Das finstere Tal – Eine Filmanalyse

(Für PCL)
Ein moderner Spätwestern (2014) in deutlicher Italowestern-Tradition; Regie: Andreas Prochaska, Drehbuch in Anlehnung an die gleichnamige Romanvorlage von Thomas Willmann; mit Sam Riley (Greider), Tobias Moretti (Hans Brenner) und Paula Beer (Luzi) – ein Vergleich des Filmes mit dem Buch ist an dieser Stelle nicht intendiert, hier steht nur das, worum es im Film geht, im Fokus.

Ein österreichischer Western – auch in Handlungssetting und in der Sprache… Ich war neugierig, inwieweit das funktionieren kann – Doch etwa nach der Hälfte war ich mir sicher, dass dieser Film etwas ganz Großes ist: Weit mehr als nur die Erkenntnis, dass Western-Geschichten auch wunderbar außerhalb des (amerikanischen) Westens funktionieren können und dass der Handlungsort zusammen mit der Sprache hier durchaus einen akzeptierbaren Rahmen erschaffen, handelt es sich auch noch um einen unglaublich vielschichtigen Film, dessen Handlung in ein Spiel mit mehreren symbolischen Ebenen eingebettet ist. Eine (faszinierend gelungene) düstere Atmosphäre wird den ganzen Film über durchgehalten – ohnehin nutzen die Bilder und die Art der Inszenierung viel von dem, was das Medium Film gegenüber Romanen an eigener Formsprache zu bieten hat (Nur ein kleines Beispiel, das mich aber sehr beeindruckte, war die Inszenierung eines Toten als Teil einer Landschaft mit Felsen, Schnee und Gebirgsbach – erst nach wiederholtem Blick entschlüsselt sich die Aussage dieses Bildes – freundlicherweise hat der Zuschauer auch die Zeit dazu, da diese Szene für eine kleine Weile in sich ruht). Wie bei „klassischen“ Italowestern auch spielt sich auch hier ein guter Teil der Handlung außerhalb gesprochener Worte allein in Bildern, Stimmung und Musik (bzw. deren Zusammenspiel) ab.
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Django (1966) – Eine Filmanalyse

Italowestern: Reviews:
1. – Aus meinen fünf all-time-Favoriten unter den Spaghetti-Western: Film 2 von 5

Allgemeines
Ein Film von Sergio Corbucci (Regie) mit Franco Nero in der Titelrolle; 1965/1966 gedreht, erschienen: 1966. Ein früher Italowestern und der Ursprung für „Django“, eine der einflussreichsten Figuren innerhalb dieses Genres, die nach diesem Film in zahlreichen weiteren Filmen wiederaufgegriffen wurde.

Als ich diesen Film „Django“ von 1966 das erste Mal sah, habe ich ihn zweimal gesehen: Das war der erste Film, bei dem ich bis zur letzten Szene gespannt davor gesessen habe und repeat drückte, kaum dass er vorbei war. Und mich beschlich das Gefühl, da etwas ganz Seltenes erlebt zu haben: Ein Film, der auf so viele verschiedene Weisen spricht, die miteinander verwoben insgesamt ein Ganzes erzählen: in seiner Gestaltung, seiner Atmosphäre, dem Spiel mit den Bildern und Symbolen, einer vordergründigen Handlung, die fühlbar nur ein Teil dessen ist, was dort passiert, in der Musik und in der Komplexität der Personen und ihrer Motivationen. Mittlerweile kenne ich diesen Film schon eine ganze Weile, und trotzdem kann man immer wieder neue kleine Details entdecken, die kleine Aussagen und Indizien für die Geschichte, für den kleinen Kosmos sind, der dort entworfen wird.
Natürlich gibt es schon eine ganze Reihe Kritiken dieses Filmes, aber Kunstwerke lassen sich ja ohnehin nie erschöpfend beschreiben – und mir fielen auch ein paar Gesichtspunkte auf, die für meinen Geschmack in Rezensionen viel zu kurz gekommen sind. So will ich nun versuchen, meine Eindrücke von diesem Film darzulegen, bzw. genauer: zu beschreiben, was nach längerem Nachdenken meiner Meinung nach dort passiert. Den Rest des Artikels lesen »

Fast-Food-Ketten vs Waffenlobby: Beispiel für postdemokratische Strukturen der demokratischen Einflussnahme?

