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BeitragVerfasst am: Di Jul 24, 2012 11:15 pm


Telepathetic hat folgendes geschrieben:
Mit anderen Worten: der 'g'-Faktor wird zwar durch "Beschulung" erhöht, aber Wissensvermittlung alleine verhindert Vorurteile, Ausgrenzung und Gewalt gegen Andere nicht notwendigerweise.


Gute Beobachtung, die ich teile.

Der Grund ist, dass Beschulung nicht gleich Bildung ist. Bildung wird zwar heute häufig gleichgesetzt mit Beschulung, aber im pädagogischen Sinne handelt es sich dabei um zwei Konzepte, die wenig miteinander zu tun haben.

Beschulung meint den Ausbau der kognitiven Leistungsmerkmale und das Vermitteln/Erwerben von Wissensinhalten und Kompetenzen (wobei sich Kompetenzen zum Teil mit kognitiven Leistungsmerkmalen überschneiden können).

Bildung hingegen zielt eher auf die Ausformung eines ethisch-moralischen Bewusstseins einerseits und andererseits auf die Befähigung zur Auseinandersetzung mit sich und der Welt ab. Wenn man so will ist Sozialisierung auch ein Teil von Bildung.

Bildung kann also im Rahmen von Beschulung geschehen, muss es aber nicht. Beschulung ist kein Garant für Bildung.

Gegenwärtig treffen in Deutschland einige höchst ungünstige Strömungen aufeinander.
1.Bildung und der Erwerb von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten findet außerhalb der Schule immer seltener statt. Unsere moderne Lebensrealität ist zunehmend von Anonymität geprägt, während gleichzeitig soziale Interaktion in den formfreien Raum verlagert wird. Heißt: Ein Teil der sozialen Interaktion spielt sich nicht mehr von Mensch zu Mensch ab, sondern über ein Medium wie zb. Telefon, Sms, Facebook usw. Bei diesen Kommunikationsformen fehlen erhebliche Bestandteile der "normalen" Kommunikation, ihr Erwerb und ihre Anwendung werden vom Regelfall zur Ausnahme. Folge: Sozialisierung läuft zunehmend schief. Individuen sind zur normalen Interaktion zwischen Menschen weniger befähigt. Auch das "soziale Lernen", also der Erwerb von Wissen, Fähigkeiten usw. der über das Erlernen sozialer Interaktion hinaus geht, geht durch die Einseitigkeit der Kommunikationswege zunehmend verloren. Das trifft zwar in der härteren Ausprägung nur auf eine kleine MInderheit zu, aber leider eben gerade auf die Minderheit, die es sich aufgrund ihrer Bildungs- und Beschulungschancen eigentlich nicht erlauben kann. Folglich werden die ohnehin schon im Bildungsprozeß Benachteiligten zusätzlich benachteiligt werden.

2. Aktuelle Bildungsreformen steuern diesem Trend nicht entgegen, sondern verstärken ihn noch!
Gründe sind hier insbesondere die Einführung verkürzter Schulzeiten, die inhaltliche Umorientierung seit PISA und die Einführung von Gesamtschulen.

Die Inhaltliche Umorientierung lässt sich zb. ganz gut an der neuerdings geforderten "Kompetenzorientierung" ablesen. Was sind Kompetenzen? Nichts anderes, als nicht-personenbezogene einstudierte Abläufe, die ein vorhersagbares Verhalten auf eine Vorhersagbare Situation festlegen. Wenn man einem Orang-Utan beibringt, auf einen Knopf zu drücken, damit Futter aus dem Auswurfschacht kommt, dann ist das eine Kompetenz (wobei man in dem Kontext wohl von "Dressur" sprechen würde". Kompetenzen zielen also eher auf eine behaviouristische Verhaltensmodifikation ab, als auf Bildung.

Im Gegensatz dazu stehen die (alten) Lernziele. Lernen ist definiert als ein kognitiver Prozeß, an dessen Ende eine dauerhafte Verhaltensänderung steht. Wenn ich also zb. lerne, dass die Nazis Juden vergast haben, werde ich Nazis danach nicht mehr toll finden (es sei denn ich finde "Juden vergasen" gut, aber das ist dann ein Fall für die Psychiatrie). Solche Sachen werden von der Kompetenzorientierung aber garnicht oder nur ungenügend erfasst.

