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Oettingers Grabrede zu Ehren Filbinger
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BeitragVerfasst am: Fr Apr 13, 2007 10:26 am


Es ist doch unglaublich, was sich da in Baden-Württemberg abspielt. Da gab es einst einen Ministerpräsidenten namens Filbinger, der während der Nazizeit Marinerichter war.

Als dies 1978 in vollem Umfang dank dem Schriftsteller Rolf Hochuth publik wurde, musste Filbinger zurücktreten. Später wurde sogar klar, dass Filbinger persönlich nicht nur die Nazi-Justiz gelobt, sondern auch Todesurteile ausgesprochen hatte.

Auch wenn man dies mit Hinblick auf die damalige Zeit vielleicht sogar noch etwas relativieren könnte - was zu bezweiflen ist -, so sticht ein Fall heraus, der zeigt, dass Filbinger auch ideologisch ein Nazi war und persönlich hinter den Todesurteilen stand. Der Matrose Walter Gröger war 1943 desertiert und zunächst zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden. Aber noch im März 1945, zwei Monate vor der Kapitualtion, wurde das Urteil dank dem Chef-Ankläger Staatsanwalt Filbinger in eine Todesstrafe umgewandelt - die dieser dann als leitender Offizier beaufsichtigte.

Oettinger sprach auf der Beerdigung den Satz: "Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte."

Recht hat er - für die Vollstreckung der Todesstrafe hat Filbinger nur als Stasatsanwalt gesorgt, denn zwei andere Urteile, in denen der Richter Filbinger die Todesstrafe verhängt hatte, konnten auf Grund des Endes des Zweiten Weltkrieges und des Zusammenbruchs des nationalsozialistischen Deutschlands nicht mehr durchgeführt werden.

Aber ein anderer Satz Oettingers aus der Rede ist nicht nur beschönigend, sondern schlichtweg falsch: "Hans Filbinger war kein Nationalsozialist". War er nicht? Nun ja, er war seid 1937 Mitglied der NSDAP und Marinerichter! Er hat als Staatsanwalt Todesurteile gefordert und als leitender Offizier deren Durchführung beaufsichtigt, sowie als Richter Todesurteile ausgesprochen.

Und dann gibt es da ja noch, von allen Formalitäten abgesehen, das, was Filbinger 1935 - dem Jahr der Nürnberger Rassegsetze - über das Rechtssystem des nationalsozialistischen Deutschland geschrieben hatte. Nämlich, dass die deutsche Blutsgemeinschaft "erhalten und die rassisch wertvollen Bestandteile des deutschen Volkes planvoll vorwärts entwickelt werden" müsse, denn der "Nationalsozialismus schuf die geistigen Voraussetzungen für einen wirksamen Neubau des deutschen Rechts".

Alles bekannte Tatsachen, und doch bleibt ein Baden-Württembergischer Ministerpräsident heute noch dabei, dass Filbinger kein Nazi war? Ein Ausrutscher, diese Rede? "Meine Rede war öffentlich, ernst gemeint und die bleibt so stehen", so Oettinger.

Gut, soll die Rede eben stehen bleiben, als Denkmal der Beschränkt- und Borniertheit der ewig gestrigen Geschichtklitterer - aber der Mann, der sie hielt, der Oettinger, der möge doch bitte gehen. Aber ganz schnell und am besten ganz leise - das hat sein großes Vorbild ihm ja auch schon vorgemacht.


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BeitragVerfasst am: Fr Apr 13, 2007 10:56 am


Ich hoffe auch, dass wir den Oettinger in leitender politischer Funktion, womöglich sogar noch mit Ambitionen auf Bundeseebene, nach diesem ideologischen Ausrutscher ganz schnell los sind.


erik
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BeitragVerfasst am: Fr Apr 13, 2007 12:41 pm


Natürlich war die Rede, sagen wir mal, ungeschickt. Keine Frage. Sie war vielleicht sogar Dumm, zumindest aber inhaltlich falsch.

Daraus jetzt aber irgendeine Geisteshaltung abzuleiten und einen Rücktritt zu fordern, halte ich ebenfalls für falsch.

