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Laokoon Cholerischer Prophet Redakteur

 Anm.Dat: Aug 11, 2004 Beiträge: 1289 Wohnort: Ilium

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Verfasst am: Mo Sep 03, 2007 8:39 pm Titel: |
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| Laokoon hat folgendes geschrieben: | [...]
Also ich bin mir zwar nicht wirklich sicher, aber glaube schon dass es sich hier um die Inkarnationen Vishnus handelt, als da wären:
[...]
lg, Laokoon |
So, nachdem dieser Thread wieder ausgegraben worden ist, bin ich erneut neugierig geworden. Nach einer kurzen Internetrecherche habe ich folgende Attribute Vishnus gefunden, die beide, zweidimensional dargestellt wie auf dem Relief, wie Flammen aussehen können:
Zum einen Muscheln, zum anderen die Lotusblüte.
Nachdem ich mich erkundigt habe, welche Muschelart genau (die hlg. Muschel Vishnus nennt sich Shankha) ein Symbol des Gottes darstellt, fiel ebendiese Möglichkeit definitiv weg. Die Shankha ist eine Schneckenart, also nicht zu vergleichen mit der Jakobsmuschel oder ähnlichen Arten, die künstlerisch dargestellt evtl. wie Flammen aussehen könnten. Bliebe noch die Blüte des Lotus als Möglichkeit.
Sich entfernend von den direkten Attributen, bleibt evtl. noch die mythologische Erklärung. Der von mir in der Vergangenheit genannte Avatara des Riesenebers Varaha sprang in den Ozean, um die Welt zu retten. Stellen die Platten des Stegosaurus evtl. weder Sonnenplatten, noch Flammen, sondern am Ende Wellen dar?
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Eines müssen wir uns immer vor Augen halten:
Angkor Wat ist ein Kulturobjekt mit religiösem Hintergrund. Ähnlich wie beim Kölner Dom oder vergleichbaren Bauwerken in Europa wurde auch hier, trotz der von Phant0m angesprochenen angeblich recht realistischen Darstellungsweise stilisiert.
Als Vergleich: Persepolis, die Hauptstadt des alten Perserreiches bis zu Dareios III., verfügt ebenfalls über eine für die damalige Zeit und Regionrelativ naturalistische Reliefausstattung, ist jedoch ebenso von mythologischen Symbolen durchdrungen, so finden sich zahllose Greifen und Abbilder des Ahura Mazda .
Der Hinduismus ist, wie die meisten Religionen, voll von Symbolen und insbesondere die Avatara, göttliche Erscheinungsformen bzw. Aspekte, spielen hier eine Rolle. Dementsprechend zeigen sich die Götter nicht unbedingt in menschlicher Form, sondern als Tiere, Mischwesen oder mit völlig veränderten Attributen gegenüber der vielleicht von uns als Norm angesehenen menschlichen Idealfigur. Der Augenmerk der Darstellung liegt oftmals nicht auf einer naturalistischen Darstellungsweise, sondern vielmehr in der Herausarbeitung mythischer Ereignisse oder göttlicher Charakterzüge.
Der die Leitsätze von Gustave Courbet oder Arno Holz treffen insofern hier nicht zu, als dass religiöse Kunst nicht die objektive naturalistische Betrachtung ihrer Umwelt zum Ziel hat, sondern völlig andere Ziele verfolgt: Die Darstellung der göttlichen Erhabenheit, die Steigerung der kontemplativen Erbauung oder die mythische Erklärung eines Sachverhaltes (uvm.). Sie können deshalb bei der Betrachtung der Reliefe nicht angewandt werden, zumindest nicht, wenn wir wissen wollen, welche Bedeutung dieSymbole haben.
Wie gesagt, mein Interesse ist erneut geweckt worden, und ich werde in nächster Zeit intensivere Recherchen bezüglich der Kunstgeschichte des Khmer-Reiches und der künstlerischen Darstellungsweisen im Hinduismus anstreben. Insbesondere ob meine Vishnu-These genauerer Prüfung standzuhalten vermag.
Da auch Phant0m zumindest wieder von der Existenz seines Threads weiß, muss ich ihm gestehen, dass ich die Bilder, die er mir damals zugeschickt hatte, leider wohl von meinem Rechner gelöscht habe, ich schaue aber noch einmal nach. Um genauer recherchieren zu können, würde ich ihn (also Dich) bitten, ob er mir zumindest die Lage des Reliefs genauer bestimmen kann. Die Tempelhallen von Angkor Wat haben wahrscheinlich verschiedene Namen und um die Suche eingrenzen zu können, wäre es sehr hilfreich zu wissen, wo genau dieses Kunstwerk liegt.
