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Seit einiger Zeit nun schon sorgt die ehemalige Fernsehmoderatorin und "Tagesschau"-Sprecherin
wegen der in ihren Büchern vertretenen Ansichten zur Lage der Gesellschaft
für Aufsehen.
Eva Herman: Zur Person
Die gelernte Hotelkauffrau Eva Herman absolvierte zwischen 1983 und 1986 eine
journalistische Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk in München, der eine
Ausbildung zur Fernsehsprecherin bis 1988 folgte. Währenddessen moderierte
sie verschiedene Sendungen für den Rundfunksender "Bayern 3"
und übernahm im Bayerischen Fernsehen die Moderation von Nachrichten- und
Unterhaltungssendungen.
Ab 1988, nach ihrem Wechsel zum Norddeutschen Rundfunk nach Hamburg, moderierte
sie verschiedene Sendungen für den NDR und wurde dann nach einem Casting
bei Werner Veigel ins Team der Tagesschau aufgenommen; ihre erste Sendung als
"Tagesschau"-Sprecherin hatte sie im August 1988. Daneben war sie
in zahlreichen TV-Sendungen und -Unterhaltungsshows als Moderatorin beim NDR
und ARD tätig.
2001 veröffentlichte Herman ihren ersten Roman ("
Dann
kamst du"), der 2003 von Susanne Hake verfilmt wurde, zudem verfasste
sie einige Sachbücher, unter anderem
"Fernsehfrauen
in Deutschland. Im Gespräch mit Eva Herman" (2001) und
"Vom
Glück des Stillens. Körpernähe und Zärtlichkeit zwischen Mutter
und Kind" (2003). Im Jahre 2003 kam ihre erste CD mit dem Titel
"Swing
it" auf den Markt, eine Sammlung von Swingklassikern, gesungen von Eva
Herman zusammen mit Bettina Tietjen, Max Raabe und Hape Kerkeling. Im gleichen
Jahre wurde Herman in einer Emnid-Umfrage zur beliebtesten Nachrichtenmoderatorin
Deutschlands gewählt.
(1)
Eva Herman: Privat
Im Jahre 1983 heiratete die 1958 in Emden als Eva Feldker geborene Moderatorin
und Buchautorin den Autohändler Werner Herrmann, nach der Scheidung 1988
behielt sie dessen Nachnamen, verkürzte aber die Schreibweise um je ein "r"
und "n". Drei weitere Partner, von denen sie zwei ehelichte, folgten,
aus ihrer dritten Ehe stammt der 1997 geborene Sohn. Sie heiratete 2005 in vierter
Ehe den Hotelier Michael Bischoff.
(2)
Das Eva-Prinzip
Bereits vor Veröffentlichung ihres Buches
"Das
Eva-Prinzip" sorgten die Thesen der damals 47-jährigen zur Rolle
der Frau für Diskussionen. Gleichsam als Auftakt und als Vorgeschmack auf
den Inhalt des Buches veröffentlichte sie ihre Ansichten u. a. in dem Magazin
"Cicero"
(3): Eva Herman sieht darin Mutterdasein und
Selbstverwirklichung der Frau in der Arbeitswelt als konkurrierende Lebensmodelle,
die von vielen Frauen nebeneinander versucht werden, jedoch ihrer Meinung nach
nicht gleichzeitig wirklich erschöpfend ausgefüllt werden könnten:
"Die Frau der unmittelbaren Gegenwart ist in aller
Regel aktiv, berufstätig, selbstständig und verdient meist ihr eigenes
Geld, ganz gleich, ob sie gebunden ist oder nicht. Zu ihrem selbstverständlichen
Sein gehören Autonomie und als höchstes Ziel die Selbstverwirklichung.
Wenn es darüber hinaus zeitlich passt und ein adäquater Partner in der
Nähe ist, denkt sie eventuell auch über Kinder nach. Eventuell. Kinder
sind für sie eine Option, keine Selbstverständlichkeit.
Sollte es mit viel Glück doch zur Mutterschaft kommen, muss das Leben in
genaue Zeitfenster eingeteilt und minutiös organisiert werden: Karriere und
Küche werden nach Plan koordiniert, die Betreuung der Kinder arrangiert und
gemanagt. Die Frau von heute ist im Stechschritt unterwegs, um die heterogenen
Lebensinhalte unter einen Hut zu bringen.
Hieraus muss unweigerlich folgern, dass sie keinem der genannten Bereiche in seinen
Ansprüchen gerecht werden kann. Weder in der Karriere noch in der Küche
ist die Frau voll handlungsfähig, Partner und Kind kommen ebenfalls zu kurz.
Nie war Zeit kostbarer als heute - und knapper. So sehen wir die Frau der Moderne
mit einem wehenden Schleier der Atemlosigkeit durch ihr Leben hetzen, und immer
ist sie unzufrieden mit dem Ergebnis." (4)
Die Möglichkeit, dass nicht nur die Frauenrolle von heute sich auf Familie
und Selbstverwirklichung gleichermaßen erstreckt, sondern auch die moderne
Männerrolle in dieser Richtung zu denken sein könnte, mit der Folge,
dass sich idealerweise Mann und Frau beide Aufgaben teilen - jedoch eine horizontale,
nicht "traditionellerweise" eine vertikale Teilung der Aufgaben -
zieht sie nicht in Betracht. Die noch immer nicht völlige Gleichstellung
der Frau mit dem Mann im Berufsalltag spricht sie an:
"Wie weit entfernt wir von der Idealvorstellung
einer in sich ruhenden Familie sind, muss ich nicht weiter erläutern. Wir
alle sind im Bilde. Und was ist das Äquivalent? Von den Versprechungen der
Emanzipation ist wenig geblieben außer dem fremdbestimmten Anspruch an die
Frau, es gefälligst den Männern gleichzutun und Geld zu verdienen."
[...] "Weit zurück liegt auch die Vorstellung der Selbstbestimmung
und Selbstverwirklichung durch berufliche Aktivitäten. Die Frau ist als notwendige
Mitverdienerin der Familie unverzichtbarer Teil der Konsumgesellschaft geworden,
Freiheit und wahre Emanzipation jedoch gibt es in den seltensten Fällen.
Die Zahl der - natürlich meist kinderlosen - Führungsfrauen hat sich
bei sechs bis sieben Prozent eingependelt. Mehr ist nicht drin."
(4)
Hieraus zieht sie jedoch nicht den Schluss, dass hier noch einiges zu tun wäre
um die Stellung der Frau zu verbessern, sondern sieht den Weg der Gleichberechtigung
der Frau gescheitert und stellt - eine These, die zu heftigen Diskussionen führte
- den Sinn der Emanzipation insgesamt in Frage:
"Der Kampf um die umfassende Gleichberechtigung
im Beruf und im Privatleben kann als verloren eingeschätzt werden."
[...] "Haben berufstätige Frauen von heute - zu denen ich ja auch
gehöre - wirklich das Recht auf unbegrenzte Selbstverwirklichung oder war
die Emanzipation ein fataler Irrtum?" (4)
Dies untermauert sie mit archaisch anmutenden biologischen und biblischen Vorstellungen
vom Wesen und von der Rolle von Mann und Frau und einem sehr simplifizierenden
Bild von der Geschlechterrollen-Geschichte:
"Betrachten wir einmal den soziologischen und biologischen
Kontext. Der Mann steht in der Schöpfung als der aktive, kraftvolle, starke
und beschützende Part, die Frau dagegen als der empfindsamere, mitfühlende,
reinere und mütterliche Teil. In den zurückliegenden Jahrtausenden richtete
die Menschheit ihre Lebensform nach dieser Aufteilung aus, die Rollen waren klar
definiert." [...] "Der Mann ging zur Jagd, später zur Arbeit
und sorgte für den Lebensunterhalt der Familie, die Frau kümmerte sich
um das Heim, den Herd, die Kinder und stärkte ihrem Mann den Rücken
durch weibliche Fähigkeiten wie Empathie, Verständnis, Vorsicht. Aus
dieser Zeit stammt das volksmündliche Sprichwort, dass hinter jedem erfolgreichen
Mann eine kluge Frau stehe." [...] "Seit einigen Jahrzehnten verstoßen
wir Frauen zunehmend gegen jene Gesetze, die das Überleben unserer menschlichen
Spezies einst gesichert haben. Wir missachten sie, weil wir glauben, uns selbst
verwirklichen zu müssen und mindestens genauso gut zu sein wie Männer.
Durch dieses Verhalten ramponierten wir en passant auch noch das Ansehen der nicht
berufstätigen Mutter, deren sozialer Status im Laufe der Emanzipationsanstrengungen
immer schwächer wurde und heute kaum noch gesellschaftsfähig ist. Nur
Hausfrau? Nur Mutter? Kein attraktiver Smalltalk für eine Party, und schon
gar keine gesellschaftliche Reputation. Ist die zu faul?, fragt man
hinter vorgehaltener Hand. Oder etwa zu dumm? Dabei sollten sich umgekehrt
die so genannten Vorzeigefrauen zur Abwechslung auf den Prüfstand stellen
und sich fragen lassen, welche Ziele sie eigentlich leiten. Die ehrliche Antwort
wäre: Es sind Selbstgefälligkeit und Eitelkeit. Wir Frauen sind dem
Wahn verfallen, uns beweisen zu müssen, dass wir zu allem fähig sind."
