Fanshop
   
Ruf der Völker nach Freiheit und Selbstbestimmung | Ausbeutung der Menschen in China und die Rolle des Westens | Wieso hasste Hitler Kommunismus? | Stellung der USA und der EU zum israelisch-palast. Konflikt | Hat Sarrazin nicht ev. doch Recht? | Antimagnets Statistik-Ecke | Der Nahe Osten versus die USA | Krieg gegen Syrien? | Klimawandel? | Religiöse Absonderlichkeiten | Ebola Ausbruch | Lebensweisheiten oder: warum hab ichs nich vorher gewußt? | Lustige Links | Wie tief ist der KiPo Sumpf? | In Memory of... | Oligarch will Präsident werden | Sarrazin Gegner machen Werbung für sein neues Buch | Ukraine plant die neue Geldreform | Massaker beim Tempel der Hatschespsut in Luxor | Grenada-Invasion (Operation Urgent Fury) |

  
 
Einloggen / Neuanmeldung
Equo ne credite, Teucri!
Gehe zu Seite 1, 2, 3  Weiter
 
Neue Antwort erstellen    Ask1.org Foren-Übersicht -> Userblogs
BeitragVerfasst am: Mi Jul 26, 2006 7:21 pm


Meine Aufzeichnungen werden in erster Linie aus zwei Teilbereichen bestehen, die – je nach Situation – wohl sehr oft nichts mit einander zu tun haben werden. Eigentlich wollte ich gar keinen blog erstellen...aber vielleicht besiegt er meine chronische Schreibfaulheit...

In erster Linie werde ich hier Werke von Künstlern vorstellen, die besondere Eindrücke bei mir hinterlassen haben, mit denen ich etwas besonderes verbinde oder die mir einfach nur gefallen und keiner weiteren philosophischen Umschreibung bedürfen. Die jeweiligen Ausführungen werden wohl sehr unterschiedlich strukturiert sein und müssen im Aufbau keine Gemeinsamkeiten aufweisen: Es kann sein, dass ich mehr auf den Schaffer des Werkes eingehen werde als auf das Werk selbst, dass einfach nur eine Auseinandersetzung mit dem Motiv stattfindet oder eine ‚tiefergehende’ Auseinandersetzung mit der Intention des Bildes oder Bezüge zu aktuellen Geschehnissen in der großen weiten Welt oder in meiner kleinen hergestellt werden...

Der zweite Teil sind mehr oder weniger Gedanken und Konstrukte über ‚Gott und die Welt’, Fragen die ich mir im Laufe des Tages stelle. Warum die Banane krumm ist, ob mancher Exbundeskanzler schon als Walfisch zur Welt gekommen ist oder ob Aristoteles auch manchmal vergessen hat, seine Socken zu wechseln.
Doch manchmal stellen sich mir auch Fragen, auf die man keine Antwort hat. Warum es Diktatoren für nötig halten, Kinder zu Soldaten zu machen oder warum der Mensch so leidenschaftlich gerne seinen eigenen Lebensraum zerstört.

So, das war eigentlich alles für’s Erste,
nun hat Laokoon auch einen Platz für seine Prophetien^^

Viele Grüße, Laokoon

Anmerkung an die Mods: Die meisten der Künstler sind schon länger tot, also dürfte es beim Posten der Bilder nicht zu Urheberrechtsverletzungen kommen. Sollten mir dennoch Fehler unterlaufen, bitte ich sowohl die Moderatoren als auch die betroffenen Urheberrechtsinhaber, mir diese mitzuteilen. Ich werde diese Bilder dann natürlich umgehend entfernen und hoffe auf gnädige Nachsicht.


_________________
~Mundus vult decipi, ergo decipiatur~

Laokoon
Eröffner des Threads
Tread eröffner!

Cholerischer Prophet
Redakteur
Cholerischer Prophet<br>Redakteur


Anm.Dat: Aug 11, 2004
Beiträge: 1509
Wohnort: Ilium

Gallery
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen


Nach oben

BeitragVerfasst am: Mi Jul 26, 2006 9:58 pm


I. Alfred Kubin - Der Krieg (1907)




Wenn auch dies nicht die beste Version des Bildes ist, so reicht sie dennoch aus, um den bedrohlichen, unerbittlichen Charakter des Krieges zu verdeutlichen: Einem Titanen aus grauer Vorzeit gleich, unsagbar groß und mächtig, schreitet er, während die Erde unter seinen Schritten erzittern muss. Metall und nackter Körper, ein kampfeswütiger Achill, auf das Nötigste reduziert, sich seiner schrecklichen Wirkung und seiner Muskelkraft bewusst. Der eiserne Helm, oh, er macht ihn unnahbar, anonym. Viele dieser Titanen scheinen auf der Erde zu wandeln. Und doch ist es nur einer – das Faktum Krieg an sich – und nicht eine Horde von losgelassenen Giganten, die den Menschen verfolgen. Mit großen, stampfenden Schritten zermalmt der Krieg Armeen, vernichtet Völker und setzt ganze Landstriche in Brand, zerstört alles Leben, alle Unschuld.

Alfred Kubin malt ihn als unbesiegbare Gewalt, der niemand gewachsen ist. Vielleicht wird die Menschheit einmal an ihrer eigenen Schöpfung, dem Krieg, zugrunde gehen.

Man sagt, „Geschichte wird von Siegern geschrieben“, doch eigentlich müsste es heißen „Geschichte wird mit dem Blut der Verlierer geschrieben“. Seit Beginn der menschlichen Entwicklung bekriegen sich die Menschen. Ursachen hierfür sind wohl im Tierreich zu suchen. Auch andere Primatenarten, unsere nahen Verwandten also, verteidigen ihre Reviere, uns zögern auch nicht im äußerstem Fall Eindringlinge zu töten. Auch grundlos scheint es ab und zu zu Morden unter Primaten zu kommen. Aggression ist also kein rein menschliches Phänomen. Aber wir, dass kann man mit Sicherheit sagen, haben es zur Perfektion gebracht. Krieg um Territorien, Ressourcen, Reichtümer, Ehre, Prestige und Religion wurden geführt und eigentlich war dem Mensch kein Grund zu schade, nicht doch einen Krieg vom Zaun zu brechen. Der Hauptteil der menschlichen Gesellschaften entwickelte sich von Jäger- zu Kriegergesellschaften. Die große Muttergottheit, meistens als füllige Frau mit ausladenden Brüsten dargestellt, Symbol für Fruchtbarkeit und die Abhängigkeit von Mutter Natur, wich Götterhierarchien, in denen Blut lieber gesehen wurde als Naturgefälligkeit. Selbst Fruchtbarkeitsgötter verlangten nun Blut. Die immer enger werdenden Siedlungsräume gaben dem Menschen Gelegenheit, diesen Blutdurst zu erfüllen. Nicht nur die Blumenkriege der mittelamerikanischen Indianervölker, sondern auch Streifzüge der Germanen und Kelten dienten nicht selten neben der Besitzmehrung auch der Jagd nach Opfern.

