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Kriegsarchiv

KriegsarchivDer Aufbau dieser Datenbank soll die Möglichkeit bieten, sich einen Überblick über Vorfälle in bestimmten Regionen, Zeiträumen und/oder nach bestimmten Beteiligten zu verschaffen.
Ziel ist es alle Konflikte von 1945 bis heute zu erfassen und eine Suchfunktion zu entwickeln, die es erlaubt Ergebnisse nach genauen Suchkriterien auszugeben.

Wer aktiv mithelfen möchte bitte PM an Streicher oder Lazarus.

Es befinden sich 139 Konflikte mit 105 beteiligten Nationen in der Datenbank
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Äthiopien (Ogaden)
01.08.1963 - 01.12.1988
Klassifizierung: zwischenstaatlicher Konflikt
Angreifer: Somalia WSLF
Verteidiger: Äthiopien
Kriegschauplatz/-plätze: Afrika

Einteilung (Beginn bzw. Ende der Phasen)
-   Phase I: 26.12.1960–27.Sep.1961
-   Phase II: 07.02. 1964–Juli 1967
-   Phase III: 1976-78
-   Phase IV: 1980-88

Somalia hatte sich seit seiner Unabhängigkeit 1960 zum Ziel gemacht, alle Somali-Stämme Afrikas zu vereinigen, auch jene, die durch die koloniale Grenzziehung zu Bürgern anderer Staaten wurden. Da der Ogaden, eine Region im Osten Äthiopiens, größtenteils von Somali bevölkert wird, wurde sie ebenfalls von Somalia beansprucht.
Für die oft immer noch nomadisch lebenden Somali stellten die Wanderungen zwischen ihren Weidegründen schon immer eine Notwendigkeit und zugleich ein großes Problem dar, da sie dabei auch immer wieder Staatsgrenzen überqueren mussten und dies teilweise von Grenzposten verwehrt wurde, bzw. Regierungen versuchten, die Nomaden sesshaft zu machen.
Äthiopien sah durch die eventuelle Abspaltung des Ogaden bzw. den Anschluss an Somalia die nationale Einheit gefährdet, da sich der Vielvölkerstaat von vielen separatistischen Bewegungen bedroht sah und es sich nicht leisten wollte, durch den Erfolg einer dieser Gruppen ein Erstarken der anderen nach sich zu ziehen.

Der Konflikt um den Ogaden lässt sich grob in vier Phasen einteilen, zeitweise wurde Äthiopien nicht nur von Somalia, sondern auch von im Ogaden operierenden separatistischen Guerillas angegriffen.
 

1. Phase: Kleinkrieg zwischen Äthiopien und Somalia:  26.12.1960–27.Sep.1961

Ein Überfall somalischer Soldaten auf äthiopische Polizeistationen zog mehrere Gegenschläge der äthiopischen Luftwaffe nach sich, deren Bombenangriffe sich bis in den Januar 1961 hinzogen. Nach einigen Feuergefechten zwischen beiden Armeen invasierte Somalia schließlich im Februar den Ogaden, die Kampfhandlungen endeten erst Ende September des gleichen Jahres, ohne dass eine Lösung des Konflikts erzielt wurde.

2. Phase: Somalische Übergriffe auf Äthiopien: 07.02. 1964–Juli 1967

Dem Ausbruch der zweiten Phase ging eine massive Aufrüstung beider Staaten voraus, Somalia wurde durch die UdSSR unterstützt, während die USA Äthiopien halfen. Im Februar 1964 griff Somalia schließlich mehrere Grenzbefestigungen des Nachbarstaates an, woraufhin Äthiopien eine zweigleisige Gegenstrategie fuhr: Zum einen schlug es militärisch zurück, zum anderen forderte es eine Einberufung der OAU und teilte der sowjetischen Administration das aggressive Verhalten des Satellitenstaates mit. Sithu U Thant, damals Generalsekretär der Vereinten Nationen vereinbarte zwar noch im ersten Monat des neu aufgeflammten Kriegs einen Waffenstillstand, der jedoch nicht eingehalten wurde. Auch wenn es einen Monat später erneut zu Waffenstillstandsvereinbarungen kam und eine gemeinsame Kommission zur Grenzfindung einberufen wurde, schwelte der Konflikt weiter. Erst mit der Entspannungspolitik des neu gewählten somalischen Staatspräsidenten Abdi Rashid Shermake im Juli 1967 wurde der Kriegszustand aufgehoben.

