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Kurdenkonflikt (DPK-Iran/Komala - Iran)
1979 - 1988
Klassifizierung: Bürgerkrieg
Angreifer: DPK-Iran, Komala,
Verteidiger: Iran
Kriegschauplatz/-plätze: Vorderer / Mittlerer Orient

Vorgeschichte

Nach dem gescheiterten Versuch kurdischer Eigenstaatlichkeit in der iranischen Stadt Mahabad 1946/47 (siehe Eintrag im KA) wurden die Anstrengungen für kurdische Autonomie bzw. Selbstbestimmung stark durch das Regime des Schahs unterdrückt.
In den Kurdengebieten veränderten sich jedoch mit der Zeit die Lebensbedingungen: Stammesstrukturen verloren aufgrund von starkem Bevölkerungswachstum, Landreformen, Migration und wirtschaftlichem Strukturwandel zunehmend an Relevanz, während das ethnische Moment immer wichtiger wurde. Die DPK-Iran, die nach dem Zusammenbruch der Mahabad-Republik stark an Bedeutung verloren hatte und deren Mitglieder entweder in den Untergrund gegangen oder ihre politischen Aktivitäten beendet hatten, begann sich langsam zu erholen. Gerade in der Region um Mahabad war ihr Rückhalt in der Bevölkerung noch sehr hoch: Bei den Parlamentswahlen im Januar 1952 wählte der Bezirk Mahabad trotz Einschüchterung durch Sicherheitskräfte mit großer Mehrheit einen Unterstützer der DPK-Iran (die Wahl dort wurde jedoch nicht anerkannt), und 1953 stimmten bei einem Votum über die Begrenzung der Staatsgewalt des Schahs fast alle der 5000 Stimmberechtigten der Stadt für eine solche Einschränkung, nur zwei waren dagegen (diese Wahl konnte jedoch keine Auswirkungen mehr entfalten, da der initiierende Premierminister Mossadegh einige Wochen danach gestürzt wurde).

Nach einer kurzzeitigen Verschmelzung der DPK-Iran mit der Schwesterpartei aus dem Irak unter der Gesamtführung von Mulla Mustafa Barzani schien eine dauerhafte Stärkung der Partei in Sicht. Der Verrat durch Barzani, der sich durch die Auslieferung von DPK-Iran-Mitgliedern und die Schließung der nordirakisch-iranischen Grenze für kurdische Flüchtlinge die finanzielle und logistische Unterstützung des Schahs im Kampf gegen den Irak sicherte, bewirkten jedoch das Gegenteil. Als Reaktion darauf bildete sich 1968 die DPK-Iran Revolutionäres Komitee, die sich von Barzani distanzierte, aber schnell zu großen Teilen von iranischen Sicherheitskräften und Männern Barzanis ermordet wurde. Die DPK-Iran richtete sich jedoch nach Barzanis Verrat unter ideologischer Führung von verbliebenen Mitgliedern des Revolutionären Komitees neu aus und trat mit anderen oppositionellen Gruppen in den Widerstand gegen das immer erdrückendere Regime des Schah. Ab 1973 begründete es die neue Parteilinie „Demokratie für den Iran, Autonomie für Kurdistan“.

Der Konflikt mit neuen Machthabern: Kampf gegen die islamische Republik

Der Zusammenbruch des politischen Systems des Iran 1978 gab den kurdischen Hoffnungen neuen Auftrieb. Die beginnende Auflösung des Heeres gab den Kurden außerdem die Möglichkeit, sich umfangreich zu bewaffnen. Doch schon kurz nach der Rückkehr Chomeinis, des Führers der Oppositionsbewegung gegen den Schah, gab es neue Probleme. Seine Vorstellung von der Errichtung einer islamischen Republik lief den Wünschen der kurdischen Bevölkerung nach einer autonomen Stellung im Staat zuwider, da auch Chomeinis Republik eine stark zentralisierte werden sollte. Die islamische Republik Iran hatte kein Interesse und auch keine ideologische Basis für eine Dezentralisierung des eigenen Staates durch ethnische und andere potenziell zentrifugal wirkende Kräfte. Die DPK-Iran forderte vom ungefestigten Regime regionale Autonomie in Belangen der Sicherheit, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft, außerdem Presse- und Versammlungsfreiheit. Es kam zudem zu Zusammenstößen von DPK-Iran-Gruppen mit den sich bildenden Freiwilligenverbänden der Revolutionswächter; über 100 Tote waren die Folge. In Kurdistan waren es vor allem die DPK-Iran und die Komala, die auf breiter Front Widerstand leisteten. Während die DPK-Iran gemäßigte sozialdemokratische Forderungen stellte, war die Komala marxistisch-leninistisch orientiert und sah keine Alternative zur Beseitigung des etablierten islamisch-republikanischen Staates.
Da die iranische Revolution noch nicht vollends stabilisiert war, schafften es die Kurden 1979, weite Gebiete Süd-Ost-Kurdistans zu kontrollieren. Ein Waffenstilstand wurde am 24. März zwischen den Konfliktparteien geschlossen.

