liegt am Boden, weil
der heimische Markt mit billigem, ausländischen Milchpulver überschwemmt
wird - zu unschlagbar günstigen Preisen. Da können die lokalen Anbieter
nicht mithalten.
aus: The Rich-Poor Gap and Globalisation www.ontario.indymedia.org:
Bemerkenswert auch der Fall Indiens, eines Landes, das kurz nach dem WW II
unabhängig wurde. Die Rohstoffreserven Indiens waren beträchtlich,
sein Ölvorkommen eher vernachlässigenswert. Da das Hauptinteresse
der USA dem Erdöl gilt, wurde Indien diesbezüglich in Ruhe gelassen, nicht aber seine
Wirtschaft. Als Waffe dienten diesmal Zwang und die Entwicklungsideologie.
Bereits 1947 war eine Landreform in Gang gekommen; es gab keine Hungersnot
mehr. Das hielt die Ford-Stiftung allerdings nicht davon ab, die Umstellung
der Landwirtschaft zu erzwingen. Die traditionelle indische Landwirtschaft
wurde ersetzt durch die amerikanische Monokultur, abhängig von Kunstdünger
und Pestiziden. Da diese auch finanziert werden mussten, hielt so die westliche
Finanzhilfe Einzug in Indien. Das Land geriet in Abhängigkeit, nicht
nur wegen der Kredite für Pestizide, Düngemittel und Saatgut; auch
zwecks Bewässerung mussten Tausende von großen Staudämmen
gebaut werden. Finanziert wurden sie mit Hilfe von Krediten der Weltbank,
zu durchaus akzeptablen Konditionen. Doch musste das Land als Gegengabe westliches
Know-how und Maschinen für die Dämme kaufen. Am Ende bezahlte Indien
weit mehr als es erhalten hatte. Heute muss man in diesen Dämmen die
größte selbst verursachte Katastrophe des Landes sehen. Hinzu kam
die Bestrebung, die ökonomischen und sozialen Grundlagen schleunigst
zu reformieren, was enormen Finanzbedarf mit sich brachte. Kein armes Land
kann all das finanzieren, ohne in die Schuldenfalle zu geraten. Indien musste
1990 seine unabhängige Politik aufgeben und seine ökonomische Souveränität
an die Weltbank (WB) und den internationalen Währungsfond (IMF) abtreten.
Darüber hinaus musste der indische Staat 47 Tonnen Gold zur "sicheren
Aufbewahrung" bei der Bank of England hinterlegen. Heute muss das Land
sein Jahresbudget de facto unter Aufsicht von WB und IMF planen.
Das Schicksal anderer Entwicklungsländer war dem Indiens nicht unähnlich.
Trotzdem wuchs ihre Wirtschaft bis in die 70er jährlich um 5-6%. Weitere
Probleme entstanden, als sich diese Länder bei den internationalen Banken
weitere Kredite beschafften. Während der Ölkrise stieg das Zinsniveau
von anfänglich 6,6% im Jahre 1976 bis auf 17,5% im Jahre 1981. Um die
immensen Zinsen zu bezahlen, mussten sie die Tilgung des Grundkapitals aussetzen
und gerieten in die Schuldenfalle. Laut WB zahlte die Dritte Welt 1999 für
jeden Dollar Schulden 13 mal soviel zurück. Ist ein armes Land in die
Schuldenfalle geraten, muss es sich dem Diktat von IMF und WB beugen. Von
nun an kann es weitere Kredite nur noch vom IMF erhalten, sofern es sich dem
Strukturanpassungsprogramm (SAP) des IMF unterwirft. Das SAP verweigert dem
Schuldner das Recht, eigene fiskalische und monetäre Maßnahmen
zu ergreifen. Der IMF hat seit den 80er Jahren 150 Ländern der Dritten
Welt das SAP aufgezwungen. Die Ideologie des "freien Marktes" ist
in Wahrheit eine Handelsschranke. Während Güter aus reichen Ländern
die Märkte der Dritten Welt überschwemmen, werden jene aus den armen
Ländern im Westen hoch versteuert. Das Ende vom Lied ist, dass die Armen
um 100 Mrd. Dollar pro Jahr verprellt werden.