(4)
Nicht nur die berufstätige Frau wird von ihr attackiert und ihr pauschal
Selbstgefälligkeit und Eitelkeit unterstellt, auch die Männer bleiben
nicht verschont, denen sie indirekt offensichtlich die Fähigkeit abspricht,
sich um Kinder und häusliche Belange kümmern zu können:
"Wer einmal den Wert häuslichen Friedens in
Harmonie und Wärme kennen lernen durfte, einen Ort, der Sicherheit, Glück
und Seelenfrieden gibt, weiß, wovon die Rede ist. Diesen Boden kann nur
die weibliche Seite bereiten. Es ist die Frau, die in der Wahrnehmung ihres Schöpfungsauftrages
die Familie zusammenhalten kann." [...]
"Der auferlegte Zwang führt unweigerlich in die Entweiblichung der Frau
und die Entmännlichung der Herrenwelt. Denn mit diesem Handeln, auch das
ist nur logisch, lähmen wir jede starke Männlichkeit in unseren Partnern,
die wir uns in der Tiefe unserer Seelen sehnlichst wieder herbeiwünschen."
(4)
Sie sieht ein Missverhältnis zwischen den Menschen ihrer Meinung nach
festgeschrieben zugedachten Geschlechterrollen und der Realität in unserer
heutigen modernen Gesellschaft. Dieses Missverhältnis ist ihres Erachtens
für einige große Probleme verantwortlich, mit denen unsere heutige
Gesellschaft ringt: der Umkehrung der Alterspyramide (der sog. "Überalterung"),
dem Geburtenrückgang und dem Auseinanderbrechen von Familienstrukturen.
Für all diese Probleme sieht sie an vorderster Front die Schuld bei der
Emanzipation und griff in ihrem Beitrag im Magazin "Cicero" auch die
Feministinnen und Frauenrechtlerinnen explizit an:
"Wo sind sie jetzt, die Anführerinnen, die
in den meisten Fällen selber niemals Kinder, geschweige denn Männer
hatten? Sie wussten damals schon nicht, was das Glück bedeutet, ein Baby
zu bekommen, einen liebenden Mann an der Seite zu haben und - manchmal unter größten
Mühen - etwas zu erschaffen, was man den Familiensegen nennt." [...]
"Heute schweigen sie schamvoll, die Kämpferinnen von einst. Vielleicht,
weil sie ahnen, dass sie wesentlichen Anteil an einer verhängnisvollen Entwicklung
hatten, die speziell unser Land unbrauchbar für die Zukunft macht. Wir sterben
aus. Und das, weil die Rolle der Frau so lange problematisiert, diskutiert und
umgeformt wurde, bis die Verunsicherung die Frauen in die Verweigerung der Mutterrolle
führte - und die Männer in die Verweigerung der Versorgerrolle. Wenn
die Frau zur Konkurrentin des Mannes wird, spürt er weder Bindung noch Verantwortung
für sie." [...] "Es geht mir nicht um schwärmerische Familienverklärung,
ich will weder Abgründe verlogener Behaglichkeit beschwören noch alte
Unterdrückungsmuster. Ich spreche von einer verlorenen Welt, die unseren
Vorfahren jahrtausendelang Kraft und Halt gab, die Misserfolge und Enttäuschungen
auffing und eine Quelle des Glücks sein konnte. Wo ist heute die funktionierende
familiäre Rückendeckung?" (4)
Diese Thesen vertrat Herman seitdem auch in zahlreichen Interviews und heizte
die Diskussion und Empörung darüber weiter an. Von Feministinnen und
berufstätigen Müttern, Frauen in Politik und Wirtschaft hagelte es harsche
Kritik. In Erwartung, dass die Diskussionen um ihre Thesen noch zunehmen würden,
sobald ihr Buch
"Das
Eva-Prinzip" tatsächlich erscheint, nahm Herman daraufhin eine Auszeit
von ihrer Tätigkeit als "Tagesschau"-Sprecherin, ließ der
Norddeutsche Rundfunk (NDR) verlauten.
"Frauenrolle rückwärts", schrieb die "Westdeutsche
Allgemeine Zeitung",
"Grüße aus Urgroßmuttis Küche",
meinte die "Welt am Sonntag",
"ein bisschen zu viel Eva",
kommentierte die "Berliner Zeitung". Herman selbst wehrte sich in der
"Bild am Sonntag" dahingehend, dass viele Mails und Briefe ihr den Rücken
gestärkt hätten - die
"so genannte 'schweigende
Mehrheit', die sonst meist nicht zu Wort kommt". Zudem zeigte
sie sich
"verwundert, wie viele selbst ernannte
Kritiker ein Buch aburteilen, das noch gar nicht erschienen ist".
(5)
Der Verlag reagierte auf die öffentlichen Diskussionen und zog daraufhin
die für den 14. September 2006 geplante Veröffentlichung des Buches
sowie die zur Buchvorstellung gedachte Pressekonferenz in Berlin auf den 6. September
vor.
"Durch die Diskussionen über ein Buch,
das noch keiner gelesen haben kann, sind wir gezwungen worden, so zu handeln",
ließ der Verlagssprecher Claus Carlsberg verlauten.
(5)
In ihrem Buch "Das Eva-Prinzip. Für eine neue Weiblichkeit"
wiederholt sie jedoch weitgehend ihre bereits vertretenen Forderungen, bekräftigt
noch einmal ausführlich ihre bereits oben dargelegten Thesen.
Das Thema ihres Buches beschäftigte die öffentliche Diskussion. Die
geschmähten und bereits in ihrem "Cicero"-Beitrag breit angegriffenen
Feministinnen traten auf den Plan:
"Alice Schwarzer reagierte auf den Cicero-Artikel in einem Spiegel-Interview
Ende Mai 2006. Zudem hatte ihre Zeitschrift Emma bereits im April 2006 geurteilt
Frauen sollten mit so einem Quatsch im Jahre 2006
keine Zeit mehr verlieren und gefordert, die ARD
muss sich fragen, ob ihre Tagesschau-Sprecherin mit so sexistischen Elaboraten
nicht gegen die Grundsätze der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten
verstößt - und die vorgeschriebene Glaubwürdigkeit
einer Nachrichtensprecherin demontiert!" (6)
"In Das Eva-Prinzip propagierte Herman derart antiquierte Geschlechterrollen,
dass Alice Schwarzer schrieb, die Autorin schwanke zwischen Mutterkreuz
und Steinzeitkeule. Es scheint, als wolle Herman den Feminismus und
die über Jahre gewachsene Emanzipation sowie das Selbstbestimmungsrecht der
modernen Frau wieder abschaffen." (7)
Schwarzer schrieb daraufhin jedoch auch das kritische Buch "
Die
Antwort", in dem sie nicht einfach noch ein weiteres Mal in die von vielen
Seiten ewig wiederholten Ansichten, Eva Herman vertrete ein veraltetes Bild von
Geschlechterrollen, einstimmte, sondern stattdessen ein Update ihrer eigenen Ansichten
zum Thema Geschlechterrollen darlegte.
"Die
Antwort ist ein Update in Sachen Geschlechterpolitik und es kommt darin
nichts vor, worüber es nicht schon seit Jahren oder Jahrzehnten pointierte
Stellungsnahmen von Schwarzer gibt: Sie argumentiert gegen die neuerdings wieder
modische biologistische Festzurrung von Geschlechterrollen durch schwammige Untersuchungen
zu angeblichen hormonellen oder hirnhälftigen Differenzen, gegen religiösen
Fundamentalismus islamischer wie christlicher Art (und deren Allianz gegen die
Gleichberechtigung von Frauen). Für das Recht auf Abtreibung als dem Recht
der weiblichen Selbstbestimmung, gegen das schwer belastende deutsche Mutterbild,
welches Frauen durch Schuldgefühle gängelt, für die weibliche Berufstätigkeit
und Unabhängigkeit, gegen die kollektiven Schlankheitsneurosen, welche Frauen
paradoxerweise gerade im Zeitalter der Emanzipation in ein neuerliches Zwangsverhältnis
setzen. Und sie ist immer noch vehemente Gegnerin sowohl der Pornographie und
der für sie damit zusammenhängenden Sexualisierung und Brutalisierung
der Gesellschaft als auch der Legalisierung von Prostitution." (8)
"Ausführlich erzählt sie in Die
Antwort immer wieder von der Geschichte der Frauenbewegung und der sozialen
Geschlechterbeziehungen", diese historischen Beschreibungen sind ein
gutes Antidot gegen Geschichtsvergessenheit und heben die Errungenschaften der
Emanzipationsbewegung und deren Bedeutung hervor:
"Bis 1977 herrschte
in der Bundesrepublik ein Familienrecht, in dem der Ehemann die gemeinsame
Lebensführung und den Wohnort bestimmte, über das Vermögen
der Frau verfügte, der Frau, welche zur Haushaltsführung verpflichtet
war, die Arbeitstätigkeit verbieten und auf der Erfüllung der
ehelichen Pflichten bestehen konnte. Dagegen erscheint die heutige formaljuristische
Gleichberechtigung als ein Wunder." (8)
"Früher klang Schwarzers Kritik natürlich härter als heute,
aber das Ideal ist letztlich äußerst egalitär, ja umfassend humanistisch:
Mann und Frau sollen sich auf Augenhöhe begegnen und miteinander kommunizieren.