Es scheint mir also so, dass die (neue) Kompetenzorientierung eher dazu dient, den zukünftigen "Roboter" Mensch mit einer Grundausstattung an Leistungsmerkmalen (Features) auszustatten, bevor er das Fließband verlässt und auf den Arbeitsmarkt geschleudert wird... Die Schule wird damit zur Montagehalle zukünftiger Arbeitskräfte degradiert.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Verkürzung der Schulzeiten einerseits die Stoffmenge entweder reduziert oder kozentriert, andererseits der "Schutzraum" Schule nicht mehr so lange zur Verfügung steht, um den Reifeprozeß eines Menschen zu begleiten, und das in Zeiten, in denen die geistige, seelische und moralische Reife immer später erreicht wird.
Weniger Freiräume, auch zeitlicher Natur, bedeutet gleichzeitig weniger Zeit für Reflexion und Bildung. Denn Bildungsprozesse bedürfen immer einer "Nachwirkphase" in der das gelernte verinnerlicht und umgewälzt wird. Fehlt die Zeit dazu, bleiben die Bildungsprozesse auf "halber Strecke" im Schlamm stecken.
Das Resultat sind zunehmend ungebildete Menschen.

Gesamtschulen verschlimmern all das noch, indem sie die individuellen Bedürfnisse der Schüler weitestgehend ignorieren - denn alle sind ja gleich und haben gefälligst gleiche Bedürfnisse zu haben. Das bewusste und gezielte Herbeiführen von Heterogenität im Klassenraum hat als einzige Begründung die sozialromantische These, dass jeder Mensch irgendwo Schwächen und Stärken hat und alle voneinander profitieren, wenn man sie zusammen in einen Klassenraum steckt.
Faktisch bedeutet dies, dass der Lehrer nun die klassische Dreiteilung des Schulsystems im KLassenraum wiederherstellt, da er ja auf die Individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Schüler eingehen muss. Da man unmöglich auf jeden einzelnen eingehen kann (bei Klassengrößen über 20 schon praktisch unmöglich. Regelklassengrößen liegen etwa bei 25-30. In der Praxis z.t. drüber!) muss man also wieder Leistungsgruppen herstellen. Da gibt es die Förderbedürftigen, die mit dem Stoff nicht mitkommen, dann gibts die, die damit zurecht kommen, und letztlich jene Gruppe, die total unterfordert ist. Zwar gab und gibt es Abstufungen auch im klassischen dreigliedrigen Schulsystem, aber dort fallen sie in der Regel innerhalb einer Lerngruppe weniger krass aus, weil der Bedarf an Differenzierung innerhalb einer eher homogenen Gruppe geringer ist.
Damit bleiben mehr Ressourcen für Bildungsrelevante Lernprozesse übrig.

Unbestreitbar bleibt die Tatsache, dass auch Heterogenität eine Lern- und Bildungschance eröffnet. Aber sie muss auch genutzt werden. Wenn schon erhebliche Verluste allein bei der Durchführung des Unterrichts bestehen, weil ein Lehrer quasi drei Klassen gleichzeitig unterrichten muss, dann bleibt dafür eben weniger Zeit.

3. Wird die Universität zunehmend "verschult". Die Gründe hierfür sind ganz pragmatisch: Erstens begünstigt die starke Lenkung des Bachelor-Master-Systems das Fortführen von unselbstständigen, aus der Schule gewohnten Denkmustern, zweitens sind die Studenten dank G8 und Ende der Wehrpflicht mittlerweile im Schnitt 18 statt 20 Jahre alt und gehen lückenlos von der Schulbank in den Hörsaal. Ich erspar mir hier die Ausführung, warum Bildung im Humboldtschen Sinne in einem System, das bis ins letzte Detail alles vorschreibt und keine Freiräume lässt, nicht stattfinden kann. Ich denk, das ist offenkundig.


Durch die Rahmenbedingungen, an die Schulen gebunden sind, wird Bildung zunehmend unmöglich. Die Heranziehung von reinen Technokraten wird in den Vordergrund gerückt, während klassische Bildung kaum eine Rolle mehr spielt.