Weitere Methoden der Unterdrückung bestehen darin, einen demokratisch
gewählten Staatschef durch das unterdrückerische Regime eines US-freundlichen
Potentaten zu ersetzen. Dies geschah im Iran, in Guatemala, im Kongo, in Südvietnam,
der Dominikanischen Republik, Chile, Nicaragua, Grenada und Panama. In Chile
wechselte ein vom CIA angezettelter Putsch den in 1973 demokratisch gewählten
Präsidenten Allende durch General Pinochet aus. Kaum an der Macht, verfügte
dieser eine Preisanhebung für Brot von 11 auf 34 Escudos, während
die Löhne eingefroren wurden. Binnen eines Jahres stieg der Brotpreis
um das 36-fache, und 85% der Chilenen gerieten unter die Armutsgrenze. Zwei
Jahre später diente Chile als Vorlage für eine weitere "marktliberale
Reform", diesmal in Argentinien. Derartige ökonomische Manipulationen
sind Vorläufer des SAP, das inzwischen fester Bestandteil der Politik
von IMF und WB ist.
Durch den makro-ökonomische Ansatz von IMF, WB und WTO wird den armen
Nationen das Recht genommen, ihre Wirtschaft selbst zu gestalten. Aus ihren
Ökonomien wird ein Reservoir billiger Arbeitskräfte und Rohmaterialien.
Er höhlt alle Staatsaufgaben aus, zerstört die Produktion für
den Binnenmarkt und zwingt die inländischen Unternehmen in den Konkurs.
Das SAP schafft die Mindestlohnabsprachen ab und fördert den Abbau des
Sozialstaates; es erzwingt die Deregulierung der Währung und führt
zu Zinsanstieg. Die Deregulierung des Handels und die von der WTO verbürgten
Urheberrechte erleichtern den transnationalen Konzernen (TNCs) den Zugang
zu den lokalen Märkten und erlauben ihnen, die Landwirtschaft, sowie
die privaten und staatlichen Dienstleistungen zu beherrschen.
Ein Siebzigstel des US- Lohnes beträgt der reale Lohn in der Dritten
Welt und die Armut ist allgegenwärtig. Um dem reichen Einzelhändler
die günstigste Ware zu bieten, werden die Armen gezwungen, Waren für
den Export in die reichen Länder zu produzieren, zugleich aber mit anderen
Armen zu konkurrieren. Jene Einzelhändler verkaufen diese Ware zu weit
höheren Preisen und streichen die riesigen Gewinnspannen ein. Beispielsweise
wird Kaffee im Westen zu Preisen verkauft, die zwanzig mal höher sind
als das, was die Erzeuger erhalten; Chinesische Frauen, die Turnschuhe produzieren,
verdienen 16 Dollar für eine 70-Stunden-Arbeitswoche; die Textilexporteure
der Dritten Welt erhalten nur 2.7% des westlichen Marktpreises. Die Handelsbedingungen
begünstigen die Reichen: Die Armen müssen ihre Märkte öffnen,
die Reichen betreiben Protektionismus.
Importe aus den armen Ländern werden viermal so hoch versteuert wie die
aus den reichen Ländern; die Reichen subventionieren ihre Bauern, um
mit ihren Erzeugnissen die Märkte der Armen zu überschwemmen und
so zwangsläufig diese Armut zu zementieren. Der Zugriff der TNCs auf die
Dienstleistungen und gemeinsam genutztes Gemeindegut macht das Leben der Armen
unerträglich, viele müssen selbst für das Trinkwasser für
sie unerschwingliche Preise bezahlen. Die EU plant, als Preis dafür, dass
sie die eigenen Subventionen der Landwirtschaft abbaut, die vollständige
Privatisierung der Staatsmonopole der Handelspartner. In den armen Ländern
haben die Preise der Grundnahrungsmittel fast das westliche Niveau erreicht;
das führt dazu, dass in Nationen, die Hungersnöte hinter sich gelassen
hatten, diese wieder Einzug halten: Die Menschen hungern - nicht weil Lebensmittel
fehlen, sondern weil sie nicht mehr bezahlt werden können. Millionen
verlassen ihre Dörfer und finden sich in den Slums der Großstädte
wieder.