Und sie sollen zuerst als Menschen, und erst danach als Männer und Frauen
definiert werden." (8) "Das neue Buch von Alice
Schwarzer ist ein Plädoyer für Väter mit Kindern und Mütter
mit Beruf. Für gleiche Rechte und Pflichten." (9)
"Von konservativer Seite wurde die Stellungnahme Eva Hermans teilweise
mit Beifall aufgenommen." (10) Anhänger hat Eva
Herman aber auch bei Frauen, die sich für ein Mutterdasein entschieden haben
und in ihr ein Sprachrohr und eine Vorkämpferin für den von ihnen eingeschlagenen
Lebensweg sehen. Die frauenpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion
in Hamburg, Marita Meyer-Kainer, kommentierte am 4. September (zwei Tage vor Auslieferung
des Buches an den Einzelhandel) hingegen:
"Dieses
Frauenbild ist für eine moderne Gesellschaft unakzeptabel und entspricht
auch nicht mehr der Realität." (10)
Die Kabarettistin Désirée Nick wehrte sich gegen die von Herman
vertretenen Vorstellungen in ihrem "Contra-Buch", welches sie schlicht
"Eva
go home. Eine Streitschrift" nannte
(11), und griff
Herman auch in einem Interview im "Stern" (11. September 2007) harsch
an:
Stern:
"Schreibt Eva Herman aus Überzeugung
oder dient die ganze Provokation nur als PR-Maßnahme?"
Désirée Nick:
"Das spielt doch
keine Rolle. Eva Herman selbst hat doch niemals ein Buch geschrieben. Vorne im
Buch steht drin, dass die Bücher unter Mitarbeit von Dr. Christine Eichel,
einer Journalistin, entstanden sind. Eva Herman hält doch nur ihr Gesicht
hin und steckt die Prügel ein. Wer weiß, ob sie das Buch überhaupt
selbst gelesen hat."
Stern:
"Also alles nur eine Inszenierung?"
Désirée Nick:
"Sie
hat sicher eingeplant, durch solche Äußerungen zwei, drei Jobs zu verlieren.
Aber das eigentliche Problem besteht doch darin, dass sich heutzutage jede Abnormität
verkaufen lässt. Es ist für alles Platz in unserer Gesellschaft, für
alles finden sich Zuhörer und Zuschauer. Frau Herman nistet in einer verdammt
kleinen Nische, die Mehrheit steht doch gar nicht dahinter. Es ärgert mich
sehr, dass Eva Herman für so eine Scheiße so viel Aufmerksamkeit erhält."
(12)
Da aber Schweigen zu Hermans Thesen in diesem Falle Zustimmung bedeute, fühlte
sie sich aufgefordert, Hermans Thesen in ihrem Gegen-Buch zu zerpflücken.
(13) Herman konterte mit unterstützenden Reaktionen in
"
Liebe
Eva Herman! Briefe und Mails an die Autorin des Eva-Prinzips".
(14)
Neben den zahlreichen Empörungsbekundungen kam auch eine wirkliche inhaltliche
Auseinandersetzung mit den von Herman in ihren provokanten Thesen angesprochenen
Problemen in Gang: In der Wochenzeitung "Die Zeit" etwa nahmen prominente
Frauen die Diskussion zum Anlass, Missstände in der Gleichberechtigung der
Frauen mit den Männern anzuprangern und forderten einen "neuen Feminismus".
Zu den Autorinnen der 15 Beiträge, die alle das Gefühl teilten,
"dass
es in Deutschland einen Rückschritt gibt", gehörte Hermans
TV-Kollegin Anne Will. Die "Tagesthemen"-Moderatorin schrieb über
eine
"optische Täuschung" im
TV: Frauen seien zwar auf den Bildschirmen präsent, nicht aber in den Chefetagen.
(15)
Das Prinzip Arche Noah
Das neue Buch von Eva Herman "
Das
Prinzip Arche Noah. Warum wir die Familie retten müssen", das inhaltlich
keine wesentlich neuen Thesen enthält, sondern sich in dem Konsens ihrer
Ansichten bewegt, die sie bereits zuvor in Artikeln, Interviews und ihrem Vorgängerbuch
geäußert hatte, erscheint zahnlos im Vergleich zu den Diskussionen,
die um das Vorgängerbuch geführt wurden und denen, die sich an Aussagen
der Autorin auf der Pressekonferenz am 6. September 2007 in Berlin, wo sie ihr
neustes Buch vorstellte, entzündeten. Das Buch fragt nach den Folgen der
Emanzipation und beschreibt den Zustand der Familien und der Gesellschaft aus
ihrer Sicht und schließt ein Plädoyer für Gemeinsinn - einer "vergessenen
Tugend" - d. h. mehr Miteinander in der Gesellschaft,
(16)
mit ein.
Auch in diesem Buch kommentiert Herman die Rolle der Frau: Frauen sehnten sich
nach Partnerschaft, Kindern, zu denen sie eine Beziehung aufbauen, und danach,
Zeit für ihre Mitmenschen zu haben. Das alles aber seien Dinge, die ihnen
die Emanzipation ausgeredet hätte, die nicht in das Bild einer selbstbestimmten,
freien, emanzipierten Frau passen würden, die sich selbst verwirklicht. In
der Emanzipation wollten die Frauen Freiheit, hätten sich aber wieder von
ihrem neuen Ideal abhängig gemacht und seien so gesehen unfrei, vielleicht
kann man Hermans Thesen so zusammenfassen. Bei der Selbstverwirklichung werde
jedoch ihr Frauensein unterdrückt, denn was die Emanzipation als altmodisch
ansieht, wäre gerade das: Weiblichkeit.
(16) (Augenscheinlich
wehrt Herman sich hierbei auch gegen ein sehr altmodisches, antiquiertes Bild
der Emanzipation.) In "
Das
Prinzip Arche Noah" bekräftigt sie dergestalt mal wieder ihre Kritik
am Feminismus und plädiert für mehr Zusammenhalt in der Familie. Voraussetzung
dafür ist ihrer Meinung nach, dass Männer und Frauen zu traditionellem
Rollenverständnis zurückfinden.
(17)
Bei der erwähnten Pressekonferenz zur Vorstellung ihres neusten Buches "
Das
Prinzip Arche Noah. Warum wir die Familie retten müssen" fielen
Äußerungen, die für viel Verwirrung gesorgt haben, auch deshalb,
weil anfangs nicht klar war, was sie nun genau gesagt hatte: Teilnehmern zufolge
hatte Herman bei der Vorstellung ihres neuen Buches erklärt, im Dritten Reich
sei "
vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel
Adolf Hitler". Einiges sei aber auch gut gewesen, "
zum
Beispiel die Wertschätzung der Mutter".
(17)
So wurde Hermans Rede zwei Tage nach der Buchvorstellung im Hamburger Abendblatt
vom 7. September 2007 zusammengefasst und daraufhin in zahlreichen Artikeln
mehrerer Zeitungen fast identisch abgedruckt.
Drei Tage später, am 9. September 2007, beendete daraufhin der Norddeutsche
Rundfunk (NDR) seine bis dato währende 20-jährige Zusammenarbeit mit
Eva Herman, die noch bis zu diesem Zeitpunkt die Talkshow "Herman und Tietjen"
sowie die Ratesendung "Wer hats gesehen?" moderiert hatte.
(18)
"Als Grund nannte der Sender ihre umstrittenen Äußerungen zur
Familienpolitik in der Nazi-Zeit - laut NDR nicht
der erste Vorfall dieser Art. [...] Frau Hermans schriftstellerische
Tätigkeit ist aus unserer Sicht nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle
als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin, erklärte Volker
Herres, der Fernsehprogrammdirektor des NDR. Dies
ist nach ihren Äußerungen anlässlich einer Buchpräsentation
in der vergangenen Woche deutlich geworden. " (19)
"Dies sei nicht der erste Vorfall dieser Art gewesen,
erklärte Herres." "Auch Frau Hermans geplanter Auftritt
bei einer Unterorganisation der rechtspopulistischen FPÖ, den sie erst nach
Intervention absagte, war ein solches Missverständnis." (20)
Damals hatte Herman erklärt, hinters Licht geführt und von einem ihr
nicht bekannten Veranstalter eingeladen worden zu sein. Ein Zusammenhang mit einer
politischen Partei sei dabei jedoch nicht zur Sprache gekommen.