Zitat:
Wie erklärt sich denn z.B. die Einstellung derjenigen hoher Politiker, allesamt universitär studiert, die Andersdenkende mit Totschlagargumenten auszugrenzen versuchen? Wie erklärt sich das Verhalten von Wissenschaftlern, die ihre Fähigkeiten in den Dienst selbiger Politiker stellen und Studien anfertigen, die zu einem vorherbestimmten Resultat führen?


Macht und Geld.

In einer Gesellschaft, in der der pure Eigennutz und Utilitarismus zur obersten Maxime und sozialen Norm erklärt wird, darf man nicht erwarten, dass Menschen, wenns um Geld und Macht geht, sich plötzlich in christlicher Nächstenliebe üben.
Zudem gibts in der Politik einige Spielregeln. Eine davon hat heute der Herr Gabriel illustriert: "Deine Gegner haben niemals Recht und müssen immer zurücktreten". Um das zu erreichen ist eben fast jedes Mittel legitim.

Zitat:
Anstatt also Moral zu predigen und sich selbst von dieser Moral auszunehmen, sollten Eltern echte Vorbilder sein.


Ja. Soziales Verhalten, und um nichts anderes geht es ja, lernt man nicht auf der Schulbank, sondern im Umgang mit Menschen. Dabei spielen einige Menschen eine wichtigere Rolle als andere. Diese Schlüsselfiguren der Sozialisierung sind jene angesprochenen Vorbilder - in der Regel das familiäre Umfeld und später der Freundeskreis / peer group / Kohorte.

Diese Menschen sind in jeder Hinsicht "Vorbilder" - im Guten wie im Schlechten. Und so vererben sich auch defizitäre Verhaltensweisen und Wertvorstellungen.

Neben einer stärkeren Hinwendung zur Bildung und einer Anpassung der Schule an die Bedürfnisse der Schüler sehe ich gerade in der Vorbildfunktion des sozialen Umfeldes einen wichtigen Ansatzpunkt. Aber leider (und gleichzeitig zum Glück!) ist dieser Bereich der staatlichen Intervention weitestgehend entzogen.

Was bleibt also? Wir müssen dafür sorgen, dass die Schule den Aufgaben, die auf sie abgeladen werden, wieder gerecht werden kann.


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BeitragVerfasst am: Do Jul 26, 2012 6:20 pm


haruc hat folgendes geschrieben:
Es scheint mir also so, dass die (neue) Kompetenzorientierung eher dazu dient, den zukünftigen "Roboter" Mensch mit einer Grundausstattung an Leistungsmerkmalen (Features) auszustatten, bevor er das Fließband verlässt und auf den Arbeitsmarkt geschleudert wird... Die Schule wird damit zur Montagehalle zukünftiger Arbeitskräfte degradiert.

Ersteinmal vielen Dank für Deinen riesenlangen Text!

Zu dem obigen Zitat habe ich noch ein paar Sätze beizusteuern. Mir erscheint auch, dass der Mensch heutzutage auf bestimmte geforderte Eigenschaften reduziert wird. Individuelle Bedürfnisse zählen nichts, Rücksicht wird höchstens dann genommen, wenn offiziell eine Krankheit / Störung diagnostiziert worden ist. Wobei ja laut Medienberichten, Internet-Foren und Selbsthilfe-Verbänden eher der Trend zu beobachten ist, Bedürfnisse medikamentös zu unterdrücken, statt den Bedürfnissen ihren benötigten Raum zu geben.

Nicht nur, dass Schulen und Unis lediglich Wissen eintrichtern und Verhalten festlegen sollen, nein, es wird auch mit der Angst gearbeitet, dass Abweichungen von den modernen Anforderungen an Arbeitsdisziplin und Verhalten unausweichlich im sozialen Aus resultieren. Daraus ergibt sich ein emotionaler Stress, der - plus ein Verhalten, das - sich auch auf die Gesundheit auswirkt.

Es gibt in der heutigen durchorganisierten Welt dem Anscheine nach keinerlei Alternativen mehr. Das ist höchst unerfreulich für diejenigen, die durch die Raster fallen, für die Systemverlierer. Diese haben in der heutigen Welt am wenigsten Spielraum und am wenigsten Anreiz überhaupt irgendetwas zu tun als untätig zu sein und depressiv zu werden oder untätig zu sein und zu feiern. Oder beides zusammen. Angesichts vieler allgegenwärtiger legal nicht überwindbarer HIndernisse in der Berufswelt kein Wunder. Wer nicht in das Raster des Systems passt, für den gibt es keine Verwendung. Der moderne Sozialstaat ist dementprechend nicht primär dazu da, um Menschen in Not vor einem Leben auf der Straße zu bewahren, sondern um die Systemverlierer aufzufangen.

