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Oettingers Grabrede zu Ehren Filbinger
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BeitragVerfasst am: Sa Apr 14, 2007 9:05 am


Also ich mache mir wirklich Sorgen, um die Meinungsbildung einiger hier im Forum.

Der Filbinger war ein Nazi, das steht wohl außer Frage.
Er war Parteimitglied (und das mußte man damals keinesfalls sein) und er hat in der machtstruktur eine Funktion übernommen.

Ihn jetzt als Widerstandkämpfer darzustellen oder gar Urteile als Sabotage auszulegen ist schlichtweg lachhaft.

Auch sehr bedenklich finde ich, daß manche immer noch glauben, Wikipedia wäre eine seriöse Quelle...
Als Nachschlagewerk oder Enzyklopädie mag es ja taugen aber gerade wenn es um historische Darstellungen geht, sind hier dem Mißbrauch oder der Fehldarstellungdoch Tür und Tor geöffnet.

Angesichts der Diskussionen, die die Person Filbinger schon als Ministerpräsident ausgelöst hat, ist es wirklich schlicht dreist, dass Oettinger das jetzt wieder hochkocht und kann wirklich nur als Stiefelleckerei bei den im Ländle ja durchaus vorhandenen rechten Gruppierungen (Reps im Landtag) gewertet werden.

Daß er dabei auch noch auf so breite Unterstützung hier im Forum stößt, wundert mich dann doch (also von Winston hab ich ja nichts anderes erwartet, aber das selbst Laz sich auf diese Seite stellt)

Es wird ja von niemandem erwartet, daß er sich aktiv am Widerstand beteiligt, der Opportunismus, seinen eigenen Arsch zu retten, mag jedem unbenommen sein, besonders die fragwürdige Beurteilung aus der historischen Distanz und dem eigenen sicheren Sessel heraus, aber dann soll auch niemand erwarten für diesen Opportunismus eben posthum doch noch als Widerstandskämpfer gewürdigt zu werden. Das ist doch die Frechheit an der Sache.

Ich hoffe weiterhin, daß Oettinger zurücktreten muß.
Da er ja einer der kritischen Ministerpräsidenten war, wird dies Merkel natürlich nur in die Karten spielen, deswegen rüffelt sie ja auch öffentlich.

Wir erleben gerade also eigentlich nichts weiter als eine weibliche Kabale.


erik
Inventar


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BeitragVerfasst am: Sa Apr 14, 2007 9:05 am


Und hier noch mal meine Meinung:

Ja, Filbinger hat "Dreck am Stecken". In welchem Maße, darüber streiten sich schon Generationen von Historikern (und ask1-user... Wink ).

Allerdings hat er sich nach dem 3.Reich für den Aufbau eines demokratischen Deutschlands eingesetzt und mitgewirkt.

Er war kein Nazigegner, hat sich aber wohl gewandelt.

Heute über diese Generation zu richten, ist einfach aber auch häufig an der Realität und an den Möglichkeiten dieser Zeit vorbei.

Meiner Meinung nach, war also die Aussage "Filbinger wäre im Widerstand gewesen" schlichweg falsch. Die eigentlich Aussage der Rede ist aber wohl richtig.

Was ist den z.B. mit dem Kameraden Grass? Dieser war SS Mitglied und wurde nach dem Krieg von der SPD hofiert. War Grass nicht auch ein Nazi? (Zugegeben in kleinerem Maße als Filbinger.)

Oder Wehner? Der war überzeugter Kommunist...

@Aphorismus
Zitat:
Was ist denn an Rosa Luxemburg auszusetzen? Ich kenne mich mit deren Geschichte nicht besonders gut aus, finde aber das Festhalten an der Unschuld von Stasi-Kollaborateuren weitaus schlimmer.


An der Person Rosa Luxemburg nur wenig. Schon aber an Ihrer politischen Arbeit. Es ging mir um die Rosa-Luxemburg-Tage. Diese werden von Linksruck organisiert. Ich stelle mir nur vor, die "Junge Freiheit" würde entsprechende Tage organisieren und CDU Politiker treffen sich regelmäßig dort, halten Reden, Diskussionen und verlesen Grußworte...

ws


Winston_Smith
Inventar


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BeitragVerfasst am: Sa Apr 14, 2007 10:15 am


Lazarus hat folgendes geschrieben:
Demnach war jeder Richter damals ein Nazirichter.


Alle Richter der Nazi-Zeit haben einem menschenverachtenden System und einer hanebüchenen Justiz gedient, das steht doch außer Zweifel. Das sagt aber nichts darüber aus, ob die einzelnen Richter auch hinter dem Nationalsozialismus standen.