(21)
Anlässlich dieses Beinahe-Auftritts hatte der Sender die Moderatorin im März
eindringlich gebeten,
"alle Handlungen und Äußerungen zu unterlassen,
die geeignet seien, ihr öffentliches Bild als Talk-Moderatorin und damit
auch das des NDR zu beschädigen. Zugleich sei Herman darauf hingewiesen worden,
dass eine klare Trennung zwischen ihrer Arbeit als Talk-Moderatorin und als Buchautorin
unabdingbar sei".
Frau Herman steht es
frei, ihren 'Mutterkreuzzug' fortzusetzen, aber mit der Rolle einer NDR-Fernsehmoderatorin
ist dies nicht länger zu vereinbaren,
erklärte Herres.
Ihre Äußerungen wirkten polarisierend. Das
Ergebnis spürt unsere Redaktion: Gäste sagen ihren Auftritt bei 'Herman
und Tietjen' ab oder stehen von vornherein nicht zur Verfügung.
Einer solchen Entwicklung könne man nicht tatenlos zusehen, sagte der
Programmdirektor." (22) Gegen ihre Kündigung beim
Norddeutschen Rundfunk (NDR) hat Herman inzwischen Klage beim Amtsgericht Hamburg
auf "Fortbestand des Beschäftigungsverhältnisses" eingereicht.
Der NDR habe die Klage indes mit Gelassenheit aufgenommen, berichtete Sprecher
Martin Gartzke.
(23)
"Ich bin falsch wiedergegeben worden",
sagte Herman der Nachrichtenagentur dpa und präsentierte, nachdem Tage später
ein Mitschnitt der fraglichen Aussage aufgetaucht war, auf ihrer Webseite einen
Text, der nach ihren Angaben wiedergeben soll, was sie auf der Pressekonferenz
in Berlin tatsächlich gesagt hatte:
(24)
"Wir müssen den Familien Entlastung und nicht
Belastung zumuten und müssen auch 'ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen
und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter
in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus
und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals
praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war 'ne grausame Zeit,
das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der
das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es
ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das
sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft.
Es durfte nichts mehr stehen bleiben...."
Man bedaure die "Missverständnisse": es sei nie die Absicht des
Verlages oder der Autorin gewesen,
"in irgendeiner Weise die Ideologie
des Nazi-Regimes zu verharmlosen oder sogar gutzuheißen", hieß
es in einer Stellungnahme. Schlagzeilen wie "Eva Herman lobt Hitlers Familienpolitik"
seien daher irreführend.
"Wir fordern eindringlich dazu auf, sich
mit den Inhalten des Buchs differenziert auseinanderzusetzen, statt bei Vorverurteilungen
stehen zu bleiben", hieß es in einer Stellungnahme des Pendo-Verlages,
der Hermans neuestes Buch verlegt.
(25) "Und auch Herman
selbst entschuldigte sich nach den Medienberichten über die aus ihrer Sicht
aus dem Zusammenhang gerissenen Halbsätze bei denjenigen, deren
Gefühle sie verletzt haben sollte. Ich
habe nichts Verwerfliches gesagt - und nichts Falsches, sagte
sie,
durch die Pervertierung gesellschaftlicher
Werte im Nationalsozialismus wurde das Ansehen der Familie abgeschafft."
(26)
Das Originalzitat und dessen Interpretation durch den Verlag und durch die Autorin
selbst deckt sich jedoch nicht mit früheren Aussagen Hermans: Nachdem das
"Hamburger Abendblatt" nach der Berliner Pressekonferenz in einem Artikel
angedeutet hatte, Eva Herman heiße die Familienpolitik der Nazis gut, fragte
die "Bild am Sonntag" bei der Ex-NDR-Moderatorin nach - und zitierte
sie am 9. September mit folgenden Worten:
"Was ich
zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Werte, die ja auch vor dem Dritten Reich
existiert haben, wie Familie, Kinder, und das Mutterdasein, die auch im Dritten
Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden.
Vieles, was in dieser Zeit hochgehalten wurde, wurde danach abgeschafft."
(26)
Zudem erklärte der NDR, Herman habe im Gespräch ihre in der "Bild
am Sonntag" zitierte Erklärung bestätigt, wonach
"Werte
wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert
wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden".
(27) In dieser Aussage spricht Eva Herman - im Gegensatz zu
dem grammatisch eher undurchsichtigen Originalzitat der Pressekonferenz - eindeutig
davon, dass Werte wie Familie, Kinder und das Mutterdasein auch im Dritten Reich
gefördert worden seien. Jede Beteuerung, dass sie derartiges nie gesagt habe,
scheitert an dieser sogar zunächst von ihr bestätigten Aussage, die
sie jedoch seit Erscheinen des Originalzitates nicht mehr anspricht.
Zuspruch von rechts
Die Teufel die sie rief, wird Eva Herman nun so schnell nicht wieder los:
"Die NPD feiert sie, die DVU will für sie demonstrieren, die konservative
Zentrumspartei will sie als politische Galionsfigur: Die umstrittene Ex-NDR-Moderatorin
Eva Herman kann sich vor kompromittierenden Angeboten aus der rechten Ecke kaum
retten." [...]
"Seit Herman vom NDR wegen umstrittener Äußerungen zur Nazi-Zeit
gefeuert wurde, in denen sie etwa die Wertschätzung
der Mutter während der Hitler-Diktatur lobte, wird die
48-Jährige von Rechtsextremisten gefeiert. Bravo,
Eva,
hieß es schon vor Wochen auf der Internetseite
der NPD. Herman sei für ihre Standhaftigkeit
gegenüber den Meinungsmachern zu bewundern."
(28) Die DVU wollte in Hamburg unter dem Titel "Meinungsfreiheit
für Eva Herman" demonstrieren. Diese wehrte sich juristisch und mit
einer Unterlassungserklärung gegen eine Vereinahmung durch die DVU.
(29)
Eva Herman wurde auch für eine mögliche politische Karriere in einer
rechtsgelagerten Partei umworben.
"Frau Herman ist
unsere Traumkandidatin für die Bürgerschaft. Ihre Stimme darf nicht
verstummen", erklärte der frühere Hamburger Innensenator
und Weggefährte des Rechtspopulisten Ronald Schill, Dirk Nockemann, der inzwischen
an der Spitze der Hamburger Zentrumspartei steht. Herman verkörpere die Werte
seiner "christlich-konservativen Familienpartei" und lasse sich nicht
von der
"Sprach- und Denkpolizei beeindrucken".
(30) Eine Sprecherin von Eva Herman sagte, sie wolle sich nicht
öffentlich zu dem Angebot der Zentrumspartei äußern.
(31)
"Unerträgliche Geschichtsklitterung"
"Frauenpolitikerinnen begrüßten die Entscheidung des NDR. Bei
Eva Herman wünscht man sich selbst als Frauenrechtlerin, sie möge doch
bitte heim an den Herd gehen sagte die Grünen-Fraktionschefin Renate
Künast "Bild.de". Hermans Geschichtsklitterung sei unerträglich.
Die Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, Elke
Ferner, erinnerte an das Schicksal jüdischer Familien und anderer Verfolgter
während der NS-Zeit. Aber auch anderen Frauen wurde
in dieser Zeit der verquasten Mütterideologie das passive Wahlrecht genommen,
sie wurden aus den Universitäten getrieben, erklärte sie.
Hermans Äußerungen hatten auch bei NDR-Gremienmitgliedern für
Entrüstung gesorgt. NDR-Rundfunkrätin Sara-Ruth Schumann, Vorsitzende
der Jüdischen Gemeinde Oldenburg, sagte, von einer intelligenten
Moderatorin erwarte ich, dass sie sauber formuliert. Für jüdische
Mütter und Frauen, die mit jüdischen Männern verheiratet gewesen
seien, habe das damals alles nicht gegolten. Verwaltungsratsmitglied Michael Fürst,
zugleich Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hannover, sagte: Wenn
sie diesen verquasten Unsinn so gesagt hat, spricht das für ein sehr schlichtes
Gemüt und ist historisch unverantwortlich.
Herman dagegen verteidigte ihre Äußerungen und wies eine Rechtslastigkeit
entschieden zurück. Es ist völlig absurd
und bösartig, mich in die rechte Ecke zu stellen, sagte Herman
der "Bild am Sonntag". Sie habe auch in ihrem Buch geschrieben, dass
sie sich von allen links- und rechtsradikalen Gruppen distanziere. Auf Eva Hermans
Website verweist ein Link zur Kampagne Laut gegen Nazis, im Rahmen
derer sich die Autorin mit anderen bekannten Persönlichkeiten in einer Hörbuchreihe
gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus engagiert." (32)
Auftritt beim "Forum deutscher Katholiken"
Am Sonntag, den 7.Oktober 2007 wurde Eva Herman dann für eine Gastrede anlässlich
eines Kongresses des im Jahre 2000 gegründeten "Forums Deutscher Katholiken"
(einer papst- und kirchentreuen Plattform) in Fulda gefeiert. Die rund 700 Besucher
hätten die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin mit tosendem Applaus
bedacht, nachdem diese rund 40 Minuten lang betont hatte, wie wichtig heute Werte
wie Liebe, Familie und Kinder seien.
