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Terror und regulärer Widerstand. Was ist was?
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general
Inventar


Anm.Dat: Mar 30, 2004
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BeitragVerfasst am: Fr Mai 09, 2008 1:38 pm    Titel: Antworten mit Zitat


Moin

Terror ist die Anwendung von Gewalt gegen eine breite Schicht einer Bevölkerung mit dem Ziel der Angstverbreitung, Einschüchterung zur Durchsetzung der Interessen der Terroristen. Kommt vom Latein, Schrecken. Mittels Terror werden keine unmittelbaren (bspw militärischen) Ziele erreicht, aber ein Klima der Angst geschaffen. Terror kann natürlich auch von der Gegenseite missbraucht werden zur Schaffung eines Klimas der Angst um dies zur Durchsetzung deren Ziele zu nutzen. Kurz gesagt führt die Gewalt nicht zu einem
direkten Ergebnis, sie ist sinnlos.

Widerstand ist die Anwendung von Gewalt gegen eine gezielte Schicht der Bevölkerung zur Verwirklichung der Ziele des Wiederstands. Wiederstandsaktionen zielen darauf ab, die Macht an sich zu reissen, bzw. haben einen strategischen Hintergrund. Wichtige Gebäude werden besetzt, Schlüsselpersonen ermordet. Die Gewalt hat einen "Sinn" und es werden damit Ziele erreicht.

Widerstand richtet sich gegen einen Gegner. Terror gegen die Bevölkerung als ganzes. Die Mittel welcher man sich bedient sind wohl an und für sich die Selben. Nur sollte ein Widerstand Rückhalt in der Bevölkerung haben, will er langfristig Erfolg haben. Ein Terrorist braucht das nicht zwingend. Die Übergänge sind wohl fliessend, aber es ist auch schwer zu definieren.

Wenn ein ranghohes Juntamitglied von einer Widerstandsbewegung mittels Autobombe getötet wird und dabei Zivilisten sterben, ist das dann Terror? Schliesslich ist auch von collateral damage die Rede wenn beim Bombardement einer Waffenfabrik Zivilisten sterben. Wenn nicht absichtlich erfolgt, ist es auch kein Kriegsverbrechen. Nur sind halt Widerstandsorganisationen selten mit dem Segen der UNO gewidmet. Deshalb ist die Definition sicher willkürlich bzw. abhängig von der Perspektive.

Interessantes Thema. Ich denke aber dass eine Definition sehr schwer zu finden ist und falls doch, niemals umsetzbar sein wird. Nur schon die heutige Regelung überlebt sprichwörtlich den Krieg nicht.

Beste Grüsse
general Cool


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Der größte Luxus, den man sich leisten kann, ist eine eigene Meinung.
(Sir Alec Guinness)
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agentP
Grand Poobah


Anm.Dat: Apr 10, 2002
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BeitragVerfasst am: Fr Mai 09, 2008 4:21 pm    Titel: Antworten mit Zitat


Zitat:

Terror ist die Anwendung von Gewalt gegen eine breite Schicht einer Bevölkerung mit dem Ziel der Angstverbreitung, Einschüchterung zur Durchsetzung der Interessen der Terroristen. Kommt vom Latein, Schrecken. Mittels Terror werden keine unmittelbaren (bspw militärischen) Ziele erreicht, aber ein Klima der Angst geschaffen. Terror kann natürlich auch von der Gegenseite missbraucht werden zur Schaffung eines Klimas der Angst um dies zur Durchsetzung deren Ziele zu nutzen. Kurz gesagt führt die Gewalt nicht zu einem
direkten Ergebnis, sie ist sinnlos.


Ich finde diese Beschreibung gut, aber ich bin nicht einverstanden zu sagen sie ist "sinnlos". Es sollen damit -wie du sagst- keine unmittelbaren Ziele erreicht werden, aber es sollen damit indirekte Ziele erreicht werden, z.B. eine Destabilisierung oder eine Eskalation, die natürlich auch zu einem ganz konkreten Ziel führen sollen. Es wird sozusagen "über Bande" gespielt. Terror nicht sinnlos, der Sinn liegt nur nicht im Gewaltakt an sich , sondern sein perverser Sinn liegt in der Angst die er erzeugt.