In den Kurdengebieten entwickelten sich zwei Verschiedene Konfliktherde: Zum einen kämpften kurdische Bauern zusammen mit den beiden Parteien DPK-Iran und Komala (die 1978 erstmals in Erscheinung getreten) gegen Großgrundbesitzer und ungerechte Landverteilung und sahen sich dabei oft auch mit Revolutionswächtern konfrontiert. Der Zentralstaat hatte nämlich begonnen, sich in den Kurdengebieten mit den Schichten der lokalen Stammesführer und Landbesitzer zu verbünden. Zum anderen kämpften die Komala und die DPK-Iran gegen den islamischen Zentralstaat, da dieser trotz anfänglichen Zugeständnissen keine Sonderrechte für einzelne Regionen und Ethnien zugestehen wollte. Im Gegenteil, sobald sich die Macht der Revolution konsolidiert hatte, begann sie, gegen jegliche Art von Dezentralisierung vorzugehen. So nahmen die Revolutionswächter schnell die vorherige Stellung der sich auflösenden iranischen Armee ein und kämpfte gegen kurdische Autonomiebestrebungen. Teheran begann, die Iranische Revolutionsgarde in allen kurdischen Städten zu stationieren, desweiteren beauftragte er Ayatollah Khalkali, den ehemaligen Obersten Richter der Revolution, im iranischen Kurdistan für Ordnung zu sorgen. Dies versuchte er mit zahllosen, oft willkürlichen Todesurteilen und Hinrichtungen, jedoch führte das nur zu einer Verschärfung des Konfliktes, der sich spätestens ab Juli 1979 zu einem Bürgerkrieg ausweitete.

Am 17. August 1979 befahl Chomeini die Generalmobilmachung für Revolutionsgarden und Armee und bereitete Zwangsumsiedlungen der kurdischen Bevölkerung vor. Bald wurde klar, dass auch andere bewaffnete Gruppen nichtkurdischer Herkunft an dem Kampf gegen die Zentralregierung teilnahmen. Es kam Ende August zu Verhandlungen der Kurden mit Regierungsmitgliedern, die aber wegen eines Vetos Chomeinis scheiterten. Bis zum 6. September waren alle kurdisch kontrollierten Städte von den Truppen Chomeinis zurückerobert worden. Die kurdischen Organisationen zogen sich daraufhin ins Gebirge zurück und bauten Ausbildungslager auf, um die Bewegung zu stärken. Dass dies gelang, zeigt die Tatsache, dass die kurdischen Rebellen schon Ende Oktober ihre verlorenen Gebiete zurückerobern konnten. Ein ausgerufener Waffenstillstand hielt nur kurz, da die Revolutionsführung wegen des anstehenden Verfassungsreferendums Truppen in Regionen mit ethnischen Minderheiten drastisch verstärkt hatte. Gerade die Minderheiten waren nicht damit zufrieden, dass der Iran zukünftig ein verfassungsgegeben schiitischer Staat sein sollte, da sie selbst, auch die Kurden, größtenteils sunnitischer Glaubensrichtung waren. Die Kurden und auch der größte Teil der aserbaidschanischen Bevölkerung des Iran boykottierten das Referendum deshalb weitestgehend. Im Frühling 1980 kam es wieder zu vermehrten Guerillaaktionen der Komala und DPK-Iran, bis die Truppen Chomeinis die von der DPK-Iran und der Komala kontrollierten Gebiete größtenteils zurückeroberten.
In den ersten beiden Jahren der versuchten gewaltsamen Befriedung des iranischen Kurdistan kamen mehr als 10.00 Menschen ums Leben.