Mittlerweile sind die ersten Anzeichen dieser Entwicklung auch in der westlichen
Hemisphäre angekommen.
In einem globalen Würgegriff werden ganze Staaten und deren bisherige
gesellschaftliche Ordnung von der unerbittlichen Kapitalsfront in den Schwitzkasten
genommen. Da wird mal hier, mal dort mit Kapitalflucht gedroht und so drastische
Steuerabschläge sowie milliardenschwere Subventionen oder kostenlose
Infrastruktur erzwungen. Sind die Subventionen abgeschöpft, setzt man
sich gerne in Länder ab, in denen der Steuersatz deutlich niedriger ist.
Weltweit tragen immer weniger Kapitaleigner und Vermögensbesitzer zur
Finanzierung staatlicher Aufgaben bei. Gleichzeitig drücken die Lenker
der globalen Kapitalströme das Lohnniveau ihrer steuerzahlenden Beschäftigten
kontinuierlich nach unten.
Nach Aussagen des US-Ökonomen Rüdiger Dombusch werde "das
Modell Deutschland" im transnationalen Wettbewerb nun ,,regelrecht abgekocht".
Börsenkurse und Konzerngewinne steigen mit zweistelligen Raten, während
Löhne und Gehälter sinken. Gleichzeitig wächst die Arbeitslosigkeit
parallel mit den Defiziten der öffentlichen Haushalte.
Schon triumphieren die Gewinner wie beispielsweise Heinrich von Pierer, der
Chef des Weltkonzerns Siemens: "Der Wettbewerbswind ist zum Sturm geworden;
und der richtige Orkan steht uns noch bevor."
Die Vorkämpfer und Günstlinge des globalen Wettstreits um die besten
und billigsten Pfründe wollen mit einer solchen Wortwahl suggerieren,
bei alledem handele es sich um einen gleichsam naturgegebenen Prozess, um
ein geradezu zwingendes Ergebnis eines unaufhaltsamen technischen und wirtschaftlichen
Fortschritts.
Die weltweite wirtschaftliche Verflechtung ist allerdings keineswegs ein Naturereignis,
sondern wurde durch zielstrebige Politik bewusst herbeigeführt. Es waren
immer Regierungen und Parlamente, die durch Verträge und Gesetze die
Barrieren für den grenzüberschreitenden Verkehr von Kapital und
Waren beseitigt haben. Von der Freigabe des Devisenhandels über den europäischen
Binnenmarkt bis zur fortwährenden Ausdehnung des Welthandelsabkommens
GATT haben Regierungspolitiker der westlichen Industrieländer systematisch
jenen Zustand selbst heraufbeschworen, der ihnen nun über den Kopf wächst.
Dieser vollends von seinen Fesseln befreite Kapitalismus trägt quasi
seine Zerstörung in sich, er gleicht einer Zeitbombe, er zerstört
die Grundlagen seiner Existenz, die auf einem funktionierenden Staat und einer
demokratischen Stabilität beruht.
Schneller als sich das Neue entwickeln kann, bleiben die alten sozialen Zusammenhänge
auf der Strecke, denn sie können beim rasanten Tempo der Veränderung
nicht mithalten.
Die bisherigen Wohlstandsländer verzehren die soziale Substanz ihres
Zusammenhalts.
In den USA, die bei neoliberalen Ökonomen und Politikern gerne als nachahmenswertes
kapitalistisches Paradebeispiel genannt werden, wird der gesellschaftliche
Verfall mehr als deutlich: Die Kriminalität ist schon jetzt nicht mehr
in den Griff zu kriegen, die Ausgaben für Gefängnisse übersteigen
die für den gesamten Bildungsetat bei weitem.
Wer es sich leisten kann, verschanzt sich in bewachten Hochhäusern, für
dessen bewaffnete Security Guards die US-Bürger doppelt soviel Geld ausgeben
wie ihr Staat für die Polizei.
Die Entwicklung ist unübersehbar: Weltweit schafft sich eine Minderheit
von Gewinnlern ihre geschützten Refugien, während sich die Mehrheit
der Verlierer der zunehmenden Verrohung und Gewalt ausgesetzt sieht.
