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Enzyklopädia Coniurationis
Osama bin Laden

Osama bin Laden wurde 1957 als Sohn einer syrischen Mutter und eines jemenitischen Vaters geboren. Er ist das 17. von 52 Kindern des Bauunternehmers Muhammad bin Laden, der enge Kontakte zum damaligen saudischen König Faisal pflegte.

Der Vater Muhammad soll um 1930 aus dem südjemenitischen Hadramout nach Saudi-Arabien gekommen sein und gründete dort irgendwann ein Bauunternehmen. Die engen Verbindungen zum Königshaus begünstigten den raschen Aufstieg der Familie bin Laden zum Milliardenschweren Clan. Denn durch diese Verbindungen war es Muhammad bin Laden möglich mit seinen Angeboten für die königlichen Paläste weit unter denen der Konkurrenz zu bleiben. 1964 erließ das Königshaus ein Dekret, nachdem die Firma bin Ladens alleiniger Auftragnehmer des Königshauses wurde.

Muhammad bin Laden starb 1970, Osama war damals 13 Jahre alt. Der nach islamischer Tradition früh zur Selbstständigkeit, zu Selbstbewusstsein und zur Religiosität erzogene Osama heiratete 4 Jahre später ein syrisches Mädchen namens Nadschwan Ibrahim Ghanim und zeugte mit ihr im Laufe der Ehe 11 Kinder. Zur damaligen Zeit studierte er Verwaltungswissenschaften in Jiddah und erhielt 1981 sein Abschlussdiplom. (Andere Quellen geben an, dass er Wirtschaftswissenschaften, Betriebsmanagement und wahrscheinlich Civil Engineering, also Bauingenieur-Wesen studierte.)

Während des "Hajj", der "Großen Pilgerfahrt" eines Muslim nach Mekka (als "Fünfte Säule" des praktizierten Islam bezeichnet), gewährten Osama und seine älteren Brüder zahlreichen Pilgern aus aller Welt, darunter vielen einflussreichen islamischen Geistlichen Unterkunft und Betreuung. Dadurch hatte Osama stets viele multinationale Vertreter seines Glaubens um sich.

Während seiner Studienzeit trat er der "Muslim Brotherhood" bei, was unter anderem seine erstklassigen Kontakte außerhalb islamischer Kernländer erklärt. An der Universität von Jiddah hatte Osama außerdem zwei sehr einflussreiche Lehrer: den Islamwissenschaftler Abdullah Azzam, der später in Afghanistan eine bedeutende Rolle spielen sollte, und den berühmten islamischen Philosophen und Schriftsteller Mohammad Quttub.

Ca. 1 Jahr nachdem er sein Abschlussdiplom erhalten hatte, also 1982, entschloss sich bin Laden direkt nach Afghanistan zugehen, um den islamischen Freiheitskampf gegen die kommunistischen Besatzer zu unterstützen. Er brachte eine große Zahl von Baumaschinen, unter anderem die zur Abwehrlogistik benötigten Bulldozer und ähnliches Gerät, ins Land.

Zur gleichen Zeit baute der Widerstandskämpfer und enge Vertraute bin Ladens, Abdullah Azzam, ein Service-Büro für den "Jihad" gegen die UdSSR auf, dass vor allem für PR-Zwecke und Nachrichten zuständig war. Durch dieses Büro und die aktive Unterstützung durch bin Laden erreichten diese beiden, vom Westen begrüßten, Kämpfer einen verstärkten Zustrom von Freiwilligen aus islamischen Ländern. Zu erwähnen sei allerdings, dass Osama bin Laden es zu diesem Zeitpunkt scheinbar vermied aktiv in Kämpfe verwickelt zu werden.

1986 entschied bin Laden sich dafür, innerhalb des afghanischen Territoriums, eigene Widerstands-Camps zu errichten und zu unterhalten. Bis zum Jahre 1988 entstanden mehr als sechs solcher Camps und Osama begann nun seinen eigenen Krieg mit vom ihm gewählten Zielen und in von ihm geführten Gefechten zu führen. Insgesamt führte er von 1984 bis 1989 hunderte kleinerer und mindestens fünf größere Gefechte an oder war an solchen beteiligt. Er verbrachte in diesen Jahren den überwiegenden Teil seiner Zeit in Afghanistan, mit Heimataufenthalten in Saudi-Arabien von zusammen genommen höchstens vier Monaten pro Jahr.