Mag die Religion für manchen wenigstens noch ein entschuldbarer Grund sein, sich zu bekriegen, mag Platzmangel es zwar nötig machen, sich zur Not auch Platz zu verschaffen, so wurden Kriege schnell zu einem politischen Machtkalkül. Kriegerkasten hatten bald mehr Ansehen als Priesterkasten, und so konnte man durch Kampfesmut und Trophäen bald große Autorität ausüben. Wollte man sich etablieren, so war man als erfolgreicher Krieger auf dem besten Weg. So waren in Rom große Feldherren oft schneller beliebt als die amtierenden Konsuln und es dauerte nicht lange, bis erstere nach der Gesamtmacht in der Republik
strebten. Doch erst Gaius Julius Caesar schaffte es, sich gegen seine Kontrahenten durchzusetzen und sich zum „Konsul auf Lebenszeit“ zu erheben. Damit war die Republik faktisch am Ende, trotz des erfolgreichen Attentats auf Caesar proklamierte sich sein Stiefsohn Octavian zum „Ersten Bürger Roms“ – der Beginn der Kaiserzeit, vielleicht auch der eigentliche Anfang vom Ende der Grundideologien Roms.

Nach dem Wegfall der Europa zusammenhaltenden Kraft Roms gerieten die Völker und Ethnien in Bewegung. Man vertrieb sich gegenseitig, zog hier und dort umher und suchte nach einer neuen Heimat für sein Volk. Das daraus resultierende Staatengeflecht des europäischen Mittelalters schaffte sich eine ideologischen und militärischen Elite: Den auf den Grundsätzen des Rittertums basierenden Militäradel. Bestausgebildet und bestausgerüstet kämpfte man nach einem ‚ehrenvollen’ Kodex. Das man keine Frauen vergewaltigen und Gnade vor Recht ergehen lassen sollte, vergaß man jedoch relativ schnell, erst im Spätmittelalter, als das Rittertum als gesellschaftlich-militärische Institution längst überholt war, lebten die ‚Ritterlichen Tugenden’ wieder auf. Nein! Gemordet und gebrandschatzt wurde nach dem eigentlich Kampf immer noch (was
durchaus auch verständlich ist, wenn man bedenkt, dass Tausende Söldner bezahlt und unterhalten werden wollen). Der eigentlich Kodex bestand jedoch in der Kampftechnik: Kriege fanden nach einem festgelegten Schema statt: Bei Feindkontakt wurde zuerst ein Schlachtfeld festgelegt. Immunität genießende Herolde beider Seiten verfolgten den Kampf von sicherer Stelle aus. Beide Armeen nahmen ihre Positionen ein. Nun preschte, nach einigen kleineren Scharmützeln von Plänklern oder dem Beschuss der Gegner mit Pfeilen, die adlige Kavallerie (also die schwerbewaffneten Ritter) mit eingelegten Lanzen aufeinander los. Nach diesem harten Aufeinandertreffen kämpften die Überlebenden Mann gegen Mann mit Hiebwaffen auf einander ein. Am Ende schauten sich die Herolde das Resultat an, notierten die adligen Opfer und entschieden, wer denn die Schlacht gewonnen hatte. Der Einsatz von Infanterie in größeren Mengen war verpönt und unehrenhaft. Immerhin wurden so die direkten Opfer des Krieges in Grenzen gehalten...

Doch es wurde schon während des Mittelalters bemerkt, dass man mit Armbrüsten, Langbögen oder Piken bewaffnete Männer viel effektiver gegen gegnerische Reiterei einsetzen konnte. Da der Adel sich und seine Traditionen durch diese Techniken und Mittel jedoch gefährdet sah, wurden sie teilweise von der Kirche geächtet und jeder, der sie zum Kriegsgebrauch nutzte, konnte exkommuniziert werden. So erhielt sich die veraltete Kampfform der Ritter unnatürlich lange.

Doch neue Artillerietechniken und Bürger- und Bauernarmeen wiesen den Weg in eine neue Zeit der ‚effektiven’ Kriegsführung. Ehrenkodexe wichen großen Söldnerarmeen, mehr Menschen mussten auf dem ‚Altar des Krieges’ ihren Blutzoll entrichten.

Als Paradebeispiel für den immer vernichtender werdenden Krieg steht hier der Dreißigjährige, der von 1618-1648 ganz Mitteleuropa zu einer entvölkerten, geradezu verwaisten und von Hunger und Seuchen gepeinigten Region machte. Die daraus resultierenden Traumata hinterließen Wunden, die in den Völkern Europas teilweise bis
heute ihre Spuren hinterlassen haben.

Die darauffolgenden Kabinettkriege scheinen wie eine Mischung aus frühmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kriegen. Die Vernichtung umfasste nicht mehr ganze Landstriche, sondern beschränkte sich wieder mehr auf die Schlachtfelder, wenn auch die von Armeen durchzogenen Landstriche durch die Heeresversorgung gebeutelt wurden. Jedoch blieb die Zivilbevölkerung, sofern nicht als wehrdienstleistender Soldat im Krieg, weitestgehend unbehelligt. Doch die Opferzahlen stiegen aufgrund von Artillerie und Feuerwaffen weiter an.

Mit der Industrialisierung durchschritt auch der Krieg eine neue Phase: Er wurde zur Material- und Personenschlacht, in der das Menschenleben nicht mehr als ein kurzer Bissen für die heißlaufenden Geschütze der Stellungen waren. Der erste Weltkrieg, als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, wurde zu einem Krieg in dem die gesamte Bevölkerung eines Landes völlig in den Kriegsapparat integriert wurde:

Stärker denn je begannen Propaganda und Stereotypen die Massen zu beeinflussen, der männliche Teil der Bevölkerung wurde als Armee mobilisiert während der weibliche Teil in den auf Kriegswirtschaft umgelegten Fabriken Munition und Waffen produzierte.

Wie bereits erwähnt, sank der Wert der Menschenleben inflationär; stur wurden Kompanien um Kompanien gegen uneinnehmbare Festungen oder Schützengräben geschickt, obwohl sich die jeweilige Militäradministration darüber im Klaren war, dass die Angriffe nicht erfolgreich sein würden. Der Moderne Krieg hatte sich festgefahren. Neue Techniken wie Panzer, Maschinengewehre und Giftgas kamen zum Einsatz und erhöhten die Leichenberge weiter und weiter.