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~Munera nunc edunt et, verso pollice vulgus cum iubet, occidunt populariter.~
Iuvenal
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Laokoon Cholerischer Prophet Redakteur

 Anm.Dat: Aug 11, 2004 Beiträge: 1289 Wohnort: Ilium

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Verfasst am: Do Sep 06, 2007 8:43 pm Titel: |
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Nun, der Begriff Angkor hat sich als mehr als schwammig erwiesen. Er bezeichnet die gesamte ehemalige Hauptstadt des alten Khmer-Reiches. Da die Wohnhütten der Bevölkerung und wohl auch sogar die Paläste des Adels und des Königs aus Holz und Bambus errichtet wurden, blieben nur die Tempelanlagen, aus Stein gebaut, erhalten. Nun, jeder König wollte sich verewigen und so gibt es ca. 50 große und gut zugängliche Tempel und massenhaft weitere, deren Lage man zumindest kennt. Wikipedia spricht sogar von ca. 1000 Tempeln und Heiligtümern. Die als Angkor Wat bezeichnete Tempelanlage ist nur eine von ihnen, wenn auch sicherlich die imposanteste. Im normalen Sprachgebrauch werden beide Begriffe jedoch oft aus Unwissenheit miteinander vertauscht und synonym angewendet.
Ich habe erst einmal eine grobe Sichtung unternommen und mich dem großen Haupttempel gewidmet, der wahrscheinlich, auch wenn sich Kunsthistoriker aufgrund des angewandten Stils mit der Datierung nicht ganz einig sind, von Sûryavarman II. in Auftrag gegeben. Er ließ ihn als Staatstempel errichten und verfügte, dass jenes Gebäude nach seinem Tod als Grabtempel zur Verehrung seiner selbst genutzt werden solle. Denn Sûryavarman II. war seines Zeichens Paramavishnuloka, die Fleisch gewordene Inkarnation des Gottes Vishnu.
Die Innenwände des Tempels und der Eingangsgalerie sind anscheinend fast vollständig mit Reliefen überzogen, die zum großen Teil hinduistische Mythen und politische Erfolge des Königs und damit die göttliche Pracht von Herrscher und Göttern demonstrieren. Militärparaden und gegen Dämonen kämpfende Götter, Schöpfungsmythen und Jenseitsvorstellungen wurden, wie ich durch Bildausschnitte sehen konnte, in den Stein gemeißelt. Auch Vishnu taucht, da der Tempel ihm und seiner irdischen Wiedergeburt gewidmet ist, entsprechend oft auf. Man muss unterscheiden: Da der Glaube an Shiva in der Region lange Zeit dominant war und erst durch Sûryavarman II. der Vishnuismus in den breiteren Fokus des öffentlichen Lebens trat, sind große Teile von Angkor Shiva geweiht, hinzu kamen später noch buddhistische Bauten. Zurück zum Auftraggeber des Tempels: In das Zentrum des Gebäudes ließ er eine große Statue von sich stellen, zur Verehrung versteht sich (bei der Umfunktionierung in ein buddhistisches Heiligtum im 16./17. Jhd. wurde diese durch vier Buddhastatuen ersetzt).
Das von Phant0m gezeigte Relief fand ich leider in meinen (recht spärlichen) Quellen nicht (da der Großteil der Medien über Angkor und Angkor Wat ausgeliehen war). Aber da ich nun schon einmal erfahren hatte, dass der größte Tempel des gesamten Kultgeländes früher Vishnu geweiht war, war ich guter Dinge, meine These irgendwann durch die Sichtung weiterer Literatur bestätigt zu finden.
Lesen bildet ja bekanntlich, und wer jene Fähigkeit gut beherrscht, ist sprichwörtlich klar im Vorteil. Ja, so habe auch ich bemerkt, nachdem ich von der Bibliothek nach Hause gekommen war, dass ich mich nicht Angkor Wat hätte widmen müssen, sondern dem ca. zwei Kilometer davon entferntem Ta Prohm, ebenfalls auf dem Gelände von Angkor gelegen.
Dieser Komplex wurde abgesehen von den kryptozoologischen Vermutungen über rezente Vertreter der Stegosauria unter anderem durch die erste Tomb Raider – Verfilmung bekannt.