Lösung kann also nur sein, dass gegenwärtige Gesamtsystem in einen Zustand zu bringen, der dem individuellen Menschen gerecht wird und gleichzeitig allen anderen Menschen wenigstens nicht schadet. Dementsprechend kann ich Deinem Satz "Neben einer stärkeren Hinwendung zur Bildung und einer Anpassung der Schule an die Bedürfnisse der Schüler sehe ich gerade in der Vorbildfunktion des sozialen Umfeldes einen wichtigen Ansatzpunkt." nur zustimmen.


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BeitragVerfasst am: Mo Aug 06, 2012 2:50 pm




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BeitragVerfasst am: Mi Aug 15, 2012 8:51 am


Wer hat sich das nicht schon einmal gefragt?

Zitat:
Smithsonian Institution Libraries: "Some Irreverent Thoughts about Dinosaur Metabolic Physiology: Jurisphagous Food Consumption Rates of Tyrannosaurus Rex" (PDF)
Zitat:
It is agreed by all living humans that the highlight of the movie Jurassic Park (Universal Studios, 1993) was the consumption of the lawyer by the true hero of the movie, Tyrannosaurus rex. This brings up an obvious question: How many lawyers would it take to properly feed a captive T. rex?


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BeitragVerfasst am: Di Aug 28, 2012 3:13 pm


Zitat:
Proceedings of the National Academy of Sciences: "Persistent cannabis users show neuropsychological decline from childhood to midlife" (Abstract)
Zitat:
Recent reports show that fewer adolescents believe that regular cannabis use is harmful to health. Concomitantly, adolescents are initiating cannabis use at younger ages, and more adolescents are using cannabis on a daily basis. The purpose of the present study was to test the association between persistent cannabis use and neuropsychological decline and determine whether decline is concentrated among adolescent-onset cannabis users. Participants were members of the Dunedin Study, a prospective study of a birth cohort of 1,037 individuals followed from birth (1972/1973) to age 38 y. Cannabis use was ascertained in interviews at ages 18, 21, 26, 32, and 38 y. Neuropsychological testing was conducted at age 13 y, before initiation of cannabis use, and again at age 38 y, after a pattern of persistent cannabis use had developed. Persistent cannabis use was associated with neuropsychological decline broadly across domains of functioning, even after controlling for years of education. Informants also reported noticing more cognitive problems for persistent cannabis users. Impairment was concentrated among adolescent-onset cannabis users, with more persistent use associated with greater decline. Further, cessation of cannabis use did not fully restore neuropsychological functioning among adolescent-onset cannabis users. Findings are suggestive of a neurotoxic effect of cannabis on the adolescent brain and highlight the importance of prevention and policy efforts targeting adolescents.


Zitat:
Der Tagesspiegel: "Kiffen macht dumm"
Zitat:
Wer bereits vor dem 18. Lebensjahr regelmäßig Cannabis konsumiert, schadet seinem Gehirn dauerhaft. Gerade in der Pubertät sei der Suchtstoff nicht harmlos, meinen Forscher.


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BeitragVerfasst am: Di Aug 28, 2012 10:22 pm


Simple Man hat folgendes geschrieben:

Zitat:
Persistent cannabis use was associated with neuropsychological decline broadly across domains of functioning, even after controlling for years of education.

Das klingt durchaus interessant - das Paper werde ich bei Gelegenheit sicher ganz lesen. Aber zumindest das Abstract und die in denjenigen Tabellen, auf die ich hier gerade frei zugreifen kann, präsentierten Ergebnisse lassen m.E. viele Fragen offen:

1. Dass die Kontrolle der Schuljahre (siehe Abstract) allein keine maßgebliche Veränderung bringt, ist m.E. nicht überraschend. Andere Kontrollen wären m.E. viel interessanter (bspw. familiäre Aspekte, aber v.a. potentiell zeitveränderliche Merkmale, siehe Punkt 3), auch da Cannabis-Konsum heutzutage teils starke subkulturelle Züge hat.