Vom Zweiten Weltkrieg brauche ich glaube ich erst gar nicht anzufangen. Die Effizienz der Vernichtungswaffen war inzwischen so gewaltig, dass knapp 60 Millionen Menschen sterben mussten. Eine ganze Welt wurde traumatisiert. Und unter dem Schatten eines möglichen nuklearen Dritten Weltkrieges verblieb man in einer mehr oder weniger stabilen Friedensordnung, in der die die Wahrer des Weltfriedens gleichzeitig die größten Militärmächte und stärksten Waffenschieber und damit Händler des Todes sind.

Eine paradoxere Welt hätte nicht entstehen können.

Ebenso paradox und zynisch scheint die Behauptung, dass der Krieg die menschliche Entwicklung entscheidend vorangebracht hat. Doch nie hat sich der Mensch mehr angestrengt Errungenschaften weiterzuentwickeln als im Krieg. Nachher wurden dann diese „Errungenschaften“ auch in das zivile Leben integriert. Neben den Vernichtungstechniken machte denn auch die Medizin in Kriegszeiten große Fortschritte. Schon ein griechischer Philosoph [ich weiß leider nicht mehr seinen Namen] sagte: „Krieg ist die wahre Schule der Chirurgie“ ... Und Recht hat er damit wohl...

Die Schrecken des Krieges sind uns heutzutage ferner denn je; die Weltkriegsgeneration verabschiedet sich von der Bühne dieser Welt und zurück bleiben nur noch schwache, echoartige Warnungen, die in den Winkeln unseres Kopfes verhallen.

Nichts fasziniert und fürchtet der Mensch so sehr wie Krieg – nichts polarisiert ihn mehr. Während viele von uns gerne Bruce Willis dabei zusehen, wie er als Anführer einer Eliteeinheit die reife aber immer noch bildhübsche Monica Bellucci vor afrikanischen Freischärlern beschützt oder wir vergnügt als Cyber-Feldherr Armeen auf virtuellen Landkarten verschieben, müssen wir uns eingestehen, dass der wirkliche Krieg uns eher anödet.

‚Immer diese Krisen, dieser Krieg. Können die nicht mal aufhören?! Das nervt langsam!’ Nachrichten im Fernsehen werden allenfalls mit einem eher schuldbewussten als ernstgemeintem ‚Oh wie grauenhaft’ abgesegnet.

Und dann wird weitergeschaltet.

[Sind wir abgestumpft?]

Während eine amerikanische Bombe auf ein afghanisches Bergdorf fällt.

[Sind wir abgestumpft?]

Während in Nordindien Guerillas eine Militärkaserne in die Luft sprengen.

[Sind wir abgestumpft?]

Während im Sudan Frauen von Reitermilizen zu Tode geknüppelt werden.

[Sind wir abgestumpft?]

Während sich ein muslimischer Fundamentalist in einem indonesischen Café in die Luft sprengt.

[Sind wir abgestumpft?]

Während in Burundi ein zwölfjähriger Junge einen Soldaten mit einer Machete erschlägt.

[Sind wir abgestumpft?]

Während eine tschetschenische Mutter weinend ihren von Splittern durchbohrten Sohn umklammert.

[Sind wir abgestumpft?]


Der Krieg ist weit weg
– und doch da.
Schneller als uns lieb ist,
kann er auch vor unserer Tür stehen.

Und andere schauen dann fern.

[edit: Ein paar Rechtschreibfehler beseitigt]
[edit: Struktur verändert ]


_________________
~Mundus vult decipi, ergo decipiatur~

Laokoon
Eröffner des Threads
Tread eröffner!

Cholerischer Prophet
Redakteur
Cholerischer Prophet<br>Redakteur


Anm.Dat: Aug 11, 2004
Beiträge: 1509
Wohnort: Ilium

Gallery
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen


Nach oben

BeitragVerfasst am: Mi Jul 26, 2006 11:20 pm


Wahnsinnstext! Bitte weitermachen!

(Blogabo)


_________________
Panta rei

Agarthe
Inventar


Anm.Dat: Apr 10, 2002
Beiträge: 2017


Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden


Nach oben

BeitragVerfasst am: Do Jul 27, 2006 1:02 am


Sehr schön, ich hoffe doch auf eine Zugabe. :- )


"(Einzig der) Krieg ist die wahre Schule der Chirurgie" - Hippokrates <-- wenn ich mich recht erinnere...

Edit: Zitat


_________________
Abyssus abyssum invocat

Amarok
Forensianer


Anm.Dat: Mar 04, 2006
Beiträge: 9
Wohnort: Norddeutschland


Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ICQ-Nummer

Nach oben

BeitragVerfasst am: Do Jul 27, 2006 6:24 am


Was deine Schreibfaulheit betrifft - du solltest die öfter überwinden!

Gefällt mir ausserordentlich gut, und bitte mehr davon!!!


_________________
"We've got a basic version that will cost $129... we've got a Premium Version which will cost $129... we've got a business version! $129. An Ultimate version! We're throwing everything into it, it's $129." (Steve Jobs, WWDC 2007)

Franziskaner
Urgestein


Anm.Dat: Jan 04, 2003
Beiträge: 4826
Wohnort: Deep South 9

Gallery
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen


Nach oben

BeitragVerfasst am: Do Jul 27, 2006 8:48 am


Sehr schön geschrieben. Gib uns mehr!

Gruß

AM


antimarionette
Urgestein


Anm.Dat: May 19, 2002
Beiträge: 336
Wohnort: Stuttgart


Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden


Nach oben

BeitragVerfasst am: Fr Jul 28, 2006 12:31 am


II. J.M.W. Turner - Der St. Gotthardpass (1804)



Dieses Bild fesselte mich schon seit dem ersten Anblick: Die schroffe, nebelverhangene Schlucht, ein schmaler Weg über dem tiefem Abgrund, zwei schwerbepackte Maultiere, die jederzeit hinabstürzen können. Ein wunderschönes Ölbild, so mein erster halbwegs geordneter Gedanke nach dem anfänglichen Staunen. Doch gerade das wurde umso größer, als ich in der Beschreibung des Bildes „Aquarell mit Auskratzungen“ las. Ein Aquarell? So realistisch? So detailverliebt? Bis dahin war das Wort „Aquarell“ für mich ein Synonym für verwaschene Farbverläufe, angedeutete Sonnenuntergänge oder neblig wirkende Landschaften.