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"Wenn ich sicher wüsste, dass jemand in mein Haus käme, mit der festen Absicht, mir Gutes zu tun, würde ich um mein Leben laufen." - H.D. Thoreau, Walden

Ein_Liberaler
Inventar


Anm.Dat: Sep 14, 2003
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BeitragVerfasst am: Fr Mai 09, 2008 10:38 pm    Titel: Antworten mit Zitat


Sehr gut, Ihr beiden! Ich schließe mich an.


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Taxation with representation still sucks.

general
Inventar


Anm.Dat: Mar 30, 2004
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BeitragVerfasst am: Sa Mai 10, 2008 7:28 am    Titel: Antworten mit Zitat


@agentp
Danke. Ich schliesse mich dem an. Sinnlos ist das falsche Wort, ich wollte damit jedoch ausdrücken, dass mit dem Gewaltakt an und für sich kein direktes Ziel erreicht wird (bspw. Besetzung eines Polizeipostens). Natürlich jedoch trägt sie im weiteren Sinne zur Destabilierung und der Verbreitung von Schrecken und Angst bei, dem eigentlichen Ziel des Terrorismus. Und mit diesem Mittel wird dann versucht eigene strategische Ziele durchzubringen.

Interessant ist beim Terror dass er sehr gut von der Gegenseite als Argument für mehr "Sicherheit" verwendet werden kann. Da er die Zivilbevölkerung direkt betrifft kann eine Regierung der Bevölkerung Einschränkungen der individuellen Freiheit eher verkaufen als wenn es um den Schutz der Regierung selbst geht.

Beste Grüsse
general


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erdal5
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BeitragVerfasst am: So Mai 11, 2008 1:08 am    Titel: Antworten mit Zitat


vielleicht sollten wir mal butter bei die fische geben und konkret namen nennen:
israel-palästina? wiederstand oder terrorismus?
türkei-pkk
usa-irak/afghanistan
spanien-eta
irland-ira
das soll jetzt keine diskussion über die jeweiligen konflikte sein, nur objektiv betrachtet unter der definition der begriffe "terror" oder "widerstand", die z.B. sentbygod gennant hat.
übrigens bin ich echt mal gespannt, wie die geschichte über unsere zeit denken wird, das heisst was werden die schul-geschichtsbücher und lexika in 50 jahren über den 9/11 schreiben oder bush oder binladin oder den irakkrieg oder...
ich lehne mich dann in meinem schaukelstuhl zurück und erkläre den wissbegierigen lauschern: "ich habe damals gelebt und sah das schon immer so."
oder so ähnlich.


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"Meine Fahne war mir viel, viel lieber als mein Schwert. Ich trug die Fahne immer selbst, wenn ich den Gegner angriff, um zu vermeiden, einen zu töten. Niemals habe ich einen Menschen getötet."
Johanna von Orleans, 1431.

Winston_Smith
Inventar


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BeitragVerfasst am: So Mai 11, 2008 7:58 am    Titel: Antworten mit Zitat


Zitat:
Interessant ist beim Terror dass er sehr gut von der Gegenseite als Argument für mehr "Sicherheit" verwendet werden kann. Da er die Zivilbevölkerung direkt betrifft kann eine Regierung der Bevölkerung Einschränkungen der individuellen Freiheit eher verkaufen als wenn es um den Schutz der Regierung selbst geht.


Warum so negativ? Es ist das genau das, was die Bevölkerung von seiner Regierung ertwartet: sie vor Terror beschüzen. Die deutsche Bevölkerung wollte vor der RAF geschützet werden, die Türkische (und die Touristen) vor der PKK, das Afghanische Volk vor den Taliban. usw.

Sonst allerdings volle Zustimmung zur Definition.

ws


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BeitragVerfasst am: Mo Mai 12, 2008 10:01 am    Titel: Antworten mit Zitat


Nach Gerneral's Aussagen wäre die RAF allerdings eine Widerstandsgruppe und keine Terroristen!

Oder hab ich da was Falsch verstanden?

Immerhin richteten sie sich gegen Einzelpersonen- und Ziele!