Ta Prohm, wie ich schnell herausfand, war als das königliche Kloster von Jayavarman VII., einem buddhistischem König im endenden 12. Jhd. gebaut worden. Trotz der anderen Glaubensrichtung finden sich zahlreiche hinduistische Motive. Ebenso finden sich jedoch auch zahlreiche Tiermotive ohne mythologischen Hintergrund. Die Bildhauer der Khmer setzten sie teils recht humorvoll, teils recht dramatisch, in Szene. Insgesamt dominieren die Tier-Szenen wohl zahlenmäßig.
Meine anfangs so plausible Vishnu-These ist letztendlich durch die im letzten Abschnitt festgehaltenen Erkenntnisse stark anzuzweifeln – auch wenn sie nicht völlig vom Tisch zu fegen ist, wegen der besagten vorhandenen hinduistischen Motive.
Es fing vielversprechend mit den zehn Kreisen an, die meiner Vermutung nach die zehn Avatara Vishnus hätten darstellen können, ging mit den gewonnenen Erkenntnissen über Angkor Wat noch vielversprechender weiter – und hat nun einen recht abrupten Dämpfer bekommen. So schnell kann es gehen, aber hier zeigt sich der Wert von eigenen Recherchen. Ob die ‚meine’ These vielleicht doch noch wahr sein könnte oder auch nicht – die in die offene Frage investierte Zeit hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Nun ja, ich werde mich in der Zukunft weiter daran machen Klarheit bezüglich diese Themas zu erlangen und hoffe, dass ich während der nächsten Monate auch die derzeit ausgeliehenen Medien mal zu Gesicht bekomme. Nun weiß ich ja auch, wonach ich genau suchen muss.
Genutzte Quellen:
Madeleine Giteau:
Kmher – Kunst und Kultur von Angkor
3. Auflage, 1973, Hirmer Verlag, München
Martin H. Petrich:
Vietnam, Kambodscha & Laos
1. Auflage, 2004, Dumont Reiseverlag, Köln
Verlinkte Websites, außerdem entsprechende Wikipedia-Artikel
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Iuvenal
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vonderOder Forensianer
 Anm.Dat: Nov 24, 2004 Beiträge: 1206 Wohnort: im Osten von Deutschland
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Verfasst am: Do Sep 06, 2007 11:09 pm Titel: |
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da gerade von Urviechern die Rede ist: YAHOO! schreibt: | Zitat: | Ulan Bator/New York (dpa) - US-Forscher haben in der Mongolei einen Dinosaurer von der Größe des Urvogels Archaeopterix entdeckt. Das Tier ist rund 70 Zentimeter groß und zeigt, dass einige Vorläufer der Vögel schon klein waren, bevor die Dinosaurier Flugeigenschaften entwickelten.
Ihre Arbeit stellen die Wissenschaftler im Fachjournal «Science» (Bd. 317, S. 1378) vom Freitag (07.09.2007) vor. Die neue Spezies demonstriere eine grundlegende Abzweigung innerhalb der Dromaeosauridae.
Die Veränderungen in der frühen Evolution der Vögel und der Entwicklung der Flugeigenschaft sind schwer zu studieren, da kleinere Dinosaurier schlecht als Fossile bewahrt sind. Alan Turner vom American Museum of Natural History in New York und seine Kollegen nannten den neuen Dinosaurier nach einem der acht wachenden Götter im tibetischen Buddhismus und seinem Fundort in der südlichen Wüste Gobi: Mahakala omnogovae. Das Fossil wurde auf die Kreidezeit zwischen 146 und 65 Millionen Jahren datiert. |
_________________ "Intellektuelle sind freundlich zum Fremden, nicht um des Fremden willen, sondern weil sie grimmig sind gegen das Unsere und alles begrüßen, was es zerstört."
Botho Strauß
Wir leben unterm gleichen Himmel,haben aber nicht den gleichen Horizont |
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InsularMind Inventar
 Anm.Dat: Dec 09, 2003 Beiträge: 848 Wohnort: Solar System, Terra,Europe, Germany, Kiel
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Verfasst am: Mo Nov 12, 2007 10:26 pm Titel: |
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Die Abbildung in Stein gemeiselt könnte auch einen stilisierten Tapir
( Schabrackentapir, Tapirus indicus ) oder ein javanisches Nashorn
( Rhinoceros sondaicus) darstellen. Allerdings ist der Schwanz schon seltsam lang und dick hierfür. Die "Rückenplatten" hielt ich für eine Zierde, oder stilisierte Hügel. Möglicherweise war das Panzernashorn in früherer Geschichte weiter verbreitet als nur auf indonesischen Inseln. Ein Eintrag in der wikipedia geht davon aus.
http://de.wikipedia.org/wiki/Java-Nashorn
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