Dieses Bild gestaltete Turner zu Ende seiner frühen Schaffensphase; wer spätere Werke von Turner kennt, ist wohl sehr verwundert über die markanten Unterschiede. Noch malte er in erster Linie viele symbolträchtige Motive der Antike und Bibel (Bsp.: ‚Die Fünfte Plage Ägyptens’ , 1800), zudem vor allem Landschaften seiner Heimat und gewaltige Naturszenen erster Europareisen (siehe oben) weitestgehend naturalistisch und detailgetreu, während seine Hauptintention später darin lag mit warmen Farbtönen Stimmungen zu erzeugen ( u.a. ‚Regen, Dampf, Geschwindigkeit’ , 1844). Er war fasziniert von der rasanten technischen Entwicklung, welche die Industrielle Revolution mit sich brachte... Naja, das alles nebenbei.


Die fern wirkende Majestät der Natur – wer einmal in die Alpen oder norwegischen Fjorde gereist ist, hat sie sicherlich schon erdrückend nahe gespürt. Man fühlt sich klein, nichtig – oder einfach berauscht von den Anblicken, welche die Natur uns gewährt. Als Menschen einer hochtechnisierten Wachstumsgesellschaft, in der wir tagtäglich rund um die Uhr mit unzähligen Reizen überflutet werden, scheint uns diese Natur groß, beziehungslos, befremdlich.

In solchen Situationen verspüre ich stärker als sonst eine tief dringende Sehnsucht, die nur durch derartige Anblicke befriedigt werden kann. Mehr noch, ich will die Natur nicht nur sehen, sondern auch spüren; gierig mit allen Sinnen in mich aufsaugen. Die Hilflosigkeit, mit der meine Sinne dieser unmöglichen Aufgabe erliegen, treibt mir immer wieder eine ohnmächtige Melancholie ins Gemüt. Warum kann ich nicht Eins mit der Natur sein? Warum nicht einfach vollständig in ihrer allumfassenden Perfektion aufgehen?

Lange ist es her, dass die Menschen die naturräumliche, naturgegebene Freiheit verließen, den Weg des Von- und Mit-der-Natur-Leben aufgaben, anfingen, sich ihre eigenen Höhlen zu zimmern, eigene Feuersteine zu schmieden und in weiteren Sinne nun auf der Schwelle stehen sich selbst neu zu erfinden.

Der Preis der Zivilisation war hoch, doch wir zahlten ihn. Und, ehrlich gesagt, unser Leben ist ja auch sehr annehmlich geworden, wir profitierten von unserer eigenen Entwicklung über alle Maßen. Unser Durchschnittsalter steigt. Unser Lebensstandard und unsere materiellen Güteransammlungen ebenso. Und die Natur? Sie musste zurückstecken, Elle um Elle zurückweichen, bis von ihrer wilden Ursprünglichkeit nicht mehr als ein paar entlegene, aber verlorene Flecken blieben. Viele Menschen scheinen jegliche Bindung zu ihrem natürlichen Ausgangspunkt verloren zu haben.

Doch zumindest über das Wochenende fährt man bisweilen in den Stadtwald, das nächstgelegene Naherholungsgebiet oder Mittelgebirge, um sich die Beine zu vertreten und den Druck der marktwirtschaftlichen Einzelkämpfergesellschaft von sich abzuschütteln. Ein leichter Keim beginnt vielleicht im dem ein oder anderem zu sprießen, vorsichtig tastet er sich weiter in den Nährböden unserer Seele vor, zart, zerbrechlich: Die Sehnsucht nach der Natur ist erwacht. Nach Ruhe. Geborgenheit.
Doch mit der Rückkehr in den aufreibenden Alltagsstress stirbt dieser kleine grüne Spross meist geschwind ab, wird von Aktenbergen zerdrückt, mit Abgasen erstickt oder in Konsumgütern ertränkt.
Das wirklich Traurige daran ist, dass wir uns dagegen kaum zur Wehr setzen können; jeder ist Teil der Firma Menschheit und hat seine festgelegte Rolle zu spielen, aus der man nur schwer auszubrechen vermag. Mir müssen versuchen, den kleinen grünen Keim zu bewahren, ihn sorgsam zu pflegen und ihm genügend Licht und Wasser zukommen zu lassen. Dann kann er in uns zu etwas Größerem heranwachsen und wir uns an seinem Schatten erfreuen.

Sich der Schönheit der Natur und ihrer einzigartigen schöpferischen Kraft bewusst zu werden ist schon die halbe Miete, wenn auch nur bedingt zufriedenstellend. Der nächste Schritt folgt automatisch: Zu erkennen, dass der Mensch diese Anmut mit der tölpelhaften Spitzhacke der Gier und Unvernunft verletzt, verstümmelt. Der Natur helfen – das wäre der Königsweg. Aber oftmals genügt es schon, mit wachen Augen durch die Welt zu gehen und halbwegs sorgsam zu leben. Denn besser wäre, wenn wir uns so verhalten würden, dass wir der Natur erst gar nicht helfen müssten. Niemand fordert dabei, sich aus den gesellschaftlichen Strukturen zu entfernen, denn diese Lösung ist sehr radikal und würde die meisten Menschen unglücklich machen. Das erwartet auch niemand. Aber zumindest Kompromisse eingehen, dass kann man. Jeder und täglich.

____________________________________________________

Vielen Dank für das viele positive Feedback! ...und für die kleine Gedächtnisaufbesserung natürlich auch Wink

Ah, dieses Sommerloch...heute hat es einfach schon wieder nicht geregnet und es ist die Hälfte des Tages viel zu warm, um hinaus zu gehen. ~nachluftjaps~

Eine gute Nacht,
Laokoon


_________________
~Mundus vult decipi, ergo decipiatur~

Laokoon
Eröffner des Threads
Tread eröffner!

Cholerischer Prophet
Redakteur
Cholerischer Prophet<br>Redakteur


Anm.Dat: Aug 11, 2004
Beiträge: 1509
Wohnort: Ilium

Gallery
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen


Nach oben

BeitragVerfasst am: Fr Jul 28, 2006 8:20 pm


~ I. Fragestellung

Heute war ich einmal wieder in Köln, von uns eigentlich nur noch „Stadt“ genannt. Und immer wieder bot sich mir das gleiche Bild: Massen von Menschen drängen sich durch die engen Einkaufsstraßen. Kaum jemand lächelt, alle sehen strapaziert, genervt, verkrampft aus. Aber heute gab es zwei Lichtblicke: Eine Gruppe orientstämmiger Frauen, die lachend an einem der Obststände der Innenstadt stand. Und eine junge Mutter, die neben mir am Bahnsteigauf einen Zug wartete. Sie hatte sich ihr Kind vor die Brust gebunden. Die Augen halb geschlossen, versuchte es meinen Ärmel zu greifen, was daraufhin ein verlegenenes Lächeln aller Beteiligten auslöste. Aber ansonsten hatte die Stadt nichts lebendiges, sondern eher etwas maschinenhaftes. Grässlich.

Warum können nicht alle so entspannt sein wie diese junge Frau?