2. Insbesondere in Hinblick auf die Ergebnisse der Regressionsanalysen (siehe die Supplemental Tables 1-2) wurde offenbar lediglich für Geschlecht kontrolliert und selektiv verschiedene andere Abhängigkeiten sowie Schizophrenie herausgerechnet bzw. die entsprechenden Personen aus den Analysen ausgeschlossen. Wo bleibt der Einfluss von Cannabis unter Kontrolle der verschiedenen möglichen alternativen Erklärungen? Offenbar wird doch der negative Einfluss durch verschiedene Alternativen teils maßgeblich reduziert (siehe etwa aktueller Konsum [als Kontrolle für längerfristige Effekte nach Suchtende], Tabak, Alkohol...) - das könnte zwar mitunter auch an der Fallzahl liegen, da ja nur die untersuchte Gruppe entsprechend verkleinert wird, aber insgesamt frage ich mich dann doch, was diese selektive Vorgehensweise bringen soll?

3. Für Kausaleffekte wären ohnehin Fixed-Effects-Regressionen unter zusätzlicher Kontrolle zeitveränderlicher Merkmale des Lebenswandels m.E. interessanter als dieser OLS-Quark ohne vernünftige Kontrollen. Das bringt doch schon wenig, wenn man davon ausgehen muss, dass der Konsum von Cannabis durch andere Aspekte beinflusst wird, die sich im Sinne einer klassischen Scheinkorrelation auch auf die langfristige Entwicklung des IQ auswirken (Leute, die schon früh mit dem Zeug beginnen, werden vermutlich auch stärkere Auffälligkeiten im frühen und späteren Lebensverlauf aufweisen als erwachsene Erstnutzer) - da nützt auch der Panelcharakter der Studie nichts, wenn man weitgehend auf Kontrollen verzichtet. Geht man zudem davon aus, dass Cannabiskonsum gewisse Verhaltensweisen, die dem IQ abträglich sind, zwar nichts zwangsläufig bewirkt, aber etwa im Rahmen bestimmter Subkulturen tendenziell befördert, kann man den Kausalanspruch, den zumindest der Tagesspiegel zu sehen scheint, komplett vergessen. Wie wär's bspw. mit der Kontrolle des beruflichen Werdegangs, dem Konsum von Büchern, Zeitschriften und anderen Medien wie TV, der Ernährung, der Freizeitgestaltung, den sozialen Kontakten etc. - es bleibt vollkommen unklar, ob es hier um Korrelation mit Aspekten des Lebenswandels, einen Effekt über intervenierende Verhaltensmerkmale (was bspw. eine Wirkung verhaltenstherapeutischer Ansätze auch "suchtbegleitend" nahelegen würde) oder eine tatsächliche direkte neuropsychologische Kausalwirkung geht (die vor allem den Konsum an sich, unabhängig von den Lebensumständen, problematisch erscheinen lassen würde).

Vielleicht kann ja jemand, der das Paper schon komplett gelesen hat, meine Zweifel entkräften.


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Not only does paranoia endanger us epistemically, making both error and ignorance more likely, it can also undermine our happiness. On the other hand, naivety entails the same epistemic dangers, and its own distinctive moral danger. - David Coady

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BeitragVerfasst am: So Sep 02, 2012 8:20 pm


Zitat:
9) HEAVY MARIJUANA USE AS A YOUNG ADULT WON’T RUIN YOUR LIFE:
Veterans Affairs scientists looked at whether heavy marijuana use as a young adult caused long-term problems later, studying identical twins in which one twin had been a heavy marijuana user for a year or longer but had stopped at least one month before the study, while the second twin had used marijuana no more than five times ever. Marijuana use had no significant impact on physical or mental health care utilization, health-related quality of life, or current socio-demographic characteristics. Eisen SE et al. Does Marijuana Use Have Residual Adverse Effects on Self-Reported Health Measures, Socio-Demographics or Quality of Life? A Monozygotic Co-Twin Control Study in Men. Addiction. Vol. 97 No. 9. p.1083-1086. Sept.
1997
Top 10 Cannabis Studies the Government Wished it Had Never Funded

Telepathetic
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