Für viele hundert Millionen Menschen gilt: Der globalisierte Fortschritt
ist gar keiner.
Mit den Folgen dieser Entwicklung ist der einzelne Nationalstaat schlicht
überfordert, auch internationale Bestrebungen scheitern stetig, weil
der Gestaltungsspielraum der Politik kontinuierlich abnimmt. Sie wird zu einem
Schauspiel der Ohnmacht, die in allen existentiellen Zukunftsfragen nur noch
auf die übermächtigen Sachzwänge der transnationalen Ökonomie
verweist. Dadurch verliert der demokratische Staat seine Legitimation und
die Globalisierung wird zum Fallbeil für die Demokratie. Nur naive Theoretiker
oder kurzsichtige Politiker glauben, man könne, wie derzeit in Europa,
Jahr für Jahr Millionen Menschen um Jobs und soziale Sicherheit bringen,
ohne dafür irgendwann den politischen Preis zu bezahlen.
Gelingt es der Politik nicht, die global entfesselten Wirtschaftsmächte
zu reglementieren, wird das aufgrund unerträglicher sozialer Konflikte
unweigerlich zu einem Kurzschluss der Systeme führen.
Links zum Thema:
Sozialpolitiktheorie unter Globalisierungsdruck?
Rezeptionen des Globalisierungsparadigmas in Theorien nationaler und internationaler
Sozialpolitik
http://www.st-georgen.uni-frankfurt.de/nbi/pdf/nbi_fa28.pdf
Was, wann, wo - Theorien der Globalisierung
http://www.sbg.ac.at/ges/people/wagnleitner/se0304/steinlechner.pdf
Was ist Globalisierung und wie erklärt sie sich?
http://www.globalisierung-online.de/info/text2.php
Informationen zur politischen Bildung - Globalisierung; Das vollständige
Heft im Internet
http://www.bpb.de/themen/YDEVZC,,0,Globalisierung.html
Globalisierung - ein Mythos?
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/1176/1.html
Globalisierung und Gerechtigkeit
http://www.fes.de/focus/indexglobalisierung.htm
Der Abgrund zwischen Reich und Arm und die Globalisierung / The Rich-Poor Gap and Globalisation
http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/themen/Globalisierung/chatterjee.html
WEED - Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung
http://www.weed-online.org/
erlassjahr.de - Entwicklung braucht Entschuldung
http://www.erlassjahr.de/
Lexikon der Nachhaltigkeit
http://www.nachhaltigkeit.aachener-stiftung.de/2000/Definitionen.htm
Dritte Welt leidet unter EU-Handelsschranken
http://www.innovations-report.de/html/berichte/wirtschaft_finanzen/bericht-21255.html
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| | Kommentar von: woppadaq , 30.01.2004, 21:37 | Oha - da hat einer Teile der Rede von Carter bei der Verleihung des Friedensnobelpreises ( http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/themen/Globalisierung/chatterjee.html ) kopiert !
Wie praktisch, daß ich schon darauf mein Kommentar ( http://www.ask1.org/modules.php?name=Forums&file=viewtopic&p=230956#230956 ) abgegeben hab !!
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| Kommentar von: Redaktion@Weltverschwoerung.de , 01.02.2004, 01:50 | Wir bedauern es, das Aufgrund eines internen Fehlers die noch nicht fertige Version des Artikels online gestellt wurde und haben das hiermit behoben.
In Zukunft werden wir uns darum bemühen solche Fehler zu vermeiden.
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| Kommentar von: Tyler , 06.02.2004, 13:11 | Eine sehr gute Zusammenfassung der Folgen einer rein ökonomischen Ausrichtung der Globalisierung, bei der ein Grossteil der Menschen unweigerlich auf der Strecke bleibt.
Mehr davon!
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| Kommentar von: samhain , 13.02.2004, 22:30 | passend zum thema:
Schlechte Gewohnheiten
Unwürdigkeit, Amnesie, Resignation und Fatalismus bestimmen unser Denken und Handeln
* Eduardo Galeano ist uruguayischer Schriftsteller und Journalist. Er ist Autor der Bücher »Die offenen Adern Lateinamerikas« und »Erinnerungen an das Feuer«.