Auf Grund außerparlamentarischer Einflüsse durch Lobbygruppen, insbesondere der NRA, wurde in den USA lange Zeit jede Form der Einschränkung der Rechte bezüglich des Besitzes und des Mitführens von Waffen verhindert. Und das, obwohl sich Mehrheiten in der Bevölkerung zumindest für einige spezifische Einschränkungen, wie bspw. längere Wartezeiten bei Waffenkauf, eine Überprüfung des Käufers oder das Verbot bestimmter Waffen, aussprechen (siehe etwa hier). Um es anders auszudrücken: „responsiveness“ der Politik in diesem Bereich ist seit geraumer Zeit nicht vorhanden.
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Briefe von Servicebüros der Rundfunkanstalten – oder: – Seltsame Wege des Rundfunkgebühren-Einzugs

Folgende Ausgangssituation:
Einige Bekannte von mir erhielten vor nicht allzulanger Zeit Post von einem Servicebüro Rundfunkbegühren H. Keller, das angeblich im Auftrage des SWR von ihnen Auskunft haben wollte über die Meldung von Rundfunkempfangsgeräten.
Im Auftrag des SWR zu schreiben kann ja jeder behaupten, stimmt das denn auch? Einige Punkte ließen diese Briefe zunächst dubios erscheinen:
– Das sogenannte Servicebüro H. Keller gab zwar im Briefkopf ein Postfach und einen Ort ( Postfach 1209, 74913 Waibstadt) an, aber keine ordentliche Adresse.
– Eine Suche im Internet nach diesem Unternehmen blieb ebenfalls erfolglos: Es erscheint weder im Telefonbuch noch im Branchenverzeichnis und ist auch ansonsten nirgends auffindbar.
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Verschwörungstheorien vs. Wissenschaft? Sieben Thesen zu einem komplizierten Verhältnis

Jeder Mensch mit Interesse an Wissenschaft auf der einen und Verschwörungstheorien auf der anderen Seite wird sich schon einmal gefragt haben, warum manche Verschwörungstheoretiker eine tiefsitzende Abneigung gegen alles haben, was auch nur entfernt an Wissenschaft erinnert. Geht es dabei um Deutungshoheit und die Angst vor konkurrierenden Theorien oder vielleicht doch um Einstellungen gegenüber Prüfung und Prüfbarkeit von Vermutungen?
Was auch immer diese Aversion motiviert, sie schadet den erkenntnisorientierten, differenziert denkenden Verschwörungstheoretikern mehr, als sie je einem Agitatoren hilft. Letztendlich unterstützt sie den Einfluss von plakativen, totalitären und fundamentalistischen Ideen, was einer breiten öffentlichen Diskussion und der ernsthaften Prüfung von Verschwörungstheorien entgegenwirkt.
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Auch die Armutsgefährdung sollte differenziert gesehen werden …

Man hört es jetzt schon wieder, das laute Schlagen und Klappern, das die Sozialverbände angesichts der  Armutsgefährdungsquoten von sich geben werden. Übel nehmen kann man es ihnen nicht, schließlich gehört das zum Handwerk dazu, um im Gespräch zu bleiben und die Aufgaben eines Sozialverbandes zu erfüllen – auch wenn Zyniker schon von einer Art Sozialindustrie sprechen. Den Rest des Artikels lesen »

Rückführung – Ein Praxistest in Berlin

Wie kommt ein halbwegs vernünftiger Mensch auf die absurde Idee sich tatsächlich in die Hände eines  selbsternannten „Rückführungstherapeuten“ zu begeben?
Der große Tag der Rückführung – Wer war ich wirklich?
Nach der Rückführung – Bin ich nun ein andere Mensch? 