(33)
"Zudem habe Herman sich über die öffentliche Schelte beschwert,
die sie für ihre Thesen bekommen habe. Herman sagte laut "Bild-Zeitung"
wörtlich: Letztes Jahr hatte ich bereits ordentlich
öffentlichen Gegenwind bekommen für diese Thesen, persönliche Beleidigungen
waren keine Seltenheit. Alles, was nach Familie, nach Glück mit Ehepartnern
und mit Kindern, nach dem weiblichen, dem Männlichen und dem Muttersein klingt,
wird in unserem Land leider auffallend schnell mit Nazi-Parolen in Zusammenhang
gebracht. " (34)
Von den von Herman öffentlich vertretenen Thesen waren Teilnehmer wie Veranstalter
des Kongresses offensichtlich begeistert:
"Wir haben
Eva Herman eingeladen, weil sie aus unserer Sicht zum Thema Erziehung der Familie
das Richtige sagt", erläuterte Hubert Gindert, der Initiator
und Vorsitzende des Forums Deutscher Katholiken, im Gespräch mit SPIEGEL
ONLINE. Kinder müssten mindestens in den ersten drei Jahren von einem Elternteil
betreut werden,
"und es ist nur natürlich,
dass dies die Mutter ist".
(35)
Der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) trat jedoch zuvor als Schirmherr
des Forums zurück, um gegen die Rede der Moderatorin zu protestieren. Über
die genauen Gründe seiner Absage wollte sich das Hessische Wirtschaftsministerium
auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE allerdings nicht äußern.
(35)
"Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland hat sich über Herman
empört. Auslöser war ihre Rede auf dem Fuldaer Katholikenkongress, wo
sie Zuspruch geerntet hatte. Das breite Lob für die wegen ihrer Äußerungen
zu NS-Familienpolitik umstrittenen Ex-Moderatorin bedeute nicht
nur ein Armutszeugnis für die Teilnehmer, sondern auch eine Ohrfeige für
all diejenigen, die sich über 60 Jahre in der Aufarbeitung der Nazi-Diktatur
engagiert haben, sagte Dieter Graumann, der Vizepräsident des
Zentralrats der Juden. Angesichts der hässlichen
Häufung von kritikwürdigen Vorfällen erwartet der
Zentralrat jetzt ein klärendes Wort vom
Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann. Als kritikwürdige
Vorfälle bezeichnete er unter anderem die wirren
Vergleiche des Kölner Kardinals Joachim Meisner mit entarteter Kunst, die
Ausfälle während der Israel-Reise der Bischofskonferenz im Sommer sowie
den jetzigen Vorfall beim Forum Deutscher Katholiken." (35)
Wahrheitsfindung? - Hermans Auftritt bei Kerner
Zwei Tage später, am Dienstag, den 9. Oktober 2007, war Eva Herman in die
ZDF-Talkshow von Johannes B. Kerner eingeladen. Es war ihr erster TV-Auftritt
nach ihrer Entlassung als Moderatorin beim Norddeutschen Rundfunk (NDR). Im Vorfeld
ließ der Sender verlauten, dass über die umstrittenen Äußerungen
bei der Buchvorstellung gesprochen werden sollte.
(36) Weitere
Gäste in der Sendung mit dem Thema "Rollenverteilung von Mann und Frau"
waren die frühere Moderatorin Margarethe Schreinemakers, die sich zuvor bereits
kritisch über Eva Hermans Thesen geäußert hatte, die
"als
frauenbewegt bekannte (so FAZ)" Schauspielerin Senta Berger, und Comedian
Mario Barth.
(36)
Über weite Strecken der Sendung stand vor allem eines im Vordergrund: Die
Klärung der Frage, was Herman, die von J. B. Kerner ein wenig provozierend
als
"Moderatorin, die sich ein wenig verharmlosend
über die Familienpolitik im Dritten Reich geäußert hat"
angekündigt wurde, mit ihrer umstrittenen Aussage bei der Buchvorstellung
Anfang September diesen Jahres eigentlich gemeint hatte.
"Der Tonbandmitschnitt dessen, was sie gesagt hat auf jener ominösen
Pressekonferenz am 6. September in Berlin, wurde den Zuschauern vorgespielt und
anschließend einer erschöpfenden Textkritik unterzogen - viel Ehre
für eine Passage, die, wie Margarethe Schreinemakers zu Recht einwarf, vor
allem durcheinander und kraus ist".
(37) Die Gesprächsrunde blieb auf die Analyse des Zitates,
das auch auf Hermans Homepage zu lesen ist, fixiert; ein Historiker, Professor
Doktor Wolfgang Wippermann von der Freien Universität Berlin, wurde zurate
gezogen, der u.a. über die Familienpolitik während der NS-Diktatur referierte.
Trotz mehrmaliger Nachfragen nahm Herman ihr Zitat nicht zurück, bestand
auch darauf, dabei keinen Fehler begangen zu haben, ebenso wie sie darauf verzichtete,
die Diskussion über den verworrenen Satz damit zu beenden, dass sie die zumindest
mögliche Missverständlichkeit einräumte.
"Kerners weitere Talk-Gäste Senta Berger, Mario Barth und Margarethe
Schreinemakers zeigten sich während der Sendung immer wieder fassungslos
angesichts der Äußerungen Hermans. Das
kann nicht sein, was du hier sagst, kommentierte etwa Schreinemakers.
Bislang habe sie immer gedacht, Herman habe sich nur missverständlich geäußert.
Du hast bis jetzt nicht gesagt, die Äußerung
ist wirklich kacke gewesen, warf Komiker Barth Herman mit drastischen
Worten vor. Das ist unerträglich,
meinte Schreinemakers an einer anderen Stelle. Das
ist auch für mich nicht leicht zu ertragen, fügte Gastgeber
Kerner hinzu." (38)
Möglicher Grund für ihre Beteuerung, nichts falsch gemacht zu haben,
und ihre Weigerung, anzuerkennen, dass ihre Aussagen zumindest missverständlich
formuliert waren, wären vielleicht ihre sich dadurch möglicherweise
verschlechternden Aussichten im Prozess gegen den NDR
(39) oder
die Befürchtung Anhänger damit zu enttäuschen.
Ohne auf das Zitat einzugehen, stellte sie jedoch m. E. deutlich heraus, was
sie hatte sagen wollen, was eine weitere Diskussion zumindest über das
- ob von ihr zugegeben oder nicht - augenscheinlich sehr missglückte Zitat
zum Zwecke der Ansichtsfindung eigentlich überflüssig macht:
Sie bezieht sich auf "Werte" (im Punkte Familienbild), die in der
Gesellschaft vor, während und nach dem Dritten Reich vorhanden gewesen
sein sollen, jedoch von "den 68-ern" abgeschafft worden seien; der
Grund für die Abschaffung dieser "Werte" liegt ihrer Ansicht
nach offensichtlich darin, dass während des Dritten Reiches diese "Werte"
(vermutlich von der Politik / vom Staat) missbraucht wurden und deswegen von
"den 68-ern" zusammen mit zahlreichen NS-Überbleibseln "abgeschafft"
wurden:
Herman:
"Also noch mal, das Original zeigt ja ganz
klar, dass ich von den Werten, von den Werten sprach, die wir, also wir Menschen,
schon vor dem Dritten Reich, während des Dritten Reichs und auch bei den
68ern hatten, die dann abgeschafft wurden. Ich sprach nicht von der Politik des
Dritten Reiches, sondern ich sprach von den Werten der Menschen."
Herman:
"Ja, weil ich hab, Moment Johannes, ich
hab ja vorher gesagt, wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland
auch wieder wertschätzen lernen, das ja leider mit dem Nationalsozialismus
und den 68ern abgeschafft wurde. Das heißt, was vorher schon bestanden hat."
(40)
In diesem ihren Denksystem erscheint es logisch, die NS-Zeit anzusprechen,
weil der in dieser Zeit betriebene Missbrauch der von ihr für wesentlich
erachteten "Werte" mit der Folge der Abschaffung dieser Werte (bezüglich
Familie etc.) durch die "68-er" die Ursachen für die gesellschaftliche
Fehlentwicklung darstellen, deren Ausdruck der "Werte"-Verlust oder
Verfall in unserer heutigen Gesellschaft ist:
Kerner:
"[...] Warum sagst du nicht, dass es ein
Fehler war, überhaupt diesen NS-Vergleich in einer welchen, in welcher Form
auch immer, in einer solchen Pressekonferenz, in der es darum geht ein Buch vorzustellen,
zu erwähnen."
