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Kriegsarchiv

KriegsarchivDer Aufbau dieser Datenbank soll die Möglichkeit bieten, sich einen Überblick über Vorfälle in bestimmten Regionen, Zeiträumen und/oder nach bestimmten Beteiligten zu verschaffen.
Ziel ist es alle Konflikte von 1945 bis heute zu erfassen und eine Suchfunktion zu entwickeln, die es erlaubt Ergebnisse nach genauen Suchkriterien auszugeben.

Wer aktiv mithelfen möchte bitte PM an Streicher oder Lazarus.

Es befinden sich 139 Konflikte mit 105 beteiligten Nationen in der Datenbank
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Aserbaidschan (Nagornyj-Karabach)
20.01.1990 - 17.05.1994
Klassifizierung: Bürgerkrieg
Angreifer: Aserbaidschan, Armenien, Sowjetunion (UDSSR) Volksfront Aserbaidschan, Republik Bergkarabach
Verteidiger:
Intervention A von: Russland
zugunsten von: Aserbaidschan
Kriegschauplatz/-plätze: Vorderer / Mittlerer Orient

Der Konflikt um die abtrünnige aserbaidschanische Region Bergkarabach ist nicht nur eine bloße politische Kontroverse um territoriale Machtansprüche zwischen Armenien und dem Aserbaidschan; vielmehr ist er ein tief verwurzelter ethno-religiöser Gegensatz zwischen den christlichen Armeniern und den muslimischen Aserbaidschanern. Eingebettet ist er in die Phase des Zusammenbruchs der UdSSR und die damit verbundenen Unabhängigkeitsbestrebungen der Kaukasischen Staaten.

Die Region Nagornyj-Karabach war schon im frühen Mittelalter vornehmlich von Armeniern bewohnt, die jedoch durch die Arabische Expansion im 8. Jhd. immer weiter zurück gedrängt wurden. Deshalb stellten sich die letzten armenischen Fürstentümer - die es geschafft hatten, bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zu überleben - unter die Schutzherrschaft des Russischen Zaren. Durch die pro-christliche Imperialpolitik Russlands setzten starke Einwanderungsströme von Armenien aus den umliegenden Regionen ein.

Als in den 1920er Jahren russische Kommunisten in Armenien Fuß fassten und Armenien, Georgien und Aserbaidschan zur Transkaukasischen Föderation zwangsvereinigten, wurde Bergkarabach kurzzeitig armenischer Verwaltung unterstellt.

Noch vor der Auflösung der Sowjetunion kam es zu Spannungen zwischen den beiden sozialistischen Unionsrepubliken Armenien und Aserbaidschan, da Armenien armenische Sezessionisten auf dem Gebiet des aserbaidschanischen Bergkarabach-Gebietes unterstützte.
Als 1988 in der aserbaidschanischen Stadt Sumqayıt die armenische Minderheit Opfer eines blutigen Pogroms wurde, eskalierte die Situation zum ersten Mal. Beide Staaten verwiesen daraufhin zahlreiche Menschen der jeweilig anderen Staatszugehörigkeit des Landes; mehr als 20 000 Armenier waren schon zuvor aus der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku geflohen.

Nachitschewan, eine aserbaidschanische Exklave auf armenischem Territorium, erklärte ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion; aserbaidschanische Nationalisten versuchten, sich mit den von Aserbaidschanern bewohnten Provinzen des Irans zu vereinigen.
Daraufhin wurde von Moskau aus der Ausnahmezustand über einen Großteil des Kaukasus verhängt: 160 000 russische Soldaten befriedeten die Situation und brachen den aserbaidschanischen Widerstand. Zwangswahlen sicherten vorerst die sowjetische Macht - wenn auch mit sehr geringer Wahlbeteiligung (20%).

Am 23. August 1990 erklärte Armenien seine Unabhängigkeit innerhalb der GUS; bei einem Volksentscheid einen Monat später stimmten 95% der teilnehmenden Armenier für ihre Unabhängigkeit. Im Zuge der armenischen und aserbaidschanischen Unabhängigkeitsbestrebungen von der Sowjetunion kam es zu vielen Aktionen mit nationalistisch-fanatischem Hintergrund, welche die Spannungen der beiden Staaten zueinander als auch zu Russland noch weiter verschärften. So errichtete die Aserbaidschanische Volksfront unter anderem 1991 eine Blockade, um die Versorgung der separatistischen "Republik Bergkarabach" von Armenien zu verhindern. Diese hatte am 2. September 1991 ihre Unabhängigkeit von Aserbaidschan proklamiert und begonnen, eine eigene Armee und Verwaltung aufzubauen.