Exotisch finde ich schon fast das Geschrei aus der "Linkspartei". Besucht man doch selber fleißig z.B. die Rosa-Luxemburg-Tage. Würde man nun mit dem gleichen Engagement in der eigenen Partei vorgehen, wäre diese ganz schnell ohne Mitglieder.

ws


Winston_Smith
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BeitragVerfasst am: Fr Apr 13, 2007 2:21 pm


Winston_Smith hat folgendes geschrieben:
Natürlich war die Rede, sagen wir mal, ungeschickt. Keine Frage. Sie war vielleicht sogar Dumm, zumindest aber inhaltlich falsch.

Daraus jetzt aber irgendeine Geisteshaltung abzuleiten und einen Rücktritt zu fordern, halte ich ebenfalls für falsch.


Wieso? Die Blindheit auf dem rechten Auge hat doch in der baden-württembergischen ebenso wie in der bayerischen CDU/CSU Tradition. Einen Nazi zum Nazi-Gegner hochzustilisieren ist eine Beleidigung der Opfer des Nationalsozialismus. Wer das nicht begreift, der sollte kein so hohes Amt wie das eines Ministerpräsidenten inne haben. So einfach ist das.

Man hat Oettinger bereits mehrfach Gelegenheit gegeben, sich zu entschuldigen oder seine Aussagen zu relativieren - Pustekuchen! Will er nicht! Und ohne eine solche Geste, die das mindeste wäre, kann man ihn nicht behalten.

Winston Smith hat folgendes geschrieben:
Exotisch finde ich schon fast das Geschrei aus der "Linkspartei". Besucht man doch selber fleißig z.B. die Rosa-Luxemburg-Tage. Würde man nun mit dem gleichen Engagement in der eigenen Partei vorgehen, wäre diese ganz schnell ohne Mitglieder.


Was ist denn an Rosa Luxemburg auszusetzen? Ich kenne mich mit deren Geschichte nicht besonders gut aus, finde aber das Festhalten an der Unschuld von Stasi-Kollaborateuren weitaus schlimmer.

EDIT:

Merkel tadelt Oettinger


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BeitragVerfasst am: Fr Apr 13, 2007 7:25 pm


Hallo,

wenn ich den Wikipedia-Artikel zu Hr. Filbinger lese,
bin ich mir der Sache in unserer Mediokratie nicht mehr so ganz sicher.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Filbinger

Nach dem Motto "de mortui nil nisi bene"
und "in dubio pro reo" würde ich daher Hr. Oettinger seine Rede durchgehen lassen - seine Meinung sowieso.

Gruß
Trestone


Trestone
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BeitragVerfasst am: Fr Apr 13, 2007 7:55 pm


@Trestone: Ich auch nicht.

Historiker scheinen dies auch anders zu sehen als die Medien.

Hier ist ein sehr detailierter Artikel der von Wikipedia verlinkt war.
Ich habe den Artikel gelesen und habe nun ein etwas anderes Bild, als es in den Medien dargestellt wird.

Was ich bei Wikipedia gelesen habe und auf der folgenden Domain, stellt die Sache etwas anders dar.

http://www.hans-filbinger.de
(Inhaber der Domain: http://de.wikipedia.org/wiki/Studienzentrum_Weikersheim)

Wird aber schwer werden, hier so einfach Stellung zu beziehen.
Ich verstehe den ganzen Wirbel nicht.


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polylux
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BeitragVerfasst am: Fr Apr 13, 2007 10:18 pm


Diese Reaktionen verblüffen mich. Na gut, er hat dem Todesurteil nur als leitender Offizier vorgestanden - nicht so schlimm? Na gut, er hat Lobeshymnen auf die NS-Justiz geschrieben - nicht so schlimm? Na gut, er war Parteimitglied - nicht so schlimm? Na gut, da nennt ihn einer trotz all dem keinen "Nazi, sondern im Gegenteil ein(en) Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime", was offenkundigster Blödsinn ist - nicht so schlimm? Na gut, der, der diesen unsäglichen Blödsinn redet, ist Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes - nicht so schlimm?

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BeitragVerfasst am: Fr Apr 13, 2007 11:02 pm


Nunja - besser wäre es selbstverständlich gewesen wenn er, nachdem die zweite freiwillige Meldung zur U-Boot-Waffe zu wechseln abgelehnt wurde, offen Hitler kritisiert und sich dann anstandslos erschießen hätte lassen.