Eine Geste nationaler Würde ist am Jahresanfang zu einem großen Skandal geworden. Sie wurde zur weltweiten Schlagzeile, als würde man über etwas ganz Ausgefallenes berichten, wie etwa: »Mensch beißt Hund.«
Was ist geschehen? Brasilien verlangte von Reisenden aus den USA das gleiche, was die USA von Brasilianern forderte: Visa im Reisepaß, Identitätskontrolle bei der Einreise, inklusive Foto und Fingerabdrücke.
Vielerorts ist diese natürliche Haltung als gefährliche Entgleisung verurteilt worden. Vielleicht hätte man das anders gesehen, wenn die Welt nicht so schlecht erzogen wäre. Denn, das Anormale an der Situation ist eigentlich, daß der brasilianische Präsident Lula, der einzige gewesen ist, der so agiert hat. Das Anormale ist doch, daß alle anderen ohne Murren die neuen Bedingungen akzeptierten, die die Regierung Bush (mit Ausnahme einiger wenigen Privilegierten, die jenseits von Terrorismus und Bosheit stehen) der Welt aufgezwungen hat.
Natürlich erklärt sich das alles (das fehlte ja noch!) mit dem 11. September. Jene Tragödie, die Präsident Bush noch immer, wie eine Art Police für ewige Straffreiheit benutzt, eine Tragödie, die sein Land zur ständigen Kampfbereitschaft vergattert.
Wir alle wissen, daß kein einziger Brasilianer etwas mit dem Anschlag gegen die Zwillingstürme in New York zu tun gehabt hat. Umgekehrt aber, und daran erinnern sich nur wenige, war die USA sehr wohl beim größten Attentat in der Geschichte Brasiliens, dem Militärputsch im Jahr 1964, ganz entscheidend beteiligt, sowohl politisch, wirtschaftlich, militärisch, wie auch medial.
Diese Geschichte mit der Identitätskontrolle für Reisende, die einen derartigen Wirbel verursacht hat, ist nichts weiter als ausgleichende Gerechtigkeit. Es wäre jedenfalls lächerlich, eine späte geschichtliche Rache hineininterpretieren zu wollen. Der routinierte Ablauf dieser Schändlichkeit hat in Lateinamerika sehr viel mit der schlechten Gewohnheit der Amnesie zu tun. Daher ist es sicherlich nicht falsch, daran zu erinnern, daß die offizielle und offiziöse Beteiligung der USA am terroristischen Putsch inzwischen eine mit Dokumenten und Eingeständnissen der wichtigsten Beteiligten belegte Tatsache ist. Mehr noch, es lohnt sich auch, daran zu erinnern, daß der militärische Staatsstreich nicht nur eine lange Militärdiktatur eingeleitet hat, sondern daß damit die sozialen Reformen, die von der demokratisch gewählten Regierung von Jango Goulart gerade durchgeführt wurden - um das ungerechteste Land der Welt etwas gerechter zu machen - beendet und begraben worden sind.
Der Gerechtigkeitsdrang in Brasilien hat 40 Jahre gebraucht, um wieder aufzukommen. Wie viele brasilianische Kinder sind in diesen 40 Jahren verhungert? Der Terrorismus, der verhungern läßt, ist nicht weniger abscheulich, als der Terrorismus, der mit einer Bombe tötet.
***
Schlechte Gewohnheiten: Unwürdigkeit, Amnesie, Resignation.
Angst macht es uns schwer, sie zu ändern; Denkfaulheit macht es uns schwer, uns selbst ohne diese schlechten Gewohnheiten vorzustellen.
Wir können uns die Umkehrung eines Anschlages - die Gegenseite von jeder Sache - einfach nicht mehr vorstellen. Uns beispielsweise zu fragen: Was wäre geschehen, wenn der Irak in die USA einmarschiert wäre, mit dem Hinweis, die Vereinigten Staaten besäßen Massenvernichtungswaffen? Oder, was wäre passiert, wenn die venezolanische Botschaft in Washington, einen Versuch, die Regierung von George W. Bush zu stürzen, unterstützt und begrüßt hätte? Was wäre passiert, wenn die Regierung Kubas 637 Attentate gegen die Präsidenten der USA organisierte hätte - als Antwort auf die 637 Anschläge, mit denen sie versucht haben, Fidel Castro umzubringen?