Im Frühling des Jahres 1992 kam es zu einigen Grenzgefechten an der armenischen Grenze zur aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan. Russische Truppenverbände begannen nun, Aserbaidschan zu unterstützen, während die Türkei, die sich in der Kontinuität des Osmanischen Reiches als Schutzmacht Nachitschewans verstand, Armenien zusätzlich mit Krieg drohte. Russische Truppen kämpften jedoch im Verlauf des Konfliktes auf beiden Seiten.

Aserbaidschanische Truppenverbände rückten auf die Hauptstadt Bergkarabachs, Stepanakert, vor, konnten aber keine militärischen Fortschritte erzielen. Aserbaidschan stellte die sezessionistische Provinz unter die direkte Kontrolle der Regierung, was jedoch nur zur Folge hatte, dass die Region ihre Unabhängigkeit erneut bekräftigte und ihre Kampfhandlungen intensivierte.
Am 25. Februar 1992 kam es zu schrecklichen Gräueltaten armenischer Freischärler in Xocali; bei dem blutigen Massaker sollen laut aserbaidschanischen Aussagen mehrere hundert Zivilpersonen getötet worden sein. Auch das 366. Motorschützenregiment der russischen Armee soll daran aktiv beteiligt gewesen sein. Insgesamt starben dort über 600 Menschen, über 476 Menschen wurden teilweise stark verstümmelt, 150 Personen gelten noch immer als vermisst. Armenische Stellen bestritten die internationalen Vorwürfe, ein Massaker begangen zu haben, und geben Aserbaidschan die Schuld am Tod der Zivilisten, denen laut armenischen Angaben der Fluchtweg von aserbaidschanischen Kräften versperrt worden war. Zudem sei die Anzahl der Opfer weit niedriger als von Aserbaidschan angegeben.
Den armenischen Rebellen gelang es im Laufe des Jahres, einen breiten Korridor zwischen Nagornyj-Karabach und Armenien zu erobern, was den Nachschub erheblich erleichterte. Inzwischen waren ca. 25% des aserbaidschanischen Territoriums unter armenisch-bergkarabach’scher Kontrolle.

Die Mehrheit der Armenier sprach sich inzwischen gegen den laufenden Krieg aus, da er 1992 zum nationalen Notstand und der Rationierung der Lebensmittel geführt hatte. Zudem kam hinzu, dass Armenien vor Kriegsbeginn 85% seines Brennstoffbedarfes über das Aserbaidschan bezogen hatte und nun seine Wirtschaft in keiner Weise ausreichend versorgen konnte, was ein Jahr später dazu führte, dass auch der Strom rationiert werden musste.

Der Staat Armenien, der bis jetzt nur heimlich die armenischen Rebellen in Bergkarabach unterstützt hatte, erklärte am 12. Juni 1992, dass Nagornyj-Karabach nun nicht mehr zum Aserbaidschan gehöre. Daraufhin standen beide Staaten nun auch offiziell miteinander im Krieg.

Am 10. August wandte sich der armenische Präsident Lewon Ter-Petrosjan an die GUS und beantragte zudem eine Sondersitzung im Weltsicherheitsrat der UN.
1993 kam es zu Friedensverhandlungen im Rahmen der KSZE, die jedoch einen brüchigen Waffenstillstand zur Folge hatten. Nachdem die Karabach-Rebellen mehrere Offensiven gegen aserbaidschanische Städte durchgeführt hatten, kam es 1994 zu einer größeren aserbaidschanischen Gegenoffensive.

Am 17. Mai 1994 kam es schließlich zu einem KSZE-Abkommen unter russischer Vermittlung, welches einen Plan zur Beendigung des Konfliktes ratifizierte: Alle Streitkräfte mussten sich umgehend 5-10 km hinter die Frontlinie zurückziehen; eine 1.800 Mann starke Friedenstruppe der GUS sollte diesen Grenzstreifen sichern. Eine während der Verhandlungen geforderte Lockerung der aserbaidschanischen Wirtschaftsblockade gegenüber Armenien wurde vom Aserbaidschan abgelehnt.
Der schwelende Konflikt hatte insgesamt von 1988 bis 1995 über 40 000 Todesopfer und mehr als 22 000 Verletzte gefordert; Millionen Menschen flohen aufgrund von Kriegshandlungen oder Anfeindungen aus ihrer Heimat.

Bis 2007 verschlechterte sich die Gesamtsituation jedoch leider wieder.

Siehe auch: http://www.ask1.org/blog/archives/209-Krieg-am-Kaukasus.html


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