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Die Amerikaner sind das einzige Volk, das den technischen Fortschritt erreicht hat, ohne den Umweg über die Zivilisation zu nehmen.
G, Clemenceau
Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, daß wir nicht besser regiert werden, als wir es verdienen.

general
Inventar


Anm.Dat: Mar 30, 2004
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BeitragVerfasst am: Mo Mai 12, 2008 3:22 pm    Titel: Antworten mit Zitat


Hmm. Ja, das stimmt. Nur wirds dann eben knifflig. Vermutlich lässt sich diese Definition einfach nicht auf Rechtsstaaten anwenden. Denn da sind staatliche Vertreter durch das Volk gewählt und Wirtschaftsführer Privatpersonen welche nicht als "militärisches" Ziel durchgehen. Es liegt dann Mord vor. Und die RAF hatte keinen Rückhalt in der Bevölkerung (zumindest nicht auf breiter Basis)
Die erste Generation war zu Beginn eher eine kriminelle Organisation (Banküberfälle) danach wurden Polizei und militärische Einrichtungen Ziel der Gruppe. Die zweite Generation hat mit der Besetzung der Botschaft in Stockholm klar die Grenze überschritten. Mit der Ermordung von Diplomaten hat Widerstand nichts mehr zu tun.
Das RAF-Beispiel zeigt aber klar wie Verschärfungen des Gesetzes einfach hingenommen wurden. Von der RAF hatte ja der einfache Bürger eigentlich nichts direkt zu befürchten (oder seh ich das falsch) die RAF richtete Gewalt gegen Kader von Grossfirmen, Polizei und Militär. Unschuldige Zivilisten wurden während der RAF Zeit eher von der Polizei im Affekt getötet. Beim Opfer in Zürich ist man sich nicht sicher. Auf jeden Fall war es nicht gezielt.

Also müsste man noch eine Verfeinerung vornehmen. Die IRA hat ja auch zuerst gegen die britische Besatzung gekämpft (soweit "legitim") und ist dann später aber zu klar terroristischen Methoden gekommen. Die Grenzen sind eben doch fliessend.


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BeitragVerfasst am: Di Mai 13, 2008 4:07 pm    Titel: Antworten mit Zitat


general hat folgendes geschrieben:
Die Grenzen sind eben doch fliessend.


Oder schlicht nicht ziehbar.
Ob jemand ein Widerstandskämpfer oder ein Terrorist ist, ist doch nur eine Frage der Sichtweise.

Dass gilt auch für die Terroristen unserer Tage.
Ich würde die Islamisten nicht Widerstandskämpfer nennen wollen, aber genausowenig kann kaum eine Regierung eines Landes der arabischen Welt als ein "vom Volk legitimiert", "demokratisch gewählt", oft nicht einmal "Rechtsstaat" oder gar "rechtmässig" bezeichnet werden.
Aus dieser Sicht wären - mal die o.g. Aussagen zusammenfassend - die Islamisten auch Widerstandskämpfer.

Die geschichtliche Interpretation vergangener Kriege und Aufstände hadert mit demselben Problem. Wir Europäer sehen - aus unserer Sicht - die islamische Expansion des Mittelalters als Angriffskriege.
Ich habe aber auch schon mit Muslimen diskutiert, die diese als "Befreiungskriege" sehen wollen.


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BeitragVerfasst am: Di Mai 13, 2008 4:10 pm    Titel: Antworten mit Zitat


Auch ein Befreiungskrieg kann einen Angriffskrieg darstellen.


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agentP
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BeitragVerfasst am: Do Mai 15, 2008 5:40 pm    Titel: Antworten mit Zitat


Zitat:
Ob jemand ein Widerstandskämpfer oder ein Terrorist ist, ist doch nur eine Frage der Sichtweise.

Ich würde immer noch sagen, ein Widerstandskämpfer kann jederzeit auch ein Terrorist sein, denn "Terrorist" sagt in erster Linie nur etwas darüber aus, welche Methoden jemand benutzt, während "Widerstandskämpfer" eher beschreibt wogegen jemand kämpft, bzw. eigentlich meint man damit die Seite, die gegen den oder die jeweiligen Machthaber kämpfen.
Da die Methode Terror aber eine sehr perfide Methode ist, die in der Regel dem Kriegs- und Völkerrecht widerspricht und entsprechend weitreichende Ächtung erfährt, wird sie gerne auch dann von einer Seite betont, wenn man den jeweiligen Kämpfer negativ darstellen will oder verschwiegen, wenn man seinem Image nicht schaden will.


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