Herman:
"Ich habe es gerade gesagt, wir haben über
die Ursachen gesprochen, die Frage ist gestellt worden, warum haben wir Probleme
mit den Werten, warum zerfällt unsere Gesellschaft? Warum haben wir viele
Scheidungen? Warum haben wir kaum noch Familien, die zusammen finden und bestehen
bleiben können?"
Kerner:
"Und warum muss man Vergleiche, mit den
NS-Zeiten Vergleiche machen?"
Herman:
"Gerade noch mal, wenn man die Ursachen
sucht, findet man sie doch hier. Hier sind die Dinge, genau diese Dinge missbraucht
worden, und danach dadurch für unbrauchbar erklärt worden."
(40)
Nichtsdestotrotz stehen ihre bekundeten Ansichten in Widerspruch zu ihrem in
der Bildzeitung geäußerten - und auf Nachfrage bestätigten -
Ausspruch, den sie bislang nicht zurücknahm, jedoch auch nicht wiederholte,
dass nämlich Werte wie Familie und Kinder und das Muttersein, auch im Dritten
Reich gefördert worden seien. Diese im Raum stehende Aussage, welche am
9. September die "Bild am Sonntag" zitierte, wurde in einer breiten
Mediendiskussion zur Familienpolitik und Mutterrolle in der NS-Zeit zu recht
kritisiert, in Kerners Sendung scheint jedoch unter den Diskussionsteilnehmern
nur der Historiker das Zitat gekannt zu haben...
Wippermann:
"Sie haben es gesagt und auch in diesen
Sachen. Sie haben die Werte gelobt. Werte wie Familie und Kinder und das Muttersein,
die auch im 3. Reich gefördert wurden. Das ist ihr Zitat und das ist falsch.
Das muss man einfach sagen. Das ist falsch. Ich wollte ihnen eine Brücke
bauen, zu sagen: Ich wollte ja nur das konservative Ideal verteidigen.
Und sie wollten sich distanzieren von diesem rassistischen Frauenideal und von
der Frauenpolitik." (40)
In der Pressediskussion wurde diese Äußerung zu recht ebenfalls
verrissen, an das Schicksal sog. "nicht-arischer", und ansonsten nicht
systemkonformer Frauen und Familien, wie auch an die Gründe für die
damalige "Wertschätzung" der Mütter wurde erinnert.
Herman beklagt sich, und bekräftigte dies auch in Kerners Sendung nochmals,
man könne nicht mehr für Werte wie Familie und Kinder eintreten, ohne
in ein rechtes Licht gerückt zu werden.
"Letztes
Jahr hatte ich bereits ordentlich öffentlichen Gegenwind bekommen für
diese Thesen, persönliche Beleidigungen waren keine Seltenheit. Alles, was
nach Familie, nach Glück mit Ehepartnern und mit Kindern, nach dem Weiblichen,
dem Männlichen und dem Muttersein klingt, wird in unserem Land leider auffallend
schnell mit Nazi-Parolen in Zusammenhang gebracht", so Eva Herman
bei ihrer Rede in Fulda (laut "Bild").
(41) Doch ihre
bestenfalls missverständlich ausgedrückten Aussagen über die Wertschätzung
der Werte Familien, Mütter und Kinder im Dritten Reich hatten einen nicht
unerheblichen Anteil an einer Verbindung ihrer Thesen mit derartigem Gedankengut.
Hierzu auch ein Kommentar aus der FAZ:
"Doch welchen Anlass hätte
ein Autor, sich bei der Präsentation seines Buches mehrfach unaufgefordert
vom Dritten Reich zu distanzieren, wenn er nicht genau wüsste, dass er mit
dem Feuer spielt?" (42)
Es kam mancherorts jedoch tatsächlich auch eine Diskussion in Gang über
unseren Umgang mit unserer Geschichte. Henryk M. Broder z. B. sah in Kerners Sendung
eine Lehrstunde über den Zustand der deutschen Debatte über das Dritte
Reich.
(43)
Es scheint, dass sich Eva Herman als das Opfer der Berichterstattung in den Medien
sieht, die mit verkürzten Zitaten die Öffentlichkeit falsch informiert
hätten und von denen auch die nicht verstummenden Vorwürfe stammten,
die ihr nationalsozialistisches Gedankengut unterstellten, wogegen sie sich nun
ständig zur Wehr setzten muss. Es erscheint nicht ganz unverständlich,
wenn Herman der Presse vorwirft, oft Sätze aus dem Sinnzusammenhang zu reißen
und dadurch die Tatsachen zu verdrehen.
"Ich
habe gelernt, dass das, was in der Presse berichtet wird, häufig nicht stimmt,
so Hermann. Dennoch: Die wiederholte Frage, ob sie mit ihrer umstrittenen Aussage
einen Fehler gemacht habe, wollte sie nicht bejahen. Herman zeigte sich gegenüber
Kerners penetrantem Nachhaken erstaunlich resistent. Sie sei oft missverstanden
worden, aber sich selbst gab sie nicht die Schuld daran." (44)
Augenscheinlich gefällt es Herman jedoch in ihrer Opferrolle, in die sie
sich auch selbst hineinstilisiert, wenn sie immer wieder betont, wegen ihres
Einsatzes für Kinder und Familie Angriffen, auch persönlichen, ausgesetzt
zu sein, ihren Job verloren zu haben, sich davon aber nicht abhalten ließe,
für die ihrer Meinung nach richtige Sache zu streiten.
Dennoch entstand im Umkreis der Vorfälle um Eva Herman und ihre Äußerungen
in dieser Richtung auch eine Diskussion über Meinungsfreiheit und den Einfluss
der Presse bei der gesellschaftlichen Meinungsbildung. Auch dies kam in Kerners
Sendung zur Sprache:
Kerner:
"Du hast Dich darüber beschwert und
die Formulierung war über die gleichgeschaltete Presse in dieser
Angelegenheit."
Herman:
"Ja."
Kerner:
"Das ist keine glückliche Wortwahl.
Weil auch dieses Wort kommt aus dem Dritten Reich wie uns der Historiker sagen
kann."
Herman:
"Ja, aber das hatte ja der Spiegel dann
auch gleich in seiner Online-Ausgabe aufgegriffen und daraufhin musste man nur
mal googeln in welchem Zusammenhang alleine der Spiegel diesen Begriff benutzt
hat und man wird fündig in mehreren Zusammenhängen."
(45)
Dieser Begriff, der tatsächlich heutzutage in einer ganz anderen Bedeutung
gebräuchlich ist, als im Dritten Reich - und in diesem Sinne auch von Eva
Herman benutzt wurde - war Anlass für den Spiegel einen Artikel mit
"Herman
wehrt sich gegen Medien - mit NS-Begriffen" zu betiteln, ungeachtet der
Tatsache, dass in mehreren Spiegelartikeln mit ganz anderen Themen das Wort "gleichgeschaltet"
ohne schlechtes Gewissen beiläufig verwendet wird.
(46)
Diese Spitzfindigkeiten konterte Eva Herman in Kerners Sendung wiederum mit einem
provozierenden Vergleich, den die um neue Schlagzeilen dankbare Presse prompt
aufgriff:
Herman:
"Natürlich ist er [Anm.: der Begriff
Gleichschaltung] da [Anm.: in der Zeitschrift Spiegel]
benutzt worden. Aber es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren
heute drauf." (47)
Nach etwa 50 Minuten verabschiedete J. B. Kerner dann Eva Herman aus seiner Sendung,
nachdem man an einem Punkt angelangt schien, an dem es in der Diskussion nicht
mehr weiterging, sich die anderen Gäste nicht auf andere Diskussionsthemen
umlenken ließen und Berger und Schreinemakers aus Protest gegen Hermans
Vorwürfe bzw. wegen einer Diskussion, auf die sie sich nicht vorbereitet
genug fühlte, gehen wollten.
"Zurück blieb eine lahme Gesprächsrunde
und ein Moderator, der sich im guten Gefühl der eigenen Political Correctness
sonnen konnte." (48)
In der Presse wurde dieser mit großem Interesse bedachten Sendung Kerners
und der dortige Umgang mit Eva Herman unterschiedlich bewertet. Der Tenor schwankte
dabei zwischen Vorführung einer schon von vorneherein Abgeurteilten
(49)
und ernsthaftem Versuch der Auseinandersetzung, in dessen Verlauf immer wieder
versucht wurde, Eva Herman "Brücken" zu bauen, so dass sie sich
erklären und die Missverständnisse rund um ihre Aussagen ausräumen
konnte, die sie nicht annahm. Die Beurteilung der Art der Auseinandersetzung mit
Hermans Thesen in der Sendung (
"unergiebige Debatte um verdrehte Worte
und Tonbandmitschnitte" (50)) füllte ebenso die
Schlagzeilen wie die Behandlung der Frage nach der Meinungsfreiheit und der Rolle
der Presse und der Medien bei der gesellschaftlichen Meinungsbildung.