Wäre viel einfacher gewesen, wenn das alle gemacht hätten - mit der Hand voll Nazi-Leute die dann übrig geblieben wären, hätte der Amerikaner dann auch ohne Alliierte keine Probleme gehabt. Laughing

Aber ist sehr einfach heute über die damalige Situation zu urteilen. Heute - wo wir alle natürlich dafür bereit sind für unsere Überzeugung und Moral zu sterben. Laughing

Es ist sehr einfach zu verlangen das jemand anders seinen Arsch riskiert, wenn der eigene im heutigen sicheren Einweg-Deutschland steckt.

Die Wahrheit über Filbinger mag in der Mitte liegen - aber die Wahrheit scheint eh niemanden zu interessieren, wenn ich das Thema verfolge.

Die Todesstrafe war geltendes (Militär-)Recht - und nicht erst von den Nazis eingeführtes Recht. Die Todesstrafe gab es - und das teilweise noch länger als das dritte Reich - auch in anderen "ach so hochstehenden westlichen Kulturen". Heute glaub ich übrigens auch noch .... O_O

Also sollte man sich eher über Richter aufregen, die halbe Kinder mit fragwürdigen Prozessen 20 Jahre in die Zelle stecken um sie dann mit der Spritze zu töten.

Der alte Mann hat vermutlich mehr als die meisten anderen in dieser Zeit ohne Fanatismus seinen Job erledigt. Die Armen Schlucker, die er vor der Hinrichtung bewahrt hat zählen aber natürlich nicht um ein gesamtes Bild zu erstellen, ich vergaß....

Hat unsere Angela eigentlich aktiven Widerstand gegen das Zwangsregime in der DDR geleistet? Oder war die auch nur eine Mitläuferin, die heute gut lachen hat? Heute hat ja eh jeder gut lachen.... Manmanmanmanman.....


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BeitragVerfasst am: Fr Apr 13, 2007 11:08 pm


Aphorismus hat folgendes geschrieben:
Diese Reaktionen verblüffen mich.
Rolling Eyes


Na,.. er halt den erzkonservativen Kreisen in der CDU die Stiefel geleckt..
die ganze Chause ist nach hinten los gegangen (wie immer wenn es in Deutschland um Naziansichten und Politiker geht).... jetzt kann er die Suppe alleine auslöffeln.
Was micht verblüfft ist.. das die allgemeine "Mediensicht" in Frage gestellt wird und dann der Link zur Filbingers Homepage als "Sichterweiterung" gebracht wird. Very Happy
Zudem hat der Wiki-Artikel genau das beschrieben was du erläutert hattest.... also wenn der nicht als Nazi gilt.... gab es die Nazis überhaupt? vielleicht nur als Medienlüge ... grübel ?

Abtreten ist angesagt " Minister Oettinger ", wer einen ausgewiesenen Nazirichter als "Gegner des Nationalsozialismus" bezeichnet, gehört als Ministerpräsident in die politische Wüste... schon alleine aus Dummheit! Einen Politprofi müsste ja wohl klar sein das sich alle Medien auf so etwas stürzen....


LG


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BeitragVerfasst am: Fr Apr 13, 2007 11:16 pm


Angel of Seven hat folgendes geschrieben:
wer einen ausgewiesenen Nazirichter


Demnach war jeder Richter damals ein Nazirichter.

Er war ein Militärrichter - das Militärrecht scheint hier ja recht unbekannt zu sein. Wie viele Soldaten haben die Alliierten wegen Fahnenflucht hingerichtet?

Schön wie einfach man es sich heute macht.... Rolling Eyes


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BeitragVerfasst am: Fr Apr 13, 2007 11:23 pm


Lazarus hat folgendes geschrieben:

Aber ist sehr einfach heute über die damalige Situation zu urteilen. Heute - wo wir alle natürlich dafür bereit sind für unsere Überzeugung und Moral zu sterben. Laughing



Das ist natürlich richtig... die jetzige Bevölkerungsstruktur würde sich sicherlich nicht "Ehrenhafter" unter solchen Verhältnissen bewähren... (ich weiß schon was du meinst Wink )
Trotzdem hätte, meines Erachtens nach, ein aktives "NSDAP-Mitglied in höherer Funktion, niemals Ministerpräsident, Richter oder ähnliches werden dürfen... das ist ja der eigentliche Skandal..