Und was würde geschehen, wenn sich die Länder des Südens einfach weigerten, auch nur eine einzige der Auflagen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank umzusetzen, wenigstens solange, bis diese Organisationen beginnen, die gleichen Auflagen gegenüber den Vereinigten Staaten, der größten Schuldnerin auf Erden anzuwenden? Und was, wenn der Süden darauf besteht, die gleichen Subventionen und Handelsbeschränkungen einzuführen, die die reichen Länder für sich beanspruchen, den anderen aber verbieten?
***
Schlechte Gewohnheit: der Fatalismus.
Wir akzeptieren, was unakzeptabel ist, als wäre es ein Teil der natürlichen Ordnung, als wäre keine andere Ordnung möglich. Die Sonne macht kalt, die Freiheit unterdrückt, die Integration desintegriert ... das ist halt so, da kann man nichts machen, ob es uns nun gefällt oder nicht. Wählen Sie aus, zwischen dem und dem. Genau in dieser Weise verkauft man zum Beispiel die Freihandelszone (FTAA, spanisch ALCA) für den ganzen amerikanischen Kontinent.
***
Damals, zu Beginn der Zeitalter, hat sich der alte Zeus, der Herrschsüchtige, keineswegs geirrt, als er unter allen Bewohnern des griechischen Olymps Hermes auswählte - er war der Verlogenste, der Betrüger, der Dieb, der alle bestahl.
Zeus schenkte ihm ein Paar Sandalen mit goldenen Flügelchen und ernannte ihn zum Gott des Handels. Es war Hermes, später Merkur, der die Welthandelsorganisation (WTO), die Freihandelszonen, gemeinsame Märkte und wie die Kreaturen alle heißen (NAFTA, FTAA, usw.) inspiriert und ganz nach seinem Ebenbild geschaffen hat.
NAFTA, der Freihandelsvertrag zwischen Kanada, Mexiko und USA ist gerade zehn Jahre alt geworden. Seit seiner Gründung trägt er die Handschrift von Hermes.
Nachdem diese Art von Marktfreiheit nun über ganz Amerika - ja sogar die ganze Welt gespannt werden soll, sollten wir uns an einige charakteristische Entwicklungen erinnern.
1996 hat die kanadische Regierung den Verkauf eines »gesundheitsgefährdenden Neurotoxins« verboten. Es handelte sich um einen Zusatz für das Benzin, der von der US-Firma Ethyl produziert wurde. Diesen giftigen Zusatz, der in den USA selbst verboten war, verkaufte man exklusiv nach Kanada. Die Firma Ethyl, die sich schon Jahre der edlen Aufgabe widmete, andere Länder zu vergiften, reagierte sofort und verklagte den kanadischen Staat, weil das Verbot ihres Produktes eine Einschränkung der Handelstätigkeit, eine schwere Schädigung des Ansehens und »eine Enteignung« bedeute. Die kanadischen Anwälte warnten ihre Regierung, daß der Fall praktisch verloren wäre, es sei da nichts zu machen. Im Freimarkt NAFTA herrschen die Firmen. Mitte 1998 hat die kanadische Regierung das Verbot aufgehoben, um Entschuldigung gebeten und eine Entschädigung von 13 Millionen US-Dollar an die US-Firma gezahlt.
1995 sah sich die US-Firma Metalclad daran gehindert, eine Deponie für Giftmüll im mexikanischen Staat San Luis Potosí wieder zu eröffnen. Die Bevölkerung war entschlossen, mit Macheten in der Hand jede weitere Vergiftung der Böden und des Brunnenwassers zu verhindern. Metalclad verklagte den mexikanischen Staat wegen dieser »Enteignung«, und nach den Regeln des Freihandelsvertrages NAFTA mußte die Regierung 2001 der Firma eine Entschädigung von 17 Millionen US-Dollar überweisen.