Nachdem sich die UdSSR aus Afghanistan zurückgezogen hatte, ohne einen Sieg errungen zu haben, organisierte Osama bin Laden seine sechs oder sieben dort und im Nordwesten Pakistans stehenden Widerstandsgruppen um. Diese bei den Mujahidin in der Gesamtheit als "Al-Qa´edah" (alternative Schreibweise: "Al Qaida") bekannten Lager und Stützpunkte sollten mit verbesserter Kommunikationsstruktur auch auf sich selbst gestützt ohne ihn funktionsfähig bleiben konnten.

Ende 1989 kehrte bin Laden schließlich auf offiziellem Wege nach Saudi-Arabien zurück, wo ihm zunächst erstmal die Wiederausreise untersagt und der Reisepass entzogen wurde. Grund hierfür waren wohl die nach dem Ende der afghanischen Besetzung gemachten antiamerikanischen Äußerungen bin Ladens, die der mittlerweile den USA zugetanen Königsfamilie ein Dorn im Auge waren. Zudem fürchteten sich die saudischen Machthaber vor einem Engagement bin Ladens im seit spätestens 1970 als "Volksrepublik" kommunistisch regierten und von der UdSSR "künstlich beatmeten" Jemen. Osama, der gerade "den Feind" an der einen Front in Afghanistan "nach Hause" gekämpft hatte, war vermutlich seit längerer Zeit an der Fortsetzung resp. Ausweitung des Widerstandes gegen die Sowjets im Jemen interessiert. Dies war nicht Sinne der Saudis, die seit 1982 laufenden Verhandlungen über die Wiedervereinigung beider Teile des Jemen - natürlich unter Federführung des saudinahen aber kleineren "Nord", eigentlich "West" -Jemen - zu einem bevorstehenden Ende bringen wollten

Osama bin Laden unterwirft sich in der Folgezeit trotz oder gerade wegen des Reiseverbots den Auflagen der Saudis, sich bedeckt zu halten. Erstaunlich auch, dass Osama bin Laden zum damaligen Zeitpunkt, also Ende 1989 vor einer bevorstehenden Invasion Kuwaits durch den von Saddam Hussein diktatorisch regierten Irak warnte - Wochen bevor dies geschah.
Die "Einmischung" der USA in diesen, aus Sicht von Osama bin Laden, inner-islamischen Konflikt und die Stationierung bewaffneter Ungläubiger in der Nähe der allerheiligsten Stätten des Islam, Mekka und Medina, verstärkte die antiamerikanische Haltung bin Ladens.

Direkt nach dem Überfall wandte sich bin Laden, der aus Sicht der saudischen Behörden zum "Underdog" und "Störenfried" geworden war, noch einmal ans saudische Königshaus und legte einen Abwehrplan vor, der diesen "innerarabische" Konflikt "innerarabisch" lösen sollte. Bei dieser Gelegenheit hatte bin Laden auch ein Engagement seiner in Afghanistan aufgebauten Gruppen angeboten. Die Reaktionen gegenüber "diesem siebten Sohn eines zugereisten und schon seit Jahren toten Bauunternehmers" waren sehr zurückhaltend. Die nun folgende Entwicklung, die aus der immer mehr herauskristallisierenden pro-amerikanischen Haltung des saudischen Königshauses und der Stationierung westlicher und durch die USA geführten Soldaten in der Nähe der Städte Medina und Mekka bestand, stellt den Beginn der offenen Feindschaft bin Ladens zu den USA dar.