_________________
~Mundus vult decipi, ergo decipiatur~

Laokoon
Eröffner des Threads
Tread eröffner!

Cholerischer Prophet
Redakteur
Cholerischer Prophet<br>Redakteur


Anm.Dat: Aug 11, 2004
Beiträge: 1509
Wohnort: Ilium

Gallery
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen


Nach oben

BeitragVerfasst am: Mo Jul 31, 2006 7:58 pm


III. Jusepe de Ribera – Archimedes (1630)



[Anmerkung: Man muss das Bild wirklich hochaufgelöst und nicht nur als Thumb sehen, sonst wirkt es nicht]
Der Maitre der technisch-mathematischen Wissenschaften der Antike – lächelnd sitzt er uns gegenüber. Doch genau dieses Lächeln - was ist es überhaupt? Keine Arglist verbirgt sich dahinter, soviel ist sicher. Jedoch erweckt es ein wenig den Verdacht auf altersbedingte Senilität – oder ist es nur Freude, pure Freude sein Gegenüber zu erblicken? Man stelle sich Archimedes in jüngeren Zeiten vor: Wie er begeistert aus der Badezuber springt, völlig unbekleidet aus seinem Haus herausrennt und in euphorischer Entzückung „Heureka“ und immer wieder „Heureka“ ruft – so sagen es zumindest die Legenden. Ja, er hatte es gefunden, das Gesetz der Spezifischen Dichte. Vielleicht besinnt er sich dieser glückseligen aber vergangenen Tage, die lang her zu sein scheinen.

Eigentlich müsste ich diesen Herren verabscheuen – meine mathematischen Fähigkeiten sind im Gegensatz zu seinen auf das Nötigste beschränkt, mit Müh’ und Not wurde der bisherige Matheunterricht durchstanden, mehr durch positive Ausstrahlung als durch Können defizitäre Benotungen verhindert. Seine Errungenschaften sorgen also gewissermaßen bei mir oft genug für Beschwerlichkeiten...

Doch Ribera verstand es, diesem alten Greis ein warmes Lächeln in den Mund zu legen, eine Geste der kaum ein Mensch lange zu widerstehen vermag. Lächelt uns eine andere Person an, so ist es schwierig, nicht zurück zu lächeln. Und so besticht mich dieses meines Erachtens wohlwollende und gönnerhafte Lächeln, nötigt mir Entgegenkommen und bedingungslose Warmherzigkeit ab. Das passiert mir sonst meistens nur, wenn liebenswürdige junge Frauen meinen Weg kreuzen Wink

Legt man einen besonderen Augenmerk auf das von uns aus links liegende Auge des antiken Genies, so spiegelt sich meines Erachtens noch eine Emotion in seinem Blick wieder – Sehnsucht, das melancholische Verlangen des Alters, noch einmal jung zu sein, noch einmal fast sorglos über die bunten Blumenwiesen der Welt streifen, ohne die leiseste Vorahnung, dass die unbarmherzige Wirklichkeit die unreifen Individuen bald diesem paradiesischen Elysium entreißen und sie in eine Welt voller Hass, Lügen und brutaler Grausamkeit aussetzen wird, in der die Raubtiere so zahlreich und der Tugenden so wenige sind.
Damit will ich nicht sagen, dass die Welt nicht gut so ist wie sie ist – denn so gewinnen wir mehr und mehr an Erfahrung, lernen uns durchzukämpfen und persönliche Glücksmomente und Friedenszeiten zu lieben und auszukosten, verspüren den Drang, uns selbst zu erhalten und unsere Umstände verbessern zu wollen. Nur muss man sich früh genug eine Elefantenhaut zulegen.

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
[hier hätte ich aufhören sollen, um einen halbwegs geradlinigen Text zu schreiben^^]
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Die Welt ist nicht gerecht – sie ist wie die Evolution – wo der Angepassteste bzw. der Stärkste sich am Ende durchsetzt – doch man merkt, dass die schwächsten Glieder der natürlichen Selektion oftmals jene sind, um die es uns am meisten Leid tut.

Jene, denen die körperliche oder innere Stärke fehlt, sich durchzusetzen; die, welche uns daran erinnern, dass auch Eigennutz, Ruhm und Materialismus uns nicht unsterblich machen werden oder jene, die nicht überleben, weil sie aufopfernd anderen das Überleben sichern.

Die Frage ist, ob die Welt gerecht sein sollte, ob sie es überhaupt sein kann.

Die christlichen Lehren, vor allem das praktizierte Populärchristentum, lehne ich dabei ab:

Ein Gott, der alle Sünden vergibt, wäre nicht gerecht. Ein Gott, der sich das Recht heraus nimmt Gerechtigkeit walten zu lassen, könnte nicht all-liebend und vergebend sein. So befindet sich das Christentum meines Erachtens in einer Sackgasse; es steht auf dem Drahtseil mit dem Gewicht all seiner Anhänger, die für Mörder Höllenqual oder gottesferne Nichtigkeit, für sich selbst aber die Vergebung ihrer Sünden beanspruchen. Und niemand bleibt zeitlebens schuldlos. Menschen, die so denken, sind meiner Meinung nicht konsequent. Ich will dies nicht auf jeden Christen beziehen, aber so scheint es mir größtenteils zu sein.

Oha....einmal mehr abgeschweift, zweimal, dreimal, mehrmals um genau zu sein^^...
Da liegt ja gar keine konsequente Gedankenkonstruktion mehr vor. Fällt wohl unter die Kategorie „einfach heruntergeschriebener Gedankensalat“...

Mhm, einen schönen Abend wünsche ich noch


_________________
~Mundus vult decipi, ergo decipiatur~

Laokoon
Eröffner des Threads
Tread eröffner!

Cholerischer Prophet
Redakteur
Cholerischer Prophet<br>Redakteur


Anm.Dat: Aug 11, 2004
Beiträge: 1509
Wohnort: Ilium

Gallery
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen


Nach oben

BeitragVerfasst am: Mi Aug 02, 2006 9:53 pm


IV. Johann H. Füssli – Der Nachtmahr (1802)



Pechschwarze Nacht. Ein abgeschiedenes Bauerngehöft liegt in grabesähnlicher Stille, seine Bewohner schlafen schon seit Stunden tief und fest. Plötzlich – ein Glucksen. Ein kleiner, kindsgroßer Schemen löst sich fast unsichtbar aus den alles verschluckenden Schatten, bewegt sich hopsend und kichernd vorwärts, die kleine, sonst bei jedem Schritt knarrende Holztreppe hinauf gen Schlafzimmer. Dort angekommen, scheint er kurz unschlüssig stehen zu bleiben, doch schließlich läuft das kleine Wesen mehr hüpfend als tanzend ein paar Runden um das Strohbettchen eines kleinen Mädchens herum und springt mit einem hämisches Lachen mitten hinein. Der darauf folgende angstvolle Schrei weckt das gesamte Haus....