3. Phase: Ogadenkrieg: 1976-78

Somalia wechselte in den folgenden Friedensjahren die Seite: Es wendete sich vom Westen ab und richtete sich der Sowjetunion zu, die das Land zu einer der stärksten Militärmächte des schwarzen Kontinents machte. In Äthiopien wurde 1974 Kaiser Selaisse I. gestürzt, das daraufhin erstarkende Mengistu-Regime führte massive Repressionen gegen die aufstrebenden Unabhängigkeitsbewegungen durch, die mit dem Fall der Monarchie ihre Chance gekommen sahen. So erhöhte auch die seit 1963 agierende Western Somali Liberation Front (WSLF), die für die Autonomie des Ogaden kämpfte, ihre Anstrengungen und konnte dabei auch weitreichende Unterstützung aus Somalia bauen, das immer noch bestrebt war einen pansomalischen Staat zu errichten.

Der Widerstand der WSLF, welche 1977 schon 85 % des Ogaden kontrollierte, eskalierte wieder zu einem zwischenstaatlichen Konflikt. Sabotageaktionen auf wichtige äthiopische Eisenbahnstrecken und aggressive, über das Radio verbreitete Propaganda seitens Somalias waren nur die Vorzeichen des breit angelegten Angriffs somalischer Panzer-, Flugzeug- und Artillerieverbände am 22. Juli 1977 auf äthiopische Stellungen. Ein OAU- Vermittlungsausschuss beharrte auf der Unverletzbarkeit der kolonialen Grenzziehung und somit auf der Unrechtmäßigkeit der somalischen Angriffe. Inzwischen kontrollierte der Agressor zusammen mit der WSLF mehr als 90% des Ogaden.

Der äthiopische  Gegenschlag, heraufbeschworen durch eine Generalmobilmachung von 65 äthiopischen Soldaten und der Aufstellung einer 100 000 Mann starken Miliz, wurde jedoch erst durch eine verstärkte Unterstützung von Seiten der UdSSR wirksam, die nun wegen politischer Interessen nur noch Äthiopien unterstützte. So wurden z.B. 18 000 kubanische Soldaten in die Region entsandt, die im Januar 1978 mit den äthiopischen Truppen eine gutorganisierte Gegenoffensive einleiteten, durch die sich Somalia gezwungen sah, sich bis zum 14. März 1978 vollständig aus dem Gebiet zurückzuziehen.

4. Phase: Bürgerkrieg (WSLF) : 1980-88

Die gut ausgerüstete WLSF bekriegte weiterhin Äthiopien und bezog viele ihrer ca. 30 000 Kämpfer aus den Flüchtlingslagern der Region, Berichte der CIA gingen zusätzlich davon aus, dass immer noch etliche somalische Soldaten unter ihnen waren. Während es zu einigen größeren Gefechten zwischen Regierungstruppen und Rebellen kam, versuchte die OAU durch die Einrichtung eines Sonderausschusses eine friedliche Lösung der Streitigkeiten zu erzielen, der jedoch zum wiederholten Male auf der Gültigkeit der alten Grenzen beharrte. Nachdem am 24. Juli 1982 der Konflikt durch Angriffe Äthiopiens wieder zwischenstaatlichen Charakter annahm, näherten sich beide Staaten jedoch ab 1986 endlich wieder an und versuchten den Konflikt systematisch beizulegen.
Endlich kam es am 2. März 1988 zu einem Gipfeltreffen der beiden Staatsoberhäupter Mengistu und Barre, die schließlich die Richtlinien des Friedensprozesses festlegten:

-   Die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen
-   Einstellung von Propaganda
-   Austausch von Kriegsgefangenen
-   Entmilitarisierung der gemeinsamen Grenzen
-   Bildung eines gemeinsamen Komitees

In einem nicht offiziell bestätigten Geheimabkommen soll der Vizepräsident Somalias die ursprüngliche Grenzgebung anerkannt haben und trotz einiger weiterer Spannungen scheint sich die Lage sich endgültig beruhigt zu haben.


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