Kurdischer Widerstand während des Iran-Irak-Krieges (1980-88)

Der Beginn des Krieges zwischen dem Iran und Irak im September 1980 markierte eine Wende im Konflikt. Die iranische Staatsführung nutzte ihn dazu, ihre Macht im Inneren zu bündeln. Trotzdem schlug sie aber ein Angebot der DPK-Iran aus, die für den Preis kurdischer Autonomie für den iranischen Staat gegen den Irak kämpfen wollte. Stattdessen begann sie, wieder härter gegen die Kurden vorzugehen; andere oppositionelle Gruppen wurden fast vollständig zerschlagen. Es kam wieder vermehrt zu Verhaftungen, Folter und Hinrichtungen, gleichzeitig aber auch zu Attentaten gegen führende Regierungsmitglieder durch Guerillagruppen. Als die iranische Armee begann, ihre Offensiven gegen den Irak von den kurdischen Gebieten im Norden aus zu leiten, erschwerte dies die Aktionen der Guerilla zusätzlich.

1981 wurde das National Resistance Council (NRC) gegründet, in welchem die unterschiedlichen oppositionellen Gruppen ihren bewaffneten Widerstand zusammen zu koordinieren suchten. Auch die DPK-Iran trat dem NRC bei, jedoch nicht die Komala.

Die Regierung schaffte es 1981-82, den Kurden die meisten Gebiete wieder zu entreißen, was ihr im Nordostiran vor allem durch die Unterstützung der irakischen DPK unter Masud und Idris Barzani, den Söhnen des inzwischen verstorbenen Mulla Mustafa Barzani, gelang. Allerdings beschränkte sich die Kontrolle erneut nur auf die größeren Städte, und nicht auf das Umland, so dass Komala und DPK-Iran ihre Angriffe auf Revolutionsgarden und Armee weiter fortsetzen konnten.

Die iranische Führung bereitete 1984 erneut Zwangsumsiedlungen in den kurdischen Gebieten vor und stockte ihre Truppen im iranischen Kurdistan weiter auf. Die DPK-Iran trat aus dem NRC aus und begann Verhandlungen mit Teheran, was die Spannungen zwischen der Komala, die inzwischen mit zwei anderen (nichtkurdischen) Parteien zur Kommunistischen Partei des Iran verschmolzen war, weiter verschärfte und zu einem Kleinkrieg zwischen ihr und der Komala führte, die nicht mit der Regierung verhandeln wollte. Dieser innerkurdische Konflikt dauerte mindestens vier Jahre an und schwächte beide Parteien zum Vorteil der iranischen Regierung. Die weitere Verhandlungsbereitschaft der DPK-Iran-Spitze trotz wiederholter Ablehnung aus Teheran führte zur innerparteilichen Spaltung 1988.

Nach Ende des Iran-Irakkrieges im August 1988 brach der kurdische Widerstand aufgrund repressiver Maßnahmen, wie Verhaftungen und Zwangsumsiedlungen und der gezielten Ermordung führender kurdischer Politiker und Aktivisten weitestgehend ein. So wurde der DPK-Iran-Parteiführer Ghassemlou nach vorgetäuschter Verhandlungsbereitschaft schließlich am 13.07.1989 in Wien vom iranischen Geheimdienst ermordet, ein ähnlicher Fall ereignete sich 1992 in dem Berliner Restaurant Mykonos.

Schon 1992 kam es aufgrund von Repressionen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten wieder zu lokalen Unruhen im iranischen Kurdistan.

Quellen/weiterführende Literatur:

Gunter, Michael: Historical Dictionary of the Kurds. Lanham und Oxford 2004.
McDowall, David: A Modern History of the Kurds. 2. aktualisierte Auflage. London und New York 2000.
Siegelberg, Jens (Hg.): Die Kriege 1985-1990. Analyse ihrer Ursachen. Hamburg und Münster 1991.
Dingemann, Rüdiger: Westermann Lexikon Krisenherde der Welt. Konflikte und Kriege seit 1945. Braunschweig 1996.


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