Andererseits: Da einfach allen Richtern der Nazi-Zeit die Schuld absprechen zu wollen, weil es nun einmal "die Zeit gewesen sei", finde ich genau so billig wie eine Pauschalverurteilung - die ich nirgends ausgesprochen habe.

Darum denke ich, dass man sich einfach nur Filbinger als Einzelperson angucken sollte, um die Frage zu klären, ob er ein Nazi war oder nicht.

Dass die deutsche Blutsgemeinschaft "erhalten und die rassisch wertvollen Bestandteile des deutschen Volkes planvoll vorwärts entwickelt werden" müsse, dass der "Nationalsozialismus (...) die geistigen Voraussetzungen für einen wirksamen Neubau des deutschen Rechts schuf", dass das von einem Parteimitglied freiwillig und in dem gleichen Jahr, in dem die Nürnberger Rassegesetze geltendes Recht wurden, geschrieben wurde, das alles macht Filbinger zum Nazi. Und dann sagt Oettinger: "Filbinger hat deshalb den Nationalsozialismus immer verachtet." Geht's noch?

Die Todesurteile waren geltendes Militärrecht, das ist richtig. Über die habe ich mich ja auch nicht in dem gleichen Maße aufgeregt wie über die Tatsache, dass Oettinger sie - neben dem FAKT, dass Filbinger damals ein Nazi war - leugnet. Wobei natürlich schon fraglich ist, ob man jemanden, der 1943 desertiert war, 1945 noch zum Tode verurteilen muss, wenn man mal für fünzig Pfennig Grips hat und sich anguckt wie es in Europa aussieht.

Filbinger ist tot, der interessiert praktisch kaum noch. Aber Oettinger, der lebt und regiert ein deutsches Bundesland. Und es war nicht sein erster Ausrutscher nach rechts außen. Das geht meiner Meinung nach einfach nicht.

Winston Smith hat folgendes geschrieben:
Was ist den z.B. mit dem Kameraden Grass? Dieser war SS Mitglied und wurde nach dem Krieg von der SPD hofiert. War Grass nicht auch ein Nazi? (Zugegeben in kleinerem Maße als Filbinger.)


Den kann ja nun auch wirklich in der Pfeife rauchen. Paar gute Bücher, ansehnliche Gemälde, ein fetter Preis und ein unsäglicher Wust an dümmlichsten Gebrabbel.

Winston Smith hat folgendes geschrieben:
Oder Wehner? Der war überzeugter Kommunist...


Non sequitur. Die kommunistischen Länder waren totalitäre Regime, Russland unter Stalin nahezu so grausam wie Deutschland unter Hitler. Aber der Kommunismus an sich ist längst nicht so eine menschenverachtende Ideologie wie der Nationalsozialismus.


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BeitragVerfasst am: Sa Apr 14, 2007 10:16 am


Meiner Meinung nach müssen wir hier nicht über die Biographie von Filbinger sprechen. fakt ist, dass er wegen seiner vergangenheit zurückgetreten ist. man sollte sich lieber damit beschäftigen warum Oettinger sowas von sich gibt?
wie reagiert er eigentlich auf die entrüstung? er sitzt es aus und in paar wochen ist alles vergessen.
früher sagte man zu sowas geschichtsfälschung.

btw: redet mir nicht von den rechten ossis (in anderen threads) die nazis in den landtag wählen! woher sollen die es besser wissen, wenn sich "spitzenpolitiker" der demokratischen bundesrepublik immer wieder zu solchen äußerungen hinreißen lassen?!


Devon
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BeitragVerfasst am: Sa Apr 14, 2007 10:25 am


Devon hat folgendes geschrieben:
wie reagiert er eigentlich auf die entrüstung? er sitzt es aus und in paar wochen ist alles vergessen.
früher sagte man zu sowas geschichtsfälschung.


Abwarten. Ich denke, dass er nur die Wahl zwischen einer Entschuldigung und dem Rücktritt hat.

Winston Smith hat folgendes geschrieben:
Es ging mir um die Rosa-Luxemburg-Tage. Diese werden von Linksruck organisiert. Ich stelle mir nur vor, die "Junge Freiheit" würde entsprechende Tage organisieren und CDU Politiker treffen sich regelmäßig dort, halten Reden, Diskussionen und verlesen Grußworte...


Vergleichbares passiert laufend, denk mal an die rechtsaußen stehenden Verbindungen, bei denen auch Leute wie Oettinger nur allzu gerne deutschtümelnde Reden halten.


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BeitragVerfasst am: Sa Apr 14, 2007 2:36 pm


Aus meiner Sicht wieder ein typisches Beispiel, wie gerne Menschen schwarz-weiss malen.