Viel Kritik ernteten von der Presse ausgerechnet die Medien der öffentlichen
Information und Meinungsbildung: Es
"war ein fragwürdiger Triumph
des Moderators über eine angeschlagene Gegnerin, die nicht klug genug war,
sich diesen Auftritt zu ersparen. Ob gewollt oder nicht: Spätestens jetzt
ist Eva Herman zur Märtyrerin all jener geworden, die überzeugt davon
sind, dass es in diesem Land kein Recht auf freie Rede gäbe", urteilte
die FAZ
(50).
Drastischere Worte fand man in der Westfälischen Rundschau:
"So weit
ist es gekommen: Jetzt muss man schon Eva Herman verteidigen. Warum? Weil die
Heuchelei, die Sensationsgier und die sinnentleerte Ritualisierung einer vorgeblichen
politischen Korrektheit auch beim besten Willen nicht mehr zu ertragen sind. Weil
der Umgang mit einer schriftstellernden Fernsehansagerin beispielhaft den Zynismus
offen legt, mit der die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland
professionalisiert worden ist. Dass sie die Empörungsmaschinerie trotzdem
so stabil auf hohen Touren hält, sagt mehr über die Empörten aus
als über Herman. Über einen Talkmaster, der mit einem gezielten Eklat
seine Einschaltquote pflegt. Über ein Boulevardblatt, das vorne über
Herman geifert und hinten historische "Liebesbriefe an den Führer"
druckt. Über drittklassige Prominente, die sich mit entrüstetem Geplapper
als Gutmenschen gerieren und abends wieder reinen Gewissens obszönes Trash-TV
auf Kosten von Minderheiten und Minderbemittelten veranstalten dürfen. Deshalb
ist der Fall Herman so ärgerlich: Weil solche Rituale immer öfter an
die Stelle einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem noch heute verbreiteten
Nazi-Gedankengut treten. Weil sie den grundfalschen Eindruck vermitteln, dass
es Wahrheiten gebe, die man nur aus Gründen der politischen Korrektheit nicht
sagen dürfe." (51)
Wie schon bei ihren Aussagen hat Eva Herman eigenen Angaben zufolge wieder mal
keinen Fehler begangen, sondern
"machte Johannes B. Kerner für den
Eklat in seiner Talkshow verantwortlich. Der Moderator sei einfach überfordert
gewesen, als er das Gespräch mit ihr vorzeitig beendete, behauptet die frühere
"Tagesschau"-Sprecherin. Vor dem Rauswurf durch Kerner habe sie die
ganze Zeit vorher überlegt, ob ich selbst das Studio verlasse,
behauptet Herman in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. Aber
ich befürchtete den Vorwurf, dass ich ausweichen oder mich nicht stellen
würde, wird die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin
zitiert." (52) "Eine Rückkehr ins Fernsehen
strebe sie zunächst nicht an. Dagegen werde sie ganz
sicher ein weiteres Buch schreiben. Über den Inhalt wolle sie
noch nicht sprechen. Aber es wird ganz sicher interessant."
(52)
Eine inhaltliche Diskussion über die von E. Herman mittlerweile nun in
mehreren Büchern vertretenen Ansichten jedoch kam sowohl in Kerners Sendung
als auch in der medialen Nachdiskussion nur ansatzweise zustande.
Was letztlich übrig bleibt, ist wohl eine Sendung, die man wohl so schnell
nicht vergessen wird, und die Medienpräsenz Eva Hermans, die für die
Verkaufszahlen ihrer Bücher nicht gerade ungünstig ist. Die vorzeitige
Verabschiedung von Eva Herman aus Kerners Sendung wurde in den Medien als Eklat
oder Skandal gefeiert, der dem Talk-Master Traumquoten brachte. Mit einem Marktanteil
von 18,1 Prozent und 2,65 Millionen Zuschauern (laut Media Control) erzielte die
Sendung von J. B. Kerner die höchsten Einschaltquoten in diesem Jahr.
(53)
Nachtrag
Jenseits von allen berechtigten Diskussionen um den Zustand unserer Gesellschaft
und die Suche nach Lösungen zu Problemen wie Familie und die Situation
der Kinder, sprach die Buchautorin und "SWR"-Moderatorin Thea Dorn
in einem Kommentar im Spiegel (vom 9. September 2007) (54) die Problematik von
Eva Hermans grundsätzlicher Vorgehens- und Argumentationsweise zynisch
überspitzt an:
Sie fragte sich dort, warum die Verantwortlichen beim NDR die publizistisch-rhetorischen
Umtriebe ihrer Talk- und Quizshow-Moderatorin so geduldig mit angeschaut hätten.
"Denn bereits Eva Hermans medial hochgejazzter Bestseller vom letzten
Herbst, Das
Eva-Prinzip, hätte genug Anlass geboten, daran zu zweifeln, dass
sich seine Autorin noch im ideellen Raum einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung
bewegt." Ein öffentlich-rechtlicher Sender wie der NDR sollte sich
"ernsthafte Sorgen machen, wenn eins seiner prominentesten Gesichter
damit beginnt, solche Hasstiraden gegen den neuzeitlichen Individualismus anzustimmen,
wie sie sich durch das gesamte
Eva-Prinzip
ziehen." Zugespitzt wirft Dorn Herman vor:
"Wer als Glücksrezept
propagiert, sich von der gefährlichen Vorstellung zu verabschieden,
sein Leben in eigener Regie gestalten zu müssen, und stattdessen empfiehlt,
sich in die schöpfungsgewollte Aufteilung der Geschlechterrollen
zu fügen mit dem angenehmen Ergebnis, dass dann viele Entscheidungen
wesentlich einfacher werden, weil sie vorgezeichnet sind, will
keine freiheitliche, sondern eine im Kern totalitäre Gesellschaft."
[...] "Zwar konnte man im letzten Herbst kaum eine Zeitung, kaum ein Magazin
aufschlagen, ohne einen hämischen bis vernichtenden Kommentar zu Eva H. zu
lesen: Auf den anti-freiheitlichen, totalitären Kern des Eva-Prinzips
jedoch haben nur die Allerwenigsten hingewiesen. Die schlichteste Erklärung
für dieses Versäumnis mag lauten: Kaum einer hat das Buch tatsächlich
gelesen. Die Frage, warum dann trotzdem alle meinten, darüber berichten zu
müssen, offenbart eine der Tücken des sich immer schneller drehenden
Medienkarussells: Wer nicht - oder zu spät - darüber berichtet, worüber
alle berichten, fliegt vom Pferdchen." (54)
Ein eigener Kommentar
Themen wie Familien, die Probleme, die in unserer Gesellschaft damit verbunden
sind, Kinder zu bekommen (55), wie auch die noch immer nicht völlige Gleichstellung
von Frau und Mann, insbesondere im Berufsleben, sind es wert auf breiter Ebene
diskutiert zu werden. Ob Eva Herman hierzu jedoch einen Beitrag leistet, bleibt
m. E. fraglich. Denn nicht um konstruktive Vorschläge in der kritischen
Auseinandersetzung mit derartigen Problemen und um eine Diskussion über
Lösungsvorschläge geht es ihr, stattdessen rüttelt Eva Herman
mit den von ihr vertretenen Thesen am heute zum Glück zumindest ideell
herrschenden Konsens von der Gleichbehandlung von Mann und Frau und der Freiheit
bei der Wahl einer individuellen Lebensgestaltung. Die von ihr - konsequent
zu Ende gedacht - zu fordernde Umgestaltung unserer Gesellschaft wird - hoffentlich
- in der notwendigen Diskussion um die tatsächlichen Probleme der Gesellschaft
und bei deren Lösung keine ernsthafte Rolle spielen.
In manchen von Eva Herman (aber natürlich auch von anderen) angesprochenen
Punkten ist ihr m.E. Recht zu geben: Es ist ungerecht, dass Frauen, die sich
für eine sog. "traditionelle Mutterrolle" entscheiden, heutzutage
oftmals wenig angesehen sind; ihre Entscheidung ist weder verwerflich, noch
ablehnenswert. Es ist heutzutage noch immer keine völlige Gleichstellung
der Frauen mit den Männern im Berufsleben erreicht und es ist auch noch
nicht wirklich selbstverständlich, sich als Mann ganz für eine häusliche
Rolle zu entscheiden. Die Schlussfolgerungen, die Eva Herman hieraus jedoch
zieht und pauschal für die Allgemeinheit einfordert, kann ich jedoch in
keiner Weise teilen. Als Frau, die an die Freiheit des Einzelnen und das Recht
jedes Einzelnen auf Glück und freie Wahl der Lebensgestaltung glaubt, denke
ich:
Wer sich ganz für eine häusliche Rolle entscheidet, wer sich ganz
für Karriere und Verwirklichung in der Arbeitswelt entscheidet, wer sich
für beides entscheidet und hierbei - in glücklichem Falle - seine
Aufgaben mit einem Partner teilt, soll das Recht dazu haben, und dies sollte
m.E. gelten für Frau und Mann.
