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Giacomo_S
Inventar


Anm.Dat: Aug 13, 2003
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BeitragVerfasst am: Fr März 14, 2008 6:50 pm    Titel: Antworten mit Zitat


Es mag sein, dass Irans Ölbörse den Dollar nicht in dem Maße gefährdet.
Das dürfte anders aussehen, falls die gesamte OPEC das Öl künftig in Euro handelt - und das hat der Präsident der OPEC in einem kürzlichen Spiegel-Interview zumindest angedeutet (wenn auch relativiert).

Sollte es tatsächlich irgendwann dazu kommen, dass das gesamte Öl irgendwann in Euro gehandelt wird (OPEC-Präsident:"Die stabilste Währung der Welt"), dann haben die USA ein massives Problem. Der Dollar befände sich im freien Fall (wenn er das nicht ohnehin schon ist).

Für mich ist der derzeitige Dollar-Kurs eine klare Folge des Irakkriegs. Das größte militärische und ökonomische Desaster der amerikanischen Geschichte ist mit den Öleinnahmen durch den nunmehr "freien" Irak nicht (wie vorher beabsichtigt) zu finanzieren. Um die enormen Kosten dieses Krieges zu finanzieren, drucken die Amerikaner Geld - und das auch noch in steigender Tendenz. Es rächt sich nunmehr, das sie seit Jahrzehnten auf Pump leben und außer wenigen Spitzenbereichen wie z.B. der IT-Branche nichts selbst produzieren oder auf industriell überholtem Niveau (Stahl, Autos, Maschinenbau, Chemie).

In meinen Augen haben sie mittel- und langfristig nur dann Chancen auf Besserung, wenn sie damit beginnen, was die Europäer bereits vor Jahren getan haben: Den Gürtel enger schnallen und endlich an den Ursachen zu arbeiten. Man darf aber annehmen, das keine Regierung in der Lage wäre, den Amerikanern das auch noch abzunötigen.
Stattdessen pumpt die Staatsbank auch noch weitere 200 Milliarden faktisch ungedeckter US-Dollar in den Markt - deren erwünschte Wirkung übrigens an einem einzigen Tag verpufft ist.

Es bleibt abzuwarten, wie es weitergehen wird. Lange kann das in meinen Augen alles nicht mehr gut gehen, zumal durch den Aufstieg Chinas eine weitere Handels- und Industriemacht entstanden ist, die sich nicht so einfach mit Säbelrasseln in die Knie zwingen lässt.


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Arbeite, als ob das Geld nicht brauchst.
Liebe, als ob du nie verletzt worden wärst.
Tanze, als ob niemand zusieht.

Herr, lass mich ein guter Mensch sein. Aber bitte nicht sofort.

JimmyBond
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BeitragVerfasst am: Mi Apr 09, 2008 2:04 pm    Titel: Antworten mit Zitat


waehrend clinton und obama einen truppenabzug fordern, erhaelt der kommandierende us-general im irak die entscheidungsfreiheit des praesidenten und dieser handelt auch:

Zitat:
Seit der Umsetzung der von ihm orchestrierten US-Truppenerhöhung sind die amerikanischen Verluste um bis zu 70 Prozent zurückgegangen. Gerade druckte "Newsweek" eine Titelgeschichte, die eine ganze "Generation von Petraeus-Offizieren" pries. Seine Empfehlungen zum aktiven Kontakt der Soldaten zu Einheimischen und der Suche nach Verbündeten unter einstigen Rebellen hat der General in einem eigenen Handbuch zusammengefasst.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,545993,00.html


tja, waehrend die deutsche regierung, auf druck der opposition und des volkes, fuer einen raschen abzug der nato aus afghanistan kaempft, koennen fuer irak mal endlich befehle von militaers gegeben werden, die keinerlei interesse an einer wiederwahl haben, sondern sich gaenzlich um ihren auftrag bemuehen.

doch koennte man die vorgehensweisen von militaers als zu aggressiv werten, da ihnen oft das diplomatische feingefuehl fehlt?

wie siehts aus? sind bush' ambitionen fuer den anti-terror-krieg am ende, da er sein amt bald ablegen muss und deshalb alle verantwortung seinen schaefern abgibt? ist clinton's und obama's forderung wirklich die antwort? rascher abzug und die menschen dort im stich lassen?

selbst wenn die irak-invasion ne fehlentscheidung, so darf man sich doch jetzt erst recht nicht da einfach verziehen oder zaehlt nur der wille des eigenen volkes?