So oder so ähnlich muss sich die abergläubische Bevölkerung Nord- und Mitteleuropas bis weit in die Neuzeit hinein erklärt haben, wie ihre nächtlichen Alpträume entstehen.
Dabei stammt die Vorstellung über die Existenz von Alben, so der bedeutungsgebende Wortstamm, aus tiefster heidnischer Vergangenheit: Alben waren eigentlich Wald und Flur bewohnende Naturgeister der germanischen Mythologie. Sie traten sowohl als hilfsbereite aber auch als schadenfrohe Begleiter des Menschen in Erscheinung; noch heute zeugen viele Legenden und Sagen von kleinen emsigen Helfern (z.B. die Heinzelmännchen) als auch von hinterhältigen Quälgeistern (z.B. Kobolde) . Wahrscheinlich durch christliche Einflüsse bedingt, wurden die Alben später in Licht- und Dunkelalben unterteilt, erstere waren nun gute Lichtwesen, während letztere als tückische, in der Erde wohnende Unholde abgestempelt wurden, die Ahnherren aller Zwergesvorstellungen also.
Ein kleiner Blick in die allseits beliebte und umstrittene Wikipedia unter dem Thema „Alben“ verrät, dass es in Island sogar sogenannte „Elfenbeauftragte“ (Elfen = Alben) gibt, die Albenwohnorte lokalisieren und deshalb gegebenenfalls Änderungen bei Bauunternehmungen vornehmen, um nicht aus Versehen den Unwillen dieser Geschöpfe zu provozieren.

Der Glaube an Naturgeister ist in gesamt Skandinavien noch sehr stark verwurzelt – besonders im Kunsthandwerk erfreut das Motiv der Naturgeister, vornehmlich Trolle und Gnome, großer Beliebtheit. Aus Holz und Wurzeln geschnitzte Figuren sind inzwischen (leider) eine beliebtes Souvenir geworden und werden in größeren Stückzahlen in Handarbeit hergestellt.

Die zerklüfteten Fjord- und Schärenlandschaften und die schroffen, geheimnisvollen Gebirge der skandinavischen Halbinsel, mit ihren oft befremdlich wirkenden Steinformationen, Hochnebeln und rauen Winden boten genug Anlässe sich in einer noch nicht technisierten Zivilisation die Existenz launischer kleiner Wesen vorzustellen, die heute noch Nutzen und morgen schon Schaden bringen könnten.

Abgesehen von meiner chronischen Skandinavophilie und einem einigermaßen starken Bezug zur Natur empfände ich die Vorstellung, dass Fantasie in einer Gesellschaft durch Aberglauben wie diesen so viel mehr Einfluss haben könnte richtig angenehm. Es würde uns zeigen, dass wir das Leben etwas lockerer nehmen sollten, weil wir ja doch nicht alles kontrollieren können, da es einfach unabsehbare Faktoren im Leben gibt, auf die wir nicht gefasst sein können und aus denen wir einfach das Beste machen müssen. Die Kontroll- und Wissenssucht einer aufgeklärten Gesellschaft bringt zwar viele Vorteile, aber sie entfremdet uns auch von unseren mythologischen, kulturellen und natürlichen Ursprüngen und macht uns zu ewig gejagten Kreaturen, sie nie stoppen können und nie mit dem zufrieden sind, was sie gerade haben. Instinkte und Vorstellungskraft verlieren immer weiter an Bedeutung und werden von den mahlenden Mühlen der Rationalität immer stärker unterdrückt.

Obwohl ich in diesem Blog eigentlich nur Werke vorstelle, die mir gefallen, nimmt dieses Gemälde von Füssli eine Sonderstellung ein und gehört in meine stille Top10-Liste. Der neckisch-dreinblickende behaarte Wicht hat es mir durch seine drollige Art einfach angetan.

Ich wünsche allen eine wunderschöne Nacht und wohlige Träume,

Laokoon

[edit: Bildgröße verändert]


_________________
~Mundus vult decipi, ergo decipiatur~

Laokoon
Eröffner des Threads
Tread eröffner!

Cholerischer Prophet
Redakteur
Cholerischer Prophet<br>Redakteur


Anm.Dat: Aug 11, 2004
Beiträge: 1509
Wohnort: Ilium

Gallery
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen


Nach oben

BeitragVerfasst am: Sa Aug 05, 2006 5:07 pm


V. Hans Gude – Titel mir unbekannt (1849)



Heute gibt es mal ein Bild ohne jegliche schriftliche Untermalung meinerseits.
Diese wunderschöne winterliche Fjelllandschaft wollte ich euch nicht vorenthalten, gemalt von Hans Gude, einem norwegischen Landschaftsmaler der von 1825 bis 1903 gelebt hat.
Wetter, Hochnebel, Blaueffekt und die Komposition finde ich einfach wunderschön...Ungezügelte Natur in Bewegung, jedoch trotzdem beruhigend friedlich.


_________________
~Mundus vult decipi, ergo decipiatur~

Laokoon
Eröffner des Threads
Tread eröffner!

Cholerischer Prophet
Redakteur
Cholerischer Prophet<br>Redakteur


Anm.Dat: Aug 11, 2004
Beiträge: 1509
Wohnort: Ilium

Gallery
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen


Nach oben

BeitragVerfasst am: So Aug 06, 2006 9:11 pm


VI. Arnold Böcklin – Die Toteninsel (1880-86)



Eine auf ewig unbeantwortete Frage, auf welche die Menschheit verzweifelst eine Antwort sucht, ist die, was denn nach dem Tode geschehe. Dieses komplizierte Problem beschäftigt uns seit ältester Zeit und hochgebildete Philosophen, Theologen und Wissenschaftler haben schon unzählige Diskussionen darüber geführt.
Keine Sorge – ich werde daran nun keinen Anschluss nehmen, denn mir bleibt es ebenso wie den klügsten Köpfen versagt, eine Antwort darauf zu finden. Eine subjektive Meinung wäre hier ebenfalls fehl am Platze wie eine ideologisch-religiöse Anschauung meinerseits.

Nur werde ich die Fragestellung aufwerfen, warum sich der Mensch denn ein weiteres Fortbestehen nach seinem Tode wünscht, sich so viele Versionen über ein Leben nach dem Tode erdacht hat.
Hier findet sich auch schon das erste Paradoxon: Das Ableben markiert biologisch gesehen das Ende des Lebens, es wäre wortwörtlich die Deadline des Lebens. Doch der Mensch gibt sich damit nicht zufrieden. In fast allen Kulturen gibt es Vorstellungen über eine Bestehen bleiben der Seele nach dem Tod, über ein Paradies, ein Elysium, in welches der Geist des Verstorbenen einzieht.