©
Semiramis
Diskussion im Forum: Eva Herman und die Nazis
______
(1) Wikipedia,
Stichwort "Eva Herman" ; "Tietjen
distanziert sich von Herman" (stern, 9. Sept. 2007)
(2) Wikipedia,
Stichwort "Eva Herman"
(3) "Verlag
zieht Eva Hermans umstrittenes Buch vor" (Dorit Koch/ DPA, 24. Aug. 2006):
; "Die
Emanzipation - ein Irrtum?" (Eva Herman)
(4) "Die Emanzipation
- ein Irrtum?" (Eva Herman)
(5) "Verlag
zieht Eva Hermans umstrittenes Buch vor" (Dorit Koch/ DPA, 24. Aug. 2006)
(6) Wikipedia,
Stichwort "Eva Herman"
(7) "Umstrittenes
Buch. Eva Hermans Kreuz mit den Müttern" (focus, Jochen Krauß)
(8) "Update
in Sachen Geschlechterpolitik. Alice Schwarzer: "Die Antwort""
(Rez. v. Catherine Newmark, 5. Juni 2007)
(9) Alice
Schwarzer: Die Antwort (Klappentext); "Bei Alice Schwarzer kommen Männer
gut weg" (Freia Peters, 27. Mai 2007)
(10) Wikipedia,
Stichwort "Eva Herman"
(11) Désirée Nick, Eva go home. Eine Streitschrift.
(12) ""Sie
ist eine Wiederholungstäterin". Désirée Nick über
Eva Herman" (Björn Erichsen, 11. Sept. 2007)
(13) Désirée Nick, Eva go home. Eine Streitschrift.
(14) "Katholiken
bejubeln Eva Herman" (Kölner Stadtanzeiger, 9. Okt. 2007)
(15) "Tietjen
distanziert sich von Herman" (stern, 9. Sept. 2007)
(16) Eva Herman, Das Prinzip Arche Noah. Warum wir die Familie retten müssen.
(17) "Frauenrechtlerinnen
begrüßen Hermans NDR-Rauswurf" (spiegel online, 9. Sept. 2007)
(18) "Eva
Herman stellt sich den Fragen von Johannes B. Kerner" (Kölner Stadtanzeiger,
9. Okt. 2007);
"Frauenrechtlerinnen
begrüßen Hermans NDR-Rauswurf" (spiegel online, 9. Sept. 2007);
"Katholiken
bejubeln Eva Herman" (Kölner Stadtanzeiger, 9. Okt. 2007);
"Reaktionen
auf Hermans Entlassung. Schelte von Tietjen, Hilfe vom Verlag" (spiegel
online, 10. Sept. 2007)
(19) "NDR
feuert Eva Herman" (spiegel online, 9. Sept. 2007)
(20) "NDR
feuert Eva Herman" (spiegel online, 9. Sept. 2007); "Reaktionen
auf Hermans Entlassung. Schelte von Tietjen, Hilfe vom Verlag" (spiegel
online, 10. Sept. 2007)
(21) "Reaktionen
auf Hermans Entlassung. Schelte von Tietjen, Hilfe vom Verlag" (spiegel
online, 10. Sept. 2007)
(22) "NDR
feuert Eva Herman" (spiegel online, 9. Sept. 2007)
(23) "Eva
Herman verklagt den NDR" (Welt, 10. Okt. 2007); "Kerner
schließt Eva Herman aus Sendung aus" (10. Okt. 2007)
(24) "Mütter
unter Hitler. Herman widerspricht sich selbst" (spiegel online, 27. Sept.
2007)
(25) "Reaktionen
auf Hermans Entlassung. Schelte von Tietjen, Hilfe vom Verlag" (spiegel
online, 10. Sept. 2007)
(26) "Mütter
unter Hitler. Herman widerspricht sich selbst" (spiegel online, 27. Sept.
2007)
(27) "Frauenrechtlerinnen
begrüßen Hermans NDR-Rauswurf" (spiegel online, 9. Sept. 2007)
(28) "Rechtsparteien
buhlen um ihre Traumfrau" (spiegel online, 11. Okt. 2007)
(29) "Ex-Politiker
der Schill-Partei will Eva Herman" (Welt, 10. Okt. 2007); "Rechtsparteien
buhlen um ihre Traumfrau" (spiegel online, 11. Okt. 2007)
(30) "Rechtsparteien
buhlen um ihre Traumfrau" (spiegel online, 11. Okt. 2007)
(31) "Ex-Politiker
der Schill-Partei will Eva Herman" (Welt, 10. Okt. 2007)
(32) "Frauenrechtlerinnen
begrüßen Hermans NDR-Rauswurf" (spiegel online, 9. Sept. 2007)
(33) "Kerner
wirft Eva Herman aus seiner Sendung" (spiegel online, 10. Okt. 2007);
"Rausschmiss
bei Kerner. Wie Eva Herman den Fernsehtod starb" (Jörg Thomann,
FAZ, 10. Okt. 2007)
(34) "Katholiken
bejubeln Eva Herman" (Kölner Stadtanzeiger, 9. Okt. 2007)
(35) "Kerner
wirft Eva Herman aus seiner Sendung" (spiegel online, 10. Okt. 2007)
(36) Anfang September war Herman bereits von J. B. Kerner in seine Sendung eingeladen
worden, um dort ihr neues Buch vorzustellen, auf Drängen des Senders (ZDF)
wurde sie damals jedoch wieder aus der Sendung ausgeladen.
"Eva
Herman stellt sich den Fragen von Johannes B. Kerner" (Kölner Stadtanzeiger,
9. Okt. 2007); "Rausschmiss
bei Kerner. Wie Eva Herman den Fernsehtod starb" (Jörg Thomann,
FAZ, 10. Okt. 2007)
(37) "Rausschmiss
bei Kerner. Wie Eva Herman den Fernsehtod starb" (Jörg Thomann,
FAZ, 10. Okt. 2007)
(38) "Kerner
wirft Eva Herman aus seiner Sendung" (spiegel online, 10. Okt. 2007)
(39) "Rausschmiss
bei Kerner. Wie Eva Herman den Fernsehtod starb" (Jörg Thomann,
FAZ, 10. Okt. 2007)
(40) "Eva Hermans Auftritt bei Kerner im Wortlaut" (Welt, 10. Okt. 2007):
(Eva_Hermans_Auftritt_bei_Kerner_im_Wortlaut_1.html)
u. (Eva_Hermans_Auftritt_bei_Kerner_im_Wortlaut_2.html)
(41) "Katholiken
bejubeln Eva Herman" (Kölner Stadtanzeiger, 9. Okt. 2007)
(42) "Rausschmiss
bei Kerner. Wie Eva Herman den Fernsehtod starb" (Jörg Thomann,
FAZ, 10. Okt. 2007)
(43) "Der
programmierte Eklat" (spiegel online, 10. Okt. 2007)
(44) "Eva
und die Autobahn" (taz, 10. Okt. 2007)
(45) "Eva Hermans Auftritt bei Kerner im Wortlaut" (Welt, 10. Okt. 2007):
(Eva_Hermans_Auftritt_bei_Kerner_im_Wortlaut_1.html)
u. (Eva_Hermans_Auftritt_bei_Kerner_im_Wortlaut_2.html)
(46) worauf hives schon in seinem Beitrag im Thread "Eva
Herman und die Nazis", S. 10 hinweist.
(47) "Eva Hermans Auftritt bei Kerner im Wortlaut" (Welt, 10. Okt. 2007):
(Eva_Hermans_Auftritt_bei_Kerner_im_Wortlaut_1.html)
u. (Eva_Hermans_Auftritt_bei_Kerner_im_Wortlaut_2.html)
(48) "Eva
und die Autobahn" (taz, 10. Okt. 2007)
(49) "Der
programmierte Eklat" (spiegel online, 10. Okt. 2007)
(50) "Rausschmiss
bei Kerner. Wie Eva Herman den Fernsehtod starb" (Jörg Thomann,
FAZ, 10. Okt. 2007)
(51) "Westfälische
Rundschau: Kommentar Eva Hermann" (Westfälische Rundschau, 10. Okt.
2007)
(52) ""ER
WAR EINFACH ÜBERFORDERT". Eva Herman attackiert Kerner" (spiegel
online, 16. Okt. 2007)
(53) "Eva
und die Autobahn" (taz, 10. Okt. 2007); "Rausschmiss
bei Kerner. Wie Eva Herman den Fernsehtod starb" (Jörg Thomann,
FAZ, 10. Okt. 2007); dpa
(54) "NDR
FEUERT EVA HERMAN. Endlich Zeit für Apfelkuchen" (spiegel online,
9. Sept. 2007)
(55) Ganz anschaulich:
Susanne Gaschke, Die Emanzipationsfalle. Karriere oder Kinder? Warum wir neue
Rollenbilder brauchen (München 2006);
Angela Voß, Ein Baby - jetzt, später oder nie? Das Dilemma der flexiblen
Frau (Hamburg 2004)
Silke Lambeck / Regine Zylka, Das große Jein. Zwanzig Frauen reden über
die Kinderfrage, Berlin 2006