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BeitragVerfasst am: Mi Apr 09, 2008 10:50 pm    Titel: Antworten mit Zitat


JimmyBond hat folgendes geschrieben:
selbst wenn die irak-invasion ne fehlentscheidung, so darf man sich doch jetzt erst recht nicht da einfach verziehen oder zaehlt nur der wille des eigenen volkes?


Wie wär's mit dem Willen des irakischen Volkes?

Hier ein paar der jüngeren Umfragen:

2007:
Zitat:
According to one of the largest Iraqi opinion polls ever published, a majority of Iraqis feels “the security situation in Iraq will get better in the immediate weeks following a withdrawal of the MNF.” [MNF-> Multi-National Forces]

http://www.globalpolicy.org/security/issues/iraq/poll/2007/03orb.htm

Zitat:
According to this poll conducted for the BBC, ABC News, ARD German TV and USA Today, the feeling of insecurity has been growing in Iraq since the beginning of the occupation and pessimism increasing, with only one-third of Iraqis expecting things to improve in the next year. Further, the survey reveals that support for the occupation is dwindling, with 82 percent of the population expressing lack of confidence in Coalition forces and 69 percent of Iraqis thinking the US occupation has exacerbated the security situation.

http://www.globalpolicy.org/security/issues/iraq/resist/2007/0319iraqpoll.pdf

2008:
Zitat:
This poll by D3 Systems and KA Research Ltd. concludes that Iraqi citizens feel that the situation in their country remains dire and there is little hope for improvement. The most pressing problems facing Iraqi citizens are “poor electricity supply and unemployment.” The poll argues that the “the lack of security and safety” remains the largest threat and a majority of Iraqis blame the US military as the main cause of the deteriorated security situation.

http://www.globalpolicy.org/security/issues/iraq/poll/2008/0308opinion.pdf

Zur letzten Umfrage ist anzumerken, dass große Städte - insbesondere Bagdad - inzwischen weitgehend "ethnisch gesäubert" wurden. Bedeutend wird dieser Umstand vor allem, wenn die Daten von bspw. August 2007, als die Säuberungen m.W. im Gang waren und es insgesamt eine noch schlechtere Bewertung der Sicherheitslage als in den Vorjahren gab, mit den Daten von 2008 (die ungefähr wieder auf dem Niveau der Ergebnisse bis Anfang 2007 angekommen sind) verglichen werden...

Ohne eine offtopic-Diskussion vom Zaun brechen zu wollen, muss ich einfach mal bemerken, dass ich für alle Iraker (und im weiteren Sinne für alle Menschen auf diesem Planeten) hoffe, dass nicht John McCain - der "warrior who is stupid about war", dessen außenpolitische Vorhaben und Äußerungen in bester Bush-Tradition stehen - der nächste US-Präsident wird...


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Ein_Liberaler
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BeitragVerfasst am: Mi Apr 09, 2008 11:10 pm    Titel: Antworten mit Zitat


Ich bin da innerlich völlig zerrissen. Welchen der drei ich mir auch anschaue - ich wünsche mir immer, daß gerade er nicht Präsident wird. Mich auf den Standpunkt, daß Politiker eben alle nichts taugen zurückzuziehen und mich daran zu freuen, daß ich das immer schon behauptet habe, ist auch unbefriedigend.

Ist es überhaupt gesagt, daß die beiden Demokraten die Truppen abziehen würden, gerade jetzt, wo die Truppenverstärkung angeblich wirkt? Oder würden sie sich "den Sachzwängen beugen"? Obama hat ja auch mal geäußert, daß man notfalls in Pakistan intervenieren müßte, ein Friedensengel ist das nicht. Wohin überhaupt abziehen? Der Irak war doch auch als die neue große Truppenbasis in Nahost vorgesehen, weil die Lage in Saudi-Arabien zunehmend ungemütlich wurde. Die Truppenpräsenz in der Region werden die USA wohl kaum aufgeben, solange der Iran Israel bedroht (Wirklich? Angeblich?) und die regionale Vormacht anstrebt.

Woher kommt die derzeitige verhältnismäßige Ruhe? Da sind tatsächlich die "ethnischen Säuberungen", eine Folge des gegenseitigen Terrors. Offenbar hat man in Bagdad die Stadtviertel mit hohen Betonmauern getrennt und so viele Checkpoints eingerichtet, daß ein urbanes Leben, das diesen Namen verdient, gar nicht mehr möglich ist. Wird es so je wieder eine funktionierende irakische Wirtschaft geben? Strom, Wasser, Kanalisation etc. gibt es bisher wohl nicht bzw. nur stundenweise.