Rein psychologisch gesehen glaube ich, dass die Mehrheit der menschlichen Individuen ein Problem mit dem persönlichen Egoismus hat: Der Mensch will nicht wahrhaben, dass alles, was er zu Lebzeiten erschaffen hat irgendeinmal vergehen könnte, dass sein eigener Name einmal vergehen könnte und man schließlich in den Nebeln der Vergessenheit und des Nichts verschwindet, so dass keine Spuren mehr auf die eigene Existenz und die eigene schöpferische Kraft auf Erden hindeuten. Damit wäre das menschliche Dasein im Leben für viele Menschen sinnlos, da ja doch keine Relikte mehr an es erinnern. So kann der Mensch seine seelische Nichtexistenz nach seinem Tode einfach nicht erfassen.
So denke ich, dass dies der wahre Grund ist, warum sich in unseren Religionen und Philosophien über Tausende von Jahren eine Menge von Paradies- oder Wiedergeburtsvorstellungen entwickelt haben.

Zum Bild: Arnold Böcklin erzeugte in dieser Version des Bildes (er malte fünf ) eine ruhige und durch den Kontrast des warmen Lichts mit den dunklen Bäumen eine geradezu majestätische Atmosphäre. Diese wird durch die steil ansteigende ringförmige Felsformation und die würdig aufrechtstehende Frau in dem kleinen hölzernen Boot noch wesentlich verstärkt. Die antiken Nekropolen nachempfundenen Steineingänge wirken durch ihre Schlichtheit entgültig und ebenfalls erhaben. Nach dem Tod fällt somit jeglicher weltliche Prunk von den Toten ab, die sind nur das was sie wirklich sind, haben die Maske der Täuschung und des alltäglichen Rollenspiels abgelegt.
Auch die Idee der Insel manifestiert den Todesgedanken treffend: Abgeschieden von allem weltlichen Treiben, fern des Lebens, dort ist die letzte Ruhestatt der Toten. Die Sonne – Symbol des Lebens – geht auf der der Insel entgegen gesetzten Seite unter, wodurch ein Gegensatz des Todes zum Leben erzeugt wird. Auch kann der Tod als Sonnenuntergang im Zyklischen Lebenskreislauf der Sonne verstanden werden.

Die Frau wirkt wie eine Einheit; die von ihr getragene Stola und die den Kopf bedeckende Palla scheinen unter dem Licht zu verschmelzen und die zu einem ins Auge fallenden Gegenpol zu den Schatten der Bäume zu machen. Sie wirkt zwar klein, jedoch keinesfalls unbedeutend, sondern strahlt wie bereits erwähnt ein großes Maß an Würde aus.

Auch wenn die Sonne in unseren Breiten inzwischen wieder untergegangen ist, hoffe ich doch, dass ihr dem Bild ein wenig Beachtung schenkt, und euch von dieser vermittelnden Stille anstecken lasst, sofern ihr bereit dazu seid.

Eine schöne Nacht wünsche ich ,

Laokoon


Die fünf verschiedenen Variationen des Motivs kann an unter diesem Link einsehen:
http://www.pm-history.de/de/aktuellehefte/inhalt/inhalt_id278.htm?hseite=inhalt

Hier die Hintergrundgeschichte dieses Bildes:
http://www.pm-magazin.de/de/heftartikel/artikel_id937.htm

PS: Ja, ich glaube die Schreibfaulheit dürfte zumindest im Falles des Blogschreibens überwunden sein^^


_________________
~Mundus vult decipi, ergo decipiatur~

Laokoon
Eröffner des Threads
Tread eröffner!

Cholerischer Prophet
Redakteur
Cholerischer Prophet<br>Redakteur


Anm.Dat: Aug 11, 2004
Beiträge: 1509
Wohnort: Ilium

Gallery
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen


Nach oben

BeitragVerfasst am: Mo Aug 07, 2006 10:06 am


Darf man eigentlich in Deinem Blog kommentieren? Ich mach's mal einfach...

Zitat:
So denke ich, dass dies der wahre Grund ist, warum sich in unseren Religionen und Philosophien über Tausende von Jahren eine Menge von Paradies- oder Wiedergeburtsvorstellungen entwickelt haben.


Den Gedanken finde ich arg abstrakt. Als hätte es einen Gelehrten gegraust, dass sämtliche kulturellen Errungenschaften vergehen werden und dann das Jenseits entworfen.

Ich denke - falls das Jenseits eine menschliche Erfindung ist - dann waren die Ursprünge Trauerbewältigung (für das Dahinscheiden eines geliebten Menschen) und Angstbewältigung (für das eigene Ableben).


_________________
Panta rei

Agarthe
Inventar


Anm.Dat: Apr 10, 2002
Beiträge: 2017


Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden


Nach oben

BeitragVerfasst am: Mo Aug 07, 2006 11:09 pm


Natürlich ist’s erlaubt zu kommentieren Wink freut mich, dass du was gesagt hast und damit das eventuelle Missverständis aus dem Weg geräumt hast .

Ja, kann sein, dass ich mich manchmal in eine These verrenne und den großen Rest der Faktoren schamlos vernachlässige...ist manchmal eine leichte Macke von mir Wink. Natürlich hast du mit der Trauer und der Angst auf jeden Fall Recht. Man könnte sagen, dass ich gestern wie ein Stier nur das rote Tuch und damit quasi auch nur einen bestimmten Teil des Faktors "Angst" fokussiert habe^^.

Aber ich glaube nicht, dass große Monumente wie die Pyramiden oder Mausoleen nur unter dem Gesichtspunkt des Ewigen Lebens gebaut wurden. Gerade im Barock und den darrauffolgenden Epochen erlebte der Mausoleenbau wieder eine neue Modewelle. Eines der Mottos damals: „Memento mori“ - Gedenke des Todes. Daran anschließend sollte man die Toten ebenfalls nicht vergessen und dazu bauten sich die noch Lebenden noch vor ihrem Ableben diese Gedenkstätten, die für die Ewigkeit gebaut waren. Genug, bevor ich weiterrenne^^

Im Übrigen wollte ich die Existenz eines Elysiums auch nicht verneinen (aber auch nicht bejahen), nur hat die menschliche Psyche sich zusätzlich sicherlich auch ihr eigenes konstruiertes Paradies geschaffen.


_________________
~Mundus vult decipi, ergo decipiatur~

Laokoon
Eröffner des Threads
Tread eröffner!