***
Die Organisation der Vereinten Nationen entstand Ende des Zweiten Weltkrieges. John Fitzgerald Kennedy und Orson Wells waren damals unter den 2 500 Journalisten, die über dieses großartige Ereignis berichteten. In der Charta der UNO wurde »die Gleichheit der Rechte der großen und kleinen Nationen« festgelegt. Mit diesem großen Versprechen, der souveränen Gleichheit aller Mitglieder, sollte es der neuen Organisation möglich werden, den Lauf
der Geschichte der Menschheit zu verändern. 60 Jahre später, das kann jeder feststellen, hat sich die Geschichte zum schlechteren verändert.
***
Daß die schlechten Gewohnheiten kein Schicksal sind, beweisen immer mehr Länder, die es satt haben, bei der großen universellen Farce, die Rolle von Doof zu spielen.
Vor einem Jahr, stellte Thomas Dawson, Sprecher des Internationalen Währungsfonds fest: »Wir haben immer mehr hervorragende Schüler in Lateinamerika«. Das war die gewohnte Rede. Jetzt, warnt der argentinische Präsident Néstor Kirchner: »Wir sind kein Fußabtreter mehr«. Das ist die neue Sprache.
Neue Sprache, neue Haltung. Unsere Regierungen vertragen sich sehr schlecht mit der Bevölkerung und noch schlechter mit den Nachbarn. Das ist eine lange und traurige Geschichte von Scheidungen. Aber durch die letzten internationalen Finanz- und Handelstagungen, in Cancún und Monterrey, weht ein neuer Wind, der die Luft erfreut. Nach so vielen Jahren der Einsamkeit haben wir Schwache begonnen zu verstehen, daß wer alleine marschiert, auch geliefert ist. Nur ganz wenige Ausnahmen, wie der gegenwärtige uruguayische Präsident, glauben an die Rolle des glücklichen Bettlers.
Sogar die Dickköpfigsten fangen an zu kapieren, daß auf diesem erniedrigenden Feld, wo die Mächtigen ungestört mit einseitigem Handelsprotektionismus, finanzieller Erpressung und militärischer Gewaltanwendung schalten und walten, es nur eine Würde geben kann, nämlich die geteilte.
Man müßte sich nur beeilen, meine ich, bevor wir so ausschauen wie die neuen Bilder vom Mars!
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| Kommentar von: bigdaddy , 06.11.2004, 21:31 | meine meinung zu diesen thema ist klar und kurz, damit wir die Globalisierung in den griff bekommen, brauchen wir eine sogannante GLOBALE GOVERNANCE.
dies wird zwar schwer sein , aber wenn man es richtig plan, kann man die unsozialen Handlungen der regierungsorganisattionen ein ende bereiten
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| Kommentar von: svarez , 09.07.2004, 17:19 | Hier der Kommentar ...die einzige möglichkeit, den schlechten folgen und phänomenen der globalisierung wirksam begegnen zu können, ist die umsetzung der erkenntnis, dass es sich bei der globalisierung selbst um einen globalen klassenkampf handelt.
welche mittel stehen zur verfügung, um diesen kampf gewinnen oder wenigstens die selbstvernichtung der kapitalisten bremsen und abfedern zu können?
es ist durchaus diskutabel, ob der bewaffnete kampf nicht ein moralisch akzeptables mittel ist. er ist aber jedenfalls so lange sinnlos, so lange die kosten seiner führung für die kapitalisten nicht zu hoch werden. dazu müßte aber monatlich mindestens die finanzielle größenordnung des 11.9. erreicht werden. das ist illusorisch.
bleibt die zweite möglichkeit, der kampf nicht gegen, sondern im system: trotzkismus gewissermaßen. die gegner der globalisierung müssen die funtionsweisen des systems besser verstehen und beherrschen lernen, als die an der aufrechterhaltung des systems interessierten. letztlich geht das nur durch die gründung einer partei, wenn auch die abneigung dagegen bei den gloalisierungsgegnern sehr groß ist, weil eine partei irgendwann immer in das system eingenbaut wird. aber es ist trotzdem die einzige möglichkeit.
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