Denn für eine Durchschnitts-Muslim ist allein die Nachbarschaft ihres Allerheiligsten mit "Ungläubigen" ein undenkbarer Affront, für puristisch denkende Muslime ein Schlag ins Gesicht, für radikale Islamisten eine Kriegserklärung ohne Erklärung des Krieges. Zudem hatte sich die USA aus Sicht islamischer Kämpfer selbst disqualifiziert, da es den sich selbst auferlegten Auftrag Saddam Hussein habhaft zu werden nicht zu Ende brachte. Die USA hatten sich aus Sicht bin Ladens als Feiglinge und Ehrlose erwiesen.

Bin Laden änderte nun seine Strategie: Er schickte keine weiteren Petitionen ans saudische Königshaus, sondern verlegte sich auf Agitationen in islamisch-religiösen Kreisen und Islamschulen, was ihn nur noch schärfer ins Visier des saudischen Polizeiapparats brachte.

1992 wurde bin Laden von den Saudis schließlich zu einer unerwünschten Person erklärt und reiste in den Sudan. Dort war er zunächst geschäftlich tätig und war für den Bau mehrerer Autobahnen zuständig. Dort heiratete er auch die Nichte Hassan al-Turabis. Zu dieser Zeit baute er auch seine Organisation weiter auf, rekrutierte neue Mitglieder aus Somalia, Algerien, Marokko, Pakistan und anderen Staaten und baute Kontakte nach Europa und den USA aus. 1994 wurde ihm schließlich die saudische Staatsbürgerschaft aberkannt.

Bin Laden reiste dann nach Sarajevo und schleuste eine halbe Milliarde Dollar über die in Wien ansässige "Third World Relief Agency" (TWRA) an Alija Izetbegovic. Mit Hilfe dieser Gelder wurde eine fundamentalistische Interbrigade aufgestellt und bewaffnet. Das 3. Korps der bosnisch-muslimischen Armee, die "El-Mudzahid" bestand vorwiegend aus arabischen Gotteskriegern, die im Sudan ausgebildet worden waren, und aus iranischen Pasdaran. Damals erhielt bin Laden einen bosnischen Pass.

Auf saudischen und amerikanischen Druck verwies der Sudan 1996 Osama bin Laden des Landes, der daraufhin wieder nach Afghanistan reiste, wo er etwa fünfzig militärische Camps aufbaute. Er veröffentlichte dann seine erste Dschihad-Erklärung, mit dem Ziel die amerikanischen Truppen mit Hilfe seiner Organisation "Al-Qaida" aus dem Golfgebiet zu vertreiben, das saudische Königshaus zu stürzen und die heiligen Städte der Muslime zu befreien.

Bereits vor dieser Erklärung verübte bin Ladens Organisation "Al-Qaida" zahlreiche Anschläge, unter anderem 1993 auf das WTC und in 1996 in Dharan (Saudi-Arabien). Endgültig ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit geriet bin Laden durch die Anschläge des 11. Septembers 2001 auf das WTC in New York.
Die USA und ihre Verbündeten eroberten daraufhin Afghanistan um die "Al-Qaida" direkt vor Ort zu zerschlagen und Osama bin Laden zu fassen. Im Zuge der Eroberung wurde auch bin Ladens Bergfestung "Tora Bora" bombardiert. Es scheint aber sicher zu sein, dass bin Laden die Bombardierung überlebt und sich abgesetzt hat.

Am 20. Juni 2005 gab der amtierende Chef des amerikanischen Nachrichtendienstes CIA, Porter Goss, in einem Interview mit dem US-Magazin Time bekannt, dass der Geheimdienst wüsste wo sich bin Laden aufhalte. Angeblich halte ein ausländischer Staat seine Hand über bin Laden. Westliche Medien vermuten, dass es sich bei diesem Staat um Pakistan handle und sich die dortige Regierung aus innenpolitischen Gründen keine Art von Auslieferung vorstellen könnte, da sich die radikalen Strömungen im eigenen Lande ansonsten endgültig und gewaltsam gegen die Regierung wenden könnten.

Im Großen und Ganzen kann man aber sagen, dass sich die Informationen über bin Laden nach dem 11. September 2001 zum großen Teil aus Mutmaßungen und Gerüchten zusammensetzen.

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