LG



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BeitragVerfasst am: Fr Apr 13, 2007 11:35 pm


Lazarus hat folgendes geschrieben:

Demnach war jeder Richter damals ein Nazirichter.



Richtig... jeder der unter diesem Regime, langjähriges Parteimitglied war und unter diesen Gesichtspunkten angebliches "Recht" gesprochen hat, war ein Nazirichter.
Die damaligen Karrieregeier zählen in meinen Augen genauso dazu... und die heutigen sind kein Deut besser nerv




LG


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BeitragVerfasst am: Fr Apr 13, 2007 11:38 pm


Angel of Seven hat folgendes geschrieben:
Trotzdem hätte, meines Erachtens nach, ein aktives "NSDAP-Mitglied in höherer Funktion, niemals Ministerpräsident, Richter oder ähnliches werden dürfen... das ist ja der eigentliche Skandal..


Da stimme ich dir größten Teils zu....

Aber da fallen mir spontan Namen wie Gehlen, Porsche und von Braun ein.... und viele andere... und nun? Wie schuldig sind jene, die führende KZ-Ärzte seinerzeit den Richtern entzogen um ihr Werk weiter zu führen?

Interessant übrigens wenn ich hier mal etwas ins OT rutschen darf, das eine aktuelle amerikanische SF-Serie sich grad mit dieser "Schuld" Thematik eindrucksvoll befasst hat.


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BeitragVerfasst am: Sa Apr 14, 2007 2:55 am


Um Schuld oder nicht Schuld geht es doch eigentlich gar nicht und um Filbingers Rolle kann man sich lange streiten.

Es geht darum, das Oettinger aus einem Nazi oder je nach Sichtweise einem Mitläufer der Nazis einen Widerstandskämpfer gegen das 3te Reich machen will. Und das stimmt ja nun wohl gar nicht, sondern ist sogar ein Faustschlag in das Gesicht wirklicher Widerstandskämpfer.

Aber der Herr Oettinger hätte ja eh gern wieder einen Krieg, damit danach wieder alles durch schwäbischen Fleiß aufgebaut werden kann.


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BeitragVerfasst am: Sa Apr 14, 2007 8:17 am


So wie ich das verstanden habe, hat er versucht Menschen zu retten wo es ging.

Er konnte nur Vorschläge für die Urteile an den Gerichtsherrn weitergeben, der das letzte Wort hatte. Hat dieser dem nicht zugestimmt, wurde dem Richter gleich eine Weisung gegeben, wie er zu richten hat.

Ein Richter konnte danach nicht mehr anders entscheiden.

Angewandt wurde das Militärecht, das schon lange vor den Nazis bestand und von der Allgemeinheit akzeptiert war. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung war zudem schon vor den Nazis für die Todesstrafe!

Sein Zitat er habe nur geltendes Recht angewandt würde doch auch heute jeder Richter sagen. Damals war es auch Recht. Und zwar das alte Miltärrecht, das seit dem 19. Jarhundert bereits bestand.

War er ein Widerstandskämpfer oder nicht? Woran macht ihr das fest?
Hat er seine Position genutzt um Schlimmeres zu verhindern, ist es sicher keine Unterstützung / Befürwortung des damaligen Regimes. Mitläufertum könnte man es dann auch nicht gerade nennen. Eher doch Sabotage. Wink Und Sabotage ist Widerstand. Oder etwa nicht?

Oder muss man als "Widerstandskämpfer" gleich jemanden in die Luft jagen?

Allerdings scheint es auch andere Quellen zu geben, die Zitate von ihm darstellen, die auch mir ganz übel aufstossen. So z.Bsp. dass "es blöd sei, dass kein Krieg mehr käme". Da dreht sich auch mein Magen im Kreis.

Auch die von Aphorismus angeführten Zitate lassen an der Glaubwürdigkeit sehr stark zweifeln und nähren der Verdacht, dass er doch ein überzeugter Nazi war.

Wie soll jemand, der solchen Unsinn von sich gibt ein Widerstandskämpfer gewesen sein? Shocked


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