“Nur für Veteranen!”

Profitorientierung vs. öffentliche Bürokratie, wir kennen das Problem aus Deutschland. In der Diskussion um das Gesundheitssystem in den USA wird von konservativer Seite häufig behauptet, dass die von Regierungen organisierten Systeme wesentlich schlechtere Versorgung bieten als es bei privatwirtschaftlich dominierten Systemen der Fall ist. Ähnliche Behauptungen dienen auch in anderen politischen Bereichen als Legitimation für die Privatisierung öffentlicher Institutionen und die Einführung oder Beibehaltung privatwirtschaftlich organisierter Verteilungssysteme.

Bemerkenswert im Bezug auf das US-Gesundheitssystem ist nicht zuletzt, dass Militär und Kriegsveteranen in rein staatlich organisierten Systemen aufgefangen werden, während die Normalbevölkerung auf das privatwirtschaftliche Versicherungswesen und verschiedene Unterstützungsleistung angewiesen ist. Krankenversicherung wird wenn möglich über die Arbeitgeber bezogen. Besondere Unterstützungsleistungen für Arme wie Medicaid sind wiederum von bestimmten Kriterien abhängig und stehen einem Teil der armen Bevölkerung nicht zu.

Konservative Agitatoren vertreten immer wieder die Meinung, dass dieses privatwirtschaftliche System auch für die arme Bevölkerung besser sei als staatlich organisierte Systeme, wobei häufig auf angebliche katastrophale Zustände in Kanada oder verschiedenen europäischen Ländern verwiesen wird. Ein staatliches “single-payer”-Gesundheitssystem wird als sozialistische Bevormundung dargestellt, die zwangsläufig zur staatlichen Bestimmung von Lebensläufen führen und die Qualität der Versorgung massiv verschlechtern würde.

Bill Kristol, Gründer des Weekly Standard und prominenter politischer Kommentator der US-Neocons, gab gestern in der Daily Show einige interessante Ansichten zu dieser Thematik preis. Im Interview mit Jon Stewart konzedierte er, dass es sich bei dem staatlichen Gesundheitssystem für das US-Militär tatsächlich um die beste Versorgungsform handelt, die jedoch seiner Meinung nach nur den gedienten Amerikanern zustehen würde.

Die Qualitätsfrage lässt sich dem Wähler eben doch besser verkaufen als ein Wahlspruch nach der Art “Say no to the single payer system, because our military spending is more important than your health!”.

Das Interview kann auf der Internetseite der Daily Show in ungekürzter Fassung angesehen werden.

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