Dann scheint es sich Alkaida mit den Sunniten verscherzt zu haben, die sich der US-Truppen bedienen, um die ungebetenen Gäste loszuwerden und gleich noch ein hübsches Sümmchen dafür kassieren, ihnen die Hilfstruppe zu machen. Kampfwert: Brauchbar, wenn es um die Vertreibung der Alkaida aus den Stammesgebieten geht, sonst nutzlos.

Basra scheint ruhig zu sein, weil es in der Hand Al Sadrs (?) ist. Der Angriff auf ihn scheint gescheitert zu sein, aber genaueres erfährt man nicht. Al Sadr ist ein irakischer Nationalist. Die schiitische Regierung dagegen soll unter dem Einfluß Irans stehen, und Iran soll an Ruhe im "schiitischen" Irak interessiert sein. Das wird sich ändern, sollten die USA gegen Iran vorgehen.


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BeitragVerfasst am: Do Apr 10, 2008 4:58 pm    Titel: Antworten mit Zitat


Ein_Liberaler hat folgendes geschrieben:
Ist es überhaupt gesagt, daß die beiden Demokraten die Truppen abziehen würden, gerade jetzt, wo die Truppenverstärkung angeblich wirkt? Oder würden sie sich "den Sachzwängen beugen"? Obama hat ja auch mal geäußert, daß man notfalls in Pakistan intervenieren müßte, ein Friedensengel ist das nicht. Wohin überhaupt abziehen? Der Irak war doch auch als die neue große Truppenbasis in Nahost vorgesehen, weil die Lage in Saudi-Arabien zunehmend ungemütlich wurde. Die Truppenpräsenz in der Region werden die USA wohl kaum aufgeben, solange der Iran Israel bedroht (Wirklich? Angeblich?) und die regionale Vormacht anstrebt.

Ja, da stimme ich dir leider weitgehend zu. Auch bin ich kein wirklicher Fan von Obama oder Clinton, doch mit ihnen verbinde ich noch eine gewisse Hoffnung auf eine Moderation der derzeitigen Entwicklung - bei McCain besteht diese m.E. nicht ansatzweise, da er eben in vielen Punkten nicht einmal versuchen will, die derzeitige US-Außenpolitik zu ändern...

Es gibt durchaus Republikaner, deren Meinung ich gut nachvollziehen und respektieren kann - McCain gehört allerdings zu den "we fight them over there so we don't have to fight them here"-Republikanern; und nichts gegen Verschwörungstheorien, aber McCain kaufe ich sogar ab, dass er das wirklich glaubt, und es sich nicht nur um eine vorgeschobene Platitüde handelt, hinter der sich ausschließlich wirtschaftliche und machtstrategische Interessen verbergen.
Und nach den acht Jahren Bush sollte m.E. ganz allgemein mal wieder ein Democrat oben sitzen, schon allein wegen kommender Supreme-Court-Nominierungen.

Zitat:
Woher kommt die derzeitige verhältnismäßige Ruhe? Da sind tatsächlich die "ethnischen Säuberungen", eine Folge des gegenseitigen Terrors.


Die ethnische Säuberungen haben die Lage m.E. zeitweise noch stärker destabilisiert, nach ihnen ist die Sicherheit wieder auf oder knapp über das vorherige Niveau angestiegen. In manchen polls kann man bei einigen Fragen die Entwicklung über mehrere Jahre betrachten, und die entsprechenden Daten unterstützen m.E. diese Interpretation der Ereignisse. Die Bezahlung der "Awakening"-Sunniten trägt natürlich auch dazu bei - das wird allerdings schätzungsweise nicht von Dauer sein, da die Kooperation ja nicht zuletzt zu einem schnellen Abzug der Truppen führen sollte...

Die Rolle von al-Qaida für die Sicherheitslage wird übrigens häufig massiv überschätzt - sogar vom Pentagon hieß es Mitte 2007 dass nur etwa 2% der Gewalt im Irak mit eingereisten Islamisten oder al-Qaida-Verbündeten zu erklären sei.

Zitat:
Basra scheint ruhig zu sein, weil es in der Hand Al Sadrs (?) ist. Der Angriff auf ihn scheint gescheitert zu sein, aber genaueres erfährt man nicht.

Sadr hat seine Kämpfer in Basra nach einem Deal mit al-Maliki (keine Entwaffnung der Milizen, aber auch kein öffentliches Auftreten der Milizen mit Waffen war glaub ich ein Kernpunkt) zurückgerufen, dann gingen die Kämpfe jedoch u.a. in Sadr-City in Bagdad weiter. Plötzlich war ein paar Tage Waffenruhe, dann wieder Auseinandersetzungen. In den letzten beiden Tagen sind auch wieder US-Raketen auf Sadr-City abgefeuert worden...
"Ethno-sectarian competition" (Gen. Petraeus)...


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