Ein nass-grauer Sonntag im Winter morgens um 10 Uhr in einer heruntergekommenen Gegend Berlins. Schon auf der Hinfahrt war kaum eine andere Menschenseele zu sehen, mein Beifahrer und ich waren in Schweigen gehüllt und hingen unseren Gedanken nach. Mein Highlight an diesem verregneten Morgen war der Coffee to-go, er versüßte mir die Wartezeit, denn wie immer war ich viel zu früh.

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Pinkwarts und Rüttgers Spiegelfechtereien im Hotel

Die Herren Pinkwart und Rüttgers, beide Politiker in NRW, ersterer bei der FDP, letzterer bei der CDU, wollen die gekürzte Mehrwertsteuer für Hotels jetzt wieder abschaffen. Die Begründung klingt plausibel: die Trennung zwischen Übernachtung und z.B. dem Frühstück könnte einen bürokratischen Wust nach sich ziehen, der selbst für deutsche Verhältnisse nervtötend wäre. Allein – ich glaube den Herren Pinkwart und Rüttgers nicht, dass das der Grund für ihre Ablehnung sein soll. Denn den verminderten Satz gibt es ja erst seit 4 Wochen, daher ist eine Beurteilung noch gar nicht möglich. Es sei denn, man hätte es schon vorher gewusst. Und ja, das könnte man vermuten, denn Kritiker haben schon im Vorfeld darauf hingewiesen, dass hier ein bürokratisches Monster entstehen könnte.

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Kein Schwein hat Grippe, aber geimpft werden sie doch.

Flu_und_legende_color_c Es ist so eine Sache, soll ich mich impfen oder nicht, soll ich meine Kinder impfen? Die Medien sind voll von der Schweinegrippe, jedoch das Impfen ist umstritten. Genauer geht es um „Wirkverstärker“, oder auch Adjuvans. Diese sind wohl notwendig um einen ausreichenden Impfschutz zu gewährleiten, warum? Nun weil, so vermute ich als Leihe die verwendeten Proteinketten des Wirkstoffes alleine zu kurz (oder räumlich nicht optimal gedreht) sind um alleine eine ausreichende Immunantwort zu erzeugen, also muß man das Immunsystem weiter zur Bildung von Antikörpern (und vor allem auch Memoryzellen) anregen.

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Halloween, mich gruselt es.

HalloweenEs ist mal wieder so weit. Schon seid einigen Tagen suggerieren mir die Läden (bis hin zu den Apotheken) ich müsse Geld ausgeben und zwar bitte massiv. Diesmal ist der Kaufanreizverstärker ein weiteres „Re-Import“ – Fest. Nach Kugelbuntem blinkendem und schreiendem Weihnachtsfest und Blumenkaufzwängen am Valentinstag holen wir uns nun einen noch älteren Brauch verbraucht aus den USA zurück.

Halloween, die Geister, Hexen, Zauberer, Skelette, Zombies und die unverkleideten jugendlichen Erpresser mit Gewaltpotenzial kommen. Warte mal unverkleidete Erpresser?

Ja, es ist wirklich ein Trauerspiel. Wir sind nichtmal in der Lage ein total sinnentleertes Fest so zurück zu übernehmen das es wenigstens noch Spaß macht. In den USA ist Halloween für Kinder ein absoluter Höhepunkt. Das Schockt! Da geht die Luzi ab, das ist ein riesen Spaß für die Kleinen, die Mittleren und auch noch die Größeren. Sogar Studenten und Erwachsene, alle feiern ein schickes Verkleidungsfest. Der Anlass? Halloween, reicht doch, haben wir letztes Jahr auch gefeiert, da ists gruselig, der große Kürbis, Du weißt schon.

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