Filbinger war ein Nazi, genauso wie Göring oder Stauffenberg. Ein Mensch ist eben nicht durchweg "gut" oder "böse" - durchweg Nazi-Monster oder Widerstandskämpfer. Das Dumme ist nur, daß dies niemand so akzeptiert. Als Nazi hat Filbinger vielleicht wirklich viele Taten geleistet um anderen Menschen zu helfen, war aber gleichzeitig kittender Teil des Naziregimes und hat dadurch auch sicher ne Menge Leid verursacht. Als späterer Politiker in der BRD hat Filbinger vielleicht recht ordenltiches geleistet, aber er hat sicher nie versucht, seine Nazi-Vergangenheit kritisch und selbstkritisch aufzuarbeiten und darzustellen.

Sobald man sowas aber täte, würde man in den Medien zerrissen und hätte als Politiker kaum eine Chance, seinen Job auszuüben. Ich weiss zwar nicht, ob das in den 50er/60er70ern anders gewesen ist, aber gerade die Nachkriegsgesellschaft quoll ja über vor Verdrängung und Heuchelei.

Zu dem aktuellen Vorgang:
Ottinger ist aus meiner Sicht eigentlich ein typischer Politiker der Mediengesellschaft. Er stellt einen höchst widersprüchlichen Lebenslauf eines alten Parteikollegen möglichst einseitig positiv dar, und versucht dies auch noch als Stärke und Gesinnungsstärke zu verkaufen. Ganz wie man es von Politikern erwartet. Nur macht er dies dummerweise beim falschen Thema Nazi-Diktatur, wo alle Heuchler der Linken ihre Fanfaren losdreschen lassen.

Aus meiner Sicht ist der Vorgang eigentlich eine Bestätigung, daß Ottinger genau dort ist, wo die Mediendemokratie solche Menschen haben will, die sich und indifferenzierte Darstellungen gut verkaufen können. Ob Ottinger selber eine etwas andere, differenziertere Meinung hat?! Die einzige Meinung, die die meisten Politiker haben, ist diejenige, von denen sie glauben, daß sie am besten in den Medien ankommt. Wenn er glaubt, daß es von Vorteil sein wird, einzulenken, wird er es tun. Was dieser Mann wirklich denkt, erfahren wir eh nicht. Und manchmal denke ich... die meisten Politiker haben gar keine eigene Meinung mehr. Ihre Meinung ist vorauseilender Hoffnungsgehorsam gegenüber der nächsten Wahl.

Und ganz ehrlich: Ob der Kerl nun Ministerpräsident bleibt oder nicht, ist mir relativ wurscht. Wer ihm folgt wird sicher nicht viel anders sein.


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BeitragVerfasst am: Sa Apr 14, 2007 3:57 pm


Letzten Endes hat eigentlich der Wähler zu entscheiden, ob er den Oettinger in so einer Position haben will oder nicht. Leider funktioniert das in einer Parteiendemokratie halt nur bedingt mit der Abwatscherei oder Bestätigung von volksvertretern.


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BeitragVerfasst am: So Apr 15, 2007 2:49 pm


Guter Artikel bei Spiegel-Online zum Thema: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,477298,00.html


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BeitragVerfasst am: Mo Apr 16, 2007 3:24 am


Oettinger entschuldigt sich wegen Filbinger

Erst bekräftigte er seine Aussagen vom Nazi-Gegner Hans Filbinger noch, dann hat sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) angesichts des wachsenden Drucks doch zu einer Entschuldigung wegen seiner umstrittenen Trauerrede durchgerungen.

In der "Bild"-Zeitung vom Montag ging Oettinger teilweise auf Distanz zu seiner als "Geschichtsklitterung" kritisierten Darstellung der NS-Vergangenheit des Anfang April gestorbenen CDU-Amtsvorgängers: Der 1945 als NS-Marinerichter mit Todesurteilen gegen Deserteure befasste Filbinger habe sich "wie Millionen anderer dem NS-Regime angepasst. Daran besteht kein Zweifel."

Oettinger äußerte sich betroffen, "wie mir unterstellt wird, ich hätte Hans Filbinger zum Widerstandskämpfer erklärt. Er war es nicht, und ich habe das nie behauptet." In seiner umstrittenen Trauerrede am Mittwoch in Freiburg hatte Oettinger gesagt, Filbinger sei "kein Nationalsozialist" gewesen, sondern ein "Gegner des NS-Regimes". Dies hatte Kopfschütteln und Entrüstung bis in die eigene Partei ausgelöst.
...

http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Oettinger%20Filbinger/186574.html
Bitte keine ganzen Artikel kopieren.
Danke -dkR


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