Cholerischer Prophet
Redakteur
Cholerischer Prophet<br>Redakteur


Anm.Dat: Aug 11, 2004
Beiträge: 1509
Wohnort: Ilium

Gallery
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen


Nach oben

BeitragVerfasst am: Mo Aug 07, 2006 11:11 pm


VII. Alfred Kubin – Sumpf (1903)



Manchmal, es mag sich schon lange vorher andeuten oder auch völlig unvorbereitet so weit kommen, scheint man ganz allein auf der Welt zu sein. Man fühlt sich verloren, scheint in einer Sackgasse angekommen. Man steckt bis zur Hüfte im Schlamm; altem Ballast, den man schon viel zu lange mitgeschleppt hat, Problemen, welche plötzlich auftreten oder mit denen man schon lange zu kämpfen hat. Oft ist man schon fast gewillt aufzugeben, sich nicht länger dagegen zu wehren immer tiefer in diesem Sumpf des Kummers zu versinken, denn die Lage sieht hoffnungslos aus.

Hinzu kommt, dass man sich in diesen Situationen oft beobachtet fühlt, ein stiller Spießrutenlauf Außenstehender, dem man sich nicht entziehen kann oder dunkle Gestalten, von denen man nur weiß, dass sie da sind, aber die man nicht erblicken kann. Diese Gestalten können weitere Probleme sein, die schwarzen, schattenhaften Panthern gleich nur darauf warten sich lautlos von hinten an uns heranzupirschen und uns schließlich mit einem gezielten Biss das Genick zu brechen. Es können aber auch reale Personen sein, die mit Erwartungen an uns herantreten, denen wir vielleicht nicht gerecht werden können, die fordern, womit wir in diesen elenden Stunden sowieso schon überfordert sind. Oft sind es aber auch einfach nur Beobachter, die unsere Situation abschätzen und uns nicht einmal böse gesonnen sein müssen. Vielleicht sind diese im Hintergrund lauernden Monster auch Ängste, denen wir uns noch nicht gestellt haben und die ständig an uns nagen. Viele von uns kennen diese Gefühle wahrscheinlich; man fühlt sich wie von Blicken durchdrungen, wie nackt.

Ob Alfred Kubin diese Emotionen mit diesem Bild darstellen wollte weiß ich nicht. Vielleicht. Wichtig ist, dass wir, wenn wir uns verloren fühlen, uns nicht selbst verlieren, sondern wieder neue Kraft schöpfen. Wenn wir uns in einem inneren Sumpf verirrt haben, stecken zu bleiben drohen, müssen wir uns klar darüber sein, dass wir dort ganz sicher wieder zurück auf festen Boden finden werden und nur den richtigen Pfad finden müssen. Dieser Pfad ist nicht immer offensichtlich, sondern kann auch erst ein paar Meter weiter hinter einigen Büschen versteckt sein. Aber er ist da.

Und die Schatten, die uns zu verfolgen scheinen, die vermeintlichen Monster sind nicht immer böse, sondern können uns sogar helfen, indem dunkle Gestalten sich als Helfer entpuppen, wir unseren Ängsten entgegentreten, sie zu beherrschen lernen und so an ihnen wachsen, neue Kontakte knüpfen und die Vergangenheit einfach abschließen, hinter uns lassen. Wir müssen uns und den uns umgebenden Personen deutlich machen, zu was wir wirklich fähig sind und was unsere Fähigkeiten übersteigt. Wichtig ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, zwar wohlüberlegt zu reden und zu handeln, uns dabei jedoch nicht von anderen all zu stark beeinflussen zu lassen.

Die stillen Beobachter, welche ich zuvor ansprach, sind in der Realität vielleicht gar keine Feinde, sondern sorgen sich um uns, wagten vielleicht aus Anstand oder Scheu nicht, an uns heran zu treten. Wir müssen offen sein, nicht alles mit der dunklen Brille eines verlorenen Wolfes sehen, sondern schauen, ob uns nicht die Bereitschaft geboten wird, in neue zwischenmenschliche Kontakte einzutreten, uns die Aufnahme in ein neues Rudel geboten wird. Dieses ist zwar mit Bedacht und Vorsicht zu wählen, aber auch mit der Offenheit und dem freien Willen dazu. Hier muss man seinem Herzen vertrauen, welches von der Vernunft beraten wird.

Denn wenn man den Weg alleine nicht mehr findet, sollte man sich anderen anvertrauen, die Erfahrung und Wärme spenden, und uns so wieder auf einen befestigten Weg durch unseren inneren Sumpf führen können. Keine bedingungslose Unterwerfung oder der Versuch es diesen Personen in allem Recht zu machen wird uns weiterbringen, sondern Ehrlichkeit und Natürlichkeit. Eigene Mängel behelligen Bekanntschaften oder sich daraus entwickelnde Freundschaften nicht; die geschieht nur wenn man sie mit Lügen oder Euphemismen zu übertünchen versucht. Dies gilt ebenso bei Mächten, die wir um Schutz ersuchen Göttern, Lebensauffassungen.

Sind wir uns über uns selbst im Klaren, kann unser Umfeld uns richtig einschätzen, so werden wir nicht mehr lange in den Tümpeln unseres Sumpfes umherirren, sondern uns bald wieder auf festem Grund befinden.

Mal wieder eine schöne gute Nacht,

Laokoon


_________________
~Mundus vult decipi, ergo decipiatur~

Laokoon
Eröffner des Threads
Tread eröffner!

Cholerischer Prophet
Redakteur
Cholerischer Prophet<br>Redakteur


Anm.Dat: Aug 11, 2004
Beiträge: 1509
Wohnort: Ilium

Gallery
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen


Nach oben

Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neue Antwort erstellen    Ask1.org Foren-Übersicht -> Userblogs Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite 1, 2, 3  Weiter
Seite 1 von 3

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001 phpBB Group
phpBB port v2.1 based on Tom Nitzschner's phpbb2.0.6 upgraded to phpBB 2.0.4 standalone was developed and tested by:
ArtificialIntel, ChatServ, mikem,
sixonetonoffun and Paul Laudanski (aka Zhen-Xjell).

Version 2.1 by Nuke Cops 2003 http://www.nukecops.com
Forums ©
Alle Logos und Warenzeichen sind eingetragene Marken der jeweiligen Inhaber.
Alle auf dieser Seite angebotenen Informationen unterliegen dem jeweiligen Urheberrecht. Forenbeiträge geben die Meinung der Verfasser wieder und nicht die Meinung des Webmasters. Eine Übernahme, Vervielfältigung und Speicherung ist nur mit eindeutiger Quellenangabe erlaubt.
Für Schäden aufgrund fehlerhafter Informationen wird keine Haftung übernommen.
Bitte besuchen sie auch unser Esoterikforum
Web site engines code is Copyright © 2002 by PHP-Nuke. All Rights Reserved. PHP-Nuke is Free Software released under the GNU/GPL license.